Ich stimme der Kernthese des Editorials zu, das ist ja auch keine Neuigkeit mehr. Das Bad auf dem Wandel vom Funktionsraum zum Wohnraum ist ein langanhaltender Trend. Die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation läßt viel mehr Deutsche Urlaub in Deutschland machen (was Rekordstaus geben könnte) - auch hier sieht man eine stärkere Bindung an Heim und Heimat. Beides zusammen ist natürlich eine wirtschaftliche Chance, aber Bäder sind unfassbar teuer und mit Wohnraumanspruch sind die Erwartungen entsprechend hoch.
Meiner Meinung nach gibt es genau da das Problem. Nicht handwerklich, nicht in der Realisierung, sondern bei der Planung. Genau an der Stelle stand ich vor vier Jahren beim Umbau des neuen Eigenheims: Natürlich sollte das Bad nach 15 Jahren Mietwohnungen ein Traumbad mit ansprechender Atmosphäre werden. Es gab nur ein kleines Problem.
Wie entwirft man ein Traumbad?
Man kann über Hundert Hefte Wohnzeitschriften lesen, und kommt der Antwort kaum näher. Man kann sich einen Innenarchitekten für Baddesign holen. Ich schaute mir diverse Referenzarbeiten im Web an und las, was die Leute zu sagen hatten: Nicht viel. Für ihre Preise hätte ich inspirierende Einblicke in den Schöpfungsprozess erwartet, Konsequenz im Entwurf und Begeisterung. Statt dessen dachte ich angesichts der spärlich beschriebenen Bilder nur: Da wäre mehr drin gewesen.
Ein Traumbad braucht einen Kerngedanken, der Gedanke begründet den Stil, und damit Formen und Materialien, und die stoffliche Gesamtheit assoziiert wieder den Gedanken, den Traum - also braucht ein Traumbad zu allererst einen Traum.
Dann müssen die Visualisierung des Gedankens und das Bad zusammen finden. Beim Entwurf eines Bades geht es nicht darum, wo man welche Sanitärgegenstände unterbringt - es geht darum, wo man auf welche Weise Wasser bereit stellt. Die Installation ist nur Mittel zum Zweck, das Medium Wasser örtlich zu präsentieren und nutzbar zu machen. Genau darum geht es auf der ISH vielfach, aber das hat mit dem Handwerk alles kaum noch etwas zu tun, das ist eher Architektur, und teilweise Kunst.
Um von dieser Situation wirklich zu profitieren, muss dem interdisziplinären Charakter der Planung moderner Bäder Rechnung getragen werden. Ohne funktionierende Kooperationen zwischen Planern mit Kompetenz in Design und Entwurf und Handwerkern klafft eine breite Lücke zwischen ISH und den Installateursbetrieben, die nur wenige Kunden eigenständig schließen können. Initiativen wie
Badezimmer TV zeigen das nur zu deutlich - wieviel davon findet man denn in der Realität?
Michael