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Solarthermie aus Südost und Südwest
Verfasser:
Alex0711
Zeit: 18.03.2017 22:00:08
0
2490231
Bei der Planung unserer solarthermischen Anlage ist zwischen zwei unserer Heizungsbaufirmen eine heftige Diskussion entstanden.

Konkrete Situtaion: Einfamilienhaus mit Zeltdach und Giebel exakt Richtung Süden, auf dem Südwest-Dach sind bereits drei Flachkollektoren verbaut, Platzangebot damit ausgereizt.
Auf dem Südost-Dach sollen nun drei Kollektoren zusätzlich montiert werden (Erweiterung Brauchwassererwärmung hin zur Heizungsunterstützung).

Heizungsbauer 1 möchte die Kollektorfelder separat über zwei Pumpen ansteuern und dazu eine neue Regelung verbauen.

Heizungsbauer 2 möchte Kollektorfelder in Reihe durchströmen lassen, da er thermische Abstrahlverluste der Kollektoren für vernachlässigbar hält
(morgens Kollektor Südost 40° und Kollektor Südwest 15°, später Nachmittag umgekehrt).

Könnt ihr mir vielleicht eine Auskunft geben über die Wärmeverluste/ Wärmeabstrahlung im kälteren Kollektorfeld?

Falls diese wirklich gering ausfallen, wäre die Verschaltung hintereinander natürlich um einiges wirtschaftlicher.
Verfasser:
Dietmar Lange
Zeit: 19.03.2017 09:35:29
1
2490305
Zitat von Alex0711 Beitrag anzeigen
Bei der Planung unserer solarthermischen Anlage ist zwischen zwei unserer Heizungsbaufirmen eine heftige Diskussion entstanden.

Konkrete Situtaion: Einfamilienhaus mit Zeltdach und Giebel exakt Richtung Süden, auf dem Südwest-Dach sind bereits drei Flachkollektoren verbaut,[...]


Die Lösung mit zwei Pumpen und eine dafür geeignete Regelung wird in der Branche durchgängig empfohlen.

Das Regelungsprinzip „Temperaturdifferenz- Regelung“ setzt einen Messpunkt an einem Kollektorfeld voraus, der eine vernünftige Information über die Temperatur des Flüssigkeitsinhaltes im Feld liefert.

Bei Kollektoren auf zwei Dachhälften sind auch für regelungstechnisch klare Ein- und Ausschaltbedingungen der Pumpen je ein Feldfühler notwendig und auch üblich.

Dietmar Lange
Verfasser:
Alex0711
Zeit: 19.03.2017 13:10:27
0
2490387
Hallo Herr Lange,

jedes Feld soll einen Fühler erhalten.
Zwischen den Fühlern wird mittels eines Relais und einer Zeitschaltuhr umgeschalten.
D.h. vormittags Fühler Südost, ab 12.30 Uhr Fühler Südwest.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die ein Nachbar angesprochen hat:
Auf das Dach nach Südost Vakuum-Röhrenkollektoren, in Reihe geschalten mit den Flachkollektoren würden sie ab Mittag als "Rücklaufanhebung" für das Südwest-Dach dienen.
Wenn dann am späten Nachmittag die Temperatur des solaren Rücklaufs höher ist als die Temperatur auf dem Südost-Dach, werden diese einfach nur mit angeblich sehr geringem Wärmeverlust durchspült und das Südwest-Dach ist für die Wärmeübertragung relevant.
Er meinte bei Südost-Dach mit 20°C, Südwest-Dach 40°C, einer Spreizung von 10K (Rücklauf 30 Grad) würden in den Vakuum-Röhrenkollektoren vielleicht 1-2° C "verloren" gehen bevor der Rücklauf ins Südwest-Dach läuft.

Können Sie diese Überlegungen nachvollziehen bzw. bejahen?

Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung!
Verfasser:
Motzi1968
Zeit: 19.03.2017 13:52:19
3
2490403
Was macht ihr denn da für halbe Sachen???

Entweder zwei Pumpen, oder (so wie ich es habe) mit zwei Zonenventilen.
Die sitzen dann unterm Dach, brauchst keine weiteren Rohre zur Solarstation legen, sofern die Rohre ausreichend Dimensioniert sind.
Wenn Du eh neu Verrohren musst, kannst Du auch zwei Pumpen nehmen, aber bitte keine sauteuren fertigen Wellrohre -> hoher Druckverlust!
Mach Kupfer (22er?).

Zurück zur Sache:
Steuerung über Temperaturdifferenz, nicht über Zeit!

Als erstes brauchst Du nen Regler, der so was kann (UVR 63 gibbet glaube für 130€) und dann die Schemen:

http://ta.co.at/de/assets/Downloads/Betriebsanleitungen/04UVR63/Manual_UVR63_V2.5.pdf

Programm 256 - Solaranlage mit 2 Kollektorfeldern (1 Pumpe, 2 Absperrventile) ..................... 27

Programm 272 - Solaranlage mit 2 Kollektorfeldern und Ladepumpenfunktion ......................... 28

Druck die Seiten 27 und 28 aus, und halt die den HB-Kampfhähnen unter die Nase.

Grobe Erklärung:
Morgens läuft das Ostfeld, mittags beide zusammen, abends das Westfeld.


Empfehle Dir die UVR 63 von TA zu nehmen, da bleiben mMn keine Wünsche offen, seht gutes Preis/Leistungsverhältnis, die Österreicher haben das echt drauf...


Grüße
Motzi1968
Verfasser:
solaris1409
Zeit: 19.03.2017 15:11:22
3
2490439
Mach es so wie Motzi1968 schreibt.Nur so ist es RICHTIG!
Verfasser:
Dietmar Lange
Zeit: 19.03.2017 15:21:19
3
2490446
Zitat von Motzi1968 Beitrag anzeigen
Was macht ihr denn da für halbe Sachen???

Entweder zwei Pumpen, oder (so wie ich es habe) mit zwei Zonenventilen.
Die sitzen dann unterm Dach, brauchst keine weiteren Rohre zur Solarstation legen, sofern die Rohre ausreichend Dimensioniert sind.
Wenn Du eh neu Verrohren[...]


Volle Zustimmung.
Nur ein Hinweis
Diese Hydraulik - Varianten können auch von anderen Reglern bedient werden.

Von der Fühlerumschaltung rate ich dringend ab.

Dietmar Lange
Verfasser:
Alex0711
Zeit: 19.03.2017 16:40:15
0
2490482
Die Schaltung von TA macht Sinn, denke das werde ich so mit Zonenventilen lösen.

Vielen Dank, gute Idee!!

Nur noch interessehalber: Was war schlecht an der Idee mit der Zeitumschaltung der Temperaturfühler?
Hätte doch theoretisch auch funktionieren können, oder?
Und so ein Relais hat ja keinen Widerstand, denke nicht, dass ich da die Werte verfälscht hätte...
Verfasser:
Motzi1968
Zeit: 19.03.2017 17:03:57
2
2490488
Dann lass Dir die richtigen Ventile einbauen, meine sind falsch...

Die müssen 140°C aushalten und laaaangsam schließen, bei mir schlägt es nämlich wenn die schalten.

Zeit?
Ist doch quatsch, die Uhr zeigt Dir doch nicht den Sonnenverlauf an, oder?
Die Zeitsteuerung müsstest Du dann täglich nachstellen. :-)
Außerdem laufen bei diffuser Strahlung von 10 bis 16 Uhr bei mir "beide" Felder, morgens Ost und abends West mit entsprechend mehr Leistung.

Wenn Du das Westfeld z.B. erst ab 14:00 Uhr freigibst, ab 12:00 Uhr aber da doch mal gediegen die Sonne draufknallt, und sei es wegen "zarter" Bewölkung geht die Anlage sofort in den Stillstand und der Solartag ist vorbei.
Selbiges gilt wenn Du das Ostfeld zu früh ausm Netz nimmst.
Gibt unfassbar viele verschenkte kWh... dann mach besser gar keine O/W Regelung, das Warme Feld muss dann halt das kalte mitziehen, die Kollies sind ja gedämmt.
Allerdings musst Du die dann 100%ig hydr. abgleichen oder nach Tichelmann anschließen, sonst geht Dir auch wieder ein Feld unerwartet in den Stillstand, weil es zu wenig durchströmt wird.

Könntest noch Strahlungssensoren (eigentlich nur zur Ergänzung) an den Kollies verwenden, wir wollen aber Deine HBs nicht unnötig überstrapazieren, oder? ;-)


Und die Anlage einbinden als "solare Rücklaufanhebung", damit fährst Du am besten.


Grüße
Motzi1968
Verfasser:
Alex0711
Zeit: 19.03.2017 18:22:49
0
2490527
Das mit der Zeitumschaltung leuchtet ein.

Kannst du mir Zonenventile, die langsam schließen, empfehlen?
Gibt's z.B. von Orkli und Esbe, da steht aber nix zu den Schliesszeiten.

Ist interessant, was du bezüglich dem Mitziehen des kälteren Feldes sagst.
Kollektoren sind ja gedämmt, ist dann der Wärmeverlust bei einer Reihenschaltung SÜDost-/SÜDwest-Dach so gravierend?????
Könnte mir vorstellen, dass der Energieverlust deutlicher bei Ost und West Dach ausfällt.
Jemand dazu ne Meinung oder sogar Daten????
Verfasser:
wärmeohnegeld
Zeit: 20.03.2017 10:23:15
0
2490751
Alles was hier zu diesem Thema jetzt geschrieben wurde trifft für Flachkollektoren zu 100 % zu.

Wird die Ost-West Anlage allerdings mit VRK ausgeführt, ist die mehrkreisige Ausführung
nicht nötig.

Dort baut man die gesamte Anlage als eine einzige Ringleitung mit jeweils
einem Kollektorfühler im letzten Kollektor des ersten Feldes und auch im letzten Kollektor des letzten Feldes.

Das ganze bis ca. 20 m² Bruttofläche und ca. 25m Gesamtringleitungslänge bei DN 20 Wellrohr. Das gilt for die Standard 6 m PWM Pumpe.

Ist die Leitung länger, kann dies heute mit einer 10- oder 13 m PWM Pumpe kompensiert
werden.

Die Anlage mit 22mm Kupfer zu bauen ist gut für Hartlötfreaks und Helden der Arbeit.
Profis arbeiten heute fast ausschließlich mit flexiblem Edelstahlrohr.
Verfasser:
Alex0711
Zeit: 21.03.2017 04:58:56
0
2491064
Hab was gefunden, das dürfte noch mehrere interessieren:

Viessmann, Planungshandbuch Solarthermie, S. 105

Schaut es euch an, das sind genau die Daten, die ich gesucht habe....
Verfasser:
JoRy
Zeit: 21.03.2017 09:32:05
0
2491105
Warum sollen eigentlich Heizkessel-Hersteller besonders viel von STA Anlagen
verstehen ?

Das wundert mich schon sehr lange.

Bei der Zweifelder-Frage nach SO und SW Ausrichtung sollte man nicht nur
auf die Übergangszeiten schauen und gemäß den Erklärungen von Motzi eine
einfache Umschaltung planen, sondern auch im Auge behalten, dass so eine
Felderoptimierung analog die Übertemperaturen im Extremsommer zum Problem werden lässt, wenn keine Rückkühlung gegeben ist.
Maximale Heizunterstützung ist gut , führt aber automatisch zu höheren Extremtemperaturen, wenn man die Wärme nicht braucht.

Gruß JoRy
Verfasser:
Dietmar Lange
Zeit: 21.03.2017 10:56:47
1
2491146
Zitat von JoRy Beitrag anzeigen
Warum sollen eigentlich Heizkessel-Hersteller besonders viel von STA Anlagen
verstehen ?

Das wundert mich schon sehr lange.

Bei der Zweifelder-Frage nach SO und SW Ausrichtung sollte man nicht nur
auf die Übergangszeiten schauen und gemäß den Erklärungen von[...]


Hallo Josef,
ist zwar hier OT, trotzdem ein Hinweis.

Die Fachautoren des Planungshandbuchs sind in der Branche bekannt, sie verstehen ihr Handwerk.

Außerdem wird häufig übersehen, dass die großen deutschen Heizkesselhersteller heute zusammengenommen über deutlich mehr Fertigungskapazitäten für Kollektoren verfügen als die klassischen reinen Solarwärmespezialisten (EU).

Zum Rest Deiner Ausführungen kann ich nur zustimmen !

Gruß

Dietmar Lange
Verfasser:
Skipper55
Zeit: 06.05.2017 15:56:41
0
2506614
Hallo Alex,
meine Anlage hat 8qm FK nach SSo und 12qm FK nach SSW. Ich steuer diese mit einem 3wegeVentil im Nachlauf um. Mit einer SchneiderElectric SPS werden die Temperaturen an den Kollektoren abgenommen und auf das Ventil soviel Impulse gegeben, bis die Temperatur bei beiden Kollektorfeldern gleich ist.
Hat nachfolgende Vorteile, ersten ist der Durchfluß in der Zeit an der beide Felder durchströmt werden größer, da der Kollektorwiderstand geringer ist, und zweitens werden, nach Sonnenstand im Sommer, beide Felder lange gleichzeitig beschienen.
MfG
Skipper 55



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