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Diskussionsrunde „Energieeffizientes Heizen“ - Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Gebäudebestand

News vom 22.06.2012

Am 4. Juni 2012 veranstaltete Danfoss in Berlin eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Fachpresse zum Thema „Energieeffizientes Heizen.“ Als Redner geladen waren Dr. habil Joachim Seifert von der TU Dresden, Thomas Schönhoff vom Berliner Ingenieurbüro Prof. Dr. Loose und Bernd Scheithauer von Danfoss, Gründer und Autor des Internetportals www.hydraulischer-abgleich.de. Auf dieser Sanierungsmaßnahme lag auch der Schwerpunkt der Diskussion.

Joachim Gauck (re) informiert sich auf der "Woche der Umwelt 2012" bei Danfoss Marketingleiter Reiner Pfliegensdörfer(li) über die Optimierung von Heizungsanlagen. Bild: Danfoss
Joachim Gauck (re) informiert sich auf der "Woche der Umwelt 2012" bei Danfoss Marketingleiter Reiner Pfliegensdörfer(li) über die Optimierung von Heizungsanlagen. Bild: Danfoss
90 Prozent aller bestehenden Heizungsanlagen in Deutschland arbeiten nicht effizient. Der Grund dafür liegt oftmals darin, dass die Systeme nicht optimal eingestellt sind, was zu hohen Wassermengen oder einer zu hohen Vorlauftemperatur führt. Damit eine Heizungsanlage effizient arbeitet, ist der hydraulische Abgleich die wichtigste Voraussetzung.

Doch gerade Endkunden wissen oft nichts von dieser Maßnahme, während sich viele Handwerker mit der komplexen Berechnung schwer tun und den Kunden deshalb nur selten zu diesem Schritt raten.

Ebenfalls problematisch ist die Situation zwischen Mietern und Vermietern beziehungsweise Wohnungsbaugesellschaften. 
Denn die Heizkosten werden in der Regel direkt an den Mieter weiter gegeben. Gerade in Ballungszentren mit hoher Wohnungsnachfrage besteht für Vermieter deshalb kaum ein Anreiz, Maßnahmen zur Energieeinsparung vorzunehmen. 

 
Bernd Scheithauer von Danfoss, Gründer und Autor des Internetportals www.hydraulischer-abgleich.de wies auf die große Bedeutung des hydraulischen Abgleichs für die Energiewende, den Klimawandel und Kosteneinsparungen hin: „Als essenzieller Baustein zur Systemoptimierung kann er theoretisch sofort flächendeckend umgesetzt werden und verfügt über ein unschlagbares Kosten-Nutzen-Verhältnis.“ Für Handwerker sei es wichtig, die Systemzusammenhänge bei jedem Haus individuell zu berücksichtigen, um den hydraulischen Abgleich fachgerecht durchzuführen. Deshalb müsse jede Komponente einer Heizungsanlage einer Prüfung und gegebenenfalls Anpassung unterzogen werden.
Bernd Scheithauer von Danfoss, Gründer und Autor des Internetportals www.hydraulischer-abgleich.de.
Bernd Scheithauer von Danfoss, Gründer und Autor des Internetportals www.hydraulischer-abgleich.de.
„Am Ende muss das System im Gleichgewicht sein,“ erklärte Scheithauer. Letztendlich heiße hydraulischer Abgleich nichts anderes, als dass „die richtige Wassermenge zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.“ Auf seiner Website www.hydraulischer-abgleich.de vermittelt Scheithauer das nötige Grundlagenwissen. Darüber hinaus stellt Danfoss verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, wie etwa eine Datenscheibe zur Ermittlung der richtigen Voreinstellwerte an den Ventilen oder die DanBasic-Software, mit der umfangreiche Berechnungen durchgeführt werden können. Fachleute für die Heizungstechnik können auf www.dancademy.de sogar kostenlose Online-Kurse absolvieren, um sich fit für den hydraulischen Abgleich zu machen. Die Website verzeichnete in den letzten zwei Jahren über 7.000 Nutzer.


Dr. habil Joachim Seifert von der TU Dresden.
Thomas Schönhoff vom Berliner Ingenieurbüro Prof. Dr. Loose.
Wie groß die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist, schilderte Thomas Schönhoff, Berliner Ingenieurbüro Prof. Dr. Loose, anhand von Beispielen aus seinem Berufsalltag als Ingenieur. „Wir werden erst gerufen, wenn nichts mehr funktioniert, obwohl oft seit Jahren schon Handlungsbedarf besteht“, berichtete er. Bei Altbauten würden trotz zum Teil immenser Ausgaben die Heizkosten nicht in Frage gestellt, weil sich der Verbrauch in 40 Jahren nie geändert hat. Geht etwas kaputt, würden in der Regel nur einzelne Komponenten ausgetauscht, ohne die gesamte Systemeffizienz zu prüfen.
Was mit einfachen Mitteln möglich ist, erklärte Schönhoff anhand eines Berliner Altbaus von 1908 mit etwa 1.200 m² Wohnfläche. Hier habe man den Energieverbrauch durch den Einbau neuer Strang- und Heizkörperventile, einen hydraulischen Abgleich und die Umstellung von Öl auf Fernwärme um rund 25 Prozent reduzieren können.

Laut Schönhoffs Einschätzung sind viele Faktoren dafür verantwortlich, dass es hinsichtlich der Heizungsoptimierung im Gebäudebestand nicht voran geht, obwohl Produkte und Lösungen existieren. So verfüge die Gebäudewirtschaft nicht über die nötigen Fachkenntnisse, während Heizungsbauer aus Angst vor möglichen Reklamationen die Anlagen bei Reparaturen lieber überdimensionieren anstatt zu optimieren. Auch die Tatsache, dass die Vorschriften der EnEV nur für den Neubau gelten, stelle für Sanierungen ein Problem dar. „Allerdings können zu viele gesetzliche Zwänge auch nicht die Lösung sein, statt dessen sollte Aufklärung betrieben und Anreize geschaffen werden“, schränkte Schönhoff ein. Hier sei auch die Industrie gefragt, entsprechende Kommunikationslösungen zu entwickeln, um Handwerker und Endkunden gleichermaßen zu sensibilisieren.


Auch Dr. habil Joachim Seifert von der Technischen Universität Dresden wies auf die große Bedeutung des hydraulischen Abgleichs hin. Seinen Untersuchungen zufolge lassen sich durchschnittliche Energieeinsparungen von bis zu zehn Prozent bei einer Wohnfläche von 160 m² erzielen. Dieser Wert vergrößere sich aber, je mehr Fläche von einer Heizungsanlage beheizt wird und je länger das Leitungssystem ist.
Thomas Schönhoff vom Berliner Ingenieurbüro Prof. Dr. Loose.
Dr. habil Joachim Seifert von der TU Dresden.
Wichtig sei vor allem, das Temperaturniveau der Bestandsanlagen zu senken, da durch zu hohe Vorlauftemperaturen unnötig viel Energie verbraucht wird. Auch Thermostate liefern seinen Forschungen zufolge einen wichtigen Beitrag: „Sehr alte Thermostate durch neue zu ersetzen, kann allein aufgrund der effizienteren Funktionsweise zu Einsparungen von bis zu sechs Prozent führen.“

Verfügen sie über eine PI- oder PID-Regelung mit individuellen Anheizfunktionen, seien sogar noch weitere fünf bis zehn Prozent möglich. Um vor allem den Endkunden solche Energiesparmaßnahmen nahe zu bringen, sei die Industrie gefragt, nutzerfreundliche und einfach zu installierende Produkte zu entwickeln.