So, 28. August 2016 | 20:52:13 Uhr

Online- versus Einzelhandel
Sind Online-„Shopper“ wirklich Klimasünder?

News vom 07.01.2016

Einseitige Berichterstattung, Halbwissen … was auch immer die Ursache sein mag: das so genannte „Schubladen-Denken“ ist kein Einzelfall und schont auch kaum einen Themenbereich. Beispiel: Nachhaltigkeit. Vergleicht man hier den Online- mit dem Einzelhandel, würde ein großer Teil wohl den „Online-Shopper“ als „Klimasünder“ deklarieren. Das Deutsche CleanTech Institut, kurz DCTI, ist jüngst jedoch zu einem anderen Ergebnis gekommen: Geht es um die Frage, welche Form des Einkaufs unter Berücksichtigung unterschiedlichen Kundenverhaltens welche Emissions- und damit welche Klimaeffekte hat, so schneidet der Onlinehandel besser ab als vermutet…

Das Image des Onlinehandels, unter anderem aufgrund der vielen Rücksendungen klimaunfreundlicher als der Einzelhandel zu sein, stimmt generell so nicht, sagt das Deutsche CleanTech Institut. Grafik: DCTI
 Das Image des Onlinehandels, unter anderem aufgrund der vielen Rücksendungen klimaunfreundlicher als der Einzelhandel zu sein, stimmt generell so nicht, sagt das Deutsche CleanTech Institut. Grafik: DCTI

Das Image des Onlinehandels, unter anderem aufgrund der vielen Rücksendungen klimaunfreundlicher als der Einzelhandel zu sein, stimmt generell so nicht. Trotz relativ hoher Retourenquoten ist der Onlinekauf laut DTI-Studie sogar weniger klimaschädlich als der Handel vor Ort. Zurückgeführt wird das Ergebnis unter anderem auf den verdichteten Transport der Sendungen durch die Paketdienste, der damit der individuellen Anfahrt vieler Kunden mit dem Auto in die Innenstadt überlegen ist.

Die Untersuchung macht deutlich, dass sämtliche Akteure, sprich Händler, Logistikdienstleister und Endkunden, gleichermaßen in der Verantwortung stehen, die CO2-Emissionen im Einkaufsprozess zu reduzieren. Logistikdienstleister haben beim Transport von Produkten den größten Einfluss auf die Klimafreundlichkeit. Bei der Bewerbung und Auszeichnung von Produkten und beim Schaffen von Qualitätsmerkmalen bei der Produktauswahl hingegen ist primär der Handel gefordert. Das gilt für den Online- und den Fachhandel gleichermaßen.  

Beim Einkauf im Ladengeschäft hat aber insbesondere der Kunde, der seine Einkaufsfahrt zumeist mit dem Pkw zurücklegt, einen stärkeren Einfluss auf die Emissionen je Artikel. Würden hier alternative Verkehrsmittel gewählt werden, könnten die CO2-Emissionen signifikant gesenkt werden. Und das Ergebnis würde gleich anders aussehen.

Eine wesentliche Stellschraube zur Reduktion der CO2-Emissionen im Einkaufsprozess sind ganzheitliche Mobilitätskonzepte. Es geht dabei nicht um Themen wie den Wandel zu einer Elektrifizierung des Verkehrs, sondern vor allem um die Vermeidung des Verkehrs und einer Veränderung der Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel.

Besser vor Ort einkaufen

Das jedenfalls sagt die eine Seite. Der BUND beispielsweise betrachtet auch die Schattenseite des Onlinehandels. Klar: Der Kauf per Mausklick ist schnell und bequem. Doch jetzt kommt das „Aber“: Neben einem erhöhten Verbrauch an Verpackungsmaterialien steigt parallel zum Anstieg der Online-„Shopper“ vor allem in diesem Bereich die Zahl der Straßentransporte. Emissionen, Schadstoffausstoß und Lärm nehmen zu, die ökologischen Vorteile mancher Waren schwinden dadurch oder kehren sich sogar in ihr Gegenteil um. Zudem geht der Trend in Richtung immer kürzerer Lieferzeiten, was zu kleineren Verpackungseinheiten und noch mehr Transporten führt. Dies erhöht die Umweltbelastungen weiter.

Deshalb empfiehlt der BUND, in der näheren Umgebung nach Läden zu suchen, die ökologisch hergestellte und fair gehandelte Produkte anbieten. Lokale Händler bestellen in der Regel größere Warenmengen. Das verursacht deutlich weniger Transporte und verringert das Verpackungsmaterial. Auf den Internetseiten der lokalen Händler lassen sich zumeist das Angebot und die Preise einsehen. Das ermöglicht Preisvergleiche ohne zusätzliche Wege.

Aber das wohl stärkste Argument für den Fachhandel ist nach wie vor die fachgerechte Beratung – diese lässt sich durch häufig laienhafte Produktbewertungen nicht ersetzen, was die zunehmende Retouren-Rate bestätigt.