So, 25. September 2016 | 03:58:57 Uhr

Die unterschätzte Gefahr
„Komfortzonen“ für Legionellen vermeiden

News vom 15.02.2016

Eine Million Verdunstungskühlanlagen in Deutschland bieten Legionellen ein ideales Biotop. Zwei hoch aktuelle VDI-Richtlinien liefern die „Munition“ zur Minimierung der von diesen Anlagen ausgehenden möglichen Infektionsgefahr.

VDI-Richtlinie: VDI 2047 Blatt 2. Bild: VDI
 VDI-Richtlinie: VDI 2047 Blatt 2. Bild: VDI

Jährlich werden in Deutschland ca. 800 Infektionen mit Legionellosen gemeldet. Das Robert-Koch-Institut geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus und schätzt die Anzahl der Erkrankungen auf 6.000 bis 10.000 Fälle pro Jahr. Vor wenigen Wochen traf sich deswegen in Bonn ein Expertenforum des VDI. Thema der Tagung: Wie können die Risiken durch Legionellen in Verdunstungskühlanlagen minimiert werden? In zahlreichen technischen Prozessen wird mit Wasser gekühlt, beispielsweise in der Lebensmittelproduktion und in Rechenzentren. Die bundesweit ca. eine Million Verdunstungskühlanlagen in allen möglichen Größen bieten Bakterien wie  Legionellen angenehme Temperaturen und ein reichliches Nahrungsangebot.

Biotope für Legionellen

Legionellen leben im Wasser. Ihre „Komfortzone“ liegt bei Temperaturen zwischen 30 und 45 °C; da vermehren sie sich auch am besten. Für den Menschen gefährlich ist das Einatmen bakterienhaltigen Wassers als Bioaerosol. Außer von Verdunstungskühlanlagen werden Aerosole bekanntlich auch von diesen technischen Systemen emittiert: Klimaanlagen und Luftbefeuchter, Badebecken, insbesondere Whirlpools, Nebelerzeuger und Nebelbrunnen, Rasensprenger, Luftwäscher und natürlich die Dusche zuhause.

„Strategiepapiere“ gegen Legionellose

Vor dem Hintergrund der Ausbrüche von Legionellose  in Warstein 2013 und in Jülich 2014 fordert der VDI deswegen eine rechtliche Meldepflicht für Verdunstungskühlanlagen. Das würde den Gesundheitsämtern die gezielte Suche nach der Quelle infektiöser Bakterien enorm erleichtern.

Knapp vor Jahresfrist veröffentlichte der VDI die Richtlinie  2047 Blatt 2. „Damit wird Betreibern das nötige Fachwissen an die Hand gegeben, um für Anlagen eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, aus der sich die nötigen Maßnahmen zur Risikominderung ergeben. Werden alle Maßnahmen der Richtlinie eingehalten, geht von Verdunstungskühlanlagen keine gesundheitliche Gefahr aus“, so der VDI.

Die im November 2015 erschienen Richtlinie VDI 4250 Blatt 2 befasst sich mit der Auswirkung mikrobieller Luftverunreinigungen auf den Menschen. Sie beschreibt das aktuelle Wissen über Eigenschaften und Vorkommen von Legionellen und beleuchtet ihre medizinische Bedeutung. Welche Legionellenerkrankungen gibt es? Wie verlaufen die Infektionswege, was geschieht bei einem Ausbruch? Die diversen Messmethoden werden beschrieben, darunter auch eine kultivierungsunabhängige Analyse. In zwei Anhängen werden Messungen von Legionellen in der Luft und Maßnahmen zu ihrer Minderung beschrieben. Für die Betreiber von Verdunstungskühlanlagen  gibt die Richtlinie konkrete präventive Handlungsempfehlungen.   

Die vorgeschlagenen Regelungen der beiden Richtlinien inklusive der Meldepflicht für Verdunstungskühlanlagen werden wohl bis Ende 2016 zu einer Verordnung im Rahmen des Bundesimmissionsschutzgesetztes rechtlich verbindlich. Die noch vorläufigen Eckpunkte der Verordnung finden sich hier.