Mi, 28. September 2016 | 13:52:27 Uhr

Überwachungskameras installieren – alles zum Thema Recht und Technik

News vom 17.02.2016

Überwachungskameras sind eine feine Sache. Wer Haus und Hof vor Einbrechern und unbefugtem Zutritt schützen möchte, kann mit der modernen Videoüberwachung einiges für die eigene Sicherheit unternehmen. Auch im gewerblichen Bereich stellt die Überwachung von Gebäuden und Ladenzeilen ein probates Mittel dar, nicht nur um mögliche Diebstähle zu unterbinden, sondern auch um dem eigenen Personal während der Arbeit gehörig auf die Finger zu schauen. Im Dickicht unzähliger technischer Systeme kann es jedoch schwierig werden, sich für die richtige Überwachungskamera zu entscheiden. Und auch rechtlich laufen auf Sicherheit bedachte Eigentümer und Gewerbetreibende schnell Gefahr, gegen geltende Datenschutzbestimmungen zu verstoßen.

Bild: 131328434 – Hyena Reality / Shutterstock.com
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Bild: 293122619 – Photographicss / Shutterstock.com
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Grundsätzliche Überlegungen zur Videoüberwachung privater Grundstücke

Gerade wer größere Grundstücke und Wohngebäude sein Eigen nennt, hat ein berechtigtes Interesse am Schutz von Hab und Gut. Auch die eigene Familie möchten besorgte Familienoberhäupter selbstredend vor den Gefahren der Kriminalität bewahren. Überwachungskameras können gewiss ihren Beitrag für mehr Sicherheit im Haus leisten, allerdings stellen sich vor der Installation einer Kamera viele Fragen.

  • Wie werden Eigentümer über eine Alarmanlage alarmiert?
  • Erkennen die Überwachungskameras, ob sich wirklich Unbefugte Zutritt verschafft haben?
  • Sind Livebilder und Aufzeichnungen über das Internet abrufbar?
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen werden nach dem Alarm eingeleitet? Werden Polizei oder private Sicherheitsunternehmen automatisch verständigt?
  • Wie und wo werden die angefertigten Aufnahmen der Überwachungskameras gespeichert und wie lange sind diese abrufbar?

Gerade die letzte Frage wird häufig nur nebensächlich behandelt, ist jedoch von entscheidender Bedeutung. Denn bei billigen Systemen, die keine Aufnahmen extern auf Rekorder anfertigen, werden die aufgenommen Bilder direkt in der Videokamera auf SD-Karte gespeichert. Für Einbrecher ist es daraufhin ein Leichtes, die Überwachungsaufnahmen zu zerstören. Bei der Speicherung auf Datenträgern, die sich im Einbruchsgebäude befinden, ist darauf zu achten, dass diese nicht frei zugänglich sind. Schlussendlich zählen PCs und Festplatten häufig zum Diebesgut. Sinnig ist letztendlich nur die Sicherung des Beweismaterials auf Langzeitrekorder oder Servern, welche im Gebäude nicht offensichtlich installiert sind. Sodass die Aufnahmen auch dann noch zugänglich sind, wenn die Infrastruktur des Gebäudes längst durchbrochen ist.

Welche Überwachungskamera für welchen Bereich?

Hat man die wichtigsten Fragen beantwortet, geht es an das eigentliche Problem: Welches Kamera-Modell ist für die individuellen Voraussetzungen am ehesten geeignet? Im Wirrwarr der verschiedenen Überwachungssysteme stellt es gerade für Laien eine große Herausforderung dar, sich für das richtige System zu entscheiden. Typische Fehler bei der Auswahl von Überwachungskameras sind beispielsweise die Wahl einer falschen Auflösung oder die Entscheidung für einen nicht angebrachten Schutzgrad. Dabei sind exakt diese Kriterien aber entscheidend, um geeignetes Beweismaterial bei etwaigen Verbrechen zu sammeln.

Kamera-Typ

Beschreibung

Vorteile und Nachteile

WLAN- und Funk-Überwachungskameras

Das modernste Überwachungssystem zeichnet sich durch eine Übertragung der gemachten Aufnahmen über das eigene WLAN-Netzwerk aus. Die Bilder werden direkt auf einen PC übertragen. Zudem lässt sich die Kamera beispielsweise per Maus steuern. WLAN-Kameras gibt es als festinstallierte oder schwenkbare Variante, die Preisunterschiede sind allerdings enorm. Wie bei allen Überwachungskameras ist auch in diesem Fall HD-Auflösung wichtig, um Gesichter oder Kennzeichen im Schadensfall erkennen zu können. Trotz der modernen Technik sind WLAN-Kameras aber nur bedingt als Überwachungssystem geeignet, denn die Reichweite ist stark begrenzt und häufig kommt es zu Signalstörungen bei Live-Bildern. Auch die Installation mit Einbindung in das eigene WLAN-Netzwerk, Zuweisung von IP-Adressen und PC-Konfiguration mag das Wissen vieler überschreiten.

+ Relativ günstig in der Anschaffung

+ Kamerasteuerung über den PC

 

- geringe Reichweite

- extrem störungsanfällig

- keine praxistaugliche Aufzeichnungen

Wildkameras

Manche greifen zur Überwachung ihres Grundstücks auf sogenannte Wildkameras zurück. Hierbei handelt es sich um Aufnahmesysteme, die eigentlich dafür gedacht sind, scheue Tiere in freier Wildbahn zu fotografieren. Diese Art der Kamera arbeitet grundsätzlich mit einem Bewegungssensor. Wird dieser ausgelöst, werden mehrere Fotos aufgenommen. Leider ist die Reaktionszeit des Infrarotsensors für gewöhnlich sehr langsam, auch bewegte Bilder vermag diese Kamera nicht zu leisten. Zudem werden die Bilder von Wildkameras nur mit einer unzureichenden Schärfe abgebildet, weswegen sich Wildkameras in der Regel nicht für Überwachungszwecke eignen.

+ günstige Anschaffung

 

- keine bewegten Videoaufnahmen

- unzuverlässiger Akkubetrieb

- zeitverzögerter Auslösemechanismus

verkabelte
Nachtsichtkameras

Hierbei handelt es sich um die klassischen Überwachungskameras für den Außenbereich. Diese sind verkabelt und liefern störsichere Signale. Allerdings ergibt eine Installation auch in Innenräumen Sinn, wenn intelligente Einbrecher beispielsweise selbst mit Taschenlampen in ein Gebäude eindringen und in der Dunkelheit agieren. Wichtigstes Kriterium bei diesem Kamerasystem ist die LED-Angabe. Sie bestimmt die Reichweite, innerhalb der Aufzeichnungen noch scharf zu erkennen sind. Minimal sollte die Nachtsichtkamera 30 LED vorweisen. Dieser Wert lichtet bis zu drei Meter scharf ab. Die stärksten Modelle bringen bis zu 200 LED auf und können bis zu 25 Meter bei Dunkelheit in HD-Qualität ablichten.

+ perfekt für den Außen- und Innenbereich geeignet

+ scharfe Aufnahmen auch bei Dunkelheit

 

- Leistung bei Dunkelheit abhängig von LED-Angabe

- meist sehr teuer

Selbstverständlich gibt es noch weitere Kamera-Modelle, wie beispielsweise Spionage-Cams oder 360-Grad-Kameras, die im Bereich professioneller Überwachungstechnik allerdings nicht zum Einsatz kommen sollten, da sie aus rechtlicher oder technischer Sicht den Mindestanforderungen an eine Sicherheitskamera nicht gewachsen sind. Wobei sich folglich die Frage stellt, welche Kriterien für Überwachungskameras eigentlich von entscheidender Bedeutung sind.

  • Die Brennweite der Überwachungskamera bestimmt den Blickwinkel und muss dem Aufnahmebereich angepasst werden.
  • Bei Nachtsichtkameras ist die Stärke, also die LED-Angabe, das entscheidende Kriterium, welches den scharfen Ausleuchtungsbereich der Kamera bei Nacht definiert.
  • Der Schutzgrad der Überwachungskamera ist im Außenbereich von entscheidender Bedeutung. Staub- und wasserabweisende Eigenschaften sollte das Gehäuse vorweisen.
  • Die Speicherung und Aufzeichnung der Aufnahmen sollte über einen externen Recorder und nicht über Cloud-Systeme erfolgen. Die Internet-Bandbreiten sind meist zu gering und die Aufnahmen stehen nur kurze Zeit zur Verfügung.
  • Bei Überwachungskameras sollte man auf Funk- oder WLAN-Übertragung verzichten, stattdessen auf Verkabelung setzen. Während Netzwerkkabel den Kamera-Typ auf teure IP-Kameras festlegen, ist mit Koaxialkabeln deutlich mehr Flexibilität in der Kameraauswahl gegeben. Übrigens lassen auch Koaxialkabel die Übertragung von HD-Überwachungskameras zu.

Datenschutzrichtlinien unbedingt beachten

Wer seinen privaten Videobesitz videoüberwachen möchte, hat hierzu jegliches Recht. Allerdings gelten gewisse Einschränkungen in der Videoüberwachung, die auf dem Recht am eigenen Bild sowie auf dem Recht der informationellen Selbstbestimmung beruhen. Will heißen, dass Privatanwender Überwachungskameras

1.       nur auf privates Grundstückseigentum und

2.       nicht auf öffentliche oder

3.       andere private Gelände

richten dürfen. So zumindest hat der Bundesgerichtshof (Az.: V ZR 265/10) entschieden. Darüber hinaus ist es Pflicht, andere über die Überwachung des Grundstücks zu informieren, falls dieses öffentlich zugänglich ist. Wenn also Kameras das eigene Grundstück filmen und es öffentlich frequentiert wird, wie es zum Beispiel bei Läden und Lokalen der Falle ist, müssen Absperrungen Hinweisschilder über den Einsatz der Überwachungskameras informieren. Übrigens gilt dies ebenfalls für den Einsatz von Kamera-Attrappen zur Abschreckung. Gerichte entschieden nämlich, dass der Überwachungsdruck sowohl bei tatsächlichen Aufzeichnungen wie auch bei Attrappen gleich hoch ausfällt.

Auch die Überwachung von Angestellten im Gewerbe ist nicht mehr so einfach möglich. Das neue Arbeitnehmerdatenschutzgesetz gestattet die heimliche Videoüberwachung nur noch bei Verdachtsmomenten für schwere Verfehlungen. Vorab müssen aber bereits sämtliche anderen Mittel ausgeschöpft worden sein. Ist dies nicht der Fall und soll dennoch eine verdeckte Überwachungskamera installiert werden, gilt das Prinzip der Erforderlichkeit. Der Sinn und Zweck der Maßnahme muss vorab dokumentiert und dem Datenschutzbeauftragten mitgeteilt werden. Zudem müssen sämtliche Mitarbeiter über die Maßnahme nach Beendigung der Maßnahme informiert und Hinweisschilder und dann die Überwachungskameras wieder ab gebaut werden.