Di, 30. August 2016 | 07:06:11 Uhr

Sanitärwerkstoffliste schafft Unsicherheit zwischen Industrie, Handel und Handwerk

News vom 15.03.2016

Mit einem Umsatzplus von nominal 11 Prozent konnten die im VDMA organisierten Hersteller von Sanitärarmaturen 2015 kräftig zulegen und das enttäuschende Vorjahresergebnis mehr als kompensieren. Dabei sorgte das Auslandsgeschäft erneut für die stärksten Impulse. Auch 2016 rechnet die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) trotz geringerer Dynamik mit einem weiter positiven Trend, wie die AGSI jetzt mitteilte. Ein positiver Ausblick also, der jedoch durch andere anstehende Themen getrübt wird. Eines davon ist die UBA-Liste…

U08Das AGSI-Team (v.l.n.r.): Dirk Lückemann (2. Vorsitzender), Harald Hotop (Lenkungsausschuss), Stefan Oberdörfer (Referent), Andreas Dornbracht (Vorsitzender), Wolfgang Burchard (Geschäftsführer). Bild: Heinemann
 U08Das AGSI-Team (v.l.n.r.): Dirk Lückemann (2. Vorsitzender), Harald Hotop (Lenkungsausschuss), Stefan Oberdörfer (Referent), Andreas Dornbracht (Vorsitzender), Wolfgang Burchard (Geschäftsführer). Bild: Heinemann
Mit einem Umsatzplus von nominal 11 Prozent konnten die im VDMA organisierten Hersteller von Sanitärarmaturen 2015 kräftig zulegen und das enttäuschende Vorjahresergebnis mehr als kompensieren. Grafik: Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie
 Mit einem Umsatzplus von nominal 11 Prozent konnten die im VDMA organisierten Hersteller von Sanitärarmaturen 2015 kräftig zulegen und das enttäuschende Vorjahresergebnis mehr als kompensieren. Grafik: Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie

Ganz konkret sind es die gravierenden Unsicherheiten bei der Verwendung von Sanitärwerkstoffen in Deutschland, die der Sanitärindustrie Sorgen bereiten und Hersteller, Handel und Handwerk vor ein gemeinsames Dilemma stellen. Deutlich werde dies am Beispiel „metallene Werkstoffe“: Während eine im April 2015 veröffentlichte Liste 13 Werkstoffe aufführe, enthalte die Ende Januar 2016 publizierte aktualisierte Fassung bereits 19 Stoffe. Genau das mache es für die Armaturenproduzenten „schwierig bis unmöglich“, die von den Marktpartnern geforderten verbindlichen Erklärungen abzugeben, ist sich Harald Hotop, Mitglied des AGSI-Lenkungsausschusses, sicher. Zumal im Herbst 2016 mit einer neuen Metallpositivliste und der Aufnahme weiterer Werkstoffe zu rechnen sei.

Ähnlich problematisch seien Erklärungen, dass Produkte bei „ordnungsgemäßer Anwendung“ keine Grenzwerte überschreiten. Schließlich werde die Wasserqualität nicht nur durch die Armatur und ihre Werkstoffe, sondern auch durch das Nutzerverhalten beeinflusst. Das könne im ungünstigen Fall zur Bildung von Keimen und Bakterien und zu Grenzwert-Intoleranzen führen.

Hotop: „Die Metallpositivliste treibt nach wie vor einen Keil zwischen Industrie, Großhandel und Handwerk.“ Deshalb sei ein gegenseitiger Informationsaustausch „unbedingt anzustreben“. Er diene dazu, Klarheit zu schaffen und Missverständnisse auszuräumen. Am Ende benötige die Branche vor allem eines – Rechtssicherheit.

Fristverlängerung löst das Grundproblem nicht

Neben den metallenen Werkstoffen habe das Umweltbundesamt auch organische Werkstoffe im Fokus. In dem Kontext stehe derzeit die „Leitlinie zur hygienischen Beurteilung von Elastomeren im Kontakt mit Trinkwasser“ im Mittelpunkt. Zu ihr gehöre eine Liste mit nur noch bis Ende 2016 verwendbaren und damit erlaubten Ausgangsstoffen. Dazu zählen Peroxide als für die Produktion von O-Ringen benötigte Vernetzungsmittel. Ihr Einsatz über 2016 hinaus bedinge eine toxikologische Bewertung. Sie erfordere jedoch detaillierte Informationen der Peroxid-Hersteller etwa zur Rezeptur. Aktuell seien die Rohstofflieferanten dazu aber nicht bereit.

Nach einer gezielten AGSI-Initiative habe das Umweltbundesamt inzwischen angekündigt, die Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2021 zu verlängern. Das sei zwar zu begrüßen, löse aber nicht das Grundproblem. Deshalb gehe es jetzt im Austausch mit dem UBA und anderen betroffenen Verbänden darum, die Verwendung der benötigten Stoffe möglichst über 2021 hinaus zu gewährleisten.

Generell sind primär die Rechtsgrundlagen der Elastomerleitlinie „kritisch zu hinterfragen“, betonte Hotop. Die Regelungen bewirkten de facto ein Verwendungsverbot von peroxidisch vernetzten O-Ringen und damit eine unverhältnismäßige Einschränkung der Warenverkehrsfreiheit. In dieser Auffassung sehe sich die AGSI durch ein Rechtsgutachten bestätigt.

Die Sanitärarmaturenindustrie unterstütze alle Bestrebungen, die laut UBA „sehr gute“ deutsche Trinkwasserqualität weiter zu erhalten. Die staatlichen Anforderungen an Hersteller und ihre Produkte müssten jedoch auch erfüllbar sein, daher fordert die AGSI klare Werkstoff-Regeln, die die vorhandene Unsicherheit beseitigen.

Liebe Leser: Was halten Sie von der UBA-Positivliste und ihrer Umsetzung in die Praxis? Denn letzten Endes stehen Sie als Planer oder Installateur dafür gerade, dass das Trinkwasser hygienisch unbedenklich bleibt.