Sa, 27. August 2016 | 22:39:22 Uhr

Sanitärarmaturen - Einsatz an vielen Fronten

News vom 22.03.2016

Sanitärarmaturen: Industrie will Klarheit und Rechtssicherheit / Geschäfte laufen (relativ) gut / Fairen Wettbewerb angemahnt / „UBA-Keil“ bei Werkstoffen / „Aus“ für verchromte Armaturen vermeiden / „Am besten europäische Gleitsicht-Brille“ / Harmonisierungsdruck wächst / Nationale Lösungen ohne Zukunft?

Mit einem Umsatzplus von nominal 11 Prozent konnten die im VDMA organisierten Hersteller von Sanitärarmaturen 2015 kräftig zulegen und das enttäuschende Vorjahresergebnis mehr als kompensieren. Dabei sorgte das Auslandsgeschäft erneut für die stärksten Impulse. Auch 2016 rechnet die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) trotz geringerer Dynamik mit einem weiter positiven Trend.
 Mit einem Umsatzplus von nominal 11 Prozent konnten die im VDMA organisierten Hersteller von Sanitärarmaturen 2015 kräftig zulegen und das enttäuschende Vorjahresergebnis mehr als kompensieren. Dabei sorgte das Auslandsgeschäft erneut für die stärksten Impulse. Auch 2016 rechnet die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) trotz geringerer Dynamik mit einem weiter positiven Trend.
Nachdem die deutsche Sanitärarmaturenindustrie 2013 und 2014 mit einem per saldo schleppenden Auftragseingang zu kämpfen hatte, zog das Ordervolumen 2015 wieder erheblich an. Wie in den Vorjahren entwickelten sich die Bestellungen aus dem Ausland am besten. Positive Nachrichten kamen diesmal aber auch aus dem Inland, meldet die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI).
 Nachdem die deutsche Sanitärarmaturenindustrie 2013 und 2014 mit einem per saldo schleppenden Auftragseingang zu kämpfen hatte, zog das Ordervolumen 2015 wieder erheblich an. Wie in den Vorjahren entwickelten sich die Bestellungen aus dem Ausland am besten. Positive Nachrichten kamen diesmal aber auch aus dem Inland, meldet die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI).
Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes stieg der Export deutscher Sanitärarmaturen 2015 um gut 5 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro. Die positive Entwicklung beruhte nicht zuletzt auf dem schwächeren Eurokurs, erläutert die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI). Die Ausfuhren in die USA erzielten mit einem Plus von 46 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum der Top Ten-Länder. Das Ranking wurde erneut von Frankreich angeführt. Auf den nächsten Plätzen folgten Österreich und die Niederlande.
 Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes stieg der Export deutscher Sanitärarmaturen 2015 um gut 5 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro. Die positive Entwicklung beruhte nicht zuletzt auf dem schwächeren Eurokurs, erläutert die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI). Die Ausfuhren in die USA erzielten mit einem Plus von 46 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum der Top Ten-Länder. Das Ranking wurde erneut von Frankreich angeführt. Auf den nächsten Plätzen folgten Österreich und die Niederlande.
Nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) geraten u. a. nationale Zertifizierungslösungen immer mehr „auf das Abstellgleis“. Darunter könne auf Sicht auch das renommierte DVGW-Zeichen leiden, obwohl es bei Handwerkern und Planern eine hohe Akzeptanz genieße. Das ergab eine Ende 2014 durchgeführte neutrale Umfrage. Sowohl bei „Vor der Wand“ als auch „Hinter der Wand“ eingesetzten Produkten stehe das Zertifikat vor allem für Sicherheit und Gewährleistung.<br />Grafiken: Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI)<br />
 Nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) geraten u. a. nationale Zertifizierungslösungen immer mehr „auf das Abstellgleis“. Darunter könne auf Sicht auch das renommierte DVGW-Zeichen leiden, obwohl es bei Handwerkern und Planern eine hohe Akzeptanz genieße. Das ergab eine Ende 2014 durchgeführte neutrale Umfrage. Sowohl bei „Vor der Wand“ als auch „Hinter der Wand“ eingesetzten Produkten stehe das Zertifikat vor allem für Sicherheit und Gewährleistung.
Grafiken: Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI)
Die Sanitärarmaturenbranche war in den letzten Jahren von einem permanenten und zum Teil einschneidenden „Veränderungsprozess“ geprägt. Konnte das konjunkturelle Auf und Ab in gewisser Weise noch als Normalität bezeichnet werden, zeigen und zeigten andere „Außeneinflüsse“ ebenso substanzielle wie nachhaltige Wirkungen. Das gilt u. a. für Werkstoffe sowie Zertifizierungen und Klassifizierungen im immer größeren Spannungsfeld zwischen nationalen und europäischen Reglementierungen. Insgesamt haben sich die An- und Herausforderungen für die deutschen Hersteller und ihre Produkte drastisch verschärft. Die 19 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) nehmen diese „komplexe Konstellation“ zum Anlass, den Dialog mit der Fachöffentlichkeit wieder zu intensivieren und so für größere Transparenz zu sorgen. Wie es Anfang März 2016 in Olpe hieß, gehört dazu auch, die „alte Tradition jährlicher Pressekonferenzen wieder zu beleben“. Dabei stuften die Repräsentanten der im VDMA-Fachverband Armaturen gebildeten Industrieformation die konjunkturelle Situation als „gut bis befriedigend“ ein.

„Kampf mit ungleichen Waffen“

Andreas Dornbracht ging in seiner Begrüßung u. a. auf branchenübergreifende Themen ein. Während der AGSI-Vorsitzende die breite öffentliche Diskussion um die Lösung der Flüchtlingsfrage als „nachvollziehbar und berechtigt“ bezeichnete, fand er für die deutsche Energiepolitik eher kritische Worte. Speziell die „wiederholte“ Aufgabe marktwirtschaftlicher Prinzipien zur Erreichung der ambitionierten CO2-Ziele der Bundesregierung sei problematisch. Trotz einer im Heizungssektor „unüberschaubaren staatlichen Förderkulisse“ blieben die praktischen Effekte weit hinter den Erwartungen zurück. Das jüngste Beispiel des millionenschweren Förderprogrammes für Heizungspumpen und gering investive Maßnahmen bestätige die „wachsende Kurzatmigkeit“ der Energiepolitik.

Außerdem sei sie ordnungspolitisch bedenklich. So vermisst Dornbracht einen „fairen Wettbewerb“ zwischen Sanitär und Heizung, da der Verbraucher bei einer technischen Gebäudesanierung „jeden Euro nur einmal ausgeben kann“. Während die innovative deutsche Sanitärindustrie bisher stets ohne Subventionen und staatliche Unterstützung ausgekommen sei, lägen die Dinge bei der Heizungswirtschaft völlig anders. Daraus resultiere ein „Kampf mit ungleichen Waffen“.

Auch bei den für die Armaturenindustrie zentralen Themen der Trinkwasser- und Produktqualität fehle es an politischer Sensibilität. Der AGSI-Vorsitzende: „Müssen Menschen wirklich erst gesundheitliche Schäden erleiden, bevor in Berlin Handlungsbedarf erkannt wird?“ Ungeachtet dessen engagiere sich der Herstellerkreis verstärkt für Aufklärung und Rechtssicherheit.
Starkes 2015 entschädigt für schwaches 2014

Für 2015 berichtete Wolfgang Burchard über eine positive Geschäftsentwicklung der Mitgliedsunternehmen. Ihr Inlandsumsatz wuchs nach Angaben des AGSI-Geschäftsführers um nominal 8 Prozent und real 6 Prozent. Infolge des schwachen Vorjahres (minus 9 Prozent) dürfe man das durch den Basiseffekt begünstigte Resultat jedoch nicht überbewerten. Treibende Kraft sei der private Konsum gewesen, der von der geringen Inflation dank niedriger Rohölpreise ebenso profitiert habe wie von der guten Beschäftigungs- und Einkommenssituation. Für weitere Impulse sorgten die erheblich höheren Wohnungsbauinvestitionen.

Mit einem nominalen Plus von 13 Prozent erwiesen sich die Auslandsumsätze 2015 laut Burchard einmal mehr als wichtigster Wachstumsfaktor. Das internationale Geschäft überlagere schon seit Jahren die geringere Nachfrage auf dem Heimatmarkt. Insgesamt kletterte der Umsatz der im VDMA organisierten Sanitärarmaturenhersteller 2015 um nominal 11 Prozent und konnte damit, wie es hieß, das negative Vorjahresergebnis (minus 4 Prozent) mehr als kompensieren.

Nach einer vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamtes übertraf das Produktionsvolumen der deutschen Sanitärarmaturenindustrie mit 2,75 Mrd. Euro den Vorjahreswert um 7 Prozent, ergänzte Burchard. Der in Wiesbaden für 2015 errechnete Exportanstieg bei Sanitärarmaturen um 5,2 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro falle „erfassungsbedingt traditionell geringer aus“ als die eigenen Erhebungen. Das Ausfuhrgeschäft habe nicht zuletzt durch den schwächeren Eurokurs Rückenwind gespürt. Im Sog der positiven Konsumentenstimmung und der florierenden (Bau-)Konjunktur erzielten die Exporte in die USA mit knapp 46 Prozent auf 52 Mio. Euro das mit Abstand stärkste Wachstum der Top Ten-Länder. Das Ranking werde erneut von Frankreich (plus 2,8 Prozent auf 159,5 Mio. Euro) vor Österreich (plus 3,2 Prozent auf 91,5 Mio. Euro) angeführt.

Parallel dazu seien auch die Importe von Sanitärarmaturen nach Deutschland 2015 um 5,7 Prozent auf 685 Mio. Euro gestiegen. Das Volumen enthalte aber auch die Einfuhren großer deutscher Hersteller mit eigenen Fertigungsstätten z. B. in Süd- und Osteuropa oder in Asien.

Weiteren Umsatzanstieg eingeplant

Für 2016 rechnet der AGSI-Geschäftsführer bei geringerer Dynamik mit einer Fortsetzung des positiven Trends. Das gelte für In- und Ausland gleichermaßen. In Deutschland würden u. a. die von einer niedrigen Inflationsrate gespeiste höhere Kaufkraft, das unter Renditeaspekten uninteressante Zinsniveau, die nach wie vor historisch günstigen Baufinanzierungen und die hohe Wohnraum-Nachfrage das Klima für private Investitionen weiter verbessern. Hinzu komme auf der Exportseite die von Experten prognostizierte weitere Euroschwäche, die deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell verbillige. Bei Importen wirke sie dagegen in die umgekehrte Richtung.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählt Burchard die deutlich nachlassende wirtschaftliche Expansion in China. Hier seien die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten vorbei. Gefahren für die Konjunktur könnten ferner dann drohen, wenn es tatsächlich zum „Brexit“ und damit dem Austritt der Briten aus der Euro-Zone komme.

Unter dem Strich erwarte die deutsche Sanitärarmaturenindustrie für 2016 ein Umsatzplus von rund 3 Prozent. Es werde voraussichtlich im Inland (plus 2,5 Prozent) wieder etwas niedriger ausfallen als im Ausland (plus 3,5 Prozent). Insofern bleibe es also bei dem „vertrauten Bild“.

Verbindliche Erklärungen „schwierig bis unmöglich“

Über die gravierenden Unsicherheiten bei der Verwendung von Sanitärwerkstoffen in Deutschland und ihre Konsequenzen referierte Harald Hotop. Ausgangspunkt dafür ist, erläuterte das Mitglied des AGSI-Lenkungsausschusses, die Tatsache, dass das Umweltbundesamt seit der novellierten Trinkwasserverordnung 2012 durch sogenannte „Positivlisten“ über die Eignung bzw. Zulässigkeit von Werkstoffen entscheidet. Letztlich resultiere daraus ein grundsätzliches, für Hersteller, Handel und Handwerk gleichermaßen relevantes Dilemma. Denn: Die Liste sei regelmäßigen Veränderungen unterworfen und damit ein „lebendes Dokument“. Beispiel „metallene Werkstoffe“: Während eine im April 2015 veröffentlichte Liste 13 Werkstoffe aufführe, enthalte die Ende Januar 2016 publizierte aktualisierte Fassung bereits 19 Stoffe. Genau das mache es für die Armaturenproduzenten „schwierig bis unmöglich“, die von den Marktpartnern geforderten verbindlichen Erklärungen abzugeben.

Ähnlich problematisch seien Erklärungen, dass Produkte bei „ordnungsgemäßer Anwendung“ keine Grenzwerte überschreiten. Schließlich werde die Wasserqualität nicht nur durch die Armatur und ihre Werkstoffe, sondern auch durch das Nutzerverhalten beeinflusst. Das könne im ungünstigen Fall zur Bildung von Keimen und Bakterien und zu Grenzwert-Intoleranzen führen. Im Übrigen sei im Herbst 2016 mit einer neuen Metallpositivliste und der Aufnahme weiterer Werkstoffe zu rechnen.

Obwohl sich die AGSI seit Jahren intensiv um seriöse Aufklärung bemühe, stehe das Spannungsfeld zwischen den Marktbeteiligten „immer noch unter Strom“. Hotop: „Die Metallpositivliste treibt nach wie vor einen Keil zwischen Industrie, Großhandel und Handwerk.“ Deshalb sei ein gegenseitiger Informationsaustausch „unbedingt anzustreben“. Er diene dazu, Klarheit zu schaffen und Missverständnisse auszuräumen. Am Ende benötige die Branche vor allem eines – Rechtssicherheit.

Verlängerte Frist, aber ungelöstes Grundproblem

Darüber hinaus habe das Umweltbundesamt auch organische Werkstoffe im Fokus. In dem Kontext stehe derzeit die „Leitlinie zur hygienischen Beurteilung von Elastomeren im Kontakt mit Trinkwasser“ im Mittelpunkt. Zu ihr gehöre eine Liste mit nur noch bis Ende 2016 verwendbaren und damit erlaubten Ausgangsstoffen. Dazu zählen Peroxide als für die Produktion von O-Ringen benötigte Vernetzungsmittel. Ihr Einsatz über 2016 hinaus bedinge eine toxikologische Bewertung. Sie erfordere jedoch detaillierte Informationen der Peroxid-Hersteller etwa zur Rezeptur. Aktuell seien die Rohstofflieferanten dazu aber nicht bereit.

Nach einer gezielten AGSI-Initiative habe das Umweltbundesamt inzwischen angekündigt, die Übergangsregelung bis zum 31.12.2021 zu verlängern. Das sei zwar zu begrüßen, löse aber nicht das Grundproblem. Deshalb gehe es jetzt im Austausch mit dem UBA und anderen betroffenen Verbänden darum, die Verwendung der benötigten Stoffe möglichst über 2021 hinaus zu gewährleisten.

Generell sind primär die Rechtsgrundlagen der Elastomerleitlinie „kritisch zu hinterfragen“, betonte Hotop. Die Regelungen bewirkten de facto ein Verwendungsverbot von peroxidisch vernetzten O-Ringen und damit eine unverhältnismäßige Einschränkung der Warenverkehrsfreiheit. In dieser Auffassung sehe sich die AGSI durch ein Rechtsgutachten bestätigt.

Die Sanitärarmaturenindustrie unterstütze alle Bestrebungen, die laut UBA „sehr gute“ deutsche Trinkwasserqualität weiter zu erhalten. Die staatlichen Anforderungen an Hersteller und ihre Produkte müssten jedoch auch erfüllbar sein. Und: „Außerdem brauchen wir klare Werkstoff-Regeln, die die vorhandene Unsicherheit beseitigen.“

„99 Prozent sind verchromt“

Neben der nationalen Gesetzgebung rückt für die Armaturenproduzenten auch die EU-Reglementierung immer stärker ins Blickfeld. So befasste sich Stefan Oberdörfer mit der Chemikalienverordnung REACH. Wie der AGSI-Referent erläuterte, zielt sie darauf ab, die Verwendung sogenannter „Besorgnis erregender Stoffe“ zu regulieren. Tauche eine Substanz im Anhang XIV der Verordnung auf, dürfe sie nach einer Übergangszeit nur noch bei Zulassung für einen bestimmten Verwendungszweck genutzt werden. Konkret betreffe das Chromtrioxid und weitere Chrom VI-haltige Verbindungen. Für sie laufe die Übergangsfrist Ende September 2017 aus.

Damit stelle sich die Frage, ob die Chemikalienverordnung zum „Totengräber für verchromte Armaturen“ werde. Ganz so dramatisch sehe es nicht aus, denn die Industrie beschäftige sich bereits seit 2010 intensiv mit diesem Thema. Als Teil eines internationalen Konsortiums mit rund 150 Unternehmen bemühten sich die Sanitärarmaturenproduzenten um die Erstellung der nötigen Zulassungsanträge. Gemeinsam wolle man erreichen, das derzeit „alternativlose“ Chrom VI auch künftig verarbeiten zu können. Aktuell sei davon auszugehen, dass das durch eine zunächst siebenjährige Zulassung gelinge. Wie wichtig und brisant das Thema für die Branche ist, verdeutlichte Oberdörfer mit einer Zahl: „Fast 99 Prozent der Sanitärarmaturen sind verchromt.“

EU-Verordnungen 1:1 umzusetzen

Überhaupt sei REACH alles andere als eine Bagatelle. Die Chemikalienverordnung nehme derzeit nicht weniger als 168 Substanzen kritisch unter die Lupe – mit steigender Tendenz. Exemplarisch nannte Oberdörfer mit Blei, Beryllium und Borsäure drei für die Sanitärarmaturenindustrie relevante Materialien. Dabei sei das wegen der Zerspanbarkeit wichtige Blei besonders hervorzuheben. Werde dem Antrag der schwedischen Umweltbehörde stattgegeben, den Stoff bereits bei einer Konzentrationsgrenze von 0,03 Prozent als fortpflanzungsgefährdend einzustufen, wäre die vom Umweltbundesamt selbst bei einem Bleianteil von bis 2,2 Prozent festgestellte trinkwasserhygienische Eignung erst einmal hinfällig. Denn: EU-Verordnungen sind für die Mitgliedsstaaten absolut bindend und 1:1 umzusetzen. Und schon drohe weiteres Ungemach: Nickel bzw. Nickelmetalle stünden ebenfalls bereits im REACH-Fokus.

Für die AGSI habe deshalb im Interesse ihrer Mitglieder zunächst einmal Priorität, „den Überblick zu behalten“. Das sei vor dem Hintergrund vielfältiger länderspezifischer Entwicklungen und komplexer (Gremien-)Prozesse leichter gesagt als getan. In der Praxis komme es daher auf „funktionierende Netzwerke“ an. Effiziente Beispiele dafür seien die Kooperation mit dem europäischen Armaturenverband EUnited Valves und der regelmäßige Austausch mit der Wirtschaftsvereinigung Metalle.

Es gehe nicht darum, europäische Bestrebungen zum Ersatz potenziell gesundheitsgefährdender Stoffe zu torpedieren. Stattdessen gehe es um einheitliche, klare, rechtssichere und handhabbare Regelungen. Das Fazit des Referenten: „Wir müssen uns nicht nur eine nationale, sondern auch eine europäische Brille aufsetzen. Am besten eine mit Gleitsicht.“

Warenverkehrsfreiheit vor Gesundheitsschutz


Dieser Empfehlung stimmte auch Dirk Lückemann zu. Nach Meinung des stellvertretenden AGSI-Vorsitzenden geraten auf dem Feld von Zertifizierung und Klassifizierung nationale Lösungen immer mehr „auf das Abstellgleis“. In dem Zusammenhang bezeichnete er das 2013 ergangene „DVGW-frabo-Urteil“ des Oberlandesgerichtes Düsseldorf als „echten Paukenschlag“. Hintergrund: Der italienische Pressfittinghersteller wollte seine Produkte weiter mit dem renommierten deutschen Testat vermarkten, obwohl sie die dafür geltenden und inzwischen weiter verschärften Anforderungen nicht mehr voll erfüllten. Das Unternehmen berief sich in seiner Klage auf den Grundsatz der Warenverkehrsfreiheit in der EU. Das Gericht folgte der Auffassung und rückte damit den vom DVGW betonten Gesundheitsschutz ins zweite Glied. Trotz des mittlerweile außergerichtlich beigelegten Rechtsstreites seien seine Auswirkungen unverändert spürbar.

Das habe auch das Umweltbundesamt erfahren müssen. Die um fast eineinhalb Jahre verzögerte Veröffentlichung der Positivliste für metallene Werkstoffe beruhte auf erheblichen Zweifeln der Kommission an der Verhältnismäßigkeit der Liste und ihrer Vereinbarkeit mit EU-Recht.

Diese Entwicklung erfordert aus Sicht der Sanitärarmaturenindustrie die Harmonisierung europäischer Trinkwasserstandards. Die AGSI setze sich deshalb dafür ein, plädiere aber gleichzeitig für die Beibehaltung des hohen deutschen Trinkwasser-Schutzniveaus und seine Verankerung innerhalb der EU. Man wisse jedoch, dass es sich dabei um ein keineswegs einfach zu erreichendes „Maximalziel“ handele. Ungeachtet dessen werde man sich darauf konzentrieren, denn auch in dem Sektor brauche die Branche Rechtssicherheit.

Außerdem fehle ein europaweit einheitliches Zertifizierungssystem. Gegenwärtig dominiere eine landesspezifische Praxis, die eine gegenseitige Anerkennung meist nicht vorsehe. Konsequenz: Um Zertifikate und Zulassungen für die einzelnen Märkte zu erhalten, müssen sich die gleichen Produkte jeweils einer neuen Prüfung unterziehen. Die daraus für die Industrie resultierenden Mehrkosten bezifferte Lückemann auf mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr. Höhere Produktsicherheit sei damit nicht verbunden.

Sicherheit und Gewährleistung seien im Übrigen die wesentlichen Argumente für das DVGW-Zeichen. Das habe Ende 2014 eine von der AGSI initiierte Umfrage bei 500 Handwerkern und Planern ergeben. 96 Prozent von ihnen stuften danach die DVGW-Zertifizierung von Produkten als „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“ ein. Das betreffe die Einsatzgebiete „Vor der Wand“ und „Hinter der Wand“ gleichermaßen. Ein eventueller Wegfall des etablierten Zeichens habe daher für die Hersteller ebenso erhebliche Auswirkungen wie für deren Abnehmer und hier vor allem das Handwerk.

„Selbst regeln, bevor man geregelt wird“

Auch die ständig wachsende Zahl sogenannter Klassifizierungssysteme erfordere europaweit einheitliche Lösungen. Sie müssten einerseits der Öko-Designrichtlinie entsprechen, mit der die EU-Kommission energieeffiziente Produkte im Visier habe. Bei der Klassifizierung wasserführender Armaturen etwa gelte es, neben dem Durchfluss weitere Kriterien wie Temperatur und Hygiene zu berücksichtigen. Andererseits solle sich ein harmonisiertes System streng an den jeweils relevanten EN-Normen orientieren.

Generell verfolge die Industrie bei der Klassifizierung ein klares Prinzip. Es laute: „Selbst regeln, bevor man geregelt wird.“ So unterstütze die AGSI das Produktklassifizierungssystem „WELL – Water Efficiency Label“ der europäischen Sanitärarmaturenindustrie bereits seit seiner Einführung im Jahre 2011. Die zur „ISH 2015“ vorgestellten Neuerungen erstreckten sich u. a. auf die stärkere Gewichtung des die Durchflussmenge beeinflussenden Energieverbrauches sowie zusätzliche Komfortaspekte.

Bei der Markteinführung hätten sich indes „unerwartete Störungen durch unsere britischen Kollegen“ ergeben. Im Verbund mit weiteren nationalen Armaturenverbänden reklamierten sie für ihr eigenes, im Wesentlichen auf Durchflussmengen basierendes Label bei der Kommission einen europäischen Alleinstellungsanspruch, erläuterte Lückemann. Zahlreiche „Brüsseler Kooperationsgespräche“ seien daraufhin bis heute ohne befriedigendes Ergebnis geblieben. Inzwischen zeichne sich jedoch ab, dass für die Kommission „WELL“ mit seinem Energiebezug erste Wahl sei. In Zusammenarbeit mit dem europäischen Armaturenverband EUnited Valves beginne deshalb „in diesen Tagen“ der (verspätete) europaweite Roll Out des Systems. „Unterstützungssignale“ aus Großhandel und Handwerk seien dabei zweifellos hilfreich.

Trotz aktueller nationaler Alleingänge etwa in der Flüchtlingskrise stehe fest, dass Europa immer mehr zusammenwachse. Das erhöhe auch den Druck, unterschiedliche Normen und Standards zu harmonisieren. Das zeige nicht zuletzt die Diskussion über die Novellierung der Trinkwasserrichtlinie. Für Lückemann ist deshalb klar, dass „der Zug nach Europa nicht ohne uns abfahren darf“.