"Rostige" Lötstellen an BP Solarmodulen - Beginn schleichender Sicherheitsprobleme?
Seitdem verrinnt die Zeit und Fachleute und die Öffentlichkeit warten nun seit bedenklichen sechs Wochen vergeblich auf eine zufriedenstellende Fehlererklärung. Doch BP Solar schweigt weiter beharrlich zu den technischen Ursachen der Vorfälle, die von BP Solar selber als Sicherheitsproblem eingestuft worden sind.
Diese Sicherheitswarnung von BP hat die DGS mit Blick auf die vorliegende Gefährdungslage als sachlich korrekt eingestuft. Die Umsetzung dieser richtigen Grundsatzentscheidung in Sachen Sicherheit durch BP Solar ist jedoch nicht plausibel.
Die vorhanden Probleme sind jedoch schon jetzt eindeutig Qualitätsmängeln bei Fertigung von BP Solarmodulen zuzuweisen. Andere Hersteller sind nicht betroffen und somit besteht kein Technologieproblem bei der Photovoltaik.
Widersprüche in der Umsetzung durch BP Solar:
1. Umfang der betroffenen Anlagen BP Solar gibt den Umfang der Sicherheitsabschaltung mit 16,5 MWpeak an. Das Unternehmen sieht sich aber außerstande diese Grundgesamtheit nach Modultypen oder Seriennummer aufzuschlüsseln. Auch eine Bekanntgabe der Anzahl betroffener Anlagen wird nicht vorgenommen.
2. Informations- und Verantwortungskette BP Solar hat in den ersten sechs Wochen sämtliche Informationen nur an Ihre Distributoren versandt. Diese sollten die Handwerker informieren, so dass die Handwerker sich an den Endkunden wenden. Nun wird durch BP Solar seit dem 1. September die Öffentlichkeit mit Anzeigen informiert. Betroffenen werden aber verbindliche Informationen zu Typen- und Seriennummern vorenthalten.
BP Solar fordert Distributoren und Handwerker auf betroffene Anlagen abzuschalten. Eine Befugnis zur Abschaltung der Anlage durch den Handwerker ist aus Sicht der DGS rechtlich fragwürdig, liegt sie doch ausschließlich in den Händen des für die Anlage rechtlich verantwortlichen Betreibers, dem BP Kunden.
3. sicherheitsrelevante Konsequenzen Auch abgeschaltete Solaranlagen stehen bei Sonnenschein unter Spannung. Dies ist bei einer intakten Anlage völlig unproblematisch und auch für Laien ungefährlich. Bei beschädigten Anlagen kann jedoch ein Sicherheitsrisiko erwachsen. BP Solar hat ihre Anlagen als potenziell sicherheitsgefährdet eingestuft, lässt diese jedoch in der technischen und rechtlichen Verantwortung von Laien. Da derartige Betreiber entstehende Gefahren im Gegensatz zu Fachleuten nicht sicher erkennen und beseitigen können, hält die DGS dieses Vorgehen für bedenklich.
Was ist bisher geschehen? Am 14.7.2006 berichtete die DGS erstmals über aufgetretene Defekte bei BP Solarmodulen und erhielt die Aussage von BP Solar, dass es sich um nicht zusammenhängende Einzelfälle bei Modulen des Typs 380 L handelte, ein Sicherheitsproblem bestünde nicht und es gäbe auch keinen Zusammenhang mit den jüngsten Ergebnissen der Stiftung Warentest.
Die Ergebnisse der Stiftung Warentest Am 1.8.2006 wurde der DGS von BP Solar mitgeteilt, dass das Unternehmen die Lage nun anders bewertet, ein Sicherheitsrisiko vorliegt und sich der Kreis der betroffenen Module weit über den Typ 380 L erstreckt. Hiervon seien nun 9 MegaWatt peak betroffen sind. Diese würden seit dem 20. Juli durch BP abgeschaltet und die Betreiber für den entgangenen Ertrag entschädigt.
Am 3.8 2006 wurde der DGS durch BP Solar mitgeteilt, dass sich der Kreis der betroffenen Module auf Laminate (Module ohne Rahmen) erstrecke und das Unternehmen den Umfang der Abschaltungsaktion mit 14 MegaWatt peak beziffere. Dies betreffe darüber hinaus nicht nur Indachanlagen sondern auch Aufdach- und Freiflächenanlagen.
Am 8.8.2006 erhielt die DGS die Mitteilung von BP Solar, dass nun 16,5 MegaWatt peak an Laminaten (Module ohne Rahmen) betroffen seien, auch hier wurde von Fällen über alle Aufstellungsarten Aufdach, Indach und Freiland berichtet.
Am 11.8.2006 teilte BP Solar der DGS mit, dass nun die Baujahre 2002 und 2003 im Focus der Untersuchungen stünden und bereits 90% der betroffenen Anlagen abgeschaltet seien.
Am 16.8.2006 hat die DGS die bisher nur intern in den Gesprächen mit BP geäußerten Forderungen nach 1.) einer unverzüglichen öffentlichen Bekanntmachung der betroffenen Modultypen und Seriennummern sowie 2.) der Ausweisung der betroffenen Anlagen als elektrische Betriebsstätten zum Schutz der Betreiber. Die erste Forderung ermöglich Besitzern eine Kontrolle der BP Informationskette. Die zweite Forderung zielt darauf ab, den Laien vor verdeckten Gefahren durch schadhafte Isolationen zu schützen.
Am 17.8.2006 hat BP Solar über ihre Webseite folgende Erklärung abgegeben. „Wir können heute bestätigen, dass unser Fokus auf allen Produkten (d.h. Laminaten und Modulen) liegt, deren Typenbezeichnungen mit den Ziffern 3, 4 oder 5 beginnen (z.B. BP 3160, BP 4170, BP 5170) und die im Zeitraum 2002 bis 2004 gefertigt wurden. Betroffen sind sowohl dachintegrierte Anlagen sowie Systeme, die nahe entflammbarer Materialien installiert wurden.“
Am 30.8.2006 berichtet STIFTUNG WARENTEST online über eine Feuergefahr durch BP Module und gab eine Warnung an die Kunden aus.
Warnung der Stiftung Warentest online Am 31.8.2006 wird STIFTUNG WARENTEST online von BP Solar mitgeteilt: „Ursache für den Defekt einzelner Solaranlagen sei nicht Korrosion an einzelnen Zellen, sondern Probleme mit den Lötstellen der Anschlussdosen, an denen die Drähte in einem Panel zusammen laufen. Außerdem seien nicht alle BP Solar-Module aus den Jahren 2002 bis 2004 betroffen, erklärte ein BP Solar-Sprecher. Weitere Einzelheiten seien allerdings immer noch unklar. Morgen, Freitag, 1. September, werden nach Angaben von BP Solar zunächst in der Süddeutschen und in den folgenden Tagen auch in allen anderen wichtigen Tageszeitungen detaillierte Sicherheitshinweise für die Besitzer von BP Solar-Anlagen erscheinen.“
Am 1. September hat BP Solar Anzeigen in der Süddeutschen Zeitung und weiteren Tageszeitungen geschaltet, die die Öffentlichkeit über die Vorgehensweise von BP Solar informiert. Diese Anzeige ist in der Kernaussage mit der Erklärung vom 17.8.2006 identisch, detaillierte Sicherheitshinweise finden sich nicht.
Hier das PDF der Anzeige:
Was rät die DGS Kunden von BP Solar? Hierzu DGS Präsident Dr. Jan Kai Dobelmann: „Der beste Rat für Kunden von BP Solarmodulen ist sicher, die von BP Solar geschalteten Anzeigen genau und kritisch zu lesen.“
Zitat Anzeige BP Solar: „Eventuell betroffen sind alle Produkte die in den Jahren 2002, 2003 und 2004 gefertigt wurden und mit den Typenbezeichnungen 3, 4 oder 5 beginnen.“
Ein einschränkendes „eventuell“ ist in Sicherheitsfragen bekanntlich nicht hilfreich. Des Weiteren liegen der DGS Schadensmeldungen über weitere Modultypen (SX 120, 2er Serie, etc.) und Baujahre vor. Deshalb sollten sich alle BP Kunden von dem Aufruf zur Kontaktierung der Hotline angesprochen fühlen, bis BP Solar in der Lage ist verbindlich Auskünfte über Seriennummern und Typen zu geben.
Was fordert die DGS von BP Solar? • Wir fordern BP Solar nachdrücklich auf, die Verunsicherung der BP Kunden unverzüglich durch eine klare verbindliche Bekanntgabe der Typenbezeichnungen und Seriennummern zu beenden. Ohne diese verbindliche Klarstellung bleibt schließlich auch die Mengenangabe von 16,5 MW bei der Ausweisung der Sicherheitsabschaltung nicht nachvollziehbar.
• Wir fordern BP Solar auf Ihre Verantwortung gegenüber den Kunden nach dem Produkthaftungsetz nachzukommen. Durch die Ausweisung einer elektrischen Betriebsstätte für betroffene BP Solaranlagen kann Gefahr für Laien, die in einer Betriebsverantwortung für solche Anlagen stehen, abgewendet werden. Den eingeschlagenen Weg einer Überwälzung der Verantwortung hierfür auf kleine Handwerksbetriebe, wie von BP Solar vorgenommen, halten wir gerade bei einem multinationalen Konzern für unbillig.
• Wir fordern BP Solar auf, nach 6 Wochen Expertensuche Aufklärung der Fach-Öffentlichkeit über die bei BP Modulen festgestellten Probleme an Lötstellen zu leisten. Hierbei darf keine Beschränkung auf Lötstellen an Anschlussdosen erfolgen. Auch das von der STIFTUNG WARENTEST berichtete Phänomen der „rostigen“ Lötstellen an Zellen muss in eine Betrachtung einbezogen werden.
• Wir fordern BP Solar auf, dass von der DGS angesprochene Problem einer doppelten Fehlfunktion in einer Anlage, wie es in dem Artikel der Stiftung Warentest Online
hier beschrieben und zu sehen ist, in ihre Sicherheitsempfehlungen einzubinden.
Unter
www.dgs.de/bp finden Sie die Stellungnahmen der DGS und die zum Teil bereits zurückgezogenen Original-Pressemeldungen von BP Solar in chronologischer Reihenfolge.