Manfred Lind, Vertrieb Lagerbehälter Fa. Schütz in Selters, sieht große Chancen mit der Ölbrennwerttechnik bei der konsequenten und energieeffizienten Altbausanierung.
Die Entwicklung des Wirtschaftswachstums und des Primärenergieverbrauchs.
Die Energiedichte verschiedener Brennstoffe.
Im dortigen Ausstellerforum präsentierte
Manfred Lind, Vertrieb Lagerbehälter Fa. Schütz in Selters, den folgenden Fachbeitrag über die Chancen der Ölbrennwerttechnik bei der konsequenten und energieeffizienten Altbausanierung:
Allein in Deutschland könnten die Haushalte bis zum Jahr 2030 rund 40 Mrd. Euro an Heizkosten sparen, wenn sie ihre Wohnungen und Häuser energetisch sanieren würden.
Diese Aussage traf der Bau- und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zur Eröffnung eines vor einigen Wochen stattgefundenen zweitägigen Kongresses der EU- und der G8-Staaten „Energieeffizienz: Die Welt von morgen gestalten“. Den rund 400 anwesenden internationalen Experten, die Lösungen für die drei Bereiche Strom, Wärme und Verkehr diskutierten, hatte der Bauminister aktuelle Zahlen mitgebracht: 91 Mrd. € gaben die Deutschen 2006 für Wärme- und für elektrische Energie aus.
Damit verursachen die privaten Haushalte 20 Prozent der gesamten deutschen Kohlendioxid-Emissionen. Die 265.000 Modernisierungen des Jahres 2006 machen bei einem Bestand von 19 Mio. Wohnhäusern rund 1,4 Prozent Sanierungen aus. Und das ist, wie Tiefensee feststellte viel zu wenig. Deshalb strebt sein Ministerium eine erneute Überarbeitung der Energie- einsparverordnung an.
Nochmalige Novellierung der novellierten EnEV bereits geplant Mittlerweile hat die Energieeinsparverordnung (EnEV) den Bundesrat passiert und wurde mit den geforderten Korrekturen vom Bundeskabinett verabschiedet. Der Bauminister stellte sich aber zum Zeitpunkt des Kongresses, da hatte der EnEV-Entwurf den Bundesrat noch nicht passiert, bereits eine erneute Novellierung unmittelbar nach dem Inkrafttreten vor. Dem Bauministerium schwebt ein Standard für Neubauten und für modernisierten Altbau von EnEV minus 30 Prozent als vielleicht ab dem Jahr 2010 vor! Die Bundesrepublik will einiges dafür tun, also auch Anreize für den Altbau schaffen. Immerhin beliefen sich die globalen CO2-Emissionen 2006 auf 30 Mrd. Tonnen. Bis 2030 rechnet man mit einem Anstieg um 50 Prozent, also nicht mit einem globalen Abbau, sondern mit einem Zuwachs an Kohlendioxid. Das hat vor allem etwas mit dem Wachstum in Fernost zu tun.
Mit dem nationalen Klimaschutzprogramm hat die Bundesrepublik einen Maßnahmenkatalog beschlossen, der im Gebäudebereich unter anderem die Einführung des Energieausweises zur Jahreswende 2007/2008 enthält. Des Weiteren preiswerte KfW-Kredite aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm. Der Minister kündigte ferner einen jährlichen CO2-Energiereport an. Der soll aufzeigen, welche Energiekosten entstehen, wie sich die Heiz- und Benzinkosten künftig entwickeln werden und wo Einsparpotenziale für Wohnen und Verkehr liegen. Sein Ministerium will den Report erstmals im Herbst dieses Jahres vorlegen.
Die Regierung will zukünftig noch stärker als bisher die Bevölkerung zu energiebewusstem Handeln auffordern und hat dafür bereits Kampagnen initiiert. Die Heizungsmodernisierung kommt ja nicht nur der Umwelt und dem Klima zugute. Von der Gebäudesanierung profitieren besonders das heimische Handwerk und die Bewohner. Jede investierte Milliarde Euro sichert und schafft rund 25.000 Arbeitsplätze, haben das Bau- und das Wirtschaftsministerium errechnet. Und wichtig für die Bewohner: Mit gut isolierten Wohnungen und Häusern können die Heizkosten für eine 83 m2 große Mietwohnung um bis 500 € jährlich gedeckt werden. Das sind sozusagen die amtlichen Zahlen.
Ein Wort zur Energieproduktivität Das umweltschonende schwefelarme Heizöl soll zukünftig zum Standard-Brennstoff für alle Ölheizungen in Deutschland werden. Damit soll die Verbreitung der effizienten Öl-Brennwerttechnik verstärkt werden. Für dieses Ziel machen sich Bundesregierung und Mineralölwirtschaft gemeinsam stark - im HaustechnikDialog wurde
hier darüber berichtet. Ein weiterer wichtiger Punkt, der zugunsten des Themas, der breiten Einführung der Ölbrennwerttechnik, spricht: Im Koalitionsvertrag ist das Ziel verankert, die Energieproduktivität in Deutschland bis 2020 zu verdoppeln. Dazu ist jedoch dauerhaft eine jahresdurchschnittliche Wachstumsrate der gesamtwirtschaftlichen Energieproduktivität von 3,1 Prozent erforderlich – entgegen einem beobachteten durchschnittlichen Wachstumstrend von 1,8 Prozent für den Zeitraum von 1990 bis 2005. Die Energieproduktivität gibt den Energieeinsatz zur Erwirtschaftung eines Dollars oder Euros BIP (Bruttoinlandsprodukt) wieder. Dieses Verhältnis haben die Volkswirtschaftler für 1990 willkürlich mit 100 angesetzt. Seit jenem Stichjahr hat es sich insgesamt um 28 Prozent auf heute den Wert 128 verbessert – wir nutzen die eingesetzten Kalorien in Wirtschaft und Industrie effizienter -, seit 2000 allerdings nur noch um 0,9 % pro Jahr. Die Energieproduktivität müsste sich ab sofort auf durchschnittlich 2,9 % pro Jahr erhöhen, um das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Verdopplung bis 2020, noch zu erreichen. Hier vermag die Heizungssanierung Nachhaltiges zu leisten.
Was können wir hier leisten? Heizöl hat nach wie vor in der Wärmeversorgung einen hohen Stellenwert. Der Anteil der Wohnungen, die Öl als Heizenergie nutzen, stabilisierte sich in den letzten Jahren bei etwa 30 Prozent. Mit moderner Ölbrennwerttechnik und mit schwefelarmen Sorten reagieren Kesselindustrie und Mineralölwirtschaft wirksam auf die Forderung nach Umweltschutz. Mit dieser positiven Entwicklung ist jedoch kein Endpunkt erreicht, weil es noch an der Umsetzung mangelt. Anfangs sagte ich es bereits, im Moment werden jährlich nur 1,4 Prozent der Wohnungen modernisiert, obwohl rund 30 Millionen aus den Jahren vor 1982 und damit vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung stammen.
Künftig müssen deshalb alle Anstrengungen auf eine Erhöhung dieses Prozentsatzes hinzielen. So will es auch die Regierung in Berlin. Deren Aktivitäten lassen sich zusammenfassen im:
10-Punkte-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums
1. Mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich
2. Gezielter Einsatz staatlich geförderter Energieforschung
3. Marktanreizprogramm für Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe
4. Ausbau und vereinfachtes Verfahren bei der Energieberatung des BMWi
5. Verbesserte Information, Motivation und Ausbildung zu Fragen der Energieeffizienz
6. Mehr Energieeffizienz in der öffentlichen Hand
7. Exportinitiative Energieeffizienz
8. Deutsche EU-Ratspräsidentschaft für mehr Energieeffizienz
9. Umsetzung der EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen („Energiedienstleistungsrichtlinie“)
10. Energieeinsparung durch EU-Maßnahmen bei energiebetriebenen Geräten und Ausrüstungen
Für eine wirksame Umsetzung der Maßnahmen im Gebäudebestand bedarf es zusätzlich einer beratenden und finanziellen Flankierung. So will die Bundesregierung über die Deutsche Energie-Agentur (dena) die Öffent- lichkeitsarbeit zum energiesparenden Bauen verstärken. Ferner wird sie weiterhin für Gebäudeeigentümer die so genannte Vor-Ort-Beratung als eine vertiefte Individualberatung am Objekt (Gebäude/Heizung) bezuschussen, versprachen in Berlin Vertreter des Wirtschaftsministeriums.
Drei Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch Das heißt nun nicht, dass das Ölzeitalter vorbei ist. Letztlich nehmen drei Faktoren entscheidenden Einfluss auf die Temperiertechnik.
1. die Verfügbarkeit der Energieträger Versorgungssicherheit)
2. der Energiebedarf eines Hauses
3. das Verbraucherverhalten
Sollten sich die deutschen und europäischen Staaten und Verbraucher extrem um die Versorgungssicherheit Gedanken machen, vielleicht wegen der Befürchtung politischer Konflikte Russland/Europa oder religiöser Konflikte Christentum/Islam, wird man uns wohl energieautarke Thermosflaschen-Häuser verordnen. Die Betonung liegt auf verordnen. Für Freiwilligkeit – Stichwort „Verbraucherverhalten“ – ließe man uns keinen Spielraum. Diesen Heimstätten genügen zur Kühlung Fußbodenschlangen in den Zimmern, ein Primärkreis zum Grundwasser oder zur oberflächennahen Erdwärme und eine 50-Watt-Umwälzpumpe. Heiztechnik entfällt in Thermosflaschen-Häusern, weil die internen Wärmequellen selbst in frostigstem Winter Überschuss produzieren.
Klopfen dagegen keine Vorboten frontaler Konfrontationen an Haus- und Heizungskellertür, kommt ein Bewusstseinswandel der Verbraucher (Eigentümer, Mieter, Bauherren) - das haben nun selbst die zwei Energiekrisen Mitte und Ende der 70-er Jahre gezeigt - einem Kulturwandel gleich. Kulturen verändern sich nicht revolutiv, Kulturen entwickeln sich evolutiv. Das heißt, der Mensch akzeptiert, dass es nicht so weiter geht wie bisher – und erwartet vor allem von seinen Nachfolgern, es zu ändern. Umwelt- und Klimaschutz werden in den täglichen Diskussionen präsenter sein und auch Folgen für das individuelle Verhalten haben, aber mit einem moderaten Beschleunigungs-Beiwert. So sieht ja die momentane Wirklichkeit, trotz Verfügbarkeits-Skepsis, aus. Die Evolution will keine spontan neue Heizungstechnik.
Wie sieht es mit dem zweiten Faktor, dem zukünftigen Wärmebedarf des Hauses aus? Man darf hier ebenfalls von einem moderaten Beschleunigungs-Beiwert ausgehen. Zwar wird die Vorsorge-Verpflichtung den Staat zum Handeln zwingen, nämlich zwingen, Gesetze, Durchführungsbestimmungen, Richtlinien und Normen enger zu fassen und auch den Vollzug zu kontrollieren. Indes wird er seine Vorsorge-Verpflichtung nicht so ernst nehmen, ohne Not bereits jetzt in „Friedenszeiten“ erstens Energiegutscheine auszustellen und zweitens das Passivhaus zum Altbau-Standard zu machen. Die eingangs erwähnten EnEV minus 30 Prozent beziehen sich hauptsächlich auf den Neubau.
Ergo: Im Wärmebedarf der Häuser des Bestands dürfte auch 2020 und 2030 noch ein erhebliches Einsparpotenzial stecken. Soll sagen, jene Kesseltechnik, die heute die Mehrzahl der Gebäude wärmt, darf das so gesehen auch noch in 20 Jahren tun, weil mit größeren Bedarfsverschiebungen nicht zu rechnen ist, Verschiebungen, die eventuell Veränderung in der Beheizungsart nach sich ziehen könnten.
Sparen um Zeit zu gewinnen Erstes Fazit: Vorsichtig prognostiziert dürften die beiden Einflussfaktoren „Verbraucherverhalten“ und „Wärmebedarf des Hauses“ nicht mit Nachdruck eine ganz neue Richtung der Beheizungsart verlangen. Die Techniken, die heute nachgefragt werden, behalten ihren Wert.
Welches Gewicht hat der erste Punkt, die Endlichkeit der fossilen Ressourcen? Wenn der Druck weder vom Energiebedarf noch nachhaltig vom Verbraucher ausgeht, warum sich überhaupt schon heute intensiv Gedanken über das Morgen machen? Ersatz wird ja wohl schnell gefunden sein. Bei den vielen klugen Köpfen in Forschung und Industrie müsste es reichen, sich 20 Jahre vor dem energetischen Exitus um die Zeit danach zu kümmern. Warum also schon jetzt? Einfache Antwort: Weil niemand weiß, wann der Exitus eintritt. Seit Beginn der Industrialisierung wächst der Energieverbrauch deutlich rascher als die Anzahl der Menschen. Während die Weltbevölkerung seit 1870 um den Faktor vier auf jetzt 6,5 Milliarden Menschen stieg, wuchs der kommerzielle Energieverbrauch um den Faktor 60(!). Das heißt, durchschnittlich konsumiert der homo sapiens heute fünfzehn Mal mehr Kohle, Mineralöl und Erdgas als 1870.
Diese beinahe unglaublichen Zahlen sollen nichts anderes sagen, als dass es unmöglich ist, realistische Kurven über die Verfügbarkeit in Jahren von Kohle, Gas und Öl zu zeichnen. Noch drastischer gesagt: Nicht unsere Kinder und Enkelkinder, sondern wir müssen uns auf den Gau vorbereiten. Wobei der Gau bereits an jenem Tag beginnt, ab dem wir einen Mangel verteilen, ab dem die Preise inflationieren oder aber wir die Energievorräte nicht mehr frei handeln, sondern zuweisen müssen. Das wird einige Jahrzehnte vor dem Versiegen sein. Deshalb die Suche nach Einspar- und CO2-Minderungspotenzialen, um die Übergangsphase zu einer ferneren Wärmetechnik zu strecken beziehungsweise den Entwicklern Zeit einzuräumen, Alternativen zu finden.
Die Doppelstrategie Im Wohnbereich bieten sich zurzeit im Prinzip nur zwei Maßnahmen mit Erfolgsgarantie an. Sie verknoten sich zu einer Art Doppelstrategie, zu der sich auch die Bundesregierung bekennt. Sie lösen nicht das weltweite CO2-Dilemma, das nicht, aber jedes nationale Modell visiert zwei Ziele an, zum einen Klimaschutz, zum anderen geringere Importabhängigkeit. Um politische Krisen überbrücken zu können.
- Der erste Ansatz ist die konsequente energieeffiziente Altbaumoderni- sierung,
- der zweite der vermehrte Einsatz Erneuerbarer Energien bis hin zur Biomasse und bis hin zum Verschneiden der fossilen Brennstoffe mit biogenen Heizgasen und Heizölen.
Und damit wären wir konkret bei Punkt zwei der Doppelstrategie, die jetzt zu fahren ist: dem vermehrten Einsatz Erneuerbarer Energien und den entsprechenden Heiztechniken. Gasbrennwerttechnik und schwefelarme Ölbrennwerttechnik - schwefelarme Sorten ab dem Jahr 2009 mit einem Steuerbonus von 1,5 Cent/l gegenüber Heizöl EL normal - spielen in beiden Punkten eine erhebliche Rolle. Die „Erneuerbaren“, sprich die Biomasse tangiert die Kessel nicht nur deshalb, weil vielleicht eines fernen Tages an Stelle der fossilen Ressourcen synthetisches Biogas und synthetisches Bioöl treten könnten, sondern weil Öl und Gas schon heute damit verschnitten werden und die Industrie dabei ist, ihre Produkte technisch darauf einzustellen. Hier könnte sich aber bald noch mehr tun. Im Koalitionsvertrag 2005 beurkunden quasi die Parteien ein Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz EEW, das im Neubau wie im Altbau bestimmte Anteile von Wärmepumpen, Solar und Biomasse vorschreiben könnte.
Noch ein letzter Punkt Eine sparsame Gebäudesanierung, mit begrenztem Budget, spricht immer für den Kesselaustausch, etwa zu Gunsten eines Ölbrennwertkessels, und letztlich gegen Dämmmaßnahmen. Denn der Erfolg der Isolierung hängt vom Verbraucherverhalten ab. Wer danach weiterhin die Fenster offen stehen lässt, wird nicht einen einzigen Euro sparen, weil bei ihm alle Wärme wie eh und je hinaus weht. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hatte Anfang des Jahres 2006 auf einem Parlamentarischen Abend den Abgeordneten eine Vergleichsanalyse der theoretischen Erwartungen mit den praktischen Erfolgen von Vorschriften im Energiesektor präsentiert (Titel: Klimaschutz und Energieversorgung in Deutschland 1990 - 2020). Zwischen Soll und Ist klafft demnach eine Lücke von 65 Prozent! Der „Wirkungsgrad“-Faktor („Sanierungseffizienz“) liegt gerade mal bei 0,35 anstatt bei 1,0.
Das hat selbstverständlich etwas mit dem mangelnden Vollzug gesetzlicher Auflagen dieser Art zu tun, eine bekannte Unzulänglichkeit. Doch sehr viel des Weiteren auch mit einem starren Verbraucherverhalten. Eine nachtäglich gedämmte Mietwohnung ist den Bewohnern nicht Anlass genug, nun auch diszipliniert Fenster und Balkontür zu schließen. Der Zentralheizkessel dagegen mit vielleicht 15 oder 20 Prozent höherem Norm-Nutzungsgrad spielt immer diesen Einspareffekt aus. Mit diesem Bonus der Kesselerneuerung wird eigentlich viel zu wenig argumentiert.