Der Bundesindustrieverband Deutschland, Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V., BDH ließ über eine Studie so genannte Energieeinsparraten und Minderungskosten verschiedener Sanierungsmaßnahmen in Altgebäuden ermitteln. Als besonders kostengünstig erwiesen sich dabei Investitionen in die Modernisierung der Anlagentechnik.
Bei knappen finanziellen Ressourcen erfolgen Maßnahmen an der Gebäudehülle oft erst im zweiten Schritt nach der Investition in die anlagentechnische Erneuerung.
Rund 24 Mio. der insgesamt 37 Mio. Wohneinheiten in Deutschland verbrauchen zuviel Energie. Diese Wohnungen werden von rund 17 Mio. Heizungsanlagen beheizt, von denen gerade mal 10 % dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Weit über 2 Mio. der Heizkessel sind Oldtimer mit einem Energieverbrauch, der um 30 % über dem eines modernen Brennwertkessels liegt.
Veraltete Heizkessel verhindern den effizienten und damit kostengünstigen Einsatz von Heizöl und Erdgas. Bei steigenden Energiepreisen kommt zu Recht die Frage auf, wie der Heizungsbetreiber der Kostenfalle möglichst günstig entgehen kann. In Frage kommen Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen Qualität der Gebäude, sowie die Modernisierung der Anlagentechnik.
Als besonders kostengünstig erweisen sich die Investitionen in die Verbesserung der Anlagen- technik. So ließ der Bundesindustrieverband Deutschland, Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V., BDH, über eine Studie so genannte Energieeinsparraten und Minderungskosten verschiedener Sanierungsmaßnahmen in Altgebäuden ermitteln. Basis für die Betrachtungen waren ein unsaniertes freistehendes Einfamilien¬haus, errichtet vor 1970, sowie ein Einfamilien-Reihenmittelhaus, errichtet in den achtziger Jahren. Beide Gebäude sind repräsentativ für über 80 % des Gebäudebestandes in Deutschland. In beiden Gebäuden ist ein alter Standardheizkessel installiert mit einem energetischen Wirkungsgrad von unter 70 %.
Über den Austausch des Standardheizkessels durch einen modernen Öl- oder Gasbrennwertkessel werden rund 25-30 % an Energie eingespart. Die Amortisation – also die Zeit in der sich die Investition bezahlt macht – liegt bei durchschnittlich 7 Jahren. Wird der Brennwertkessel mit einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung oder gar zur Heizungsunterstützung kombiniert, werden zusätzlich 6-20 % Energie eingespart.
Wird eine Heizungsmodernisierung wahrgenommen, sollten die weiteren Anlagenkomponenten wie Regelungstechnik, Pumpen und Heizkörper ebenfalls erneuert werden, denn die Effizienz der Anlage kann hierdurch noch weiter erhöht werden. Insbesondere führt der Einsatz von modulierenden Hocheffizienzpumpen zur Reduzierung der elektrischen Hilfsenergie der Gesamtanlage.
Der zweite Investitionsfall ist die Volldämmung der Ausgangshäuser auf das Niveau eines Neubaus nach Energieeinsparverordnung, EnEV. Soll über die Dämmung ebenfalls 25-30 % an Energie eingespart werden, wie im Falle des anlagentechnischen Beispiels, so sind Investitionskosten erforderlich, die beim 2,5fachen der Investition in die anlagentechnische Modernisierung liegen. Die Amortisation einer solchen Investition liegt bei 31 Jahren.
Technisch machbar ist die Kombination aufwendiger Dämmmaßnahmen und Erneuerungen der Fenster in Verbindung mit einer anlagentechnischen Modernisierung und dem Einsatz erneuerbarer Energien. In solchen Fällen kann der Energieverbrauch der Häuser um über 70 % abgesenkt werden, so dass sie Neubauniveau nach der EnEV erreichen. Allerdings schlagen solche Investitionen bei unserem Ausgangsfall mit bis zu 45.000 Euro zu Buche. Die Amortisationszeit liegt dann bei 18-20 Jahren.
In der Regel zwingen knappe finanzielle Ressourcen dazu, die energetische Modernisierung des Gebäudes in zwei Schritten vorzunehmen:
1. Investition in die anlagentechnische Erneuerung
2. Maßnahmen an der Gebäudehülle
Bei knappen Finanzen entscheidet in der Regel das Kosten-Nutzenverhältnis. Allerdings sollten bei der Reihenfolge der Maßnahmen physikalische Zusammenhänge beachtet werden. So sinkt der Wirkungsgrad eines alten Heizkessels nach einer Maßnahme in die Verringerung des Wärmebedarfs über Dämmung. Die Absenkung des Wirkungsgrades kommt durch überproportional steigende Stillstandsverluste des Kessels zustande. Wird aber in einem ersten Schritt der Standardheizkessel durch einen modernen modulierend arbeitenden Brennwertkessel mit sehr geringen Stillstandsverlusten und hohem Wirkungsgrad ersetzt, kommt es sofort zu einer Absenkung des Energieverbrauchs von 30 %, auch wenn die Maßnahme an der Gebäudehülle zunächst zurückgestellt wird.
Empfehlung des BDH:
Jeder Modernisierungsfall weist unterschiedliche Rahmenbedingungen auf und muss so einzeln bewertet werden. Es empfiehlt sich, einen Heizungsfachbetrieb mit der Begutachtung der Anlage zu beauftragen.