Do, 23. Mai 2013 | 18:55:43 Uhr
Cu-DEL: 576,00 €/100kg

Trinkwasser-Leitungssysteme

342
Autoren
OldBo
19.10.2011
Trinkwasserleitungen sollten heutzutage immer als Reihen- oder Ringleitungssystem verlegt werden.
Einzelzuleitungen
 Einzelzuleitungen
Quelle: Geberit Vertriebs GmbH
Reihenleitung
 Reihenleitung
Quelle: Geberit Vertriebs GmbH
Ringleitung
 Ringleitung
Quelle: Geberit Vertriebs GmbH
Kombination-System
 Kombination-System
Quelle: Geberit Vertriebs GmbH
T-Stück-Installation
 T-Stück-Installation
Quelle: Geberit Vertriebs GmbH
Wichtige Gesichtspunkte für die Auswahl des richtigen Leitungssystems sind:
• Trinkwasserhygiene – Stagnation ist auszuschließen nach DIN 1988-2
• Anzahl und Position der Sanitärobjekte
• Bauart der Installationswände – Nass- oder Trockenbau
• Anordnung der Steigleitungen
• Schlitzausführung – gefräst oder gemauert
• Verlegungsart – auf dem Rohboden oder in Hohlräumen
• Benutzungsart – häufig oder selten benutzte Entnahmearmaturen

Bei den Einzelzuleitungen wird jede Entnahmestell separat angeschlossen. Es besteht aber ein Hygienerisiko durch stagnierendes Wasser in den Einzelleitungen.
  • Kleine Rohrdimensionen, da die Druckverluste auf der Etage minimiert werden. So wird auch bei geringem Versorgungsdruck ein hoher Komfort an den Armaturen geboten.
  •  Geringer Aufwand bei der Planung und Berechnung, da nur eine Rohrgröße verwendet wird.

In der Reihenleitung müssen die Entnahmestellen mit einem Doppelanschluss versehen werden. Das Rohr wird von einer Entnahmestelle unmittelbar zur nächsten weitergeführt. Der am häufigsten benutzte Verbraucher sollte am Reihenende liegen. Dadurch wird eine Stagnation des Wassers ausgeschlossen.
  • Immer hygienisch einwandfreies Wasser
  • Geringer Rohrverbrauch
  • Schnelle Montage
  • Einfache Leitungsführung

Wie in der Reihenleitung müssen bei der Ringleitung die Entnahmestellen mit einem Doppelanschluss versehen werden und das Rohr wird von einer Entnahmestelle unmittelbar zur nächsten weitergeführt, nur wird die Leitung von der letzten Entnahmearmatur zurück zum Verteiler geführt. Auch bei dieser Leitungsführung wird eine Stagnation des Wasser ausgeschlossen.
  • Optimaler Wasseraustausch (hygienisch einwandfreies Wasser) sowie gleichmäßige Druck- und Wärmeverteilung
  •  Geringerer Druckverlust gegenüber der Reiheninstallation und dadurch ist der Anschluss von deutlich mehr Sanitärobjekten möglich

Natürlich können in kleineren Installationen die verschiedenen Systeme auch kombiniert werden.

WC – Einzelzuleitung / Doppelwaschtisch – Reihenleitung / Küche – Ringleitung

Durch die Verwendung von T-Stücken entstehen Einzelzuleitungen. Diese Installation sollte nur bei Zuleitungen zu häufig und regelmäßig genutzten Entnahmestellen verwendet werden. Wobei man unter "häufig" täglich verstehen sollte. In Estrichkonstruktionen sollten wegen der Aufbauhöhe und des Wärmeaustausches keine T-Stücke eingebaut werden.

Immer wieder kommt es in Trinkwasseranlagen mit Kupferrohrinstallationen, die jahrzehntelang problemlos funktionierten, zu erheblichen Korrosionsschäden an den Rohrleitungen und dadurch zu Wasserschäden. Der Grund liegt in der Änderung der Wasserqualität, die in einem Wassereinzugsgebiet geliefert wird. Nach der DIN 50930 Teil 6 dürfen keine Kupferrohre installiert werden, wenn der pH – Wert unter 7,0 und bei einem pH-Wert zwischen 7,0 und 7,4 darf der TOC-Wert 1,5 mg/l nicht überschreiten. In Bestandsanlagen wird in solchen Fällen eine Totalsanierung empfohlen, wenn die Wasserqualität durch Mischung mit anderen Wässern nicht verbessert werden kann.
Rohrwerkstoffe
Die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) schreibt vor, dass in einer Trinkwasseranlage nur Bauteile und Komponenten verwendet werden, die entsprechend den anerkannten Regeln der Technik beschaffen sind. Das Zeichen einer anerkannten Prüfstelle (z. B. DIN-DVGW, DVGW- oder GS-Zeichen) gewährleistet, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Darüber hinaus schreibt die Verordnung verbindlich vor, dass Arbeiten an der Hausinstallation nur durch eingetragene Installationsbetriebe vorgenommen werden dürfen.

In der Planungsphase muss unter anderem die Qualität des Trinkwassers berücksichtigt werden. Hier sind die DIN 1988, DIN 50930-6, DIN EN 12502 und VDI-Richtlinie 6023 zu beachten.

Jeder Rohrwerkstoff hat Einsatzgrenzen, die zwar in aller Regel nicht im bestimmungsgemäßen Betrieb, aber durchaus bei besonderen Maßnahmen wie Stoßdesinfektionen erreicht werden können. In Zweifelsfällen ist immer der Komponentenhersteller zu kontaktieren.

Diese Rohrwerkstoffe bzw. Systeme mit DVGW-Zeichen dürfen ohne wasserseitige Einschränkungen eingesetzt werden.
Kupferrohre und -pressverbinder dürfen nicht installiert werden, wenn der
  • pH – Wert unter 7,0
  • pH-Wert zwischen 7,0 und 7,4 darf der TOC-Wert 1,5 mg/l
Feuerverzinkte Stahl- bzw. Eisenwerkstoffe dürfen nach DIN 50930-6 und DIN EN 12502 nur im Kaltwasserbereich eingesetzt werden, wenn
  •  die Basenkapazität KB 8,2 0,5 mol/m3 und gleichzeitig
  • die Säurekapazität KS 4,3 1,0 mol/m3 beträgt.
Bleirohre in Altanlagen müssen spätestens bis 2013 auf Grund der verschärften Grenzwerte für Blei gemäß der TrinkwV saniert werden. Was normalerweise ein Austausch des gesamten Rohrnetzes bedeutet.

Die Verwendung verschiedener Werkstoffe in der Trinkwasserinstallation kann den Regeln der Technik (DIN 1988-7) entsprechen. Z. B. können  Rohre aus Kupfer, innenverzinntem Kupfer, nichtrostendem Stahl und PE-X miteinander kombiniert werden. Bei Kombinationen verzinkter Gewinderohre mit anderen Rohrwerkstoffen ist die DIN 1988-7 einzuhalten. Dabei ist zubeachten, dass größere Bauteile und Apparate aus Kupfer, Kupferlegierungen, verzinntem Kupfer und Kupferloten in Fließrichtung nicht vor verzinkten Eisenwerkstoffen angeordnet werden dürfen.

Als Übergang zwischen Edelstahl und verzinktem Stahl werden Übergangsstücke aus Kupferlegierungen empfohlen, deren Länge mindestens dem Rohrdurchmesser entspricht. Hierdurch wird die Wirkung der Bimetallkorrosion (abhängig von der Wasserbeschaffenheit) verringert.

Durch die neue Trinkwasserverordnung 2011, die aa dem 1. November 2011 anzuwenden ist, ändern sich die normgerechten Bezeichnungen für die Wasserleitungen in Zeichnungen und Beschilderung.
PW : Potable Water (Trinkwasserleitung)
PWC : Potable Water Cold (Trinkwasserleitung - kalt)
PWH : Potable Water Hot (Trinkwasserleitung - warm)
PWH-C : Potable Water Hot-Circulation (Trinkwasserleitung - warm, Zirkulation)
NPW :Non Potable Water (Nichttrinkwasser)
TI :Thermal Insulation (Wärmedämmung)
Venturi-Strömungsteiler
Venturi-Strömungsteiler
 Venturi-Strömungsteiler
Quelle: Gebr. Kemper GmbH + Co. KG
Beispiel einer Installation in einem Einfamilienhaus
 Beispiel einer Installation in einem Einfamilienhaus
Quelle: Gebr. Kemper GmbH + Co. KG
Eine besondere Art, eine hygienisch unbedenkliche Installation herzustellen, ist der Venturi-Strömungsteiler. Das Wirkprinzip des Strömungsteilers beruht auf dem Prinzip der Venturi-Düsentechnik.

Der minimale Druckunterschied zwischen Zuleitung A und Rückleitung B bewirkt eine Zwangsdurchströmung der Zapfstelle bzw. der Etagenleitung. Der Antrieb erfolgt durch Wasserentnahme nach dem Venturi-Strömungsteiler. Der gesamte Wasserinhalt der Ringleitung wird so ausgetauscht. Dadurch wird eine Stagnation in den Kalt- und Warmwasserleitungen vermieden.

Bei einem kleinen Volumenstrom in der Verteilleitung / im Steigstrang bleibt die dynamische Venturi-Düse fast vollständig geschlossen und nahezu der gesamte zur Versorgung benötigte Volumenstrom wird durch den Ring geleitet.
Bei einem höheren Volumenstrom in der Verteilleitung / im Steigstrang öffnet   die dynamische Venturi-Düse bei Erreichen des Öffnungsdruckes – der größte Anteil des Volumenstromes fließt direkt durch den Strömungsteiler im Durchgang, wobei ein Teilvolumenstrom durch den bekannten Venturi-Effekt in den Ring umgeleitet wird.
Wandscheiben
Doppelwandscheibe (oben), Wandscheiben-T-Stück (links unten), Doppelwandscheibe (rechts unten)
 Doppelwandscheibe (oben), Wandscheiben-T-Stück (links unten), Doppelwandscheibe (rechts unten)
Quelle: Viega GmbH & Co. KG
Doppelwandscheibe
 Doppelwandscheibe
Quelle: Viega GmbH & Co. KG
Aus hygienischen Gesichtspunkten sind die Trinkwasserleitungen als Reihen- oder Ringleitungssystem herzustelllen, dazu sind spezielle Wandscheiben notwendig. Diese haben geringen Einzelwiderstände und ermöglichen niedrige Druckverluste in den Etagenverteilungen.

Auch wenn einzelne Armaturen nicht regelmäßig benutzt werden, wird der Wasserinhalt der gesamten Reihen- oder Ringleitung regelmäßig ausgetauscht, weil die am häufigsten benutzte Armatur (WC) eine Stagnation ausschließt.

Auch wenn einzelne Wohnungen (Ferienwohnungen) oder Zimmer (Hotel) nicht belegt sind, kann durch eine elektronisch gesteuerte Betätigungsplatte das System gepült werden.
Weitere Funktionen