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Stagnation - Trinkwasserinstallation

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Autoren
OldBo
18.07.2012
Problematisch in der Trinkwasserinstallation sind selten genutzte Entnahmestellen, so z. B. Gäste-WC, Gästezimmer, gelegentlich genutzte Räume (Partyraum) oder besonders Außenzapfstellen.
Stagnationsleitung
 Stagnationsleitung
Sicherheitsventil mit langer ungedämmter Zuleitung
 Sicherheitsventil mit langer ungedämmter Zuleitung

Hygienisch problematisch in der Trinkwasserinstallation sind selten genutzte Entnahmestellen, so z. B. Gäste-WC, Gästezimmer, gelegentlich genutzte Räume (Partyraum) oder besonders Außenzapfstellen. Aber auch in Wohnungen (Ferienwohnungen, leerstehende Wohnungen) kann Stagnationswasser ein großes Problem darstellen. Von Stagnationswasser spricht man, wenn das Wasser länger als 4 Stunden stillsteht. Hier handelt es sich um Wasser, das unter ungünstigen Bedingungen (erwärmtes Kaltwasser, alte rostige oder verschleimte Rohrleitungen) in der Hausinstallation vorhanden sein kann.

Stagnationswasser darf nicht mit dem fossilen Wasser, das ein Alter von bis zu 40.000 Jahre hat und wasserwirtschaftlich genutzt werden kann,  verwechselt werden :>))

Besonders die Leitungen zu Außenzapfstellen sind stagnationsgefährdet. Um dem Kunden das Absperren und Entleeren der Leitung zu ersparen, werden oft frostfrei absperrende Ventile eingebaut. Damit ist das Risiko des Einfrierens beseitigt. Nicht beseitigt ist die Stagnationsgefahr. Denn wenn es draußen kalt ist, wird die Außenzapfstelle nicht benutzt und das Wasser steht in der Zuleitung. Solche Entnahmestellen sind an der Zuleitung zu einer häufig benutzten Armatur anzuschließen. Das kann durchaus bedeuten, dass das Wasser auf dem Weg in die Küche zunächst zum Anschluss der frostfrei absperrenden Außenarmatur geführt wird – Ring- oder Reihensystem.

Leitungen mit stehendem Wasser, die mit dem Trinkwassersystem in Verbindung stehen, bieten Bakterien ideale Lebensbedingungen. Durch so genannte Rückverkeimungen greifen die Bakterien dann auch auf die in Betrieb befindlichen Wasserleitungen über. Das gilt besonders für die Warmwasserleitungen oder schlechtgedämmte oder überhaupt nicht gedämmten Kaltwasserleitungen in beheizten Räumen oder Schächten.

Lange Leitungen zu Sicherheits- oder Sicherungsarmaturen und lange Zuleitungen zu Sicherheitsventilen und die früher auch normativ geforderte Beruhigungsstrecke zu Rohrbelüftern müssen vermieden werden. Diese anschlussfreie Zuleitung musste mindestens 50 cm betragen und sind immer noch in tausenden von Mietshäusern vorhanden. Ein Rückbau und der Einsatz von Einzelsicherungen wären hier immer sinnvoll.

Auch das „Abstopfen“ nicht mehr benötigter Entnahmestellen bzw. Stichleitungen sind Problemstellen. Hier sollten die Leitungen, die nicht mehr benötig werden, direkt an der Abzweigung der Verteileitung entfernt werden.

Immer wieder kommt es in Trinkwasseranlagen mit Kupferrohrinstallationen, die jahrzehntelang problemlos funktionierten, zu erheblichen Korrosionsschäden an den Rohrleitungen und dadurch zu Wasserschäden. Der Grund liegt in der Änderung der Wasserqualität, die in einem Wassereinzugsgebiet geliefert wird. Nach der DIN 50930 Teil 6 dürfen keine Kupferrohre installiert werden, wenn der pH – Wert unter 7,0 und bei einem pH-Wert zwischen 7,0 und 7,4 darf der TOC-Wert 1,5 mg/l nicht überschreiten. In Bestandsanlagen wird in solchen Fällen eine Totalsanierung empfohlen, wenn die Wasserqualität durch Mischung mit anderen Wässern nicht verbessert werden kann.

Trinkwasserinstallationen mit selten genutzten Entnahmestellen und langen Zuleitungen sollten grundsätzlich mit dem Ring- oder Reihenleitungssystem geplant und ausgeführt werden.
Kein Trinkwasser
Ein Schild, das an vielen Zapfstellen angebracht sein müsste
 Ein Schild, das an vielen Zapfstellen angebracht sein müsste
Bei dem Begriff „Kein Trinkwasser“ handelt es sich nicht um Nichttrinkwasser, sondern um kaltes und erwärmtes Trinkwasser, das aufgrund von Stagnation und/oder alter bzw. falscher Rohrmaterialien nicht mehr für den Genuss durch Menschen geeignet ist. In vielen Trinkwasserinstallationen befindet sich aufgrund von Stagnationswasser in nicht oder unzureichend gedämmten Rohrleitungen kein Wasser, das für den für den menschlichen Genuss nicht geeignet ist.

Vor allen Dingen in Altbauten mit Blei- und verzinkten Rohrleitungen und stillgegelegten Stichleitungen befindet sich oftmals aufgekeimtes und/oder mit Metallbestandteilen belastetes Wasser.  Begriffe in diesem Zusammenhang sind die "Legionellen" und das "Biofouling".

Auch in Großanlagen, vor allen Dingen im öffentlichen und gewerblichen Bereich, gibt es viele Stagnationsleitungen, besonders in belüfteten abgehängten Decken oder in Rohrkanälen oder -schächten mit wärmegehenden Rohren. Aber auch in Anlagen, die wochenlang nicht benutzt werden (z. B. Schulen, Lagerräumen, alte Stichleitungen zu Außenzapfstellen), befindet sich Stagnationswasser. Die Legionellenproblematik ist in diesen Anlagen besonders zu beachten, wird aber erst dann aktuell, wenn das Wasser zum Duschen gebraucht wird (Turnhallen, Sportheime, Duschanlagen)

Dieses Wasser kann durch Rückspülungen (Rückkeimung) bei Druckschwankungen in die normaldurchströmten Leitungen gelangen.

Eine wichtige Informationspflicht der Betreiber einer Trinkwasseranlage ist, die Bewohner und Nutzer auf die Risiken von Stagnation in Teilabschnitten einer Wohnanlage hinzuweisen. Diese sind besonders auf die regelmäßigen Nutzung von Entnahmestellen im Gebäude über Aushänge und durch Anschreiben hinzuweisen.
Auch die lange Abwesenheit einzelner Mieter (z. B. Überwintern in südlichen Ländern) und die dadurch auftretende Stagnation in den Verteilleitungen führen zu hygienischen Problemen in der gesamten Trinkwasserinstallation.  Solche Anlagen müssen evtl. desinfiziert werden.
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