| | | | Zeit:
06.09.2024 11:21:23 |
Guten Tag in die Runde,das Thema Beimischung von Biogas und Einspeisung ins öffentliche Erdgasnetz ist sehr aktuell.Um z.B. 15 % Biogasanteil ab einem bestimmten Zeitpunkt gesetzlich zu erfüllen, braucht man nur einen entsprechenden Liefervertrag mit einem Gaslieferanten abzuschließen. Das ist also nicht, was mich beschäftigt und nicht der Grund für meine heutige Frage.Was mich beschäftigt ist, wie die unterschiedlichen Gasbeimischungen (irgendwann auch mit Wasserstoff) „nebeneinander“ im Gasnetz funktionieren?Wenn zig-Gasanbieter unterschiedliche Biogasanteile für hunderttausende oder Millionen Kunden ins Gasnetz einspeisen, entsteht im Netz doch ein Gas-Cocktail (für Alle !), dessen Zusammensetzung gar nicht mehr bestimmbar ist. Simples Beispiel: Nehmen wir an, ich hätte einen Liefervertrag für 15 % Biogasbeimischung und bezahle dafür einen etwas höheren Preis. „Meine“ 15 % Biogas werden ins Gasnetz eingespeist und "ordentlich vermischt". Meine Heizung bekommt mit Sicherheit keine 15 % Biogasanteil; es kann weniger oder auch mehr sein. Aber mit Sicherheit erhalten andere Kunden das gleiche Gasgemisch, auch wenn sie keine entsprechenden Verträge haben oder deren Gasgeräte für Biogas oder Wasserstoff gar nicht geeignet sind. Ist das so, oder mache ich hier einen großen Denkfehler? Gruß und ein schönes WochenendRamsi
|
| | Zeit:
06.09.2024 11:30:33 |
Bei einem Ökostromvertrag wirst du auch 100% Kohlestrom bekommen, wenn du neben einem Kohlekraftwerk wohnst. Spielt doch keine Rolle wo der Strom oder das Gas am Ende verbraucht wird, solange extra für dich eben entsprechend CO2-armes/neutrales Gas/Strom erzeugt wird, das ohne deine Investition sonst nicht erzeugt werden würde. Ob jetzt aus deinem Schornstein dann weniger CO2 kommt, oder aus einem am anderen Ende von Deutschland, ist am Ende Wurscht. Und in der Praxis ist das dann am Ende eh recht theoretisch, da die Erzeugungskapazitäten für Biogas eh begrenzt sind. Wenn das in größerem Maß benötigt wird werden die Preise dafür auch noch mehr anziehen, so dass es für einen Privathaushalt überhaupt keinen Sinn ergibt, da der aufs Gas in den meisten Fällen gar nicht angewiesen ist, im Gegensatz zur Industrie.
|
| | Zeit:
06.09.2024 12:19:57 |
Danke Gnampf für die schnelle Antwort, die im Prinzip meine Gedanken bestätigt, dass alle Gasheizungen ein Gasgemisch bekommen, ob sie dafür –rein technisch- geeignet sind oder nicht. Das würde also bedeuten, dass, wenn Wasserstoff (eines Tages) beigemischt wird, auch ältere Nicht-H2-Ready (egal ob 10, 20 oder 30 %) mit Wasserstoff betrieben werden. Könnten solche Heizungen Schaden nehmen? Das ist allgemein gefragt, mich persönlich beträfe es nicht.
|
| | Zeit:
06.09.2024 13:25:42 |
bei Biogas gibt es kein "technisch geeignet". Biogas kannst du nicht von Erdgas unterscheiden. Bevor das ins Leitungsnetz darf wird es entsprechend gereinigt und ggf. "gestreckt" wenn im Leitungsnetz L-Gas unterweg ist. EIne H2-Beimischung im größerem Rahmen wirst du aktuell auch nicht erleben, denn das wäre gar nicht zulässig. Dafür müssen dann Netze und Verbraucher angepasst werden. Die "Förderung" für H2-fähige Gasheizungen dient also hauptsächlich auch dafür, dass die Heizung dann bei einer Anpassung vom Gasnetz hin zu mehr H2 nicht getauscht werden muss. Ob es dann jemals dazu kommen wird ist aber fraglich, in der Fläche wohl eher nicht, denn das Niederdrucknetz für die paar Verbraucher weiter zu betreiben wird wirtschaftlich nicht machbar sein. Was das "Schaden nehmen" angeht: bevor das Netz umgestellt wird wird erstmal geprüft was an Verbrauchern da ist, und was da nötig ist. So wie z.B. im Norden gerade von L- auf H-Gas umgestellt wird. Soweit möglich werden die vorhandenen Heizungen umgestellt mit neuen Düsen, wo das nicht mehr geht muss sie dann eben raus und ersetzt werden. Der Netzbetreiber trägt hier die Kosten der Umstellung, bei einem nötigen Heizungstausch dagegen gibts nur ein paar Peanuts als Zuschuss weil man eh davon ausgeht das deine Heizung so alt ist das sie getauscht werden muss. Genauso wird es später auch bei H2 ablaufen. Läßt sich die Heizung umstellen, denn wird sie umgestellt, geht das nicht hast du die Wahl sie durch was taugliches zu ersetzen, oder eben auf den Gasanschluss zu verzichten. Aber wie gesagt, das betrifft alles nur H2/ Wasserstoff, nicht Biogas / Biomethan!
|
| | Zeit:
06.09.2024 13:33:15 |
Glaubt hier wirklich jemand, dass jemals Wasserstoff zur Gebäudeheizung zum Einsatz kommt? Nee, oder?
|
| | Zeit:
06.09.2024 15:27:00 |
Zitat von Gnampf  bei Biogas gibt es kein "technisch geeignet". Biogas kannst du nicht von Erdgas unterscheiden. Um es noch etwas klarer zu machen: Biogas ist nicht ein anderes Gas, sondern eine andere Herstellungsmethode. Erdgas und Biogas sind beide primär Methan, das eine wird durch Vergären von Biomasse hergestellt, das andere ist vor Millionen Jahren durch ähnliche Prozesse entstanden und wird jetzt aus dem Boden gepumpt. Unterscheiden kann man das mit entsprechender Analytik schon ( Kohlenstoff-Isotop-Zusammensetzung zum Beispiel), aber für die Heizung ist das egal. Wasserstoff ist ein anderes Gas, deshalb kann man das nicht durch den gleichen Gasanschluss beziehen. Lediglich eine geringe Beimischung zu Erdgas wird erprobt, da kommen Heizungen wohl i.a. mit zurecht.
|
| | Zeit:
06.09.2024 15:30:06 |
Zitat von Sockenralf  Glaubt hier wirklich jemand, dass jemals Wasserstoff zur Gebäudeheizung zum Einsatz kommt? Nee, oder? Nee, zumindestens nicht kurz/mittelfristig da es keine massentaugliche Technik und auch kein Gas in der Menge gibt. Und dann noch die Kosten für die kWh. Mittelfristig/Langfristig vielleicht...aber bis dahin sind schon soviele Leute vom Gas weg das es einfach nicht rentabel sein wird für die "paar" Verbraucher das ganze Netz auf Bio/ Wasserstoff &Co. umzustellen. Wasserstoff sehe ich nur Dezentral als Thema für z.b. Krankenhäuser/Kasernen/sehr große Mehrfamilienhäuser/öffentliche Gebäude &Co.
|
| | Zeit:
06.09.2024 15:42:26 |
Zitat von Sockenralf  Glaubt hier wirklich jemand, dass jemals Wasserstoff zur Gebäudeheizung zum Einsatz kommt? Nee, oder? Nein, das ist praktisch ausgeschlossen. Also abgesehen von so Nischenprodukten wie lokaler Elektrolyse aus PV, die es ja auch heute schon gibt, und vielleicht eben Beimischungen im Erdgas-Netz. Die Umwandlung von Strom in Wasserstoff ist ineffizient (~ 70 % Wirkungsgrad), die Verbrennerheizung hat nur einen Wirkungsgrad von um die 90 % (WP direkt mit dem Strom zu betreiben hat um die 350 %, und selbst Elektrolyse plus Gaskraftwerk plus Wärmepumpe bringt mehr Wärme als Elektrolyse plus Verbrennung), die Energiedichte von Wasserstoff ist gering, man bräuchte also mehr Leitungskapazität, um Erdgas mit Wasserstoff zu ersetzen, bzw., wenn man nur noch jedes dritte Haus am Erdgasnetz hängen hätte, würde vielleicht die Kapazität reichen, aber dafür müssten die dann alleine die Kosten des Netzbetriebes bezahlen. Und dazu eben der Aufwand der Umstellung, da man ja nicht graduell umstellen kann, sondern an einem Stichtag alle Heizungen umstellen muss, was auch heißt, dass bis zu diesem Tag kein Wasserstoff verfügbar sein wird, und folglich die Kunden bis zu dem Stichtag immer weiter steigende CO2-Abgaben zahlen müssen, was den Umstieg auf WP immer attraktiver macht, und wenn man sehr früh umstellt, muss man potentiell sehr viele relativ neue Heizungen austauschen, das macht's auch nicht billig. Das wird quasi garantiert am Markt scheitern, weil es viel zu teuer ist.
|
| | Zeit:
06.09.2024 15:47:18 |
Zitat von Sockenralf  Glaubt hier wirklich jemand, dass jemals Wasserstoff zur Gebäudeheizung zum Einsatz kommt? Nee, oder? Niemals. Macht wirtschaftlich keinen Sinn! Die Mengen sind gar nicht da und werden es auch nicht sein… Schein-Diskussion!
|
| | Zeit:
06.09.2024 16:48:40 |
Aber Hauptsache "technologieoffen" Der Markt wird regeln
|
| | Zeit:
06.09.2024 21:19:54 |
Aber die meisten Betreiber sind immer noch auf Öl und Erdgas programmiert. Das Umdenken und die dazu gehörenden Ängste sind nun einmal vorhanden. 🙁
|