Moin zusammen,
wir möchten unsere aktuelle
Gasheizung gerne, solange die Förderung noch existiert, durch eine
Luft-Wasserwärmepumpe ersetzen. Um den Fehler eines Taktmonsters des alten Heizungsbauers (die Wärmepumpe kommt von jemand anderem) nochmal zu begehen, würde ich gerne auf die Erfahrungen hier im Forum zurückgreifen, ob da
Angebot in unserem speziellen Fall stimmig ist.
Kurzfassung: Altbau mit Anbau (1960 / 1996, 350 m², Gasverbrauch ~35 MWh),
Heizlastberechnung 16 kW, Angebot Lambda EU15L. Frage: Gefahr der Überdimensionierung/Takten vor / nach Dämmung oder realistische Wahl?“
Ein paar Eckdaten zum Haus (Niedersachsen)
Altbau:
- 1960 erbaut, 170 m² Wohnfläche (gemäß Bauunterlagen)
- 30 cm Hohlmauer (17,5 cm Kalksandstein, Luftschicht (vermutlich geschlossen), 11,5 cm Verblendmauerwerk verputzt, mehr Infos finde ich dazu leider nicht).
- 1996 zusätzliche 11,5 cm Verklinkerung davor mit ~ 10 cm Belüftung dazwischen
- Keine weitere Wärmedämmung
-
Fenster Zweifachverglasung (nicht Wärmeschutzverglasung)
-
U-Wert Außenwand Wand schätze ich auf 1,2 W/(m²K)
- Boden teilweise Kellerdecke (U-Wert schätze ich 2), teilweise
Dielenfußboden (U-Wert schätze ich 1)
Anbau:
- 1997 erbaut, 128 m² Wohnfläche (gemäß Bauunterlagen)
- 24,0 cm Porenbetonstein und Luftschicht (sollte belüftet sein) mit 11,5 cm Klinker.
- Keine weitere Wärmedämmung
- Fenster Zweifach Isolierglas
- U-Wert Außenwand schätze ich 0,45W/(m²K)
Dach:
- 1997 saniert und mit 16 cm
Glaswolle gedämmt
Gesamtfläche:
- Aufgrund der vielen
Dachschrägen ist zu beheizende Gesamtfläche des Gebäudes ~ 350 m².
Heizkörper
- Wohnzimmer OG und Kaminzimmer (beide im Anbau, Kamin kaum genutzt und gerade so noch die neue Genehmigung bekommen) haben beide Fußbodenerwärmung mittels RTL-Ventil. Wohnzimmer OG hat eine Galerie und eine große Fensterfront.
- Typ 22 in verschiedensten Größen
Seniorenwärmungsbedarf:
- Eine 89-jährige Seniorin, die 24 Grad im Wohnzimmer im Altbau benötigt
Aktuelles Heizsystem:
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Brennwerttherme aus 2003 (29KW)
-
Vorlauftemperatur auf 55 Grad
- Aktuell liegt unser Gasverbrauch zwischen 30.000 und 40.000 kWh.
- 08.2024 bis 07.2025 war 36.000 kWh
- 08.2023 bis 07.2024 war 32.000 kWh
- 08.2022 bis 08.2023 (das war die Zeit wo ich den 11KW Jumper gezogen hatte, den der Heizungsbauer 2023 wieder hineingesteckt hat. Bei tiefen
Temperaturen war es aber schon merklich etwas kälter in den Räumen) war 28.000 kWh
- In alten Unterlagen habe ich gesehen, dass der Verbrauch 2003 auch schonmal bei 45.000 kWh war.
Angebot des Heizungsbauers:
- Lambda EU15L (auch wenn die Lambdas ein teurer sind, strahlt mein ITler-Herz bei der offenen Dokumentation und den vorhandenen Schnittstellen, weswegen wir eine Lambda - Dimensionierung wäre zu definieren - bevorzugen würden).
- Hydraulikschema gemäß Lambda 112_00 mit 300L
Pufferspeicher als Stich
- 300L Warmwasserpufferspeicher
- Tausch von 6 Heizkörpern durch Typ 33
Anbindung der Wärmepumpe:
Da das Haus sehr weit vorne auf dem Grundstück steht und quasi die gesamte Breite einnimmt (nur noch Einfahrt für Auto bleibt), muss die Wärmepumpe hinter das Haus, während der Keller vorne im Haus ist. Dadurch ergibt sich eine Anbindungslänge von 15 m im Erdreich (1 m tief) + 3 m im Keller. Heizungsbauer schlägt hier die Verwendung eines Wärmepumpenrohrs / Fernwärmerohr vor. Den Leistungsverlust von ca. 150W müssen wir leider in Kauf nehmen und ist alternativlos.
Heizlastberechnung:
Ich habe meine Annahmen in heiz.report eingefügt und erhalte eine Heizlast von 16,31 kW. heiz.report empfiehlt eine Leistung der Wärmepumpe von 15,13kW, mit
Bivalenzpunkt von -7 °C und NAT -9.7 °C.
Nutze ich den Heizlastrechner, basierend auf dem Verbrauch vom Bundesverband Wärmepumpe, komme ich auf folgende Werte:
- 08.2023 - 08.2024: 18,5 kW
- 08.2022 - 08.2023: 14,9 kW
Meine Heizlastberechnung sieht also plausibel aus.
F1: Meine laienhafte Annahme wäre jetzt, dass das Angebot vom Heizungsbauer realistisch ist, oder?
Hier der Graph mit der EU15L
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Jetzt ist es aber natürlich so, dass wir mittelfristig das Haus weiter energetisch sanieren wollen / sollten.
Einerseits, muss man sich nichts vormachen, ist absehbar, dass die Seniorin irgendwann nicht mehr da sein wird, wodurch der gesamte Altbau im EG komplett saniert wird inkl. neuer Fußbodenheizung etc. Das kann aber 1 Jahr oder auch 10 Jahre sein. Eine innere Sanierung ist ihr hier aber aktuell nicht zumutbar.
Eine weitere, einfachere Dämmungsmaßnahme wäre, den 10 cm Luftspalt mit Einblasdämmung zu versehen.
Annahme: U-Wert Altbau nach Dämmung 0.3 (Best-Case)
Heizlast: 12.8kW
Die EU15L würde dann so aussehen und wäre
MonovalentBei 6 Grad wäre hier die minimale Leistung der Wärmepumpe über dem Bedarf des Hauses. Je wärmer es wird, desto schneller ist der 300L Puffer wieder aufgeheizt, desto kürzer wird die Laufzeit des Kompressors. Zewotherm sagt auf Rückfrage, dass der Kompressor mindestens 30min laufen sollte.
Annahme:
- 13 Grad
- Leistung WP: 5,8 kW
- Heizlast Haus: 1,68 kW
- Pufferspeicher: 5K Hub wären 2 kWh
- Laufzeit bis Puffer wieder aufgeheizt wurde: 2 kWh / (5,8 kW - 1,68 kW) = 29 Minuten
- Gleichzeitig pausiert die im Anschluss natürlich auch wieder für knapp eine Stunde, da die
Energie im Puffer ausreicht.
Meine Fragen:
F2: Ist das überhaupt problematisch oder ist das hier eher ein theoretisches Problem? F3: Die Angst vorm Takten einer Wärmepumpe hält sich ja auch hier im Forum hartnäckig
F4: Der Heizungsbauer meinte, das bekäme man in den Griff. Stimmt das?
F5: Macht man sich in der Praxis darüber so konkret Gedanken? Ich kenne das aus meiner Branche, wo manche Dinge heißer gekocht werden als sie sind.
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Natürlich habe ich auch eine EU13L verglichen.
Ohne Dämmung (Bivalenzpunkt -4 °C)
Mit Dämmung (Bivalenzpunkt -8 °C)
In der Übergangszeit sieht es aber nicht ganz anders aus. Hier wäre die Leistung der Wärmepumpe ab 7 Grad oberhalb der Heizlast des Hauses.
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F6: Gibt es weitere Dinge zu Beachten (Spreizung, Volumenstrom bei HK + RTL FBH, ...)
F7: Was wäre in der aktuellen Situation der schlauste Schritt?
Einerseits drängt die Zeit etwas, weil aktuell unklar ist, wie lange die aktuelle Regierung die Heizungsförderung noch beibehält, wodurch die Zeit ggf. knapp wird einen kompletten Sanierungsfahrplan zu erstellen und das Haus vor Einbau der Wärmepumpe zu dämmen, andererseits will man auch keine überdimensionierte Wärmepumpe haben, wenn man sich erst entscheidet in 2-3 Jahren zu dämmen.