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Planungshilfe KWL für EFH (Leitungen und Ventile)
Verfasser:
thn80
Zeit: 02.05.2026 20:03:57
0
3952631
Hallo liebe Lüftungsexperten,

bei uns geht es so langsam auch an die Planung und Umsetzung der KWL für unseren Neubau eines Einfamilienhauses.

Ich habe hierzu für eine erste Auslegung zwei große Lüftungshersteller (M***o, H****s) kontaktiert und recht ähnliche Ansätze der Auslegung erhalten. Die Nennlüftung wurde dabei auf ca. 270 m³/h ausgelegt und als Lüftungsgeräte sollen 470 m³/h-Geräte zum Einsatz kommen (bei einer Intensivlüftung von ca. 350m³/h).

Das Lüftungsgerät soll im UG im Technikraum untergebracht werden (die Position habe ich im Grundriss markiert). Die Lüftungsrohre sollen in einem Technikschacht (I-Zelle) in die Etagen geführt werden und dort dann innerhalb der abgehängten 17cm-Decke zu den Ventilen.
Hierbei haben beide Firmen die Luftverteiler direkt im Technikraum beim Lüftungsgerät vorgesehen, um von dort, dann mit 75er-Flexrohren in die Etagen und zu den Ventilen zu fahren.

Die Luftmengen der einzelnen Etagen liegen aktuell bei:
- Summe Zuluft OG: 107,99 m³/h
- Summe Abluft OG: 63,52 m³/h
- Summe Zuluft EG: 108,00 m³/h
- Summe Abluft EG: 79,64 m³/h
- Summe Zuluft UG: 54,00 m³/h
- Summe Abluft UG: 127,04 m³/h
- Summe Zuluft GESAMT: 269,99 m³/h
- Summe Abluft GESAMT: 270,20 m³/h

Die gemeinsame Zuluft und Abluft in dem einen Abstellraum im Keller war ein Sonderwunsch, also hier bitte nicht wundern.

Meine Fragen:

1. Ist diese Art des Aufbaus (Luftverteilung direkt hinter dem Lüftungsgerät und von dort mit 75er-Rohren zu den Ventilen) der heutzutage übliche Standard? Ich hatte mal gelesen, dass man mit möglichst großem Durchmesser (~200mm) in die Etagen fahren soll, dort mit 160er Rohren weiter und nur die letzten Meter in DN75/DN90 ausführt, um eine möglichst leise Anlage zu erhalten (und vermutlich auch wenig Luftwiderstand und somit Stromverbrauch zu haben).

2. Wäre es empfehlenswert hier mit höheren Rohrdurchmessern zu arbeiten und die Verteilung auf die einzelnen Ventile erst auf jeder Etage machen? Dies würde vermutlich auch die Verlegung vereinfachen, da der Technikschacht nicht so vollgestopft wird.

3. Passen die Luftmengen pro Ventil in unserer aktuellen Auslegung? Hier bin ich etwas beunruhigt, dass einige Ventile über 25-30 m³/h liegen. Eine sehr leise Auslegung der Anlage ist uns wichtig.

4. Ich habe in den Grundrissen die Angaben zu den Zuluft/Abluft-Ventilen an die Stellen geschrieben, wo ich die Ventile nach aktuellem Kenntnisstand platzieren würde. Passt dies oder habt Ihr Verbesserungsvorschläge?

5. Die Lüftungsrohre sollen im Technikschacht (der Schacht ganz oben links im Grundriss) in das jeweilige Stockwerk gehen und dort bevorzugt im Flur entlag dann zu den Räumen. Passt dieser Rohrverlauf?

6. Die maximale Entfernung vom Lüftungsgerät zu den am weitesten entfernten Ventilen dürfte bei 29-31m liegen. Ist dies ein Problem?

7. Bei den von mir oben angegebenen Luftmengen würden vom OG in das EG ca. 44,47 m³/h strömen und vom EG ins UG ca. 72,83 m³/h. Ist dies ein übliches Vorgehen solche Luftströme zwischen den Etagen zu haben?

Vielen lieben Dank im Voraus,

Thomas






Verfasser:
leitwolf
Zeit: 04.05.2026 10:12:24
0
3952836
Hallo thn80,
wende dich mit deiner Anfrage an leit-wolf.at. Deine Ansprüche mit der Verteilung im Geschoß, Akustik und passende Luftverteilung decken sich sehr gut mit unserer Philosophie. Hier bekommst du auch eine individuelle Beratung in Abstimmung mit der Heiz- und Klimatechnik.

Verfasser:
thn80
Zeit: 04.05.2026 14:45:07
0
3952877
Hallo leitwolf,

vielen Dank für deine Rückmeldung und den Hinweis – ich kenne deine Beiträge hier im Forum und schätze deine Erfahrung in dem Bereich sehr.

Wir sind aktuell noch in einer frühen Planungsphase und versuchen, zunächst ein gutes Grundverständnis sowie eine belastbare „Richtung“ für die Ausführung zu entwickeln, bevor wir ggf. in eine detaillierte (kostenpflichtige) Planung einsteigen.

Mich würden daher ein paar grundsätzliche Einschätzungen interessieren:

* Wie bewertest du die Variante mit zentraler Verteilung direkt im Technikraum und anschließender Verlegung mit DN75 in die Etagen im Vergleich zu einer etagenweisen Verteilung mit größeren Querschnitten im Steigschacht?

* Sind Luftmengen im Bereich von >25–35 m³/h pro Ventil aus deiner Sicht noch sinnvoll leise realisierbar oder würdest du hier eher anders aufteilen?

* Spielt eine Leitungslänge von ~30 m bei dieser Auslegung erfahrungsgemäß eine relevante Rolle?

Vielleicht kannst du (oder auch andere hier im Forum) dazu noch ein paar grundsätzliche Hinweise geben – das würde mir für die weitere Planung sehr helfen.

Vielen Dank euch!

Verfasser:
leitwolf
Zeit: 05.05.2026 12:44:05
0
3952989
* Wie bewertest du die Variante mit zentraler Verteilung direkt im Technikraum und anschließender Verlegung mit DN75 in die Etagen im Vergleich zu einer etagenweisen Verteilung mit größeren Querschnitten im Steigschacht?

Steigleitungen mit größeren Querschnitten und Verteilung im Geschoß benötigt im Schacht wesentlich weniger Platz und hat noch dazu weniger Strömungswiderstand. Auch die Druckverhältnisse zwischen den einzelnen Durchlässen sind gleichmäßiger, was die Einregulierung vereinfacht. Dadurch ergibt sich auch ein akustischer Vorteil.

* Sind Luftmengen im Bereich von >25–35 m³/h pro Ventil aus deiner Sicht noch sinnvoll leise realisierbar oder würdest du hier eher anders aufteilen?

Das Standardkonzept teilt die Volumenströme "gießkannenmäßig" bzw. gleichmäßig auf die Fläche auf. Das entspricht aber nicht der praktischen Nutzungssituation. In bestimmten Räumen (z.B. Schlaf- und Arbeitsräume) mit kleinerem Luftvolumen und längerer Aufenthaltsdauer gelten mindestens die gleichen Luftqualitätsanforderungen als in großen Räumen mit kürzerer Aufenthaltsdauer. Auch kann ein Kinderzimmer oder ein Büro irgendwann von 2 Personen über längere Zeit genutzt werden. Das erfordert Flexibliität bei den Volumenströmen je Raum. Das sollte man bei der Auslegung der Querschnitte im Auge behalten. Je Durchlass ist ein Volumenstrom von bis zu 60 m³/h lautlos und zuglos möglich, wenn die Auslegung passt.

5. Die Lüftungsrohre sollen im Technikschacht (der Schacht ganz oben links im Grundriss) in das jeweilige Stockwerk gehen und dort bevorzugt im Flur entlag dann zu den Räumen. Passt dieser Rohrverlauf?

Verteiler egal ob Lüftung oder Heizung, sollten mehr ins Zentrum des Grundrisses gerückt werden. Beispielsweise durch das WC/Dusche im EG und in den HWR im OG. Dann kann der Flur als Verteilebene genutzt werden und die einzelnen Leitungsabschnitte bleiben kurz und werden nicht so extrem lang.

* Spielt eine Leitungslänge von ~30 m bei dieser Auslegung erfahrungsgemäß eine relevante Rolle?

Ja, weil die Leitungslängen sehr unterschiedlich sind und der Druckverlust relativ hoch ist. Von einer späteren ungünstigen Reinigungsmöglichkeit ganz abgesehen. Das SZ im OG wird buchstäblich luftmäßig "verhungern".

Verfasser:
VMCDFA
Zeit: 05.05.2026 16:42:55
0
3953029
Zitat von thn80 Beitrag anzeigen
Hallo leitwolf,

vielen Dank für deine Rückmeldung und den Hinweis – ich kenne deine Beiträge hier im Forum und schätze deine Erfahrung in dem Bereich sehr.

Wir sind aktuell noch in einer frühen Planungsphase und versuchen, zunächst ein gutes Grundverständnis sowie eine[...]

Spielt eine Leitungslänge von ~30 m bei dieser Auslegung erfahrungsgemäß eine relevante Rolle?
Hallo,

Spielt eine Leitungslänge von ~30 m bei dieser Auslegung erfahrungsgemäß eine relevante Rolle ?

Ist das ein Scherz (oder ein großer Witz) ?

Ich empfehle Ihnen, eine reale KWL- und WRG-Simulation für Ihr Haus mit der Software HB+ durchzuführen. Siehe hier: https://hybalans.burgerhout.com/authentication/login

Bitte posten Sie das PDF-Ergebnis Ihrer realen HB+-Simulation für Ihr Haus im Forum.

Dann werden wir das Ergebnis analysieren !!!

Andernfalls (ohne eine HB+-Simulation) rate ich Ihnen, den Ratschlägen meines Freundes Leitwolf zu folgen.

Grüß, Pierre

Verfasser:
thn80
Zeit: 05.05.2026 23:29:58
0
3953084
Hallo leitwolf, Hallo Pierre,

vielen lieben Dank für Eure bisherigen Hinweise, welche mir sehr weiterhelfen.
Da ich auf dem Gebiet der Lüftungsanlagen noch recht neu bin, entschuldigt meine teilweise doofen Fragen.

@Pierre:
In deinem Beitrag hast du davon geschrieben, dass ein Zuluftventil an der Decke und ein Zuluftventil an der Wand sehr unterschiedlich sind. Kannst Du mich hier kurz abholen?
Weiterhin hattest du eine "Lineare Variante" und "Oktopus Variante" erwähnt. Meintest Du hiermit die Verteilung auf den Etagen vs. Verteilung an einer zentralen Stelle?

Deinem Tipp zum HB+ Tool bin ich gefolgt und spiele damit nun mal.

Vielen lieben Dank,

Thomas

Verfasser:
gwynlavin
Zeit: 06.05.2026 23:27:00
1
3953267
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wenig Raum Architekten dem Installationsbereich zuordnen - gerade bei Häusern von >300m². Die Handwerker dürfen dieses dann mit Vormauern ausbaden, und der Bauherr wundert sich am Enden wenn ihm überall 10 bis 20cm fehlen.

Besonders gut kommt es dabei, wenn man in jeder Ecke des Hauses ein Wasser-/Abwasseranschluss plant. Aus Energieeffizienz- und Hygienesicht sind für WW dann vor allem Durchlauferhitzer zu empfehlen.

Gruß Gwyn

Verfasser:
bauplaner54
Zeit: 08.05.2026 14:44:50
1
3953556
Kann Gwyn nur zustimmen.
Das Haus ist meiner Meinung nach bzgl. Energieefiizienz, Komfort (lange Wartezeiten fürs WW) und späterer Wartungsarmut eine totale Fehlplanung.
Wir haben einen einzigen großen Technikschacht (80x80) vom Keller ins OG in dem alle Frisch- und Abwasserrohre, Wärmerückgewinnung für die Dusche, Kälteleitungen der Klimaanlage und 150er Spirorohre für die KWL verlaufen.
Bäder u. WCs in jedem Stockwerk liegen übereinander....

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