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Dosieranlage
Verfasser:
Sauku
Zeit: 15.05.2003 15:03:58
0
16026
Wer hat Erfahrung mit Dosieranlagen?
Wir sind eine Liegenschaft mit mehreren Gebäuden und einem Wasserverbrauch vom +- 600m³/Monat.
Das neuste Gebäude hat ein Alter von 20 Jahren, das älteste 45 Jahren.
Alle Kalt- und Warmwasserleitungen sind in verz. Stahl installiert worden.
In einem Gebäude gibt es im Kaltwassernetz Rostwasser-Probleme in einem anderen Gebäude ist es die Warmwasserleitung.
Meine Überlegung ist eine Dosieranlage zu installieren mit Phosphatzugabe.
Jetzt sollen laut Hersteller sich die alten Inkrustationen (auch Schutzschicht genannt) lösen und sich eine neue Schutzschicht bilden.
Meine bedenken bei den ganzen Sache sind folgende:

- wenn sich die alte Schicht löst entsteht erst einmal noch mehr Rostwasser
- bis sich eine neue Schutzschicht gebildet hat, hat sich auch der Lochfraß breit gemacht und es entstehen noch viel mehr Probleme...
-wenn es zu Rostwasser kommt dann meist weil die Leitungen unterdimensioniert sind. Kann sich auch hier eine neue Schutzschicht ausbilden?

Hat hier jemand als Betreiber oder Sanitärfirma Erfahrungen mit einer Dosieranlage?

Die Wasserhärte liegt bei 9°dH (Bodenseewasser)

Verfasser:
Achim Kaiser
Zeit: 15.05.2003 20:01:31
0
16027
Hallo Sauku,

Bodenseewasser ist normalerweise eigentlich eine relatv gutmütige Brühe. Bei verznkten Installationen spielt das Nutzerverhalten und die Wasserentnahme bzw. die Fließgeschwindigkeiten eine wichtige Rolle. Bei langen Stillstandszeiten - die sind leider normal in Wohnhäusern - ist mit den beschriebenen Tatsachen zu rechnen.

Eins mal vorneweg. Auch eine Dosieranlage macht aus der vorhandenen Leitung keine neuwertige mehr (Motto : Es gibt kein Mittelchen, dass aus einer Schwester von der Herbertstraße in Hamburg nach 25 Dienstjahren eine Jungfrau macht), sie bremst lediglich die Korrosionsgeschwingigkeit und fördert den Aufbau einer Schutzschicht.
Es muß klar sein, das das Gerät keine Wunder vollbringt.

Je nach der Stärke der Korrosioneprobleme sollte die Anlage vor dem Einbau mit einem Spülkompressor und einen intermitierendem Wasser-Luft-Gemisch gespült werden. Dadurch werden die losen Rostprodukte und Ablagerungen die nicht fest an den Rohrwandungen sitzen ausgespült.
Dadurch wird die Rostfärbung des Wassers weitestgehend unterbunden, sobald zudosiert wird.

Die Vorstellung das eine Rostschicht erst abgetragen wird, dann blankes Material zum Vorschein kommt und anschliesend sich ein Schutzfilm bzw. eine Schutzschicht bildet stimmt nicht ganz. Es gibt lose und festhaftende *Korrosionsberge* in der Rohrleitung. Die losen Partikel werden durch die Rohrnetzspülung ausgespült. Die Dosierung trägt kein Material ab, sondert bildet auf und mit der vorhandenen, festhaftenden Rostschicht eine Deckschicht auf, wenn alles gut geht.
Das Märchen, dass die Rohrleitung nach 2 Jahren wie neu aussieht, gibts nur im Werbeprospekt...Motto siehe oben.

Was abgetragen wird, sofern sich eine Dechschicht ausbildet, sind lediglich die Spitzen der Korrosionsberge in der Rohrleitung. Dies geschieht allerdingt sehr langsam, so dass bei Normalbetrieb nicht mit Rostbrühe in verstärktem Maße gerechnet werden muß.

Ebenso muß beachtet werden, dass die Dosierung nur da wirkt, wo ständig und regelmäßig Wasser entnommen wird. Hilfreich ist es, wenn den Bewohnern das wöchentliche Zähneputzen für die Rohrleitungen nahe gelegt wird...am besten einmal in der Woche alle Perlatoren aus den Armaturen nehmen und sämtliche Wasserhähne für 2 Minuten auf Stellung kalt und anschliesen warm laufen lassen. Dadurch wird in der Installation eine erhöhte Fliesgeschwindigkeit aufgebaut und eventuelle lose Rostteilchen ausgespült. Das kostet zwar ein paar Liter Wasser, aber die Installation wird es den Bewohnern danken und die Rostbrühe ist kein Thema mehr.

Bezüglich des richtigen Korrosionsschutzdosiermittels sollten die Empfehlungen des Gerätesherstellers dringend beachtet werden. Gute Erfolge habe ich mit dem Sanierungscomputer der Fa. Grünbeck und den zugehörigen Dosiermitteln gemacht. Die Dosieranlage für den Sanierungsfall wird in den ersten Monaten bis zum zulässigen Grenzwert der Zudosierung betrieben. Wenn sich die Rostwasserprobleme erledigt haben, dann wird das Gerät auf *normale* Dosierleistung zurückgebaut um die Deckschichtbildung weiterhin zu unterstützen.

Insgesammt habe ich gute Erfahrungen mit dem Verfahren, allerdings ist es kein Allheilmittel und auch keine Garantie, dass nicht doch irgendwann irgendwo eine Schadenstelle auftreten kann.

Im Sanierungsbereich sollte neben dem Einbau einer Dosieranlage deswegen immer deine Rohrnetzspülung mit ins Auge gefasst werden.

Weitere Informationen und Unterlagen erhalten sie bei den Herstellern und ihrem Sanitärfachmann.

Achim Kaiser

Verfasser:
Ema
Zeit: 16.05.2003 08:34:41
0
16028
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann Herrn Kaiser in allen Punkten zustimmen.
Das Problem ist bekannt und hat meist nur wenig mit
der Wasserqualität zu tun.
Zu geringe Fliessgeschwindigkeiten, zu geringe Wasser-
entnahmen und auch zu hohe Temperaturen im Warmwasserbe-
reich bei verzinkten Stahlleitungen sind die häufigsten
Gründe.
Typisch sind Fälle in größeren Wohnanlagen, Senioren-
wohnungen, Altenheime etc.
Ältere Menschen sparen immer noch aus Gewohnheit Wasser.
Duschen oder Badewanne werden nicht täglich benutzt, die
Waschmaschine steht oft in einem Gemeinschaftsraum im Keller.
Oft wurde auch keine vorschriftsmäßige Erstspülung bei
Inbetriebnahme durchgeführt. Gerade bei weichen bis mittel-
harten Wässern dauert es länger, bis sich in verzinkten
Leitungen eine Schutzschicht aufgebaut hat. Wenn dann von
Anfang an der Wasserverbrauch zu gering ist, wird die in
verzinkten Leitungen gewünschte Korrosion zur Schutzschicht-
bildung sehr schnell zum Korrosionsschaden.
Es sollte deshalb vor allem die Empfehlung von Herrn Kaiser
befolgt werden, regelmäßig die Siebe/Perlatoren zu entfernen
und das Kalt- und Warmwasser minutenlang voll aufzudrehen.
Im Waschbecken kann man dann sehen, dass die ersten Befüllungen
oft dunkelrotbraun sind und Rost in Sandkorngröße ausge-
spült wird. Das Wasser so lange laufen lassen, bis es klar
fließt.
Die Spülung des Systems mit einem Spülkompressor wird
weitere Rostablagerungen absprengen und ausspülen, um die
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rohrsanierung mit
einem Silikat/Phosphatgemisch zu schaffen.
Aber ganz wichtig zu beachten: Eine schützende Deckschicht
kann sich nur aufbauen, wenn auch Wasser fließt. Das ist
nach meiner Erfahrung die große Schwierigkeit: Die Bewohner
anzuhalten, die wöchentlichen (besser täglichen) Wasserent-
nahmen wie beschrieben durchzuführen, bis keine Rostverfärbungen
mehr auftreten.
Und nicht vergessen, auch die Warmwassertemperaturen überprüfen:
Möglichst 55 Grad Celsius als Obergrenze nicht überschreiten!

Mit freundlichen Grüssen
Ema





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