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Abluft in Laboren
Verfasser:
Patrick0690
Zeit: 03.04.2020 14:28:59
0
2942096
Hallo in die Runde,

ich bin Student und schreibe an einer Arbeit.

Es handelt sich um Anforderung an Abluft in Laboren um Personenschutz, sowie auch der Umwelt sicherzustellen.

Diesbezüglich wollte ich fragen ob jemand Tipps hat, zu einem vorgehen bei der Planung von Laboren.

Ich habe mich bisher an der DIN 1946-7, DIN EN 12128, VDI 2051 und der DGUV Information - Sicheres arbeiten im Labor, sowie daraus resultierenden Normen orientiert.

Hauptfrage wäre wie ich die richtige Auswahl der Materialien für Kanäle treffe. Hinsichtlich Korrosionsbeständigkeit, Temperatur, Brand und Explosionsschutz. Gibt es Vorgaben ab wann z.B. Stahlt/verzinktes Stahlblech/Edelstahl/Kunststoff verbaut werden sollte oder sogar muss?

Nebenfragen:
-Anforderung an WRG pflicht oder einfach raus nach der Aufbereitung aus dem Gebäude (Trennung "Normale" Raumluft und Luft aus Digestorien?

- Möglichkeiten der Luftaufbereitung mit Pflichten durch BImSchG/AGW/ppm und weitere um Grenzwerte einzuhalten.


Vielen Dank im Voraus, bleiben sie gesund und munter in der aktuellen Zeit.

Beste Grüße

Verfasser:
Thorfinn Hansen
Zeit: 03.04.2020 17:02:13
2
2942183
Grundsätzlich gilt: jedes Labor ist anders.
Um mal die ganz schlimmen Sachen aus- oder einzugrenzen:
Radioisotope?
GMO?
biologische Agensien?
Toxische Stoffe?
Karziogene?
Königswasser?
oder doch nur ein paar schwache Säuren und Basen?

Wo ist deine Stoffliste?
Hast du alle Sicherheitsdatenblätter aller Stoffe?

Bei Digestorien schau dir EN 14175-Reihe an.
Da heisst es so schön, das die Oberflächen resistent gegenüber den verwendeten Stoffen sein muss. HURRA - Das Ding soll sich nicht auflösen. Für diese Information hast du nun teueres Geld an die Standardisöre bezahlt. Geh mit deiner Stoffliste zu Herstellern. Die kennen ihre Materialien. Überrieselungen kann man auch machen.
Ohne eine Stoffliste kommst du nicht weiter. Jedes Labor hat aber so eine Stoffliste, da es auch eine Arbeitsplatzbenutzungsanweisung hat.

Brand: Jedes Labor hat eine Stoffliste und Lagermengen. Mit der wird dei Brandgefahr beurteilt. Einfach ist es die Lagereinheiten zu begrenzen. Muss man in grossen Chargen arbeiten (Petrochemie) dann hat man zusätzliche Brandschutzmassnahmen. Die entwickelt man gebäudespezifisch zusammen mit dem SV Brand.

ATEX chemisch: Man macht eine Risikobewertung. Daraus ergibt sich dann wie man arbeitet (Arbeitsplatzbenutzungsanweisung) und technische Massnahmen. Es ist etwas anderes ob man petrochemische Produkte kocht oder mit Essigsäure pütschert.

ATEX Staub: Man macht eine Risikobewertung. Daraus ergibt sich dann wie man arbeitet (Arbeitsplatzbenutzungsanweisung) und technische Massnahmen. Im Arbeitsraum ist staubbedingtes ATEX selten. Du siehst ja die Hand vor Augen nicht. Im Abluftkanal kann man durchaus ATEX haben.

Kanäle: Die müssen halt das aushalten was drin ist. Resistenslisten gibt es von den Herstellern. Hat man ATEX im Kanal braucht man Explosionsklappen.

Ventilatoren müssen resistent sein. Hat man eine ATEX Atmosphäre nimmt man einen für die Art ATEX Atmosphäre, die man hat, entsprechend zertifizierten.

WRG: Will man gerne haben, die Luftmengen sind ja enorm. Lässt sich das machen?
Bekommst du einen Wärmetauscher der ausreichend resistent ist? Bei GMO oder Radioisotopen kommst du um flüssigkeitskreislaufgekoppelte Wärmetauscher nicht umher. Rotorwechsler sind mit sehr sehr grosser Vorsicht zu geniessen.

Wirtschaftlichkeit jeder Massnahme ist zu ermitteln. Wenn die 2m breite walk-in Digestorie nur alle 1/4 Jahr 1 h im Betreib ist, aber Königswasser handtieren soll, dann ist die Wirtschaftlichkeit einer WRG am Boden.

Die Zuluft zum Raum muss die Prozessabluft u.a. der Digestorien ersetzen. Balance ist alles und die ist dynamisch aufrecht zu erhalten. Gute Regelungstechnik ist gefragt. Normale 120 sek Klappenmotoren gehen natürlich gar nicht.
Da fand man bis in die 90er auch schon mal einen pneumatisch betriebenen Aktor.

Was du an Zuluftstrom zur Komfortventilation brauchst ergib sich aus der Anwendung der Prozessventilation. Hat man 10 Punktabsaugungen a 150 m3/h und 5..10 stk. 2 m breite Digestorien, die 24-7 laufen in einem Raum mit 5 Mitarbeitern, erübrigt sich die Zuluft um Raumluftkomfort zu machen. Da kommt genug Zuluft um Prozessabluft zu ersetzen.
Es ist oft ungeheuer schwierig die Zuluft halbwegs vernünftig,(< 0,2 m/s in der Komfortzone) einzublasen. So viel Platz hast du an der Decke oft nicht.

Abluft zu Fortluft kann übel sein wenn man Radioisotope oder GMO hat. Kann man Filtern und entsprechend in die Umwelt ableiten. Schau dir die CEN TR 13779 (ehemals EN 13779) an. Rezirkulation kann richtig gefährlich werden.

Zuluft ist natürlich zu konditionieren. Welche Anforderungen stellt die Anwendung? Temperatur immer. Muss man be- und auch entfeuchten?

Alles in Allem: Planung von Lufttechnischen Anlagen für Labore ist nix für Anfänger und ist immer 100% projektspezifisch und immer in Einklang mit der Arbeitsplatzbenutzungsanweisung.
So viel Luft zu bewegen kostet Geld. Betriebskosten werden kolonorm. Deshalb muss man sauber planen.


Wenn das eine Studienarbeit ist:
- Erstelle eine vollständige Stoffliste aller bei dir im Haushalt vorrätigen chemischer Arbeitsstoffe. Inkl. Schuhputzchreme, Toilettenreiniger, Fensterputzmittel,...
- Besorge dir alle Sicherheitsdatenblätter. Alle.
- Beurteile dann die Brandlast der Stoffe (Schnapsvorrat evt. mit berücksichtigen)
Mache eine Arbeitsplatzrisikobewertung deines "Arbeitsplatzes" Haushalt.
- Beurteile Kreuzreaktionen: Stehen da 2 Behälter nebeneinander, die bei gleichzeitiger Leckage stark exoterm oder unter Entwicklung toxischer Gase reagieren?



BTW: Das was ich im Besenschrank lagern habe, müsste an einem Arbeitsplatz in einen Chemikalienschrank mit Absaugung. Der Chlorreiniger steht hier im Badezimmer und die Essigsäure im Besenschrank.

Verfasser:
Patrick0690
Zeit: 06.04.2020 08:47:48
0
2943325
Vielen Dank zuerst einmal für die ausführliche Antwort, damit haben Sie mir schon weitergeholfen.

Dies bezieht sich auf die Anforderungen der Abluft im allgemeinen und kein spezifisches Labor. Was dies natürlich nicht so simpel gestaltet, wie Sie sagen gibt es eine große Anzahl an Laboren mit den unterschiedlichsten Verfahren und Prozessen.

Dementsprechend wollte ich eine Übersicht erstellen wieso, weshalb und warum dies so essenziell mit Vorsicht zu genießen ist.
An welche Richtlinien man sich halten muss, ob Physikalisch/Chemisch oder Biologische Arbeitsstoffe verwendet werden. Dazu Beispiele aus der GESTIS-Stoffdatenbank / GisChem mit möglichen AGW.

Wie Sie sagen ist immer beschrieben, die Stoffe müssen den Anforderungen entsprechen was eine sehr allgemeine Aussage ist, und ich mich ja lediglich an eine Einteilung in nicht / mittel und hoch Korrosionsgefährdete Stoffe.

Welche Möglichkeiten zur Aufbereitung der Abluft bestehen (Filter/Schwebstofffilter/Luftwäscher/Zyklone) hinsichtlich BImSchG - TA Luft

Eine "einfache" Übersicht wie bei einer Planung vorzugehen ist und welche Punkte zu berücksichtigen sind, wie Stoffe/Gefährdungsbeurteilung/Planung/Auswahl der Materialien/ ATEX/ Anforderungen der Abluftführung über Dach.
Die DIN EN 13779 ist ja nicht mehr gültig und wurde durch die DIN EN 16798-3 ersetzt, als Orientierung der Abstände von Zu- und Abluft habe ich in der neuen Norm keine Tabelle wie in der alten gefunden aber zur ersten Ansicht ist diese ja nicht Falsch.

Ich denke eine gute Möglichkeit dies einzuschränken wird es ein "0815" Labor mit einem Biologischen Labor mit Sicherheitsstufen gegenüberzustellen und auf die Vielfalt der Anforderungen Bezug zu nehmen.

Die momentane Situation mache es natürlich nicht leichter da Hersteller auch auf Anfragen eher weniger eingehen können was verständlich ist, da viele zu kämpfen haben.

Beste Grüße

Verfasser:
mandyschulz91
Zeit: 10.04.2020 14:21:24
0
2945574
Hallo,
Wie ist der stand mit der Arbeit? Kommst du weiter? Würde mich mal interessieren. Danke schon mal im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen

Verfasser:
Patrick0690
Zeit: 14.04.2020 08:05:46
0
2947239
Hallo Mandyschulz91,

momentan bin ich noch viel am Lesen, um eine Übersichtshilfe zu erstellen, um anhand dieser einen Überblick der Komplexität und Vielfältigkeit von Laboren zu schaffen, sowie der zu beachtenden Regelwerke.

Es geht voran, Stück für Stück.

Wenn Sie noch Tipps für mich haben wäre ich Ihnen dankbar.

Beste Grüße

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