Zitat von
danielito 
Dann ist es doch so, dass der ausschlaggebende Wert ja eigentlich die Spreizung ist? Aus der ergibt sich dann der Volumenstrom? Und danach kann man dann thermisch abgleichen?
Aus dem Produkt von Spreizung und Volumenstrom (und einer Konstante) ergibt sich eine Wärmeleistung.
Also erst'mal eine reine Berechnung.
Die Betrachtung aus Sicht einer Wärmefläche geht hingegen so:
- es sei ein Fußboden-Heizkreis von 100m gegeben und eine VL-T von 35°C.
- Volumen dieser Leitung sei rund 12 Liter
- die RT sei 21°C, der Fußboden hat auch komplett noch 21°C (Heizung war lange aus)
Szenario 1:
minimaler Volumenstrom von z.B. 0,1l/min (6l/h)
- am Vorlaufanschluss des Heizkreises liegen die 35°C an
- bei dem Minimalflow dauert es 120 Minuten, bis das
Wasser ein Mal durch die 100m geflossen ist.
- man kann daher davon ausgehen, dass der RL dieses Heizkreises die besagten 21°C angenommen hat (es war viel Zeit zum Abkühlen bzw. zum Übergang der Wärmeenergie in den Fußboden).
- Spreizung für diesen Heizkreis also 14
Kelvin, Wärmeenergieabgabe (6 * 14 * 1,16) knapp 0,1kWh in einer Stunde - bzw.
0,1kW HeizleistungSzenario 2:
mittlerer Volumenstrom von 1l/min (60l/h)
- Vorlauf ist wieder 35°C
- nun dauert es nur noch 12 Minuten, bis das Heizwasser einmal durch die 100m geflossen ist
- jetzt hat das
Heizungswasser nicht mehr so viel Zeit zum Abkühlen, die Rücklauftemperatur ist dementsprechend nicht mehr 21°C sondern z.B. (!, das hängt stark von den Wärmeleit- und Speicherbedingungen des Fußbodenaufbaus ab) 29°C.
- die Spreizung wäre in diesem Beispiel nun also 6 Kelvin, Wärmeenergieabgabe in den Raum (bzw. zunächst Fußboden) wäre dann pro Stunde Laufzeit(60 * 6 * 1,16) 0,46 kWh - bzw.
0,46kW Heizleistung
Szenario 3:
hoher Volumenstrom 6l/min (360l/h)
- in zwei Minuten ist das Wasser durch die 100m durch, hat kaum Zeit zum Abkühlen
- die Spreizung sei nun nur noch 0,7K
- (600 * 0,7 * 1,16) -> ungefähr
0,49kW HeizleistungEine weitere Erhöhung des Volumenstroms wird keinen höheren Wärmeeintrag mehr ermöglichen können, weil der Fußboden jetzt praktisch schon überall gleich warm ist und die
Vorlauftemperatur erreicht hat.
Es gibt also einen raumbezogenen Grenz-Volumenstrom, bei dem es sinnlos ist, ihn weiter zu erhöhen, weil der Fußboden überall bereits die
Temperatur des Vorlaufs erreicht hat. Jetzt kann mehr Heizleistungsbedarf nur noch über die Erhöhung der VL-Temp erreicht werden.
Eine Spreizung von mindestens 2 Kelvin hat sich daher bei FBH als angemessen erwiesen, um einen tauglichen Kompromiss zwischen Heizleistung und verwirklichbarem Volumenstrom und etwaiger Geräuschentwicklung zu finden.
Im Rahmen eines formalen hydraulischen
Abgleichs kann man diese Spreizungen der Einzelheizkreise letzlich aber nicht genau genug vorausberechnen, weil es in der praktischen bauseitigen Umsetzung doch immer anders kommt als berechnet: Qualität der Ausführung, Auswahl und Umsetzung des Fußbodenaufbaus, Teppiche, Möbel usw.
Deshalb die Messung der konkreten Speizungen im Istbetreib der Heizkreise und der thermische Abgleich. Beides schließt die konkrete Umsetzung und Realität des fertigen Bauwerks ein und ist quasi die qualitätsgemanagte Variante des HA.
Im schwächsten Raum ergibt sich dann die niedrigst sinnvolle Spreizung durch Einregulierung des dort maximal sinnvollen Volumenstroms. Vielleicht dann auch nur 1 Kelvin Spreizung, um das letzte Quentchen Heizleistung auszureizen.
Alle anderen Räume werden dann mehr oder weniger eingedrosselt und es resultiert einzelraumbezogen eine höhere Spreizung.
Die Gesamtspreizung, die die WP "sieht", ist dann eine Art Mittelwert aller Einzelspreizungen.
Im
idealen Fall ergäbe sich überall die selbe Spreizung:
der Heizleistungsbedarf der Räume würde exakt zur Heizleistung der Fußbodenheizung bei exakt der selben Spreizung passen.