Stefan, anhand deiner neuen Screenshots kann man das Verhalten ziemlich gut einordnen:
1) Warum läuft die WSB bei -3…-5 °C auf 100 %?
Auf deinem „Info“-Bild sieht man bei ca. -3 °C Ansaug:
• Vorlaufsoll: 33,5 °C
• Vorlauf/LWT: 39,5 °C
• Rücklauf: 35,5 °C
• Volumenstrom: ~1,8 m³/h
• Verdichter: Soll 95 Hz / Ist 89 Hz → Anschlag, Leistungsanforderung 100 %
Mit 1,8 m³/h und ΔT ~4 K liefert die WP grob ~8,4 kW (Faustformel: m³/h × 1,163 × K). Das ist bei einem 1990er Haus an kalten Tagen absolut plausibel – zumal Abtauverluste noch dazukommen. Dass „nur“ 33,5 °C Soll anliegen heißt nicht automatisch „kaum Leistung“ – Leistung hängt von Durchfluss und ΔT ab.
2) Warum ist der Vorlauf (39,5 °C) deutlich höher als der Soll (33,5 °C)?
Zwei typische Gründe – und bei dir wirken sehr wahrscheinlich beide:
1. Abtau-/Recovery-Phase: Direkt nach dem Abtauen fährt der Verdichter oft hoch, um die beim Abtauen „aus dem Haus gezogene“ Wärme wieder reinzuholen. Dann siehst du kurzzeitig Vorlauf deutlich über Soll.
2. Hydraulik mit Wärmetauscher / „Weiche“-
Regelung: Du hast
Modulation = Weiche. In so einer Konstellation muss die WP auf der Primärseite oft höher fahren, damit am „Regelpunkt“ (Weiche/Heizkreis-Fühler) die Solltemperatur sauber ankommt – besonders wenn
• Primär-/Sekundär-Volumenströme nicht sauber zusammenpassen oder
• der Wärmetauscher / Filter /
Luft im System zusätzlichen Widerstand bringt.
Die 6 K Abstand (39,5 zu ~33) sind ein deutlicher Hinweis: Hydraulik/Übertragung ist der Flaschenhals, nicht die WP-Regelung „an sich“.
3) Bezieht sich „Vorlaufsolltemperatur“ auf die Weiche?
Ja – in deiner Parametrierung praktisch schon. Du fährst „Modulation HK-0: Weiche“. Damit ist die Weichentemperatur/Regelpunkt die maßgebliche Größe. Die LWT/Vorlauf an der WP kann (und muss) dabei höher liegen, um den Regelpunkt zu treffen – insbesondere mit Wärmetauscher dazwischen.
4) Warum so häufiges Abtauen (45–60 min) bei 4–5 °C?
Bei 4–6 °C und feuchter Luft ist das genau der Bereich, in dem Luft-WP am ehesten schnell vereisen. 45–60 min kann da leider „normal“ sein – je nach:
• Luftfeuchte / Nebel / Niesel
• Windschatten/Rezirkulation (Westseite, Ecke, Wandnähe)
• wie „kalt“ du den
Verdampfer fährst (hohe Heizlast → niedriger Verdampfungspunkt → mehr Eis)
Der Unterschied zur WSB8 kann schlicht an anderem Außengerät/Software/Coil/Fan-Management liegen – aber hydraulische Themen können es massiv verschärfen.
5) Warum braucht sie jetzt sogar den Heizstab zum Abtauen bzw. danach?
Das passiert oft, wenn beim Abtauen die
Wassertemperaturen zu stark einbrechen (zu wenig „Wärmespeicher“ im Wasser/zu wenig wirksamer Durchfluss auf der richtigen Seite). Dann unterstützt die Regelung, um
• den Abtauvorgang sauber zu Ende zu bringen und/oder
• die Anlage schnell wieder in stabile
Temperaturen zu bringen.
Deine Umstellung auf Konstantleistung an der internen
Pumpe war daher ein guter Schritt.
Was ich als Nächstes machen würde (praxisnah, in dieser Reihenfolge)
1. Primär- und Sekundär-Volumenstrom stabil & ähnlich hoch bekommen
Du hast jetzt primär ~1,8 m³/h. Sekundär ebenfalls möglichst in der Größenordnung (nicht „Pi mal Daumen“, sondern wirklich stabil). Ziel: saubere Wärmeübertragung, wenig Pendeln.
2. Filter/Schmutzfänger/Wärmetauscher auf Durchsatz prüfen, Anlage entlüften
Ein teilweise zugesetzter Filter oder Luft im WT macht genau diese Symptome: hoher Verdichter, hohe LWT, viel Abtau/Recovery.
3. Abtau-Wasser/Standort checken (ganz wichtig bei -Graden)
Vereist die Kondensatwanne oder steht das Gerät im Windschatten, kann es „zu schnell wieder zufrieren“. Freier Luftweg, keine Rezirkulation, Kondensat muss weg.
4.
Heizkurve minimal entschärfen (wenn Raumtemperaturen das zulassen)
Jede unnötige
Kelvin am Vorlauf kostet
COP und begünstigt Vereisung. Testweise 1–2 K runter bzw. Neigung leicht runter – aber nur, wenn die Räume stabil bleiben.
5. Wenn Heizstab nur fürs Abtauen kommt: Wasserinhalt/“thermische Pufferung“ der Primärseite erhöhen
Falls das System primärseitig wenig Wasser enthält (WT + kurze Leitungen), kann ein kleiner Puffer/Volumenvergrößerung den Unterschied machen. Das ist oft der „Gamechanger“ gegen Heizstab beim Abtauen.