Eines der Themen, weshalb ich immer wieder schlecht gelaunt mein Foreninteresse verliere, ist das Pufferdogma.
Kaum erwähnt man nur das Wort Puffer, fühlen sich sofort einige viele hier getriggert.
Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer Puffer PufferSo geschehen wieder vor ein paar Tagen, ich schrieb etwas Neutrales und sofort kommt:
"Du willst nicht ernsthaft bei einer Wärmepumpe einen Puffer empfehlen? "Der erste Daumen auf den Kommentar lässt natürlich nicht lange auf sich warten.
Hier sind viele engagierte Laien und ich schätze auch die Leidenschaft, mit der sich viele hier dem Thema widmen. Ich bin auch leidenschaftlich, aber ich gehöre halt zu den Profis und kenne auch die Kehrseiten.
Wenn sich hier Laien informieren, bekommen sie einen bestimmten Eindruck, nämlich:
Fachfirmen, die ihnen ein Paket mit Puffer verkaufen wollen, sind per se dumm, ignorant und wollen nur abmelken.
Auch wenn das für einige Firmen zutreffen mag, ist das aber ein verzerrtes Bild und zumeist ungerechtfertigt.
Ich selbst heize hybrid und habe keinen Puffer.
Wer in seinem eigenen
kleinen Haus die Technik so im Griff hat, dass es ohne Puffer geht, der soll das auch unbedingt umsetzen.
Ich habe kein Problem damit und sehe auch die Vorteile.
Durch dieses Pufferbashing gehen aber auch die positiven Aspekte verloren.
Erst einmal geht es um unnötige Speicherverluste durch Aufheizung von
Wassermassen, die nicht dahin kommen, wo sie gebraucht werden.
Ich würde sagen, da kommt es auch auf den Raum drauf an.
Wenn der
Heizraum noch das offene Ansaugluftfenster von der Vorgängerheizung hat, dann ergeben sich nicht nur dadurch natürlich Verluste über den
Luftwechsel.
Ich kenne aber auch genügend Häuser, bei denen der Heizraum innerhalb der beheizten Hülle liegt. Trotz Puffer ist die Raumtemperatur nicht übermäßig hoch und wenn es aufgrund der großen Behälter im Raum trotzdem etwas wärmer wird, kommt dies den angrenzenden (oft Wohn-) Räumen zugute.
Viele interessierte Laien hier kennen und akzeptieren nur die jeweils vorherrschende Meinung aus dem Forum und Leute wie der "Wärmepumpendoktor" legitimieren dieses Dogma dann auch noch aus fachlicher Perspektive.
Leider neigen viele Laien aber dazu, die eigenen Erfahrungen und 1, 2 weitere Anlagen aus dem Umfeld so zu interpretieren, als wüssten sie generell, wie der Hase läuft.
Das Spektrum ist aber so unfassbar breit und als Heizungsbauer erlebt man die wundersamsten Dinge.
Nicht wundersam ist der Fakt, dass die Fachhandwerker den Kopf hinhalten müssen wenn:
die Herrschaften nicht warm genug haben, es Geräusche gibt oder Anlage wegen Durchflussproblemen störanfällig wird
Wisst ihr was dann passiert?
Dann hilft nicht das Forum, sondern der Rechtsanwalt.
Wonach urteilt ein Richter?
Nicht nach Meinung des Forums, sondern nach dem
Stand der Technik und dem tragen die Hersteller-Schemen
Rechnung.
Historisch gibt es ein Auf und Ab bei der Puffer Priorisierung
Bei den alten On/Off-Maschinen ohne
Modulation waren die Puffer ein wichtiger Bestandteil, um ein Takten zumindest etwas zu reduzieren.
Mit Aufkommen der modulierenden Split-Wärmepumpen kamen dann auch mehr Schemen ohne Puffer, die damals noch auf ein Überströmventil am weit entferntesten Heizkreis-
Verteiler setzten.
Die Probleme folgten auf den Fuß, weil die Leitungsquerschnitte den Mindestvolumenstrom nicht hergaben oder die Überströmventile den Durchfluss nicht schafften oder auch nicht präzise genug einstellbar waren. Auch die Wassermenge in der Leitung konnte ein Problem sein, denn zum Abtauen braucht es nicht nur Durchfluss, sondern auch Volumen.
Natürlich hätten auch damals schon konsequent geöffnete Thermostate geholfen, aber damals waren die Bewohner noch veränderungsunwilliger als heute und auch die Heizungsbauer mussten natürlich dazulernen.
Die Hersteller veränderten aber die Schemen hin zu einem Überströmventil im Heizraum in Kombination mit einem Reihenpuffer für die Volumenerhöhung im Abtaufall.
Parallelpuffer wurden vor allem bei mehreren Heizkreisen oder Wärmeerzeugern angewandt.
Wenn schon Puffer, dann stellt sich ja auch die Frage, ob danach nur eine
Pumpe kommen darf, also ein oder 2 ungemischte Kreise, oder ob womöglich ein einziger Kreislauf auch gemischt betrieben werden kann.
Zu On/Off Zeiten war der Mischer natürlich verpönt.
Aber jetzt kommt da Fremdwärme ins Spiel, schon damals konnte man dem Puffer ja auch Wärme über Solarthermie oder z.B. einem Ofen mit Wassertasche zuführen.
Durch die
Temperaturüberhöhung macht ein gemischter Kreis dann durchaus Sinn.
Was damals die Solarthermie war, ist heute PV.
Ich komme so oft in Häuser mit WP ohne Puffer, wo für extra Geld eine
Smart Grid-Schaltung installiert wurde, um die PV-Überschüsse nutzen zu können.
Smart-Grid ? - echt jetzt ? Wohin will ich denn überschüssige
Energie hinschieben ohne Puffer?
In den bereits auf die Mindesttemperatur erwärmten WW-Speicher?
Für sowas braucht es mindestens einen 500l Puffer und einen gemischten Heizkreis.
Besser ist es noch, wenn in dem Fall die Wärmepumpe ausbleibt und der Wärmestrom direkt per Heizstab kommt, der verschleißt nämlich nicht ;-).
Der mögliche Einbau eines externen Heizstabs ist aktuell der größte Trumpf bei Pufferbetrieb.
Fragt man die Leute hinterher, ob sie diese Option mit PV-Strom über Heizstab im Puffer gut gefunden hätten, kommt mit Sicherheit ein JA.
Zum Thema Komfort:
In einem ungedämmten Haus mit Heizkörpern, macht sich eine Heizpause von etwa 20 Minuten schon deutlich spürbar beim Temperaturkomfort bemerkbar.
Die Dauer der
Brauchwasser-Aufheizzeit variiert natürlich. Moderne Geräte können die Effizienz noch durch Leistungsbegrenzung verbessern – zu Lasten der Dauer natürlich.
Wenn dann die Heizkörper kalt werden merkt man das sehr deutlich.
Ein Puffer kann diesen Effekt deutlich abfedern.
Nach einer Warmwasserladung muss die WP wegen der Soll-Ist Abweichung ohne Puffer länger auf Max hochmodulieren.
Ich möchte auch auf das Thema:
„Wenn Puffer, dann nur mit Stichanbindung“ eingehen.
Mir scheint, dass sich im Forum viele auf die Videos von SHK-Info beziehen.
Ich habe mir das Video mal genauer angeschaut, in dem am privaten Puffer des Moderators gemessen wird und bin nicht sonderlich überzeugt von den getroffenen Aussagen.
https://www.youtube.com/watch?v=NYUDQFWaa-k
Vor allem die Effekthascherei a la „Effizienzkiller!“ stört mich.
Da werden Milchmädchenrechnungen aufgemacht wie : 1°Verlust ist 2,5 % Effizenzverlust.
Was für Verlust bitte schön ? Ist der Puffer sowas wie ein schwarzes Loch, in dem Energie einfach verschwindet? Wenn hinten weniger Temperatur rauskommt als vorne reingeht, dann sind es unterschiedliche Volumenströme.
Selbst wenn die WP wegen des Puffers 2K mehr erzeugen müsste, dann liegt der
COP statt bei 3,48 bei 3,3. Wenn die Maschine wegen dem Puffer aber weniger häufig startet, wie rechnet man dann den Vorteil gegen?
Und was soll das bitte schön für ein Puffer sein mit 50L Inhalt?
Das ist natürlich eine hydraulische Weiche, wie will man bei 50l etwas puffern?
Das ist ja fast so, als würde man einen Elko zum Akku machen wollen.
In einem so kleinen Behälter ist die thermische Trennung fast unmöglich.
Wie kann man Aussagen allein über die Temperatur treffen ohne Kenntnis des aktuellen Modulationsverhaltens und der Volumenströme? Mir ist das nicht seriös genug.
Die bösen „Mischungsverluste“
Mischung verursacht eine Temperaturerhöhung oder Reduzierung, Energie geht erst einmal nicht verloren. Es kann allerdings sein, dass das geänderte Temperaturniveau Auswirkungen hat – ja.
Bei identischen Volumenströmen, einem Puffer mit großer Distanz zwischen den oberen und unteren Anschlüssen und guter Isolation sind die Temperaturdifferenzen immer nur temporär.
Bei den hohen Volumenströmen ist das Schichtverhalten natürlich schwierig, aber ich behaupte, dass nach einer Temperaturangleichung der Wasserschichten nur noch eine vernachlässigbare Temperaturdifferenz Ein/Aus übrigbleibt.
Soweit der Parallelpuffer - bei Stichanbindung im Vorlauf fällt der ungewünschte Effekt der langsamen Temperaturangleichung weg. Das ist durchaus positiv und ja, bräuchte ich einen Puffer, würde ich diese Variante wohl auch bevorzugen.
Die Stichanbindung schützt aber nicht vor Durchmischung bei unterschiedlichen Volumenströmen.
Hat der Sekundärkreis mehr Durchfluss als vor dem Puffer, wird auch dann die Temperatur nach dem Puffer heruntergemischt.
Hat der Primärkreis mehr Durchfluss, wird zwar der Sekundärvorlauf nicht durch den Puffer heruntergekühlt, der Puffer wird aber trotzdem aufgewärmt und damit steigt auch der Primär-Rücklauf zur Wärmepumpe.
Ich bin mir übrigens sicher, dass auch der Kollege Rzeski von SHK-Info das weiß, es lässt sich aber nicht so schön reißerisch in einem Youtube Video verpacken.
Es gibt wirklich gute Gründe gegen einen Puffer, der Platzbedarf zum Beispiel oder auch die teils erheblichen Mehrkosten.
Ich plädiere aber für ein differenzierteres Bild der Vor- und Nachteile.
Ich habe jetzt so viel geschrieben, da ist für jeden etwas zu meckern dabei.
Sicher werden sich jetzt einige Protagonisten dazu berufen fühlen, mir meine Aussagen zu widerlegen.
Egal - behaltet einfach das große Ganze im Auge.
Christian