Hallo zusammen,
wie angekündigt strebe ich eine ehrliche Bilanz meiner Wärmepumpe nach einem Jahr an, welche am 07.02.2025 in Betrieb genommen wurde. Ich werde dabei versuchen, so objektiv wie möglich über Vor- und Nachteile, gute und schlechte Entscheidungen meinerseits und die hier gegebenen Verhältnisse aufzuklären, sodass sich Interessierte ein Bild machen können. Der Beitrag wird sicherlich etwas länger werden, aber es wird ja niemand gezwungen, alles zu lesen.
Bevor ich zu den nackten Zahlen komme, muss ich den Elefant im Raum gleich ansprechen: Ich verfüge über keine adäquate Form zur Messung der erzeugten Wärmemenge. Damit kann ich keine valide JAZ ausweisen, was mich selbst natürlich am meisten ärgert. Dazu später mehr. Auch habe ich keine fancy Diagramme aus HomeAssistant oder so, könnte höchstens die Daten aus der
App oder vom Shelly exportieren.
Mein Haus:
Es handelt sich um ein freistehendes EFH aus dem Jahre 2002 mit ca. 160qm Wohnfläche und 90qm Keller. Die NAT beträgt hier -9,6 °C.
Das Haus verfügt über eine recht offene Bauweise mit offenem Treppenhaus vom Keller bis in das OG, wo eine offene Galerie den Flur im EG überragt. Den einen Heizkörper im Flur des Kellers lasse ich im Winter mitheizen, da sonst zu viel Kälte von unten kommt.
Ich habe das Haus im Mai 2024 erworben und wir bewohnen es mit 4 Personen (2 Erwachsene, 2 Kinder). Bei Erwerb war eine Brötje GBWT zur Beheizung eingesetzt, welche laut
Energieausweis und Daten des Vorbesitzers in den drei Jahren zuvor im Schnitt 18.000kwh/a verbraucht hat, aufgeteilt in 5000kwh/a WW und 13.000kwh/a für das Heizen. Vom Mai 2024 bis zur Außerbetriebnahme Anfang Februar 2025 wären wir hochgerechnet auf ca. 16.000kwh/a gekommen.
Bei Einzug habe ich im gesamten EG eine FBH mit 16mm Rohr und 10cm Verlegeabstand einfräsen lassen. Im OG wurde erstmal nichts geändert.
Im Herbst 2024 (erste Heizsaison für uns im Haus) zeigte sich schnell, dass die GBWT nicht mehr lange halten wird. Täglich fiel sie aus. Zwei unabhängige HBs rieten mir zum schnellen Austausch, da innen schon alles unter
Wasser stand, die
Abgasrohre undicht und der Wärmetauscher Risse zeigte. Angeblich hat der Vorbesitzer sie fast ein Jahrzehnt nicht warten lassen. Naja, 23 Jahre hatte sie dann immerhin gehalten.
Die Wärmepumpe:
Es musste also relativ zügig gehen und ein WMZ konnte nicht mehr eingebaut werden. Eine SWWP geht hier leider aus mehreren Gründen nicht, wäre sonst mein Favorit gewesen. Schnell fand ich – auch aufgrund einer Empfehlung - einen kompetenten WP-Spezialisten in der Nähe und nach einem Vorortbesuch und ein paar Mails stand das
Angebot fest: Es sollte eine Vaillant Arotherm 75/6 mit Unitower werden. Das Gerät würde über einen 100L Reihenrücklaufpuffer mit ÜSV eingebunden werden.
Zunächst wollte man auch mir einen Parallelpuffer, Mischer etc. andrehen. Immerhin lies man sich problemlos von einem gemischten Heizkreis von FBH und HK überzeugen und damit einhergehend wurde die Vergrößerung der Hks in den drei Schlafzimmern im OG auf sehr große 33er vereinbart, so dass alles mit einer VL-
Temperatur angefahren werden kann. Es handelt sich um das Vaillant Installationsschema: 20200203288.
Nach Abzug der Förderung habe ich für alle Arbeiten inkl. Fundament, Elektro,
Entsorgung Altanlage, Heizkörpertausch,
Abgleich etc. ziemlich genau 13.100€ bezahlt. Selbst die Trennung des Gasanschlusses i.H.v. 429€ sind darin enthalten und waren förderfähig. Die Arbeiten haben ca. 3,5 Tage in Anspruch genommen. Ohne den Tausch der Heizkörper, also nur WP mit allem drum und dran, wären es ca. 11.500€ gewesen.
Die Zahlen (07.02.2025 – 07.02.2026)
Verbrauch elektr.
Energie (Heizen/Warmwasser): 3466kwh (2965+501WW) per Shelly extern gemessen.
Verbrauch nach Monaten:
Januar (26): 846kwh
Februar (25/26): 496+195 =691kwh
März (25): 387kwh
April: 196kwh
Mai: 76kwh
Juni: 44kwh
Juli: 32kwh
August: 44kwh
September: 55kwh
Oktober: 208kwh
November: 384kwh
Dezember: 503kwh
Betriebsstunden: 3330
Takte: 589
Abtauvorgänge: 988 (!)
Heizkurve: 0,30 (33 Grad bei 0 Grad AT/37 Grad bei NAT)
WW-Erzeugung: 1x täglich auf 49 Grad
Erzeugte Wärmemenge: 14198+4958=19156kwh. Das wäre eine JAZ von 5,5.
(Wie oben bereits erwähnt, kann diese Zahl nicht sein und lässt auf nicht richtig kalibrierte VL- und RL-Fühler schließen.)
Heizkosten: 3466kwh x 0,25ct./kwh = 866,5€/a bzw. 72,20€ monatlich.
Bewertung/Erkenntnisse:
positiv:
- Verbrauch
Der elektr. Verbrauch ist soweit positiv zu beurteilen und er wird auch von der internen Anzeige der WP absolut korrekt berechnet. Ursprünglich dachte ich, ich würde noch näher an die 3000kwh/a kommen. Der Winter war aber bisher doch einiges kälter als letztes Jahr und vielleicht war ich da auch zu optimistisch und unerfahren. Vor allem der Januar mit durchgehenden Minustemperaturen und hier im Feuchtgebiet bei fast durchgehend größer 85% rel.
Luftfeuchtigkeit hat zu vielen Abtauvorgängen und höher Leistungsanforderung geführt.
Die Effizienz der Anlage kann ich natürlich ohne korrekt bemessene erzeugte Wärmemenge nicht abschließend beurteilen. Geht man unter Berücksichtigung des schlechten Nutzungsgrads der alten GBWT und des vormals hohen WW-Anteils von ca. 13-15.000kwh benötigter Wärmemenge für mein Haus von 02.25-02.26 aus, wäre das eine JAZ von ca. 3,75-4,3. Das kann aber höchstens eine Annäherung sein und mir ist bewusst, dass diese
Rechnung äußerst hypothetisch ist.
- FBH und HK funktionieren problemlos mit der selben niedrigen VLT. Die Vergrößerung der HK auf 33er war daher ein echter Gamechanger. Auch mit dem thermischen Abgleich bin ich zufrieden. Im 70qm großen Wohn- und Kochbereich im EG sind es immer konstant 22 Grad im Winter. Im OG in den Schlafzimmern meist so um die 20 Grad und im Bad oben mit FBH über RTL und Handtuchheizkörper 22. Aufgrund der häufigen Abtauvorgänge v.a. im Januar unterliegen die Heizkörper aber natürlich mehr Schwankungen. Auch das sehr kleine Gäste-Bad im EG ist natürlich aufgrund der kleinen Heizfläche deutlich kühler. Zumindest in unserem Bestandsbau ist es also absolut problemlos möglich, leicht unterschiedliche Raumtemperaturen von 2-3 Grad, je nach persönlicher Präferenz, wie z.B. Schlafzimmer kühler, aufrecht zu erhalten.
- Die Dimensionierung
Während ich bis zu diesem Winter noch eher davon ausging, dass es auch die 55er getan hätte, muss ich diese Aussage revidieren. Seit Weihnachten ist es hier für unsere Verhältnisse kalt und meine Wohngegend ist im Winter echt dauerhaft feucht. Ich messe die rel. Luftfeuchtigkeit beständig und Werte unterhalb von 85% kamen hier im Januar nur selten vor. Bei richtig kalten Temperaturen wie am 11.1.26 mit bis zu -10 Grad und dennoch hoher Luftfeuchtigkeit von weit über 90% kam die 75/6 definitiv an ihre Grenze. Den ansonsten deaktivierten Heizstab hätte ich eigentlich für diesen einen Tag aktivieren müssen, da zumindest im OG mit Heizkörpern die Temperatur um 2 Grad absank. Sehr kalte Temperaturen verbunden mit häufigen Abtauungen sei Dank. Die Temperatur im EG mit FBH blieb dabei konstant. Alle anderen Tage hat sie jedoch problemlos das Haus erwärmt und auch die Anzahl der Takte (s.o.) sind denke ich im Rahmen.
Neutral:
- WW
Der Unitower hat ‚nur‘ einen 190L Warmwasserspeicher. Bei einer vierköpfigen Familie sollte man genau abwägen, ob das ausreicht. Wir sind reine Duscher und baden so gut wie nie. Selbst die Kinder eher selten. Wenn man allerdings gerne badet, reicht es sicher nicht aus, bei 190L nur einmal am Tag WW zu bereiten. Für uns passt das so bisher ganz gut und es ist ohne Probleme möglich, das alle vier nacheinander duschen. Wenn allerdings drei Leute am Vorabend geduscht haben und man möchte am nächsten Morgen duschen, kann es unter Umständen eng werden. Das sollte man bedenken. Insgesamt kam es an 365 Tagen exakt zwei Mal vor, dass ich nicht duschen konnte bzw. dies relativ kalt tun musste. Wenn die Kids mal im Teenageralter sind, werde ich sicher auf zwei Mal am Tag WW umstellen.
- Die App
Die Vaillant App finde ich eigentlich sehr übersichtlich und intuitiv designed. Auch das
Einstellen der Heizkurve oder WW schnell für den Notfall etc. sind komfortabel über die App einzustellen. Die Verbrauchsdiagramme etc. sind gut zu gebrauchen. Was mir aber fehlt sind weitere Statistiken, die eigentlich problemlos eingefügt werden könnten: Abtauvorgänge, RL-Temp, VL-Soll, Volumenstrom etc. kann ich nur unten im Unitower (bzw. z.T. in der SensoComfort) einsehen. Das nervt mich. Eigentlich könnte man die Funktionen der Sensocomfort in die App übertragen und hätte sich somit ein unnötiges Bauteil gespart.
- Lautstärke:
Die Lautstärke ist okay. Im unteren
Modulationsbereich, wenn die 75/6 zwischen 550 und 1000W zieht, ist sie wirklich kaum hörbar. Deutlich hörbar ist sie hingegen, wenn sie an ihre Grenzen gehen muss. Auch kurz vor dem Abtauen, wenn der Eispanzer hinten quasi ganz geschlossen ist, hört man deutlich, dass sie sich etwas quält, um das Abtauen so weit wie möglich hinauszuzögern. Ich nutze bewusst die Formulierung ‚deutlich hörbar‘, aber eben nicht so, dass es unangenehm wird. Die WP ist dabei absolut entkoppelt und nicht an der Fassade installiert. Ausblasrichtung zur Straße vom Haus weg, relativ nah an unserem Schlafzimmer. Stelle ich mir jetzt ein deutlich leistungsstärkeres Gerät direkt an der Fassade vor, könnte ich mir vorstellen, dass man über einen unangenehmen Lärmpegel klagt. Das Empfinden ist dabei natürlich höchst individuell. Ich benötige beim Schlafen aber echt Ruhe und das ist Gott sei Dank so ohne weiteres möglich.
Nach vier Wochen Dauerfrost hatte ich jetzt auch einen Eisklumpen zwischen Kältesammelbehälter und Gehäuse, welcher zu einem deutlich vernehmbaren Brummen geführt hat. Das war zum Glück nur für ca. drei Tage der Fall. Scheint jetzt geschmolzen zu sein.
Negativ:
-Intelligente
Regelung nicht vorhanden
Das Thema ist vor allem in der Übergangszeit relevant und störte mich da. Ich finde es erschreckend, dass moderne Wärmepumpen noch keine oder kaum verbreitet irgendeine Form der intelligenten
Steuerung besitzen. Damit meine ich das Einbeziehen von Wetterprognosen und weiteren Daten, um die Regelung dementsprechend anzupassen. So lief meine WP am effizientesten, wenn ich zwischen 10 und 15 Grad AT nachts abschaltete. Zwischen 5 und 10 Grad war eine leichte
Nachtabsenkung am sinnvollsten und unter 5 Grad läuft sie sowieso durch. Das alles hätte man jeweils händisch einstellen müssen, was ich natürlich auch nicht immer passend gemacht habe. Mir ist klar, dass so eine Regelung nicht einfach ist und es auch spontane Wetterumschwünge, nicht treffende Prognosen, zu weit entfernte
Wetterstationen etc. gibt, aber irgendwas muss da möglich sein, so finde ich.
-Softwarupdate/Unitower Kompatiblität
Katastrophal finde ich auch, dass Vaillant es nicht schafft, OTA Updates zu ermöglichen. Es ist vom Technikstand heutzutage nicht mehr vertretbar, dass für eine neue Software die Platine getauscht werden muss. Das ist wirklich extrem rückständig! Auch, dass die neuere 75/8 nicht mehr mit meinem vorhandenen Unitower kompatibel ist und ich bei einem Defekt der Außeneinheit beides tauschen müsste, ist dem Kunden einfach nicht zu vermitteln. Da muss Vaillant dringend im 21. Jahrhundert ankommen. Hätte ich das vorher auf dem Schirm gehabt, hätte ich eher zu externem WW-Speicher und Hydraulikeinheit innen tendiert. Die wäre zwar auch nicht kompatibel mit der 75/8, aber deutlich günstiger zu ersetzen.
-Abtauungen:
Ja, das Klima hier im Nordwesten Deutschlands und v.a. hier im Umkreis ist im Winter eher mild und feucht. Hier in der Nähe sind Feuchtgebiete, Moore etc. In diesem Januar war es echt überwiegend um die 0 Grad und häufig >90% Luftfeuchtigkeit, also wirklich schlechte Bedingungen für eine LWWP. Mir waren das gefühlt trotzdem viel zu viele Abtauungen, welche die Effizienz im Januar deutlich beeinträchtigt bzw. den Stromverbrauch erhöht haben. Zwar dauern die bei mir nur so 4-5min, aber das muss irgendwie besser gehen/werden.
-Temperaturfühler
Ein häufig genanntes Problem auch hier im Forum. So kann ich die Effizienz meiner Anlage nur über Umwege und nicht exakt bestimmen. Auch hier muss Vaillant nachbessern und korrekt kalibrierte und installierte Fühler ausliefern. Ich meine zwar gehört zu haben, dass die neuere 75/8 da nachgebessert hat, aber wer weiß. Meine werden jetzte voraussichtlich im Zuge der ersten
Wartung im März getauscht. Auch der Fühler der Innentemperatur am SensoComfort hat eine Abweichung von ca. 0,7 Grad, was deutlich zu viel ist.
Fazit:
Insgesamt bin ich schon zufrieden. Die Entscheidung pro Wärmepumpe zweifle ich nicht im geringsten an. Dennoch sind hoffentlich ein paar Fallstricke deutlich geworden. Ich bin schon jetzt gespannt, wie lange die WP hält und was sich dann bei einem Austausch in hoffentlich vielen Jahren zu den von mir genannten negativen Aspekten in Zukunft verbessert hat. Gerne kann man hier seine Erfahrungen mit der Arotherm teilen, Fragen stellen oder einfach mitdiskutieren.
Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen einen kleinen Einblick in das Heizen mit einer Luftwärmepumpe geben und vielleicht bei der Entscheidung helfen.