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Heizungswasser mit κ<100µS/cm und pH=8-9 herstellen
Verfasser:
BoomChocoPopp
Zeit: 30.04.2026 10:04:06
3
3952273
Ich bin schon länger hinterher Heizungswasser mit folgenden Werten herzustellen:
- κ < 100µS/cm
- pH = 8-9


Vorhandene zu schützende Metalle in meinem Umbau:
-Al (WP-Tauscher)
-Cu (Fittinge)
-Fe (Emaillierter WW-Speicher)


Es ist schwieriger herzustellen, als ich angenommen hatte, da es kaum praktische Anleitungen dafür gibt.

Ich habe als Grundwasser zuerst Osmosewasser mit κ ~10-15 µS/cm eingesetzt. Im Versuch 6 VE-Wasser aus Mischbettharz-Kartusche mit κ ~1-5 µS/cm. Durch gelostes CO2 ist VE immer leicht sauer.
- am Anfang mit pH-Streifen gemessen
- die Versuche 4,6 wurden mit kalibrierten Sonden gemessen
- Konzentrate 1,2,3 habe ich nachgestellt, um Leitfähikeit nachzumessen
- zwischen Versuchen vergingen Wochen 1-6 Wochen. Das habe ich nicht genau festgehalten

1. Versuch -> VE-Wasser
- pH bei ~5,5-6. Laut Theorie müsste aber CO2 ausgasen und pH doch ansteigen.
-> Das Wasser wurde durch Rost immer trüber, pH-Wert unverändert.

2. Versuch -> pH-Ausgleich
- gespült und neu befüllt
- pH mit KOH auf ca. 8,5 angehoben. K+ sollte weniger aggressiver sein als Na+
-> κ-Anstieg > 200µS/cm
-> Nach paar Wochen wurde Wasser trotzdem rostig und pH unverändert


3. Versuch -> Pufferlösung herstellen
- gespült und neu befüllt
- KHCO3/K2CO3 ausgewählt
---->Puffer wie folgt hergestellt: ~3mg/L KHCO3 und K2CO3 in deutlichem Überschuss wegen CO2-GG (bis ca 7mg/L)
-> auf pH ~ 7,5-8 eingestellt. Mit Erwartung eines Anstiegs in Richtung 9
-> Wasser wurde trotzdem rostig

4. Versuch -> Korrosionsschutz Zugabe
- gespült und neu befüllt
- Fernox Protector F1 (guter Korr. Schutz - Ergebnisse von OldBo). Gemischt nach einzig angegebenem Wert von ~ 0,5 Vol-%
-> pH blieb bei ~7,5
- Konnte nicht herausfinden, ob die Mischung gepuffert wurde
-----> mit KHCO3/K2CO3 auf pH ~ 8 eingestellt
-> kein Rost
-> κ-Anstieg > 500µS/cm
-> Entsorgung wegen umweltschädlichem Benzotriazol von < 110mg/L extern. Nie wieder!

5. Recherche, Tests
-> mit anorganischen Chemikalien (KOH, KHCO3/K2CO3,... ) gibt es keine Möglichkeit den pH-Wert auf 8-9 einzustellen und κ < 100µS/cm einzuhalten
-> alle kommerzielle Heizungswasser-Korrosionsschutzmittel-Konzentrate erhöhen die κ > 500µS/cm in der Fertigmischung
-> um < 100µS/cm einzuhalten, muss Puffer und Korrosionsschutz auf organischer Basis sein
-> Schwierige Suche nach einzelnen Chemikalien für alle Metalle
-----> Die meisten nicht käuflich

6. Versuch -> umweltverträgliches Korrosionsschutz mit κ < 100µS/cm

- Einziges Produkt, welches ich finden konnte: coracon VE 9
- Konzentration von 0,5% hergestellt
-> pH bei 8,6. Stabil
-> κ ~80µS/cm, stabil
-> kein Rost nach 1 Woche. Bisher war die Trübung nach 1 Woche merklich

- Leider keine chemische Zusammensetzung bekannt
- Fertigmischung ist Abwasserverträglich. Das war mir wichtig

Wenn das so bleibt, bin ich echt erleichtert.

Vielleicht hilft jemandem meine Erfahrung.

Verfasser:
exergetiker
Zeit: 30.04.2026 11:43:35
0
3952289
danke fürs Teilen. Hab das auch vor mir beim Eigeneinbau der WP und hätte folgendes Harz präferiert, weil auch pH-Wert anhebend: https://aft-shop.de/mischbettharz-ph

Verfasser:
pius
Zeit: 03.05.2026 00:09:44
0
3952650
Moin
Dieses Harz aus dem Link hatte ich auch benutzt 👍

Gruß Edgar

Verfasser:
DMS20
Zeit: 03.05.2026 07:25:32
0
3952651
Zitat von BoomChocoPopp Beitrag anzeigen
Ich bin schon länger hinterher Heizungswasser mit folgenden Werten herzustellen:
- κ < 100µS/cm
- pH = 8-9


Vorhandene zu schützende Metalle in meinem Umbau:
-Al (WP-Tauscher)
-Cu (Fittinge)
-Fe (Emaillierter WW-Speicher)
...
-> kein Rost nach 1 Woche. Bisher war die Trübung nach 1 Woche merklich
Vielen Dank für das Teilen dieser Versuchsreihe und diese Erfahrungen.

Die "Trübung" würde meine Stimmung doch irgendwie trüben.

"Rost" ist ja nur im Zusammenhang mit Eisen zu erwarten, Korrosion sowohl an Kupfer als auch an Aluminium zeigt sich anders.

Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Thema so schwierig ist, ist doch immer zu lesen, dass es nach DIN-sowieso aufbereitet werden soll und fertig.

Bin jetzt ziemlich verunsichert.

Verfasser:
Ruediger1931
Zeit: 03.05.2026 07:28:03
0
3952652
Also ich mache es immer so das ich während der Erstbefüllung gleichzeitig enthärte und entsalze.
Danach filtere ich das wasser einige wochen nur und warte in wie weit eine Eigenalkalisierung statt findet. Je nachdem wie das Rohwasser ist findet diese meistens nur sehr gering statt.
Es kommt auch darauf an welche Temperatur das wasser erreichen wird.

Ich achte darauf die Härte bei ca 1 bis 2 zu lassen und die Leitfähigkeit zwischen 100 und 200 zu lassen. Dadurch ist das wasser nicht so aggressiv aber gut genug für eine Heizungsanlage mit Stahl und Kupfer.
Man muss dazu auch sagen das es je nach Installationsmaterialien Unterschiede gibt.
Ich hatte gerade eine Großwärmepumpe mit 340kw die forderte mindestens 6 Grad Härte.
Das ist natürlich schon herausfordernd hat dann aber auch eine Spezialfirma gemacht.

Den PH Wert stelle ich frühestens nach 6 Monaten ein. In der Regel mit Alkaliesierungsharz wird dieser erhöht.
Auch hier ist mein Ziel meistens nur 8 und nicht höher.
Nach einem Jahr kommt noch mal eine Wasserbeprobung um zu schauen in welche Richtung es geht.

Bei EFH verwende ich kein VE Wasser. Das klappt eigentlich nie weil der Kunde das einstellen nicht bezahlen kann/möchte.
Im EFH stelle ich je nach Rohwasser gar nichts ein.
Die VDE2035 gibt hier genügend Spielraum um mit gutem Rohwasser direkt zu füllen.
Lf <500 und Härte unter 6 geht immer direkt rein. Ph Wert sollte jedoch nicht unter 7 liegen.
Die Zeiten von Alu sind ja mit den Wärmepumpen vorbei.
Jedoch ist nun der Wärmetauscher das Nadelöhr und das wasser muss sauberer sein und .öglichst wenig Härte haben. Zumindest wenn die Temperaturen hoch sind.

Grüße

Verfasser:
BoomChocoPopp
Zeit: 04.05.2026 06:36:47
0
3952804
Zitat von exergetiker Beitrag anzeigen
danke fürs Teilen. Hab das auch vor mir beim Eigeneinbau der WP und hätte folgendes Harz präferiert, weil auch pH-Wert anhebend: https://aft-shop.de/mischbettharz-ph

Das wäre Versuch 2 bei mir.
Steht auch nicht dabei, wie hoch die κ nach Aufbereitung wird. Wahrscheinlich OH־/Amin/... beigemischt (oder am Harz gebunden?). Dann spielt aber Verweilzeit große Rolle -> keine genaue pH Regelung. Korrschutz ist auch nicht dabei.


Zitat von DMS20 Beitrag anzeigen


"Rost" ist ja nur im Zusammenhang mit Eisen zu erwarten, Korrosion sowohl an Kupfer als auch an Aluminium zeigt sich anders.

Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Thema so schwierig ist, ist doch immer zu lesen, dass es nach DIN-sowieso aufbereitet werden soll und fertig.


Ja, ich konnte nur Fe-Oxidation feststellen. Allerdings erst mit Korrschutz war/ist keine Trübung trotz neuem O2 zu erkennen.
Al/Cu-Schutz ist reine Hoffnung, da optisch nicht Nachweisbar. Aber niedrige κ + leich basisch - milde Bedingungen, auch wenn kein Zusatz dabei ist.
Wäre kein Effekt für Fe da, hätte ich bei Pufferlösung gelassen.
Zur W-Qualität schreibt Vaillant eindeutig vor:

Verfasser:
Hannes/esbg
Zeit: 16.05.2026 11:25:46
0
3954802
Ich persönlich halte von der Anlagenbefüllung mit VE Wasser nicht besonders viel, sehr viele Anlagen haben daraufhin dann "braunes Wasser" was eindeutig auf Korrosion hinweist!

Da ich im Umfeld von Wien wohne, ist nach meiner persönlichen langjährigen Erfahrung das Wasser aus der "ersten Wiener Hochquellenleitung" das beste Füllwasser, die Härte ist mit 6 bis 8°dH noch ziemlich moderat und sämtliche andere (für Leitungssysteme schädliche Subsatnzen) sind einfach nicht vorhanden!

Ich habe vor etwa 10 jahren eine total vesiffte Heizungsanlage mit einer Kombination aller möglichen Metalle samt nicht sauerstoffdiffusionsdichten FB-Rohren saniert und diese Anlage in folgender Reihenfolge behandelt.

1. gründliches Spülen mit Spülkompressor in beiden Richtungen (jeden Kreis extra), danach in das System 2 L Haushaltsreiniger alkalisch mit eingefüllt und mit einer kräftigen Spülpumpe 2 Tage lang zirkulieren lassen, danach nochmals ordentlich mit Spülkompressor und Pume gespült.

2 Wasser mit Druckluft komplett ausgeblasen, Wiener Wasser geholt (in IBC Container) und eingefüllt, sowie in Hauptrücklauf einen Magnetit und Feinschlammfilter eingebaut.

3. mit Dosierpumpe entsprechende Menge INIBAL Korrosionschutz zugesetzt und die Anlage laufen gelassen.

4. Jede Woche den Feinfilter und den Magnetitabscheider gereinigt (in den ersten 3 Wochen war der Filter ziemlich belegt) sowie noch INIBAL nachgeimpft lt Dosierempfehlung)

Diese Anlage ist seit 10 Jahren sauber mit klarem Wasser und einem pH Wert von etwa 8 und ohne jede Störungen,
Vorher war fast jedes Jahr eine der Pumpen defekt und die Wärmetauscher zugelegt bzw einzelne FBH Kreise ohne Funktion und das Heizungswasser war eine rote Brühe!

Verfasser:
DMS20
Zeit: 16.05.2026 17:24:43
0
3954848
Zitat von Hannes/esbg Beitrag anzeigen
Ich persönlich halte von der Anlagenbefüllung mit VE Wasser nicht besonders viel, sehr viele Anlagen haben daraufhin dann "braunes Wasser" was eindeutig auf Korrosion hinweist!

Da ich im Umfeld von Wien wohne, ist nach meiner persönlichen langjährigen Erfahrung das Wasser aus der[...]
Interessantes Vorgehen, aber leider nur eine "n=1 - Validität".

Das gründliche Spülen über Stunde/Tage in beide Richtungen und das dann zusätzlich noch mit Reiniger klingt gut.
Auch das Freiblasen/Trocknen durch gründliches Druchlüften hat "gefühlt" was. Bei meiner Solarthermie hatte ich auch erst danach den Eindruck, das die Rohre frei von Altmaterial waren.
Inibal hat für mich auch noch eine gewisse Logik.
Nur das WienerWasser hat so ein bisschen 'was von GranderWasser&Co.

Könnte man dann vielleicht ein europaweites Tankwagen-gestütztes Geschäft d'raus machen.

;-)

Bei so einem mehrstufigen Verfahren wie dem von dir gewählten ist es leider immer schwierig, die Relevanz der Einzelschritte für das gute Gesamtergebnis einzuordnen.
Bei einfacher Erhältlichkeit von WienerWasser kann man es ja gut nachmachen - aber was macht man in Schleswig-Holstein?

Verwunderlich ist für mich, dass sogar nach deinem aufwändigen Verfahren noch lange große Mengen an "Schlamm" zu bergen waren.
Der müsste dann ja trotz der Spülaktionen wandständig verblieben sein?!

Verfasser:
Hannes/esbg
Zeit: 16.05.2026 17:33:58
0
3954851
Nein es war kaum "Schlamm" sondern eher viele kleine Brösel!

Natürlich ist das mit dem "Wiener Wasser" für uns ein Glücksfall, in manchen Gegenden ist das Leitungswasser sowas von schlecht dass man dies besser nicht in eine Heizung einfüllen soll (38-32° dH, Sulfite, Eisen, Mangan und was halt sonst noch in uraltem Meeresboden steckt)

Verfasser:
BoomChocoPopp
Zeit: 20.05.2026 08:35:41
1
3956415
Nach 4 Wochen bleibt das Heizungswasser glasklar. pH = 8,6. κ = 81µS/cm.
Nächste Messung in 6 Monaten.
Kann coracon VE 9 empfehlen.

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