Hallo Klaus,
die
Wärmeabgabe wird nicht bzw. nur sekundär vom Thermostat geregelt.
Die Wärmeabgabe wird durch die Heizfläche und der mittleren Heizkörperübertemperatur, die wiederum von der
Vorlauftemperatur und der
Temperaturspreizung bestimmt wird. Das
Thermostatventil regelt "lediglich" die
Wassermenge in Abhängigkeit zur Raumtemperatur.
Nehmen wir mal einen ungünstigen Fall an:
Der Heizkörper ist zu groß, das Temperaturniveau ist zu hoch und der Heizkörper bekommt aufgrund der fehlenden Voreinstellung im Ventil zu viel Wasser bei voll geöffnetem Ventil. Der Raum ist auf 18°C abgekühlt. Du kommst nach Hause und drehst das Ventil auf 21°C.
Das Ventil öffnet, der Heizkörper wird erwärmt. Da er aber zu stark erwärmt wird und das Ventil ca. 30min. braucht, um die Raumtemperatur nachzuregeln, wird in der kurzen Zeit der Raum überheizt. Das Ventil schließt. Nach einer weiteren halben Stunde "merkt" das Ventil, dass der Raum zu stark ausgekühlt ist, da der Heizkörper nicht mehr versorgt wurde. Es öffnet wieder voll. Es entsteht ein "Auf-Zu"-Ventil, das tunlichst vermieden werden sollte. Wenn man dann mal ein Thermometer im Raum aufhängt, kann man hohe Temperaturschwankungen messen, z.B. 19 - 23°C. Das ist das sogenannte P-Band, hier von 4K (
Kelvin).
Diese Regelschwankungen müssen natürlich vermieden werden. Größere Heizkörper sind natürlich nicht schlecht, es spricht überhaupt nichts dagegen, da niedrigere Temperaturen gefahren werden können, was für die
Behaglichkeit wichtig ist, es muss aber alles zusammen passen. Bei optimaler Auslegung aller Parameter kann man anhand der Erwärmung der Heizkörper die Außentemperatur erkennen. Kühl - wenig durchströmt, kalt - mehr durchströmt. Der Wärmeverlust des Raumes soll sich immer im Regelbereich des Ventils befinden. Das Ventil sollte in Regelfunktion nie ganz schließen und nur bei voller Wärmebelastung voll öffnen. Dann ist auch die Temperaturregelung im Wärmeerzeuger optimal eingestellt.
Zum P-Band möchte ich noch folgendes erwähnen:
Im Beispiel ergab sich ja ein äußerst ungünstiges P-Band von 4K. Auch bei einer optimalen Anlage ist ein P-Band von besser als 2K kaum zu verwirklichen. Es ergibt sich nach unserem Beispiel also eine Schwankung von 20 - 22°C, wenn eine normale Störgröße auftaucht (kurzes Abkühlen bzw. Erwärmen). Ein P-Band von 1K zu erreichen, wie es in der EnEV vorgeschlagen wird, ist fast unmöglich. Das genaue Abstimmen aller Parameter aufgrund der Regelschwankungen der drehzahlgeregelten
Pumpen, die für diesen Fall zu ungenaue Voreinstellung der Ventile und andere kleinere Ungenauigkeiten verhindern dies zuverlässig. Wenn ich diese Parameter so genau "dosiere", wird die Anlage viel zu träge bzw. die Anlage kann überhaupt nicht zuverlässig nachregeln. Wenn dann noch renomierte Hersteller ankommen, die behaupten, allein mit ihren "EnEV-Heizkörpern" ein P-Band von 1K zu erreichen, fällt mir nichts mehr ein. Entweder haben die es selbst nicht begriffen, oder die meinen, wir Heizungsbauer befinden uns die meiste Zeit auf Bäumen.
Bei
Fußbodenheizungen ist allerdings bei guter Auslegung aufgrund des Selbstreguliereffektes ein P-Band von 1K durchaus üblich. Das hängt mit der geringen
Heizflächenübertemperatur und der hohen Heizfläche zusammen. Aber die sind auch gewollt träge und bekannterweise sehr behaglich und komfortabel.
Grüße HeiZie