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News vom 10.01.2014

Viel Licht und viel Schatten - Die ERP verändert die Heiztechnik-Branche - Teil 2

Es ist eines der großen Projekte auf EU-Ebene, das durchaus das Potenzial hat, das Gesicht der Branche zu verändern: Die Energy related Products- (ErP) oder Öko-Design-Richtlinie. Im ersten Teil der Serie des Fachautors Martin Schellhorn standen die ErP-Grundlagen und wichtige Fragen zum Package-Labeling von Heizanlagen im Mittelpunkt. Im zweiten Teil klären wir für Sie interessante Detailfragen, die Ihren Arbeitsalltag betreffen.

Die beste Effizienzklasse wird nicht automatisch die beste Lösung für die Wärme- und Energieversorgung eines Gebäudes darstellen. Der Beratungsbedarf der Branche gegenüber dem Endkunden wird deutlich wachsen.
Die beste Effizienzklasse wird nicht automatisch die beste Lösung für die Wärme- und Energieversorgung eines Gebäudes darstellen. Der Beratungsbedarf der Branche gegenüber dem Endkunden wird deutlich wachsen.
Künftig wird immer wieder intensive Aufklärungsarbeit geleistet werden müssen, warum eine noch so kostengünstige Anlage mit einem guten Effizienzlabel im Betrieb teurer sein wird, als eine größere Investition, die aber die Erfordernisse des Gebäudes und seiner Bewohner berücksichtigt.
Künftig wird immer wieder intensive Aufklärungsarbeit geleistet werden müssen, warum eine noch so kostengünstige Anlage mit einem guten Effizienzlabel im Betrieb teurer sein wird, als eine größere Investition, die aber die Erfordernisse des Gebäudes und seiner Bewohner berücksichtigt.
Nur in Mehrfamilienhäusern dürfen künftig noch unter bestimmten Bedingungen Heizwertgeräte im Austausch zum Einsatz kommen. Ansonsten werden Brennwertgeräte zum Standard.
Nur in Mehrfamilienhäusern dürfen künftig noch unter bestimmten Bedingungen Heizwertgeräte im Austausch zum Einsatz kommen. Ansonsten werden Brennwertgeräte zum Standard.
Die Label-Klassifizierung erfolgt bei allen Wärmeerzeugern durch Selbstdeklaration der Hersteller. Nur der thermische Wirkungsgrad von Gas- und Ölheizgeräten wird durch akkreditierte Prüfstellen vorgenommen.
Die Label-Klassifizierung erfolgt bei allen Wärmeerzeugern durch Selbstdeklaration der Hersteller. Nur der thermische Wirkungsgrad von Gas- und Ölheizgeräten wird durch akkreditierte Prüfstellen vorgenommen.
Aufseiten der Fachhandwerker und Fachplaner werden die Betriebe durch die ErP-Richtlinie profitieren, die sich frühzeitig auf die Anforderungen des höheren Beratungsbedarfes einstellen und Trainings besuchen.
Aufseiten der Fachhandwerker und Fachplaner werden die Betriebe durch die ErP-Richtlinie profitieren, die sich frühzeitig auf die Anforderungen des höheren Beratungsbedarfes einstellen und Trainings besuchen.
Bei den Herstellern werden insbesondere die großen und serviceorientierten Unternehmen gewinnen, die weitere Dienstleistungen für ihre Partner anbieten.
Bei den Herstellern werden insbesondere die großen und serviceorientierten Unternehmen gewinnen, die weitere Dienstleistungen für ihre Partner anbieten.
Bedeutung der Icons auf den Labels.
Bedeutung der Icons auf den Labels.
Beispiele für Effizienzlabels aus verschiedenen Produktkategorien.
Beispiele für Effizienzlabels aus verschiedenen Produktkategorien.

Wird es durch die Effizienzlabel künftig bei den unterschiedlichen Wärmeerzeugern zu neuen Gewichtungen kommen?

 Welche Wirkung die Effizienzlabel letztendlich beim Endkunden haben werden, ist noch unklar. Eine vergleichbare Produktgruppe mit Investitionsgütern in der Größenordnung einer neuen Heizanlage ist bislang noch nicht durch die ErP-Richtlinie erfasst worden. Denn anders als bei Beleuchtungskörpern oder Unterhaltungselektronik, die von Effizienzklasse zu Effizienzklasse vergleichsweise nur geringe Unterschiede in den Preisen haben, können zwischen den Effizienzklassen bei Heizanlagen – finanzielle – Welten liegen.

Dies beruht u.a. auch darauf, dass - politisch gewollt – jede Elektro-Wärmepumpe per Definition immer eine bessere Energie-Effizienzklasse erhält als ein Gas-Brennwertgerät. „Das bedeutet z.B., dass ein Billigprodukt mit einem sehr schlechten COP eine bessere Effizienzklasse erhält als jedes Hightech-Gas-Brennwertgerät – obwohl es für den Nutzer höhere Energiekosten verursacht. Das verdeutlicht den Beratungsaufwand und Erklärungsbedarf, der künftig auf die Branche gegenüber dem Endkunden zukommen wird“, so Andreas Christmann, Leiter Produkt und Marketing bei Vaillant Deutschland dazu.


Kann von zwei Produkten mit unterschiedlicher Effizienzeinstufung das Produkt mit der schlechteren Einstufung deutlich geringere Energiekosten verursachen?
 

Ja – das ist möglich. Tatsächlich wird dies wohl auch keine Seltenheit sein. Denn letztlich zählen weiterhin die fachliche Beratung und die Kompetenz des Fachhandwerkers oder Fachplaners, der am besten beurteilen kann, welches Heizsystem sich für welches Gebäude eignet und auch auf Dauer die geringeren Energiekosten verursacht.

„Der Endkunde will eine Anlage, die ihm zuverlässig und genau auf seine Bedürfnisse hin langfristig einen hohen und kostengünstigen Wärmekomfort ermöglicht. Das Effizienzlabel allein ist hierfür aber kein Garant. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe im ungedämmten Baubestand einzusetzen, der 75 °C Vorlauftemperatur braucht, anstatt dafür ein Mikro-BHKW oder ein Gas-Brennwertgerät zu verwenden, wäre sträflicher Unsinn. Dennoch würde auch in diesem Fall die Luft/Wasser-Wärmepumpe immer das bessere Effizienzlabel haben. Auf einen kurzen Nenner gebracht, bedeutet das: Die beste Effizienzklasse ist nicht automatisch die beste Lösung. Sowohl Hersteller als auch Fachhandwerker und Fachplaner sind deswegen in der Pflicht, noch intensiver als bisher professionelle und kompetente, überzeugende Beratung zu liefern. Es muss intensive Aufklärungsarbeit geleistet werden, warum eine im Zweifelsfall auch noch so kostengünstige Anlage mit einem guten Effizienzlabel für den Kunden im Betrieb teurer ist, als eine größere Investition für eine Heizanlage mit einem schlechteren Effizienzlabel.“

Ist es nach der ErP-Richtlinie möglich, dass zwei Produkte aus der gleichen Gerätekategorie mit deutlich unterschiedlicher Wirtschaftlichkeit in die gleiche Effizienzklasse eingruppiert werden?

Ja – das wird in nahezu allen Produktkategorien so Realität werden. Besonders auffällig wird dies bspw. in den Bereichen Wärmepumpe und BHKW. Selbst gravierende Unterschiede in COP und Jahresarbeitszahl von Wärmepumpen werden hinsichtlich der Einstufung in die Effizienzklasse keine entscheidende Rolle mehr spielen. Im Bereich der KWK sollen nach aktuellem Stand hoch effiziente Mikro-BHKW mit Gas-Verbrennungsmotoren von ihrer Effizienzeinstufung her den Stirling-Maschinen gleichgestellt werden – obwohl der elektrische Wirkungsgrad von Letzteren schon rein technologisch nicht das Effizienzniveau eines Gas-Verbrennungsmotors erreichen kann. Dies ist jedoch noch nicht final entschieden. Die Berechnungsmethode zur Effizienzbestimmung wird wahrscheinlich im Official Journal der EU-Kommission im Oktober festgelegt und veröffentlicht. „Auch hier wird wieder deutlich, wie viel Informations- und Beratungsbedarf in den kommenden Jahren auf die Branche zukommt“; beschreibt Christmann diese Problematik. „Leider ist die Kommission hier nicht den Vorschlägen der Branche gefolgt, ein spezifisches Label für jede Produktgruppe einzuführen. Dadurch wären dann sehr genaue Klassifizierungen der tatsächlichen Effizienz ermöglicht worden.“

Werden eventuell sogar ganze Produktkategorien nicht mehr angeboten?

Grundsätzlich wird bedingt durch die Mindesteffizienzkriterien in ganz Europa ein Brennwertgebot gelten. Dadurch werden Heizwertgeräte mittelfristig von den Märkten verschwinden. Heizwertgeräte werden zwar generell in den Effizienzklassen C bis D eingruppiert, können aber aufgrund ihrer technologischen Voraussetzungen nicht mehr die Mindesteffizienzkriterien erfüllen. Aufgrund dessen kann keine CE-Kennzeichnung mehr erteilt werden.

In den Diskussionen der Arbeitskreise konnte aber erreicht werden, dass in Mehrfamilienhäusern unter bestimmten Voraussetzungen noch Heizwertgeräte zum Einsatz kommen können. „Zu einem großen Problem hätten sich ansonsten Mehrfamilienhäuser mit Heizwert-Etagengeräten und einem gemeinsamen Schornstein entwickelt“, erläutert Christmann diese Thematik. „Hätte hier ein defektes Gerät ausgetauscht werden müssen, wäre man aufgrund der Bestimmungen dazu gezwungen gewesen, ein Brennwertgerät einzusetzen. Dazu hätten dann aber auch alle anderen Wärmeerzeuger im Haus ausgetauscht werden müssen, weil die gemeinsame Abgasführung von Heiz- und Brennwertgeräten technisch unmöglich ist.“ Deswegen sind künftig ausschließlich in Mehrfamilienhäusern mit mehrfach belegten Kaminen raumluftabhängige Wärmeerzeuger mit Strömungssicherung bis zu einer Heizleistung von 10 kW und Kombigeräte bis zu einer Leistung bis zu 30 kW im Austausch weiterhin erlaubt.

Wie erfolgt die zuweisung des Effizienzlabels?

Die Label-Klassifizierung erfolgt bei allen Wärmeerzeugern durch Selbstdeklaration. Ausschließlich die Zertifizierung des thermischen Wirkungsgrades von Wärmeerzeugern für fossile Energieträger wird durch akkreditierte Prüfstellen vorgenommen. Auch die Herstellerangaben zur elektrischen Leistungsaufnahme und den Stand-by-Verlusten werden nicht von dritter Seite aus bestätigt.

Dabei sind die Herstellerfirmen grundsätzlich verpflichtet, die ErP-Konformität ihrer Geräte sicherzustellen und zu garantieren. Der Fachhandwerker und -planer ist nicht in der Pflicht, die Herstellerdaten zu verifizieren. Er kann - und muss - sich auf diese verlassen. Haftungsrisiken entstehen ihm hierdurch nicht. Die Daten und Angaben werden in der Praxis übernommen, um der Ausweispflicht gegenüber dem Endkunden nachzukommen, oder sie werden für die Ermittlung des Package-Labels genutzt. Das Effizienzlabel wird künftig Teil der CE-Zertifizierung. Geräte ohne CE-Kennzeichnung sind im europäischen Markt nicht verkehrsfähig.

Wie sieht es mit Lagerware aus?

Alle unter die Regeln der ErP-Richtlinie im LOT 1 fallenden Produkte, die sich zum Zeitpunkt des Stichtags (wahrscheinlich September 2015) in einem Lager bzw. beim Großhandel befinden, gelten als bereits „in den Verkehr gebracht“. Sie sind nicht von der ErP-Richtlinie betroffen und dürfen demzufolge noch abverkauft, installiert und betrieben werden.

Was gilt für bereits installierte Heizanlagen, in denen eine Komponente ausgefallen ist oder ergänzt wird?

Bereits bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz. Wird bspw. bei einem bestehenden Heizgerät eine Solaranlage oder ein Speicher ergänzt, muss der Fachhandwerker kein neues Package-Label ermitteln. Auch defekte Geräte in einer Heizanlage können getauscht werden, ohne dass hierfür ein ein neues Label für die Gesamtanlage notwendig wäre. Jedoch ist hier zu beachten, dass bereits ein Kessel, der gemeinsam mit dem Regler angeboten wird, ein Package Label erfordert. Alle neu in Verkehr gebrachten und installierten Geräte müssen darüber hinaus den ErP-Bedingungen entsprechen. Das heißt: Defekte Heizwertgeräte dürfen nicht durch ein neues Heizwertgerät ersetzt werden, das nach dem Stichtag in Verkehr gebracht wurde – es sei denn, dass die Sonderregelung für Mehrfamilienhäuser greift.

Wer wird Gewinner, wer Verlierer der neuen ErP-Richtlinie in der Heiztechnik-Branche?

Aufseiten des Fachhandwerks und der Fachplaner werden wohl die Betriebe gewinnen, die sich frühzeitig auf die Anforderungen des neuen und erhöhten ErP-Beratungsbedarfes Richtung Endkunden hin ausrichten. Dagegen werden Fachhandwerks-Unternehmen, die nicht kontinuierlich an Trainingsmaßnahmen der Hersteller teilnehmen, weiter verlieren. „Unsere Empfehlungen lauten, sich bereits frühzeitig auf die kommenden Aufgaben einzustellen und den Endkunden aktiv zu beraten. Das ist nur durch intensive Trainings möglich“, formuliert Christmann. „Gleichzeitig sind die Hersteller gefordert, frühzeitig Lösungen anzubieten, die das Fachhandwerk in seinen Aufgaben optimal unterstützen.“

Aufseiten der Hersteller werden insbesondere die großen und serviceorientierten Unternehmen profitieren, denn die notwendigen Dienstleistungen für das Fachhandwerk lassen sich in ihrer Vielfalt von kleineren Herstellern kaum noch leisten. Wer bereits heute auf umfassende und individuelle Dienstleistungen für seine Fachhandwerkspartner setzt, wird dies auch im Rahmen der ErP-Richtlinie tun und zu den Nutznießern der neuen Marktbedingungen zählen.

In der kommenden Ausgabe analysieren wir für Sie die speziellen Bedingungen in LOT 2, LOT 15 und LOT 20. Hier werden die Warmwassergeräte, holzbefeuerte Kessel und Einzelraumfeuerstätten behandelt.

Aktuelle Forenbeiträge
Martin24 schrieb: Ja schon aber das kann man per Wasserschlagdämpfer mindern oder beseitigen. Wir hatten das auch, dass wenn die Badewannenarmatur im Erdgeschoss schnell geschlossen wurde, die Leitungen im Obergeschoss...
crink schrieb: Hi, draußen ist es normalerweise teurer/aufwändiger. Und im Wasserschutzgebiet kann die komplett verbindungslose Verlegung außerhalb des Hauses eine Auflage zum Gewässerschutz sein, in dem Fall können...
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