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News vom 20.11.2015

ZIEL- ODER IRREFÜHREND?: ENEV 2016

Diesmal geht es richtig zur Sache: Gleich um 25 Prozent soll der Primärenergieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr laut der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 sinken. Wird das Auswirkungen auf bestimmte Energieträger haben? Ist der Einsatz von Gas-Brennwertheizungen im Neubau weiterhin eine der wirtschaftlichsten und beliebtesten Lösungen? Welche Konsequenzen werden Bauherren, Hersteller, Fachhandwerk und Fachplaner aus der EnEV 2016 ziehen? Diese und weitere Fragen beantwortet der nachstehende Beitrag.

Auf dem Weg zum „Nearly Zero Emission Building“: 2050 sollen Gebäude in Deutschland nahezu CO2-neutral mit Energie versorgt werden.
Auf dem Weg zum „Nearly Zero Emission Building“: 2050 sollen Gebäude in Deutschland nahezu CO2-neutral mit Energie versorgt werden.
Anders als bei den bekannten Energielabeln für Produkte spiegeln die energetischen Kennwerte basierend auf der Endenergie nicht die realen Energieverbrauchskosten von Gebäuden wider.
Anders als bei den bekannten Energielabeln für Produkte spiegeln die energetischen Kennwerte basierend auf der Endenergie nicht die realen Energieverbrauchskosten von Gebäuden wider.
Zwei Drittel aller modernen Gebäude sind energetisch um mindestens 30 Prozent besser aufgestellt als die EnEV es fordert.
Zwei Drittel aller modernen Gebäude sind energetisch um mindestens 30 Prozent besser aufgestellt als die EnEV es fordert.
In puncto Energiekosten ist eine Gas-Brennwertheizung das kostengünstigste System.
In puncto Energiekosten ist eine Gas-Brennwertheizung das kostengünstigste System.
Das Austauschpotenzial bei ineffizienten Wärmeerzeugern in Deutschland ist riesig.
Das Austauschpotenzial bei ineffizienten Wärmeerzeugern in Deutschland ist riesig.
Nach den Ergebnissen des ITG Neubaukompass ist bei einem geringfügig verbesserten Wärmeschutz eine Erdgas-Brennwertheizung mit solarer Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung das kostengünstigste System.
Nach den Ergebnissen des ITG Neubaukompass ist bei einem geringfügig verbesserten Wärmeschutz eine Erdgas-Brennwertheizung mit solarer Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung das kostengünstigste System.
Grundsätzlich können alle Technologien an Wärmeerzeugern die EnEV 2016 erfüllen.
Grundsätzlich können alle Technologien an Wärmeerzeugern die EnEV 2016 erfüllen.
Der Primärenergiefaktor für Strom wurde mit der EnEV einseitig von 2,6 auf 2,4 und jetzt 1,8 reduziert.
Der Primärenergiefaktor für Strom wurde mit der EnEV einseitig von 2,6 auf 2,4 und jetzt 1,8 reduziert.
Der Anteil erneuerbarer Energien im Erdgas findet derzeit keine Berücksichtigung.
Der Anteil erneuerbarer Energien im Erdgas findet derzeit keine Berücksichtigung.
Die Austauschpflicht für mehr als 30 alte Wärmeerzeuger hat in Deutschland noch keine Wirkung gezeigt.
Die Austauschpflicht für mehr als 30 alte Wärmeerzeuger hat in Deutschland noch keine Wirkung gezeigt.
Zahlreiche Vorschriften bestimmen den Neubau hinsichtlich seiner Energieeffizienz. Wichtig ist für die kommende EnEV 2017 eine Harmonisierung des EEWärmeG mit der EnEV.
Zahlreiche Vorschriften bestimmen den Neubau hinsichtlich seiner Energieeffizienz. Wichtig ist für die kommende EnEV 2017 eine Harmonisierung des EEWärmeG mit der EnEV.
Der Anteil an erneuerbaren Technologien geht bei den Heizanlagen kontinuierlich zurück.
Der Anteil an erneuerbaren Technologien geht bei den Heizanlagen kontinuierlich zurück.
Backhaus: „Für die kommende EnEV 2017 sollten die Primärenergiefaktoren für Gas angepasst werden. Als Systemhersteller, der alle Technologien der Wärmeerzeugung vertritt, können wir dies sachlich neutral mit der notwendigen Gleichbehandlung aller Energieträger begründen.“ Bilder: Vaillant<br />
Backhaus: „Für die kommende EnEV 2017 sollten die Primärenergiefaktoren für Gas angepasst werden. Als Systemhersteller, der alle Technologien der Wärmeerzeugung vertritt, können wir dies sachlich neutral mit der notwendigen Gleichbehandlung aller Energieträger begründen.“ Bilder: Vaillant

Die wichtigste Zielvorgabe der Politik spiegelt sich in der EnEV 2016 wider: Im Jahr 2050 sollen Gebäude in Deutschland nahezu CO2-neutral mit Energie versorgt werden. Sieht man sich die Entwicklung von der ersten Wärmeschutzverordnung bis heute an, so kommt man diesem Ziel stetig näher, denn mittlerweile ist der Primärenergiebedarf von rund 300 kWh/m²a je nach Gebäudetyp auf rund 50 kWh/m²a gesunken und beträgt damit ca. noch ein Sechstel. Dazu beigetragen hat sowohl der bauliche Wärmeschutz als auch die Energieeffizienz der verwendeten Heiz- bzw. Anlagentechnologie im Neubau.

Welche wesentlichen Vorgaben für Bauherren ändern sich durch die EnEV 2016?

  • Der höchste Jahresprimärenergiebedarf zum Heizen, Lüften, Kühlen und der Trinkwassererwärmung beträgt künftig rund 50 kWh/m²a. Er sinkt damit im Vergleich zur EnEV 2014 um rund 25 Prozent. Erfüllt werden können diese Vorgaben durch die Verwendung erneuerbarer Energieträger, hoch effiziente Heiztechnik und eine weiter verbesserte Dämmung.
  • Gleichzeitig sinkt der maximal erlaubte, mittlere Wärmeverlust über die Gebäudehülle um ca. 20 Prozent.
  • Der Primärenergiefaktor für Strom wird nochmals deutlich auf 1,8 gesenkt. 2009 lag dieser noch bei 2,6. Als Grund für die Reduzierung gilt der immer größer werdende Anteil von Wind- und Solarstrom im Vergleich zu Elektrizität, die aus fossilen Energieträgern gewonnen wird.
  • Bereits seit dem Inkrafttreten der EnEV 2014 müssen mehr als 30 Jahre alte Wärmeerzeuger im Baubestand ausgetauscht werden. Davon ausgenommen sind private Wohngebäude, die bereits vor dem Jahr 2002 vom aktuellen Eigentümer bewohnt worden sind und bestehende Niedertemperatur- sowie Brennwert-Heizgeräte


Kommen auch Verschärfungen für den Gebäudebestand?

Für Bestandsgebäude sind im Hinblick auf die EnEV keine weiteren Verschärfungen der gesetzlichen Vorgaben vorgesehen. „Wir begrüßen es, dass verlässliche, sozialverträgliche und langfristige Rahmenbedingungen für den Gebäudebestand gelten und damit das Wirtschaflichkeitsgebot eingehalten wird“, so Karl-Heinz Backhaus,  Leiter Politik, Verbands- und Normungsmanagement Vaillant dazu. „Um jedoch die Klimaziele zu erreichen und die hohen Energieeinsparungspotenziale im Gebäude auszuschöpfen, ist es erforderlich die EnEV durch Anreizsysteme für die Gebäudeeigentümer zu ergänzen.“

Sind die Verschärfungen der EnEV-Vorgaben technologienoffen umsetzbar?

Neben den aufgeführten Haupt- enthält die EnEV sogenannte Nebenforderungen. Dazu zählt auch die Vorgabe zur weiteren Reduzierung der Transmissionswärmeverluste. „Hier sehen wir ein Manko in puncto Technologieoffenheit, denn diese Forderung lässt sich nur mit einem noch höheren Dämmstandard erreichen“, so Backhaus. „Bislang bestand in den Vorgaben die Wahlmöglichkeit für den Bauherren den eingesetzten Dämmstandard durch den Einsatz einer besonders effizienten Heiztechnik kompensieren zu können. So hatte er nicht nur im Hinblick auf seine architektonischen Wünsche, sondern auch die Ausgestaltung der verwendeten technischen Gebäudeausrüstung größere Freiheit.“

Welche Konsequenzen wird die Einführung von Gebäude-Effizienzklassen haben?

Mit der EnEV 2016 wird auch die Angabe von Gebäude-Effizienzklassen von A+ bis H für alle Häuser in bestimmten Situationen wie z.B. dem Verkauf der Immobilie verpflichtend. Bereits seit dem 1.5.2015 müssen diese in Immobilienanzeigen angegeben werden. Anders als bei den bekannten Energielabeln spiegeln die energetischen Kennwerte basierend auf der Endenergie nicht die realen Energieverbrauchskosten wider. Teilweise stehen sie sogar im krassen Widerspruch zu den politischen Zielen der Energiewende, z.B. im Hinblick auf die Ausbauziele der Kraft-Wärme-Kopplung. Darüber hinaus kollidiert die Klassifizierung basierend auf der Endenergie teils mit bestehenden Förderprogrammen, die ihre Anforderungen am Primärenergiebedarf des Gebäudes ausrichten. Beispielsweise die KfW-Energieeffizienzprogramme beruhen auf dem Primärenergiebedarf.

Insbesondere wenn versucht wird, mit relativ geringen Investitionen eine sehr gute Effizienzeinstufung des Gebäudes zu erreichen, um bei Verkauf oder Vermietung eine hohe Rendite erzielen zu können, können schlichtweg energietechnisch falsche Entscheidungen zugrunde liegen. So lässt sich beispielsweise auch in einem Altbau mit einer benötigten Vorlauftemperatur von 75 °C durch die Investition in eine einfache Luft/Wasser-Wärmepumpe schnell eine sehr gute Gebäude-Effizienzklasse erreichen. Dass hier andere Anlagentechnologien deutlich effizienter wären und geringere Energiekosten hätten, ist jedoch jedem Fachmann klar. Die Konsequenz: Um hier Fehlinterpretationen zu vermeiden, ist eine intensive Aufklärung der Endkunden von allen Marktbeteiligten erforderlich.

Welche Heiztechnologie kann die Vorgaben der EnEV 2016 erfüllen?

U.a. zu dieser Frage hat das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG) als eines der renommiertesten Fachinstitute Deutschlands in der technischen Gebäudeausrüstung in der Studie „Neubaukompass 2015“ untersucht, unter welchen Bedingungen die verfügbaren Heiztechnologien die EnEV 2016 erfüllen.

Seit ca. zehn Jahren ist die Zahl der Neubauten in Deutschland relativ konstant bei ca. 100.000 Gebäuden jährlich. Demgegenüber steht ein Bestand von rund 18 Millionen Häusern. Dabei ist eine Zahl besonders interessant: Beispielsweise in 2013 wurden alleine nahezu zwei Drittel aller Neubauten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als Effizienzhäuser gefördert. Das heißt: Diese Gebäude sind mindestens um 30 Prozent energetisch besser aufgestellt als von der EnEV gefordert. Dies bedeutet wiederum, dass Bauherren der Energieeffizienz einen hohen Stellenwert beimessen. Zwei wichtige Aspekte dabei sind der bauliche Wärmeschutz und die verwendete Heiztechnologie. Während das eine fast ausschließlich Investitionskosten nach sich zieht, bedeutet das andere zwangsläufig darüber hinaus permanente Betriebskosten, die ebenfalls betrachtet werden müssen. 

Grundsätzlich sollten deswegen sowohl Investitions- als auch Betriebskosten der gewünschten Heiztechnologie verglichen werden. Hier hat der ITG Neubaukompass ein klares Ergebnis ergeben: Bei einem geringfügig verbesserten Wärmeschutz gegenüber den EnEV-Vorgaben – z.B. durch den Einsatz einer Drei- statt Zweischeiben-Verglasung – ist eine Erdgas-Brennwertheizung mit solarer Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung das kostengünstigste System. Soll der bauliche Wärmeschutz nicht verbessert werden, bietet sich der Einsatz einer kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung als zusätzliche Maßnahme an. Dies ist in nahezu allen Fällen ohnehin aufgrund der dichten Gebäudehülle zwangsläufig erforderlich.

Doch auch die Luft/Wasser Wärmepumpe, eine Erdgas-Hybridheizung, die Gaswärmepumpe mit solarer Unterstützung, ein Blockheiz-Kraftwerk (BHKW), das Brennstoffzellen-Heizgerät und ein Pellet-Heizkessel können die Vorgaben der EnEV weiterhin erfüllen – wenn die Vorgaben entsprechend beachtet und teilweise ggf. Zusatzmaßnahmen getroffen werden, die oftmals ohnehin erforderlich sind, ohne vorgeschrieben zu sein. Auf einen Nenner gebracht heißt das: Auch mit den Vorgaben der EnEV 2016 ist weiterhin der Einsatz aller Technologien der Wärmeerzeugung möglich.

Was bedeutet die Reduzierung des Primärenergiefaktors für Strom?

Ökodesign-Richtlinie und EnEV haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Der große Gewinner aus beiden Regelwerken ist der Energieträger Strom – nicht aber unbedingt auch die Energieeffizienz. Der Hintergrund: Während der Primärenergiefaktor für Erdgas bei 1,1 liegt, betrug der Primärenergiefaktor für Strom bis Ende 2013 2,6. Mit der aktuellen EnEV-Novelle wird dieser jedoch einseitig zugunsten von Strom verschoben. Mit Inkrafttreten der neuen EnEV sank der Primärenergiefaktor für Strom von 2,6 auf 2,4. Ab dem 1.1.2016 reduziert er sich dann sogar auf 1,8.

Die Begründung dafür erscheint zunächst plausibel: Der Anteil des aus Atom-Kraftwerken erzeugten Stroms geht kontinuierlich weiter zurück. Dieser hat einen vergleichsweise hohen Primärenergiefaktor im Vergleich zu erneuerbaren Energieträgern. Auch der Anteil des Stroms, der aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, sinkt weiter. Durch den stetig steigenden Anteil von erneuerbaren Energieträgern in der Stromerzeugung setzt sich der Primärenergiefaktor für Strom dadurch anders zusammen.

Ohne jegliche Verbesserungen hinsichtlich ihrer Effizienz werden zukünftig dadurch jedoch elektrisch betriebene Wär-mepumpen gegenüber den Technologien Solarthermie, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Gas-Brennwerttechnik höher bewertet, als dies derzeit der Fall ist. Im Endeffekt wird bei dieser Einstufung eine Prognose über den zukünftigen vermutlichen Anteil von erneuerbaren Energien im Strommix für den öffentlich rechtlichen Nach-weis und Energieberatungen herangezogen, ohne den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien bei an-deren Energiearten zu berücksichtigen. Dadurch verlieren fossil betriebene Heizsystme an Wettbewerbsfähigkeit. Gerade die statische Bewertung des Energieträgers Gas spielt hier eine wesentliche Rolle in der künftigen Bewertung von unbestrittenen Hocheffizienz-Technologien wie der KWK – sei es im BHKW oder der Brennstoffzelle.

Der Rückgang des Einsatzes von erneuerbaren Technologien zeigt sich an Marktzahlen des Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH): Wurden 2008 noch bei über 45 Prozent aller Heizanlagen erneuerbare Energieträger eingesetzt, liegt diese Quote sieben Jahre später bei nur noch 21 Prozent. „Das hängt u.a. auch damit zusammen, dass Wärmeerzeuger derzeit erst dann getauscht werden, wenn sie ausfallen“, beschreibt Backhaus die Erfahrungen des Remscheider Unternehmens. „Bei der Hälfte aller Gerätewechsel ist das im Winter der Fall, wenn es darauf ankommt, sehr schnell zu reagieren. Dann ist oft keine Zeit mehr über Alternativen für das bestehende System nachzudenken und zu planen. Vielmehr wird dann einfach schnellstmöglich ein Austauschgerät mit der gleichen Technologie installiert. Mithin steht also tatsächlich nur die Hälfte des Marktpotenzials für höherwertige Anlagentechnik mit erneuerbaren Energieträgern zur Verfügung.“

Damit die Energiearten wieder eine faire Bewertung erhalten, besteht eine der zentralen Forderungen aus dem Markt darin, dass im Rahmen der nächsten EnEV-Novelle beispielsweise der steigende Anteil erneuerbarer Energien im Erdgas über u.a. Bio-, Deponie- und Klärgas berücksichtigt wird.

Wie hat sich die Austauschpflicht für Heizkessel mit einem Alter über 30 Jahren bislang bewährt?

Nach Schätzungen des BDH sind 1,2 Millionen Wärmeerzeuger in Deutschland älter als 30 Jahre und damit sehr ineffizient. Bedingt durch die Ausnahmeregeln der prinzipiell bestehenden Austauschpflicht von mehr als 30 Jahre alten Wärmeerzeugern, verbleiben nach Schätzungen aus der gleichen Untersuchung noch 400.000 Heizgeräte, die umgehend außer Betrieb genommen werden müssten. „Aus mehreren Gründen hat diese Austauschpflicht bislang jedoch keinerlei Auswirkungen auf den Markt gehabt“, erläutert Backhaus dazu. „Zum Beispiels ist es für den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger vor Ort in der Praxis ohne Hilfsmittel quasi unmöglich zwischen einem Standard- und einem Niedertemperaturkessel zu unterscheiden. Hier hat der BDH aktuell eine Liste aller betroffenen Produkte erstellt, die diese Arbeit erleichtern wird.“ Gleichzeitig erhofft sich die Branche durch das kommende Labeling von Bestandsanlagen der Wärmeerzeugung eine bessere Identifikation der entsprechenden Produkte.

Welche Forderungen hat der Markt an die anstehende Novellierung der EnEV für 2017?

Der wichtigste Aspekt in der Novellierung der zukünftigen EnEV betrifft nach Ansicht von Meinungsträgern im Markt nicht nur die EnEV, sondern auch das EEWärmeG. Weil beide Regelwerke nicht gemeinsam, sondern mit teils erheblichem Zeitabstand erneuert werden, ergeben sich hier fast automatisch Widersprüche. So kann z.B. der Einsatz einer bestimmten Technologie der Wärmeerzeugung zwar das EEWärmeG erfüllen, nicht aber die EnEV. Doch auch in puncto EnEV Berechnungsverfahren herrscht Unklarheit. Neben der DIN V 18599 kann mit der DIN V 4701, Teil 10 – obwohl als schnelle Entscheidungshilfe gut nutzbar - auch eine Vorschrift eingesetzt werden, in der neue Technologien der Wärmeerzeugung nicht enthalten sind und so automatisch nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen werden können.

„In jedem Fall überarbeitet werden sollten die Primärenergiefaktoren für alle Energieträger, vor allen Dingen für Gas“, erläutert Backhaus. „Als Hersteller, der sowohl Elektro-Wärmepumpen, die durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen profitieren als auch z.B. Gas- und Öl-Brennwerttechnik oder BHKW, Solartechnik und Brennstoffzellen-Heizgeräte im Portfolio hat, können wir diese Forderung sachlich neutral mit der notwendigen Gleichbehandlung aller Energieträger begründen.“

Auch die zeitgemäße und notwendige Verbindung von Photovoltaikanlagen mit Gas-Brennwertgeräten sollte sich gegenrechnen lassen. Dadurch lässt sich zum einen der rechnerisch angesetzte Primärenergieverbrauch realistisch reduzieren und zum anderen zur Verfügung stehender Solarstrom in Form von Wärme zwischenspeichern, statt ihn in das Netz einzuspeisen – eine der zentralen Forderungen der Energiewende. Die zentrale Forderung lautet hier, dass der Einsatz von fossilen Energieträgern plus Photovoltaik laut EnEV anrechenbar ist und im EEWärmeG als erneuerbare Energie anerkannt wird.

Letztendlich sollte auch der verbrauchsorientierte Energiebedarfsausweis mit seinen Konsequenzen auf den Prüfstand gestellt werden. Denn eine Grundlage für Energieberatung oder gar eine Entscheidungsgrundlage kann dieser Ausweis nicht bieten. Um dennoch die Kosten für Hauseigentümer durch die Ausstellung eines bedarfsorientierten Ausweises nicht steigen zu lassen, wären hier staatliche Fördermaßnahmen für die Energieberatung wünschenswert.

Fazit:

Mit der EnEV 2016 wird der maximale Jahresprimärenergiebedarf im Vergleich zur EnEV 2014 um 25 Prozent reduziert. Teilweise sind die Vorgaben der neuen EnEV nicht technologieoffen umzusetzen, sondern auf die Reduzierung der Transmissionswärmeverluste fixiert. Auch mit den Vorgaben der EnEV 2016 wird der Energieträger Gas zusammen mit hoch effizienten Wärmeerzeugern und weiterer Anlagentechnik eine wichtige Rolle im Neubau spielen. Nach einer Studie des ITG ist bei einer geringfügigen Verbesserung des Wärmeschutzes oder dem Einbau einer kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung die Gas-Brennwertheizung mit solarer Trinkwarmwasserbereitung und Heizungsunterstützung hinsichtlich der Gesamtkosten auch künftig das kostengünstigste System. Durch die deutliche Reduzierung des Primärenergiefaktors für Strom wird dieser gegenüber anderen Energieträgern einseitig bevorzugt. Deswegen besteht eine der zentralen Forderungen an die künftige EnEV 2017 darin alle Energieträger gleichzubehandeln und z.B. bei Gas ebenfalls den steigenden Anteil erneuerbarer Energien zu berücksichtigen. Um Zielkonflikte zu vermeiden wäre darüber hinaus die Zusammenlegung und Abstimmung von EnEV und EEWärmeG ein wichtiger Schritt.

Literatur:
Neubaukompass 2015, Zukunft Erdgas e.V., Berlin, 2015



Fachautor:
Martin Schellhorn, Geschäftsführer
Die Agentur - Kommunikations-Management Schellhorn GmbH
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