News vom 08.09.2017

Dämmung - Fluch oder Segen

Rechtliches

Bei der Dämmung ist so gut wie alles per Recht und Gesetz geregelt. Herstellung (zumindest in Sachen Brandsicherheit), Verarbeitung und Entsorgung - für alles gibt es Regeln. Die betreffen auch die Verwender, also die Kunden, die damit ihre Häuser dämmen. Denn für die gibt es einige Pflichten zu beachten.

Mülltonnenbrand an einer gedämmten Wand. Gut zu sehen im oberen Bereich: Die nicht verbrannte Polystyrol-Dämmung dank Flammschutzmittel. <br />Bild: fy
Mülltonnenbrand an einer gedämmten Wand. Gut zu sehen im oberen Bereich: Die nicht verbrannte Polystyrol-Dämmung dank Flammschutzmittel.
Bild: fy

EnEV-Anforderungen

Und damit sind wir schon bei der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die will zum Beispiel, dass alle nach dem 1. Februar 2002 erworbenen Immobilien nach den EnEV-Regeln funktionieren. Und zu diesen Regeln gehört etwa die Pflicht zur Wärmedämmung, so in der obersten Geschossdecke, die einen Wert von 0,24 W/(m²·K) nicht überschreiten darf (was das bedeutet kann man im 2. Teil der Serie nachlesen).

Und was ist mit älteren Häusern? Die sind fein raus. Mochte man meinen. Doch so ist es nicht. Die EnEV gilt auch hier, und zwar, wenn bei einer Sanierung mehr als 10 % der Bauteilfläche betroffen ist. Bei Fassadensanierungen gilt diese Pflicht übrigens generell für Häuser, die vor 1984 errichtet wurden. Und die haben es ja auch in aller Regel nötig.

Die aktuellen Änderungen der EnEV gelten vor allem für den Neubau. Hier ist eine Errichtung ohne Dämmung so gut wie ausgeschlossen. Seit letztem Jahr gilt zudem eine um 20 % verschärfte Dämmung der Gebäudehülle gegenüber dem vorherigen Standard.

Zum Glück bleiben Immobilienbesitzer bei der Dämmpflicht nicht gänzlich allein, finanziell jedenfalls. Denn für die Maßnahmen stehen Förderprogramme zur Verfügung. Dies gilt aber ausschließlich für Immobilien, deren Bauantrag bis 1995 gestellt wurde. In Frage kommen hier die Programme der KfW 151 und 152 sowie 430 und 431 (mehr unter www.kfw.de).

Nur schwer entflammbar erlaubt

Hat man sich einmal zum Dämmen entschlossen, steht man von der Qual der Wahl. Denn welcher Dämmstoff soll es ein? In den nächsten Teilen der Serie stellen wir sie (fast) alle vor – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Hier soll es jedoch um den rechtlichen Aspekt des Brandschutzes gehen (und der ist ja nicht gänzlich unerheblich, wie wir schon im 1. Teil der Serie beschrieben haben.

Zuerst: Die meisten Dämmstoffe, etwa die mineralischen, sind nicht brennbar. Bezeichnet werden sie in den entsprechenden Baustoffklassen nach der DIN 4102-1 mit A1 und A2. Brennbar hingegen ist Polystyrol – der beliebteste aller Dämmstoffe und wohl auch der umstrittenste. Letztlich ist er ja nichts anderes als an die Wand genageltes Erdöl. Und das kann unter Umständen brennen. Deswegen ist es in Deutschland vorgeschrieben, dass diesen Dämmstoffen bei der Herstellung Flammschutzmittel beigegeben werden. Sie gelten dann als schwer entflammbar, auch mit B1 bezeichnet, und das reicht für eine Verwendung auf dem Bau vollkommen aus. Übrigens: Auch die organischen Dämmstoffe aus „normaler“ Wolle, Kork oder Schilf sind in aller Regel schwer entflammbar.

Recycling erleichtert

Aber bleiben wir noch beim Polystyrol. Dem wurde als Flammschutzmittel über Jahrzehnte hinweg Hexabromcyclododecan (HBCD) beigegeben. Ein zugegebenermaßen übles Zeug und deswegen seit letztem Jahr EU-weit so gut wie verboten. Es gab es dazu jedoch einigen rechtlichen Hickhack, der nicht nur bei Verbrauchern, sondern auch bei Handwerkern und Planern für Verwirrung sorgte.

Denn eigentlich wurde HBCD als Sondermüll deklariert und hätte aufwändig entsorgt werden müssen. Aufwändig heißt teuer – und je Tonne hätten das 5.000 Euro sein können. Seit 1. September dieses Jahres gilt jedoch: Es darf weiter in Müllverbrennungsanlagen verfeuert werden, bis dahin eh die gängige Praxis. Für die Zukunft gibt es das Problem nun nicht mehr. Denn zum Einsatz kommen nun andere, Stoffe, die keine solche Gefahr für die Umwelt darstellen. Und mineralische Dämmstoffe sowie organische sind davon eh nicht betroffen.

Im nächsten Teil der Serie am 11.09.2017 zeigen wir die verschiedenen Arten der Dämmung, also welche Bereiche in einem Gebäude sinnvollerweise gedämmt sein sollten. Und das sind so ziemlich alle.

Bisher erschien:
1. Dämmung – Fluch oder Segen
2. Was kann eine Dämmung
3. Rechtliches

Erscheinen demnächst:
4. Arten der Dämmung
5. Wärmedämmverbund-systeme
6. Dämmstoff – Styropor und andere Kunststoffe
7. Dämmstoff – Mineralwolle und andere Fasern
8. Dämmstoff – organische Stoffe aus Pflanzen und Tieren sowie Recyclingmaterial
9. Dämmfehler
10. Innendämmung




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