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News vom 31.03.2026

Frau Reiche und der Rakete-Feder-Effekt

Nutzung regionaler Energiereserven verstärkt Unabhängigkeit

Der Unmut in der Bevölkerung ist riesengroß und sicherlich verständlich. An den Tankstellen und in der Energieversorgung wird Otto Normalverbraucher zunehmend abgezockt und Lieschen Müller kann nur tatenlos zuschauen, wie ihr monatliches Haushaltsbudget dadurch nachhaltig geschmälert wird. Sobald es Unruhen in der Golfregion oder sonst wo im Energiekosmos gibt, gehen die Preise für Diesel, Benzin sowie Gas durch die Decke und man wird das Gefühl nicht los, das diese Situation in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Ein paar mögliche Lösungsansätze beleuchtet Dieter Last für uns dazu:

Seit 2025 Bundeswirtschaftsministerin: Katharina Reiche (CDU) plädiert für die verstärkte Nutzung heimischer Erdgasvorkommen. <br />Bild: Bundes Wirtschaftsministerium
Seit 2025 Bundeswirtschaftsministerin: Katharina Reiche (CDU) plädiert für die verstärkte Nutzung heimischer Erdgasvorkommen.
Bild: Bundes Wirtschaftsministerium
Erdgasspeicher Epe der Uniper Energy Storage GmbH. <br />Bild: Uniper
Erdgasspeicher Epe der Uniper Energy Storage GmbH.
Bild: Uniper
Die Abgaswärmetauscher von Schräder wurden bei der <b>Bulten GmbH</b> auf den Härteöfen montiert und in die Abgasstrecke eingebunden.<br />Bild: Schräder Abgastechnik<br />
Die Abgaswärmetauscher von Schräder wurden bei der Bulten GmbH auf den Härteöfen montiert und in die Abgasstrecke eingebunden.
Bild: Schräder Abgastechnik
Autor Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist in der TGA-Branche und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.<br />Bild: privat<br />
Autor Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist in der TGA-Branche und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.
Bild: privat

Donald Trump greift am 28. Februar - einem Samstag - gemeinsam mit Israel den Iran an: daraufhin gehen die Rohölpreise genauso dynamisch nach oben, wie die Börsenkurse weltweit fallen und der Goldpreis steigt. Diese globalökonomischen Mechanismen sind nachvollziehbar und vielen Verbrauchern auch durchaus bewusst. Weniger nachvollziehbar sind hingegen die daraufhin einsetzenden Preissprünge an den bundesdeutschen Tankstellen sowie am hiesigen Energiemarkt. Eine wahre Preisrally ist bei Diesel (im Bundesdurchschnitt am 10. März auf 2,237 €) und Heizöl EL (1,31 € - inkl. MwSt., Abn. 3.000 ltr.) gestartet - bei Erdgas ist der Preis am Spotmarkt von etwa 30 auf 50 € pro Megawattstunde gestiegen.

Es wird also Kasse gemacht – die Energie- und Mineraloölkonzerne verdienen kräftig an der Kriegskrise. Ihre Lagerbestände sind zwar ausreichend mit dem Rohstoff gefüllt, der vor dem Iran-Konflikt eingekauft wurde; aber man weiß ja nie, wie es weiter geht. Was man an Cash hat - das hat man eben. In diesem Zusammenhang sprechen Wirtschaftsökonomen auch von dem „Rakete-und-Federeffekt“. Bei Preissteigerungen reagiert die Branche blitzschnell – bei einer Beruhigung der Lage und dem damit verbundenen Nachgeben des Weltölpreises gibt man die damit verbundenen Einkaufsvorteile nur sehr zögerlich (abgefedert) weiter. Wichtig ist nur eines: alle Wettbewerber müssen mitmachen!

CDU-Fraktionsvize Sepp Müller nannte dieses Phänomen in der ARD dann auch „maximal unverhältnismäßig“. Möglicherweise wurde auf einen Tankrabatt wie 2022 zu Beginn des Ukraine-Krieges spekuliert. Aber:

Damit die Konsumenten nicht allzu sehr abgezockt werden, gibt es das Bundes-Kartellamt, das mit dem Paragraphen 32f des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) ein scharfes Schwert in der behördlichen Hand hält. Der Paragraph wurde in der letzten Legislaturperiode der „Ampel“ eingeführt und beinhaltet die Möglichkeit zur so genannten Sektoruntersuchung. Das Gesetz ermöglicht dem Kartellamt damit Anordnungen gegenüber Unternehmen zu treffen, wenn in einem Wirtschaftszweig eine „erhebliche und fortwährende Störung des Wettbewerbs“ festgestellt wird. Derartige Anordnungen können die Herausgabe von Daten sowie die Verpflichtung zur Schaffung transparenter Standards betreffen. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche stand bzw. steht demnach unter akutem Handlungsdruck – sie kündigte daraufhin die Freigabe nationaler Ölreserven sowie die Begrenzung der Tankstellen-Preiserhöhungen auf maximal einmal täglich an. Ob diese Maßnahme einen Effekt hat, darf – auch nach Meinung des Ökonomen Prof. Dr. Justus Haucap – bezweifelt werden.

Frau Reiche und das Erdgas

Darüber hinaus sollte man sich in Deutschland aber auch bewusst machen, dass nicht einmal 20 Prozent der Rohöl-Versorgung aus der Golfregion bzw. durch die Straße von Hormus kommen. Beim Flüssiggas ist es noch weniger – in 2026 soll beispielsweise Katar ca. zwei Millionen Tonnen LNG liefern. Das entspricht etwa 2,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas – damit gut drei Prozent von 80 Milliarden Kubikmetern, die wir in Deutschland per anno ungefähr verbrauchen. Hinzu kommt eine „Energiebrücke“, die uns in Niedersachsen quasi zu Füssen liegt: Erdgas. Bundesweit wurden 2025 etwa vier Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert – 98 Prozent davon stammen aus dem norddeutschen Bundesland. Das vermutete Erdgasvorkommen liegt Expertenschätzungen zufolge – je nach Quelle – in Deutschland bei 800 – 2.000 Milliarden Kubikmeter. Wenn wir diese Ressource nutzen, könnte man Deutschland (rein rechnerisch) etwa 10 – 20 Jahre lang mit diesem heimischen, fossilen Energieträger versorgen. Eine Zeitspanne, um die Energiewende weitgehend erfolgreich zu meistern und wichtige Zeit um die Infrastruktur für die CCS-Technologie (Carbon Capture & Storage) sowie die energetische Nutzung von Wasserstoff aufzubauen. Statt die Liefersituation von LNG in Richtung Norwegen, Katar oder die USA zu verlagern, erscheint es sinnvoller die Erschließung dieser heimischen Energiequelle zu fördern. Das ist nicht nur ökonomisch attraktiver, sondern auch ökologisch sinnvoller, als LNG-Tanker um die halbe Erdkugel zu schicken. Das sieht man in Berlin offenbar auch so: „Wir haben eigene Reserven in Deutschland“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Reiche kürzlich den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Bundesregierung wolle die Gasförderung „nicht weiter behindern“. Die CDU-Politikerin weiter: „Es kann hier Gas gefördert werden.“ Man habe erst kürzlich den Niederlanden den Weg geöffnet, ein Gasfeld in der Nordsee zu explorieren. „Das sollte – bei aller berechtigten Sorge um Meeresschutz – auch von deutscher Seite aus möglich sein.“ Unpopuläre Dinge einfach an die Nachbarn auszulagern, sei auf Dauer nicht durchzuhalten, so Reiche. Diesen Ansatz unterstützen auch Fachleute, wie beispielsweise der Geophysiker Prof. Hans-Joachim Kümpel. Er forderte in einem aktuellen Interview mit Gabor Steingart (www.thepioneer.de) „Fracking endlich aus der Schmuddelecke zu holen“ um die Förderung von heimischen Schiefer- und Flözgas zu ermöglichen. Diese Möglichkeit sollte umgehend wissenschaftlich und frei von Ideologie geprüft werden. Eine Forderung, der sich der Autor dieser Zeilen gern anschließt. Weiter geht es morgen mit Teil 2.

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RayKrebs schrieb: Was dann natürlich schon die Frage der Verhältnismäßigkeit stellt....
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