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VAILLANT Gasbrenner braucht zuviele Zündversuche
Verfasser:
Opa Claus
Zeit: 18.02.2020 18:49:03
0
2916615
17.02.2020
Der Gasbrenner braucht zu viele Zündversuche, ehe er später normal und lange Zeit bis zur Speicherladung durchläuft.

Gerät: VAILLANT ecoTEC plus VC DE 206/5-5 R2
Gasarmatur: VK8505MR4506 (Honeywell)

Der Brenner zündete noch nie beim ersten Versuch. Doch nach 6 Jahren Betriebszeit stieg die Zahl der Versuche exorbitant an. Besonders morgens, nach der nächtlichen Absenkphase ohne Brennerbetrieb, dauert es eine bis vier Stunden bis zum Normalbetrieb. Ich habe mir die Zeit genommen und durch das Schauglas Zündfunken und Flamme in der Brennkammer beobachte. Gleichzeitig kontrollierte ich den Gaszähler.

Der Zündvorgang wiederholt sich immer nach dem gleichen Algorithmus (Dauer etwa 10sec):
- Vorlauf der Wasserpumpe (leises Summen)
- Gebläseanlauf zum Freispülen des Brennerraumes (Zischen des Ventilators)
- Einstellen des 3-Wegeventils (Heizung, Warmwasser, lautes Schnarren)
- Zündfunken bei ruhigem Gebläselauf
Hierbei sollte es zum Gasfluss kommen (sichtbar am Zähler)
- Zündung, Flamme ist sichtbar,
nach einigen Sekunden Aufregeln des Gasstromes, Flamme rauscht hörbar.

Bei Fehlschlag:
Stopp mit lautem Klacken des Hauptventils und der Prozess beginnt von vorn.
Es erscheint zu keiner Zeit eine Fehlermeldung. Der Fehlerspeicher bleibt leer.

In der ersten Zeit entsteht gar kein Zündfunken. Es wird auch kein Gas abgenommen. Der Zähler steht still.

Nach einigen Zehn-Zwanzig Minuten entsteht ein sichtbarer Zündfunken. Aber er dauert nur einen Wimpernschlag (normal sind eine bis 2,5sec). Es wird immer noch kein Gas abgenommen.

Nach weiteren Zehn-Zwanzig Minuten steigert sich die Dauer des Zündfunkens in den Sekundenbereich. Es wird Gas abgenommen und es kommt zur Zündung der Flamme. Die Flamme steht aber nur eine Sekunde, dann schaltet das Hauptventil das Gas wieder ab.
Das setzt sich minutenlang so fort, wobei die Flamme immer längere Zeit durchhält - bis zu drei Sekunden - dann wieder Stopp.

Endlich, nach geraumer Zeit, erfolgt nach dem Zünden der Flamme keine Abschaltung mehr. Die Intensität der Flamme wird gesteigert und der Brenner läuft ohne Pause bis zur Speicherladung bei 60°C.

Anmerkung:
Weitere Zündungen erfolgen tagsüber, wenn die Speichertemperatur auf unter 50°C abgesunken ist, in wesentlich kürzerer Zeit. (Weniger als 10 Versuche)
Am Morgen ist die Speichertemperatur unter 40°C. Die Temperatur des Wärmetauschers am Brennerraum wird mit 32-36°C angezeigt.

Bisher durchgeführte Reparaturversuche durch die Wartungsfirma:
- Reguläre Wartung vor drei Monaten (Oktober 2019).
- Februar 2020: VENTURI (Gas-Sensor) ausgebaut und kontrolliert; Düse und Filter waren trocken und sauber.
- Februar 2020: Gasarmatur gewechselt, Gasmenge nicht oder nur schlecht geregelt (Durch das oben beschriebene Zündverhalten).
Nach anfänglichem Vorführeffekt, nach drei Tagen das gleiche Verhalten wie zuvor.

Die alte Gasarmatur wurde geöffnet, um Fehlerursachen zu erforschen.
- Die Konstruktion ist mechanisch solide.
- Die beiden Ventile sind im stromlosen Zustand durch Rückholfedern geschlossen und halten dicht.
- Das Hauptventil wird durch einen starken Elektromagneten geöffnet. Es ist nur EIN oder AUS möglich.
- Auch das Ventil für den Gasmengenregulator hat einen solchen Elektromagneten für das Öffnen. Zusätzlich aber umschließen die Wicklungen eines Stellmotors (6-poliger Steckverbinder) einen Rotor auf einer Gewindespindel. Durch Drehung des Rotors wird die Spindel mehr oder weniger weit herausgeschraubt. Dadurch wird die Öffnungsweite des Ventils eingestellt, damit es beim Öffnen mehr oder weniger viel Gas durchlässt.
- „Prinzipiell“ funktioniert diese Regelung der Gasmenge. (Siehe oben: Wenn die Flamme dauerhaft brennt, wird ihre Intensität gesteigert.) Der Rotor des Stellmotors ist aber ein zylindrischer Permanentmagnet. Permanentmagnete haben den Schwachpunkt, dass sie ihre Magnetstärke im Laufe der Zeit verlieren können – durch Wärme, Erschütterungen oder ein von außen einwirkendes magnetisches Wechselfeld.
- Die Teile, mit denen man Zettel an eine Wandtafel aus Eisenblech heften kann (Pinnwand), sind ebenfalls Permanentmagnete. Mit einem eisernen Schraubendreher wurde die Magnetkraft des Rotors getestet. Sie war sehr schwach. Einen Zettel sollte man damit nicht mehr an eine Pinnwand heften.

Wenn im Laufe der Betriebsjahre die Magnetstärke des Rotors abnimmt oder die Gewindespindel ihre Leichtgängigkeit verliert, kommt der Zeitpunkt, da das magnetische Drehfeld der Statorwicklung den Rotor nicht mehr stetig mitnimmt. Erst gibt es nur sporadische Abrisse der magnetischen Bindung, die mit der Zeit häufiger werden. Die Abrisse wirken wie ein magnetisches Wechselfeld auf den Permanentmagneten. Die Steuerung weiß nicht mehr, wo der Rotor genau steht – wie weit das Ventil geöffnet ist. Das könnte die vielen Zündversuche erklären. Irgendwann ist zufällig eine Öffnungsweite eingestellt, mit der die Zündung funktioniert.

Das ist nur eine Arbeitshypothese. Sie muss nicht stimmen. Die häufigen Zündversuche können auch noch eine andere Ursache haben. Es ist aber ein Hinweis, dass beim Austausch der Gasarmatur nur neuwertige Teile eingesetzt werden sollten. Im Internet werden auf diversen Handelsplattformen massenhaft „gebrauchte“ Gasarmaturen (o.g. Typ) angeboten. Wenn dazu kein verlässliches Prüfzertifikat vorhanden ist, sollte man die Finger davon lassen.

Vielleicht ist es doch nur Feuchtigkeit im Brennerraum, die anfangs die Zündungen verhindert. Die obligatorische Vorspülung des Brennerraumes mit Frischluft sollte zur Trocknung beitragen. Kann man die Vorspülzeit einstellen – verlängern? Ist der Effekt wetterabhängig? Kennt jemand dieses Verhalten und weiß eine Lösung?

Opa Claus

Verfasser:
Chrashi
Zeit: 18.02.2020 19:06:25
0
2916629
Gibt es das Verhalten nur bei WW Bereitung? Oder auch im Heizbetrieb?

Ändert sich das Fehlerbild, wenn auf die Nachtabsenkung verzichtet und Durchgeheizt wird?

Verfasser:
Do Mestos
Zeit: 18.02.2020 21:15:34
1
2916715
Das klingt nach falscher Gaseinstellung.

Welches Gas liegt an, welche Venturi ist verbaut, wie ist der CO2 Wert?

Verfasser:
Opa Claus
Zeit: 21.02.2020 10:09:07
1
2918397
21.02.2020
Der Hinweis auf eine falsche Gas-Einstellung war hilfreich. Hier liegt Erdgas an. Mit diesem Stichwort wurde der Gasfamiliencheck gestartet. Das Ergebnis war eine satte Fehlerliste:

F93 Gasweg prüfen
F62 Brennstoffventil, Abschaltverzögerung
F53 Massenstromsensor
F27 Sicherheitsabschaltung, Flammenvortäuschung

Die Gasarmatur wurde ausgetauscht und ist neuwertig. Brenner und Mischerrohr für das Gas-Luftgemisch waren bei der Wartung vor drei Monaten gesäubert worden. Den Druckminderer hinter der Gasarmatur, das VENTURI, hatte der Monteur in meinem Beisein ausgebaut und die Düse sowie den Filtereinsatz für trocken und sauber befunden.

Der Massenstromsensor wurde dabei übersehen: Das ist das elektronische Bauteil am VENTURI, ein Drucksensor. Druckänderung mal Zeitdauer ist gleich Massenstrom. Das Teil ist so groß wie ein Stück Würfelzucker und hat gasseitig ein kleines Loch hinter dem die Membran des Sensors sichtbar sein sollte. Wenn das durch irgendeinen Dreck verstopft ist, erhält die Steuerung nicht die erwarteten Werte und löst die Sicherheitsabschaltung aus.
Die Wartungsfirma ist informiert.

Danke an alle Gesprächsteilnehmer
Opa Claus

Verfasser:
Opa Claus
Zeit: 22.02.2020 11:50:54
1
2919059
22.02.2020
Die Wartungsfirma hatte selbst dazu geraten, den VAILLANT Werkskundendienst zu rufen. Das war gut, denn der hat keine mechanischen Defekte festgestellt. Ursache für das ganze Dilemma war ein Verlust von Konfigurationsdaten, die bei der Erstinstallation eingemessen werden. Sie sind in der Elektronik zweifach auf zwei verschiedenen Leiterplatten vorhanden. Wenn sie auf einer verloren gehen, können sie von der anderen wiederhergestellt werden.

Der VAILLANT-Service hat diese Wiederherstellung vorgenommen. Die Anlage läuft jetzt, wie sie soll. Es ist wie bei jedem Computer: Wenn mitten im Betrieb der Netzstecker gezogen wird, gehen Daten verloren.

Opa Claus

Verfasser:
geiz3
Zeit: 22.02.2020 11:55:41
0
2919063
Und kann man das auch selbst machen oder braucht man da wieder den Kundendienst dazu?

Ach wie schön war das, als es Heizungen noch ohne High-Tech-Elektronik gab.

Verfasser:
Opa Claus
Zeit: 23.02.2020 21:59:46
0
2919980
23.02.2020
Zu früh gefreut. Es war nur ein Vorführeffekt. Der Brenner lief zwei Stunden. Der Speicherkessel wurde voll geladen. Dann Ruhepause bis die Temperatur soweit abgekühlt war, dass der Brenner erneut starten sollte – was er nicht tat. Die Fehlerliste baute sich in dieser Reihenfolge auf:

F53 Massenstromsensor
F62 Brennstoffventil, Abschaltverzögerung
F27 Sicherheitsabschaltung, Flammenvortäuschung
„Fehler Heizungsanlage“

Es waren die gleichen Ausfallsymptome wie zuvor, wie sie sich seit zwei Wochen schleichend verschlechtert hatten. Nur dieses Mal gab es keine wiederholten Startversuche. Die Heizung schaltete sich ab.
So wurde sie belassen – keine Versuche, die Störung zu beseitigen. Der Service-Techniker wurde erneut gerufen. Dieses Mal stellte er keinen Datenverlust fest, dann wechselte er die Grundleiterplatte der Steuerung.

Inzwischen hat der Brenner schon mehrfach - immer beim ersten Versuch - gezündet. Die Fehlerursache war offensichtlich auf dieser Leiterplatte.

Nachtrag zur Frage, ob man an der Anlage selbst etwas machen kann:
Ich rate dringend davon ab. Man braucht dazu Hintergrundwissen, das nicht in der Bedienungsanleitung steht. Die Anlage ist nicht mit einem Handy zu vergleichen. Letzteres kann intuitiv erforscht werden und nimmt Fehlbedienungen nicht übel.

Opa Claus

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JanRi schrieb: Hallo, Was habe ich mir darunter vorzustellen? Das klingt nach irgendwelchem teuren Zeugs, das quasi nichts bringt....
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