Mo, 29. August 2016 | 04:03:15 Uhr

Erstes sächsisches Bürgerwindrad steht in Wülknitz

News vom 01.02.2016

Das erste Bürgerwindrad Sachsens ist seit Dezember 2015 in der Gemeinde Wülknitz im Landkreis Meißen im Einsatz. Die genossenschaftlich betriebene 3-Megawatt-Anlage ersetzt auf der Fläche des Windparks Streumen-Glaubitz am Rand der 1.700-Einwohner-Gemeinde eine alte Windenergieanlage.

Bild:  Neue Energien Ostsachsen eG (egNEOS)
Bild: Neue Energien Ostsachsen eG (egNEOS)

„Das Bürgerwindrad in Wülknitz ist ein weiterer Beweis dafür, dass Bürger die Energiewende voranbringen und dazu beitragen können, einen Teil des erwirtschafteten Mehrwerts in der Region zu halten“, sagt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „Wülknitz zeigt, dass in Sachsen auch größere Projekte von Bürgern genossenschaftlich umgesetzt werden können.“

In ihrem ersten Monat am Stromnetz hat die Anlage schon 883.000 Kilowattstunden eingespeist – mehr als die alte Anlage in einem Jahr erzeugte. Mit einer Nabenhöhe von 135 Metern, einem Rotorblattdurchmesser von 100 Metern und einer Leistung von 3 Megawatt kann diese Binnenlandanlage einen 8- bis 9-mal höheren Stromertrag gegenüber der alten Anlage erreichen.

Mit der Idee des Bürgerwindrades, an dem sich die Gemeindemitglieder auch finanziell beteiligen können, ging der ehrenamtliche Bürgermeister Hannes Clauß 2013 auf die im selben Jahr von Dresdnern und Altenbergern gegründete Energiegenossenschaft „Neue Energien Ostsachsen eG“ (egNEOS) zu. Zu diesem Zeitpunkt bot sich im hiesigen Windpark die Gelegenheit, alte gegen neue sowie leistungsstärkere Windkraftanlagen auszutauschen – eine in Sachsen seltene Chance, neue Kapazitäten aufzubauen. Zwischen 2009 und 2014 wurden kaum neue Windvorranggebiete ausgewiesen.

Die Baukosten für das Windrad von rund fünf Millionen Euro hat die Energiegenossenschaft über zwei Wege aufgebracht: Neben einem kurzfristigen Bankdarlehen auch mithilfe nachrangiger Darlehen, welche Bürger über den Erwerb von Anteilen am Windrad gewährt haben. „Insbesondere Bürger der Orte, die in der Nachbarschaft des Windrades leben, haben dadurch eine Möglichkeit erhalten, Miteigentümer der Windenergieanlage zu werden und somit auch an ihrem Ertrag zu partizipieren“, betont Bürgermeister Clauß. „Durch eine direkte Geldeinlage können sich die Bürger vor Ort aktiv an der Energiewende beteiligen.“ Mittlerweile ist die Genossenschaft auf 112 Mitglieder angewachsen.

Und obwohl das Windrad jetzt in Betrieb ist, ist es auch noch im Jahr 2016 möglich, sich am Projekt zu beteiligen. Finden sich noch weitere Genossenschaftsmitglieder, kann so im Jahr 2016 ein großer Teil des Bankkredites abgelöst werden.

Ein vollständiges Portrait der Energie-Kommune Wülknitz liefert das Onlineportal kommunal-erneuerbar.de.