Wer eine barrierefreie Badsanierung plant, denkt zuerst an die bodengleiche Dusche, Haltegriffe und den rutschfesten Belag. Selten steht dabei die Frage auf dem Tisch, wie der Bewohner künftig überhaupt sicher die Treppe bewältigt. Für SHK-Fachbetriebe und TGA-Planer liegt hier eine wachsende Beratungschance – und ein häufig unterschätztes technisches Handlungsfeld.
Demografischer Wandel trifft auf Bestandsgebäude
Rund 80 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland leben in Bestandsgebäuden, die nicht für eingeschränkte Mobilität konzipiert wurden. Gleichzeitig wollen die meisten Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Das führt zu einer steigenden Nachfrage nach nachträglichen Liftlösungen – sowohl bei Privatpersonen als auch bei Wohnungsunternehmen und Kommunen.
SHK-Betriebe sind in diesem Prozess oft die ersten Ansprechpartner, weil sie im Zuge von Badsanierungen oder Heizungsmodernisierungen ohnehin in direktem Kundenkontakt stehen. Wer das Thema vertikale Mobilität kennt und einordnen kann, bietet echten Mehrwert – auch wenn die Ausführung an einen Liftspezialist übergeben wird.
Welche Lifttypen gibt es – und was unterscheidet sie?
Für die Nachrüstung in Wohngebäuden kommen im Wesentlichen fünf Lösungen in Frage:
Treppenlift – die einfachste und kostengünstigste Variante. Wird direkt an der Treppe montiert, erfordert keine baulichen Eingriffe in Decken oder Wände. Geeignet für Personen, die noch sitzen können, aber nicht für Rollstuhlfahrer.
Plattformlift – transportiert auch Rollstühle und Rollatoren, kann gerade oder kurvenförmige Treppen erschließen. Bauseitig relativ anspruchslos, ebenfalls ohne Schacht.
Senkrechter Hublift / Aufzug mit Schacht – bietet den höchsten Komfort und ist bei Neubauprojekten die klassische Lösung. Im Bestand jedoch oft nicht realisierbar, weil ein gemauerter Schacht, eine Sicherheitsgrube und ein Maschinenraum erforderlich sind.
Schachtloser Aufzug – die interessanteste Lösung für Sanierungsprojekte im Bestand. Er verbindet den Komfort eines vollwertigen Kabinenaufzugs mit einem minimalen baulichen Eingriff. Kein Aufzugsschacht, keine Sicherheitsgrube, kein separater Maschinenraum – lediglich Deckendurchbrüche zwischen den Geschossen sind erforderlich.
Homelift / Privataufzug– die kompakteste Variante für den privaten Wohnraum. Mit weniger als einem Quadratmeter Aufstellfläche und Anschluss über eine haushaltübliche 230-V-Steckdose lässt sich ein Homelift ohne Schachtbau, Grube oder Maschinenraum nachrüsten – sowohl in Neubauten als auch in Bestandsgebäude. Ideal für altersgerechtes Wohnen auf einer Etage.
Technische Voraussetzungen im Bestandsgebäude
Für Planer und Fachbetriebe ist die entscheidende Frage: Was muss bauseitig vorbereitet werden? Beim schachtlosen Aufzug sind die Anforderungen überschaubar:
- Öffnungen in den Decken: Für die Führungsschienen und den Kabinenrahmen werden Durchbrüche in den Geschossdecken benötigt. Deren Maß richtet sich nach dem Gerät, liegt aber typischerweise bei rund 1.500 × 1.500 mm – eine Aufgabe, die ein Maurer oder Trockenbauer in einem Tag erledigt.
- Stromanschluss: Viele schachtlose Aufzüge laufen über einen haushaltüblichen 230-V-Anschluss mit 16 A Absicherung. Das bedeutet: keine aufwändige Starkstrominstallation, keine zusätzlichen Zählpunkte. Gerade für SHK-Betriebe mit eigenem Elektroanteil ein relevanter Aspekt.
- Bodenbelastung: Die Tragfähigkeit der Geschossdecken muss geprüft werden. Geräte dieser Klasse haben typischerweise ein Eigengewicht von 600–900 kg zuzüglich der Nutzlast. Bei älteren Massivdecken ist das häufig unproblematisch; bei Holzbalkendecken sollte ein Statiker hinzugezogen werden.
- Raummaß: Typische schachtlose Aufzüge benötigen eine Grundfläche von ca. 1.500 × 1.500 mm. Das klingt viel, lässt sich aber oft aus ungenutzten Abstellbereichen, Fluren oder Raumecken gewinnen.
- Absturzsicherungen: Im Öffnungsbereich sind temporäre Absturzsicherungen während der Montage vorzusehen – Standardaufgabe auf jeder Baustelle.
Förderung nicht vergessen
Nachrüstmaßnahmen für Barrierefreiheit sind förderfähig. Die wichtigsten Programme:
- KfW-Programm 455 „Altersgerecht Umbauen“: Zuschuss von bis zu 6.250 Euro pro Maßnahme bei Privatpersonen. Liftinstallationen sind explizit förderfähig.
- Pflegekassen: Bei anerkanntem Pflegegrad bezuschussen die Pflegekassen wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.000 Euro (§ 40 SGB XI).
- Regionale Förderprogramme: Viele Bundesländer und Kommunen haben eigene Programme für barrierefreien Umbau.
Wer seinen Kunden auf diese Fördermöglichkeiten hinweist, erleichtert die Kaufentscheidung erheblich. Sinnvoll ist außerdem, die Liftinstallation in ein größeres Sanierungskonzept einzubetten: Barrierefreiheitsmaßnahmen lassen sich häufig mit energetischen Einzelmaßnahmen an Heizung, Dämmung oder Fenstern kombinieren. Wer beide Vorhaben koordiniert angeht, kann mehrere Fördertöpfe gleichzeitig nutzen – einen kompakten Überblick über die verfügbaren Fördermittel für die energetische Sanierung bietet der Ratgeber des Energieberatungsportals Energy Building.
Wann welche Lösung empfehlen?
Die Wahl des richtigen Liftsystems hängt vor allem von Mobilitätsgrad, verfügbarem Platz und Budget ab. Kann der Kunde die Treppe noch gehen, hat aber zunehmend Kniebeschwerden, ist ein Treppenlift oft die einfachste und wirtschaftlichste Lösung. Wird ein Rollstuhl oder Rollator benötigt und soll nur die Treppe erschlossen werden, empfiehlt sich ein Plattformlift. Geht es um mehrere Stockwerke mit hohem Komfortanspruch und dauerhaft eingeschränkter Mobilität, ist der schachtlose Aufzug die richtige Wahl. Steht hingegen eine umfangreiche Kernsanierung oder ein Neubau an, sollte ein klassischer Aufzug mit gemauerten Schacht geprüft werden – hier lassen sich Aufwand und Komfort besser skalieren.
Der schachtlose Aufzug ist immer dann die richtige Wahl, wenn maximaler Komfort gefragt ist, ein klassischer Schacht baulich aber nicht realisierbar oder wirtschaftlich nicht darstellbar ist.
Wer das Thema an einen Aufzugsspezialisten übergibt, sollte folgende Informationen bereithalten:
- Anzahl der zu überbrückenden Stockwerke und Förderhöhe in Metern
- Grundriss mit verfügbarem Stellmaß und Lage der Deckenöffnungen
- Angaben zur Deckenstruktur (Massiv, Stahlbeton, Holzbalken)
- Vorhandener Elektroanschluss in der Nähe des geplanten Standorts
- Nutzungsprofil: privat, semiprofessionell (Pflegedienst), öffentlich
Mit diesen Angaben kann ein Fachhändler ein vollständiges Angebot inklusive der bauseitigen Anforderungen erstellen. Seriöse Anbieter liefern bereits mit dem Angebot detaillierte Planungsunterlagen und Ausführungszeichnungen.
Fazit
Barrierefreie Sanierung endet nicht im Bad. Für SHK-Betriebe und TGA-Planer eröffnet das Thema Hausaufzüge ein zusätzliches Beratungsfeld, das keine eigene Ausführungskompetenz voraussetzt – aber echten Mehrwert für den Kunden schafft. Der Schlüssel liegt im richtigen Timing: Wer das Thema bei einer Badsanierung oder Heizungsmodernisierung anspricht, trifft den Moment, in dem der Kunde ohnehin über sein Zuhause nachdenkt.
Schachtlose Aufzüge haben sich in den letzten Jahren technisch erheblich weiterentwickelt. Anschluss an eine normale 230-V-Steckdose, keine Grube, keine umfangreichen Baumaßnahmen – die Koordination mit dem SHK- oder Elektrobetrieb ist damit auf ein Minimum reduziert. Für Fachbetriebe, die ihr Beratungsangebot im Bereich Barrierefreiheit ausbauen möchten, lohnt es sich, die Zusammenarbeit mit einem regionalen Liftspezialisten zu etablieren.