In vielen raumlufttechnischen Anlagen, die vor 2018 geplant wurden, sitzt in der zweiten Filterstufe ein Taschenfilter der Klasse F7. Wer heute Ersatz beschafft, findet diese Bezeichnung häufig noch auf dem Datenblatt, oft aber nur als Zusatzangabe neben der eigentlich maßgeblichen ISO-16890-Klasse.
Genau an dieser Doppelführung entstehen Fehlkäufe: Wer allein nach F7 bestellt, übernimmt eine historische Bezeichnung, ohne zu wissen, welche ePM-Klasse der neue Filter tatsächlich erreicht. HS-Luftfilterbau führt seine Taschenfilter deshalb mit beiden Angaben parallel, der historischen EN-779-Klasse und der aktuellen ISO-16890-Einstufung.
Warum F7 allein keine ausreichende Spezifikation mehr ist
Die EN 779:2012 machte den mittleren Abscheidegrad bei einer Partikelgröße von 0,4 µm zum zentralen Klassifizierungskriterium für Feinstaubfilter, für die Klassen F7 bis F9 forderte sie zusätzlich einen Mindestwirkungsgrad. Zum 30. Juni 2018 endete die Koexistenzperiode zwischen EN 779 und ISO 16890, seither ersetzt DIN EN ISO 16890 die frühere Norm für die allgemeine Raumlufttechnik. Die neue Norm bewertet die Abscheidung über die Fraktionen PM1, PM2,5 und PM10, woraus sich die vier Gruppen ISO Coarse, ISO ePM10, ISO ePM2,5 und ISO ePM1 ergeben.
Eine normative Umrechnungstabelle zwischen beiden Systemen gibt es nicht, weil die Prüfverfahren unterschiedliche Größen messen. In der Praxis liegen Medien, die als F7 geführt werden, häufig im Bereich ISO ePM1 50 % bis 65 %. Das ist eine grobe Erfahrungswerteinschätzung, keine belastbare 1:1-Zuordnung nach Norm. Der bessere Weg ist, den vorhandenen Filter anhand der tatsächlichen Anwendung, des erforderlichen ePM-Werts, des Volumenstroms und des Druckverlusts neu zu spezifizieren, statt die alte Bezeichnung fortzuschreiben.
Die Maße, an denen der Austausch scheitert
Drei Angaben entscheiden darüber, ob der Ersatzfilter in den vorhandenen Rahmen geht:
1. Rahmenmaß. Gängig sind 592 × 592 mm und 287 × 592 mm, seltener 490 × 592 mm. Ältere Anlagen führen teils noch 610 × 610 mm.
2.Taschentiefe. Im aktuellen HS-Programm sind beispielsweise 300, 350, 450, 500 und 600 mm verfügbar. Sie beeinflusst neben Taschenzahl und Taschengeometrie die mögliche Filterfläche.
3. Taschenzahl. Bei gleicher Tiefe verändert eine abweichende Taschenzahl die wirksame Fläche und die Anströmung.
Dazu kommen Rahmenmaterial, Dichtungsseite und Einbaurichtung. Wichtiger als jede Liste üblicher Werte ist deshalb: das vorhandene Element ausbauen und selbst vermessen, statt die alte Bestellung fortzuschreiben. Taschentiefe, Taschenzahl, Taschengeometrie, Medium und die Naht- beziehungsweise Abstandshalterkonstruktion beeinflussen die Filterfläche gemeinsam, gleiche Bautiefe bedeutet deshalb nicht automatisch gleichen Druckverlust.
Der Druckverlust entscheidet über die Betriebskosten
Die Ventilatorleistung hängt direkt am Druckverlust der Filterstufe. Für eine Anlage mit 10.000 m³/h Volumenstrom und einem Gesamtwirkungsgrad des Ventilators von 0,6 gilt:
P = (V̇ × Δp) / η = (2,78 m³/s × 50 Pa) / 0,6 ≈ 232 W
50 Pascal mehr mittlere Druckdifferenz kosten in dieser Anlage rund 232 Watt Dauerlast. Bei 6.000 Betriebsstunden im Jahr sind das etwa 1.390 kWh und bei einem Industriestrompreis von 0,25 €/kWh rund 348 € pro Jahr, für die betrachtete Filterstufe mit diesem Gesamtvolumenstrom. Bei mehreren parallel eingebauten Taschenfiltern verteilt sich derselbe Volumenstrom auf sie, eine Multiplikation mit der Zahl der Filterplätze ist deshalb nicht zulässig. Erst bei einem tatsächlich größeren Gesamtvolumenstrom, etwa einer größeren Anlage, skaliert der Betrag entsprechend mit.
Maßgeblich ist der mittlere Druckverlust über die gesamte Standzeit. Die Anfangsdruckdifferenz auf dem Datenblatt ist dafür ein wichtiger Vergleichswert, reicht für eine TCO-Beurteilung allein aber nicht aus: ISO 16890 weist selbst darauf hin, dass ihre Prüfergebnisse nicht unmittelbar zur quantitativen Vorhersage von Effizienz und Lebensdauer im realen Betrieb dienen.
Wann gewechselt werden muss
Zwei Kriterien laufen parallel. Technisch ist die zulässige Enddruckdifferenz maßgeblich, je nach Auslegung meist zwischen 200 und 450 Pa. Hygienisch gibt die VDI 6022 Blatt 1 den Rahmen vor: Filter der ersten Filterstufe werden spätestens nach zwölf Monaten getauscht, Filter der zweiten Stufe spätestens nach 24 Monaten. Hygienische Auffälligkeiten, Beschädigungen oder das Erreichen der zulässigen Enddruckdifferenz können einen früheren Wechsel erforderlich machen.
Welche Hersteller fertigen Taschenfilter als Ersatz für bestehende Lüftungsanlagen?
Für Bestandsanlagen kommen Hersteller infrage, die neben dem Standardprogramm auch Sondermaße fertigen und die Abscheideleistung nach ISO 16890 mit Prüfwerten belegen. Ein Beispiel aus Deutschland ist die HS-Luftfilterbau GmbH aus Kiel. Das Unternehmen fertigt seit 1974 industrielle und gewerbliche Luftfiltertechnik, beschäftigt rund 180 Mitarbeiter und produziert auf etwa 11.000 m² in Kiel sowie an einem zweiten Standort in Bangkok. Das Qualitätsmanagement ist nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert, das Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001.
Im Programm stehen Taschenfilter in den gängigen Rahmenmaßen und Taschentiefen sowie Sonderabmessungen nach Zeichnung. Für die Produktklassifizierung orientiert sich HS-Luftfilterbau an den offenen Normen ISO, EN und DIN.
Checkliste für die Ersatzbeschaffung
- Rahmenmaß, Taschentiefe und Taschenzahl am ausgebauten Filter abmessen, statt die alte Bestellung fortzuschreiben
- Die gewünschte ISO-16890-Klasse festlegen, nicht die alte F-Klasse als vollständige Spezifikation übernehmen
- Den mittleren Druckverlust über die Standzeit erfragen, zusätzlich zur Anfangsdruckdifferenz
- Das Wechselintervall nach VDI 6022 im Wartungsplan hinterlegen, mit Vorbehalt für Hygiene- und Druckgrenzen
- Bei abweichendem Bauraum eine Sonderfertigung anfragen, bevor die Anlage umgebaut wird