Die Nachrüstung von Fußbodenheizungen im Gebäudebestand gewinnt im Zuge energetischer Sanierungen und des zunehmenden Einsatzes von Wärmepumpen an Bedeutung. Mit der neuen Fachinformation „Eingefräste Fußbodenheizungen – Estrich – Heizung – Oberbelag“ steht Planern, Architekten, Heizungsfachbetrieben, Estrichlegern, Boden- und Parkettlegern, Fliesen- und Naturwerksteinlegern sowie Sachverständigen eine umfassende gewerkeübergreifende Orientierungshilfe für diese besondere Bauweise zur Verfügung.
Quelle: Sachverständigenkreis euroFEN e.V.
Die Fachinformation wurde unter Federführung des Sachverständigenkreises euroFEN e. V. gemeinsam mit Fachverbänden und Fachleuten aus den beteiligten Gewerken erarbeitet. Unterstützt wurde die Erarbeitung unter anderem durch den Bundesverband Estrich und Belag e. V. (BEB), den Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH), den Fachverband Fliesen und Naturstein (FFN) im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sowie den Bundesverband Deutscher Steinmetze. Weitere Fachleute aus Industrie, Handwerk und Sachverständigenwesen brachten ihre praktische und technische Expertise ein.
Sanierungslösung mit besonderen Anforderungen
Eingefräste Fußbodenheizungen ermöglichen die Nachrüstung einer Flächenheizung, ohne dass der vorhandene Estrich vollständig zurückgebaut werden muss. Hierzu werden Fräskanäle in den bestehenden Estrich eingebracht und anschließend die Heizrohre eingelegt.
Das Verfahren kann insbesondere bei Sanierungen Vorteile hinsichtlich Bauzeit, Ressourcenschonung und geringer zusätzlicher Aufbauhöhe bieten. Gleichzeitig stellt es besondere Anforderungen an die Beurteilung des vorhandenen Estrichs, die Planung des Heizsystems und die Koordination der beteiligten Gewerke.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Frästechnik. Die Funktionsfähigkeit der Gesamtkonstruktion hängt vom abgestimmten Zusammenspiel von Bestandsestrich, Heizsystem, ergänzenden Schichten und Oberbelag ab. An dieser Schnittstelle setzt die neue Fachinformation an.
Von der Bestandsprüfung bis zum fertigen Oberbelag
Die Fachinformation betrachtet den gesamten Bauprozess und beschreibt die wesentlichen technischen und organisatorischen Anforderungen. Behandelt werden unter anderem:
- Voraussetzungen und Prüfpflichten bei Bestandsestrichen
- Schadstofferkundung und Untergrundvorbereitung
- Schnittstellenkoordination zwischen Planung, Heizungs-, Estrich- und Bodenbelagsgewerken
- Planung und Ausführung der Fräskanäle
- Anforderungen an Heiz- und Kühlsysteme
- Dichtheitsprüfung und Funktionsheizen
- Ausführung erforderlicher Spachtel- und Ausgleichsarbeiten
- Besonderheiten bei Keramik, Naturwerkstein, Parkett sowie elastischen und textilen Bodenbelägen
Tragfähigkeit und Schnittstellen im besonderen Fokus
Einen besonderen Schwerpunkt legt die Fachinformation auf die Bewertung der Tragfähigkeit eingefräster Estrichkonstruktionen und auf die Wechselwirkungen zwischen Estrich, Heizsystem und späterem Oberbelag.
Das Einfräsen verändert den vorhandenen Estrichquerschnitt und kann damit Auswirkungen auf die Eigenschaften der bestehenden Konstruktion haben. Eine fachgerechte Bestandsbewertung und die Abstimmung der weiteren Arbeitsschritte sind deshalb wesentliche Voraussetzungen für eine dauerhaft funktionsfähige Lösung.
Da eingefräste Fußbodenheizungen als Sonderkonstruktion einer besonderen planerischen und handwerklichen Betrachtung bedürfen, enthält die Fachinformation darüber hinaus Empfehlungen zur Dokumentation, Qualitätssicherung und Abstimmung zwischen Auftraggeber, Planung und ausführenden Unternehmen.
Gemeinsame Grundlage für die beteiligten Gewerke
Heizung, Estrich und Oberbelag bilden bei eingefrästen Fußbodenheizungen ein gemeinsames System. Die Fachinformation führt deshalb Wissen und Erfahrungen der unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen und schafft eine gemeinsame Grundlage für Planung und Ausführung. Damit sollen insbesondere Schnittstellenrisiken reduziert und spätere Schadensfälle vermieden werden.
Die Veröffentlichung verdeutlicht zugleich den Nutzen einer gewerkeübergreifenden Zusammenarbeit von Handwerk, Fachverbänden, Industrie und Sachverständigenwesen bei neuen und zunehmend nachgefragten Bauweisen.
Beitrag zur energetischen Sanierung im Gebäudebestand
Mit dem wachsenden Einsatz von Niedertemperatur-Heizsystemen und Wärmepumpen steigt auch die Bedeutung geeigneter Flächenheizungen im Gebäudebestand. Eingefräste Fußbodenheizungen können hierfür eine interessante Sanierungslösung darstellen – vorausgesetzt, die vorhandene Konstruktion ist geeignet und Planung sowie Ausführung werden fachgerecht aufeinander abgestimmt.
Die Fachinformation leistet damit einen Beitrag zur Qualitätssicherung bei der energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden. Sie gibt den Beteiligten praxisnahe Handlungsempfehlungen und unterstützt eine technisch fundierte Planung und Ausführung.
Fachinformation erhältlich
Die Fachinformation „Eingefräste Fußbodenheizungen – Estrich – Heizung – Oberbelag“ richtet sich insbesondere an Planer, Architekten, Sachverständige, Heizungsfachbetriebe, Estrichleger, Boden- und Parkettleger, Fliesen- und Naturwerksteinleger sowie weitere Fachkreise der Bau- und Sanierungsbranche.
Ergänzend zu den technischen Empfehlungen enthält die Veröffentlichung Musterprotokolle und Dokumentationshilfen für die praktische Umsetzung auf der Baustelle. Die Fachinformation ist über die Internetseite des Sachverständigenkreises euroFEN e. V. erhältlich.