Versorgung durch Hausbrunnen muss Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen.
„Das Wasser aus Hausbrunnen muss die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen“, so Jürgen Bätz Trinkwasserexperte bei Berkefeld. Foto: Elga Berkefeld
Der eigene Hausbrunnen ist eine feine Sache: keine Kosten für Frischwasser, null Abwassergebühren und Unabhängigkeit vom öffentlichen Leitungsnetz. Viele Haushalte, Bauernhöfe, auch Hotels und andere Betriebe in ländlichen Gegenden Deutschlands verlassen sich deshalb ganz oder teilweise auf die Wasserversorgung durch eigene Brunnen. Wichtig dabei: Das Wasser muss bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, um die Sicherheit der Anlagen und die Gesundheit der Nutzer zu gewährleisten. Wird der Brunnen zur Versorgung mit Trinkwasser genutzt, müssen die Vorschriften der Deutschen Trinkwasserverordnung eingehalten werden. Überschreiten etwa Eisen, Mangan oder Nitrat vorgegebene Grenzwerte, ist das Wasser entsprechend aufzubereiten.
Wichtige Voraussetzung ist, das Brunnenwasser in regelmäßigen Abständen prüfen zu lassen. Dazu kann man sich an das örtliche Wasserversorgungsunternehmen oder die Gesundheitsämter wenden. Erfahrene Wasseraufbereitungsfirmen sind in der Lage, in ihrem Labor herauszufinden, welches Aufbereitungsverfahren im Einzelfall optimal geeignet ist. Ein häufiges Problem: Das Brunnenwasser enthält Eisen- und Manganverbindungen, die bei Reaktion mit Sauerstoff ausfallen. Die Folgen: braune Wasserfärbung, unangenehmer Geschmack und Rückstände, die das Wasser nach der Verdunstung hinterlässt. „Neben der Fleckenbildung zum Beispiel beim Wäschewaschen führt hoher Eisen- und Mangangehalt auch zu allmählicher Verstopfung von Ventilen und Düsen und damit zu erhöhtem Wartungs- und Reparaturaufwand“, unterstreicht Jürgen Bätz, Projektleiter Trinkwasseraufbereitung beim Wassertechnikunternehmen Berkefeld, „Dieses Wasser entspricht nicht der Trinkwasserverordnung und muss aufbereitet werden.“ Die Grenzwerte betragen laut Trinkwasserverordnung 2001 bei Kleinanlagen bis 1.000 m3 pro Jahr für Eisen 0,5 mg/l, für Mangan 0,2 mg/l. Bei größeren Anlagen sind strengere Werte zu erfüllen. Werden diese Grenzwerte überschritten, ist der Einsatz geeigneter Aufbereitungstechnik, zum Beispiel Druckfilter, erforderlich.
Ein anderes Problem, das häufig in der Nähe landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen auftritt, sind überhöhte Nitratwerte. Viel Nitrat im Wasser ist ein Zeichen für eine hohe Stickstoffstoffbelastung im Boden und in der Regel die Folge von Überdüngung. Aus Nitrat kann Nitrit entstehen, ein im Körper schwer abbaubarer Stoff, der als krebserregend gilt. Übersteigt der Nitratgehalt einen Grenzwert von 50 mg/l, wird meistens ein so genannter Ionenaustauscher eingesetzt. Das ist ein Filter, der mit synthetisch hergestelltem Harz als Filtermaterial gefüllt ist.
Interessant nicht nur für Hausmann und Hausfrau ist die geologisch bedingte Gesamthärte des Wassers. Bei sehr niedrigen Werten hat das Wasser unter Umständen einen faden Geschmack und es kann die Rohrleitungen angreifen. Bei sehr hohen Härtegraden etwa über 16 Grad Deutscher Härte, bilden sich Ablagerungen in den Leitungen sowie in den Haushaltsgeräten. Um das Wasser zu erwärmen, muss dann erheblich mehr Energie aufgewendet werden, außerdem ist ein höherer Aufwand für Wartung und Reparaturen zu erwarten. Als Gegenmaßnahme kommt zum Beispiel der Einbau von Ionenaustauscherfiltern zur Enthärtung des Wassers in Frage.
Auch Verkeimungen des Hausbrunnens können im Einzelfall auftreten, zum Beispiel durch fäkale Verunreinigungen oder Krankheitserreger. In diesen Fällen ist mit erheblichen gesundheitlichen Schäden zu rechnen. Das Wasser muss gründlich abgekocht werden. Zwar ist hier der Einbau von Desinfektionssystemen oder besonders feinporigen Membranfiltern möglich. Jedoch ist mikrobiologische Verkeimung oft auf bauliche Mängel des Brunnens zurückzuführen. Der Brunnen und damit verbundene Leitungen müssen so gebaut sein, dass kein Wasser und keine Verunreinigungen von der Oberfläche aus in den Brunnen einsickern können. Notwendig kann die umfassende Desinfektion des Brunnens und eine umfassende bauliche Sanierung sein. Als weitere Ursache kommt eine Verkeimung der Haushaltsfilter in Frage. Wichtig ist deshalb unbedingt die regelmäßige Wartung der Filter.
Jürgen Bätz: „In der Regel ist der eigene Hausbrunnen eine sehr ökonomische Option zur Wasserversorgung. Wichtig ist allerdings zu prüfen ob die Qualität des Wassers stimmt, um die jeweils richtigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.“