Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern: Sechsköpfige Familie lebt ein Jahr lang ohne Öl und Gas im ‚Eco Plus Home’ in Kanada, für welches Bosch Thermotechnik die Gebäudetechnik liefert. Beobachtung der Energiebilanz und Dialog mit den Bewohnern über das Internet möglich. Elektro-Wärmepumpe, Solarthermie und Photovoltaik sichern positive Energiebilanz.
Elektro-Wärmepumpe, Solarthermieanlage und Photovoltaikanlage –
die Gebäudetechnik für das Eco Plus Home in der ostkanadischen
Provinz New Brunswick kommt von Bosch. Grafik: Tight Lines Productions / Bosch Thermotechnik
Im September zieht die Familie Kenny in das Eco Plus Home ein
(v. l. n. r.): Olivia (6), Grayson (12), Mutter Renee, Tyler (14),Vater Brian und Shane (8). Foto: Tight Lines Productions / Bosch Thermotechnik
Kann eine sechsköpfige Familie ein Jahr lang ohne Einsatz fossiler Energien komfortabel leben? Diese Frage will das Eco Plus Home-Projekt in Bathurst, New Brunswick, Kanada, beantworten, indem eine Familie ab September ein Jahr lang in dem serienreifen Musterhaus lebt. Über die am 20.07.2009 gestartete Internetseite www.ecoplushome.com werden laufend Energiebilanzen verfügbar sein, außerdem werden die Bewohner mehrfach wöchentlich in einem öffentlichen Chat alle Fragen beantworten.
Bis zur Fertigstellung des Eco Plus Home lässt sich der aktuelle Baufortschritt jederzeit per Webcam und in wöchentlichen Video-Blogs auf deutsch, französisch und englisch miterleben. Für den 13. September ist der Einzug der Familie Kenny, Vater Bryan, Mutter Renee und die Kinder Tyler (14), Grayson (13), Shane (9) und Olivia (6) vorgesehen. „Wir sind überzeugt, dass dieses Experiment wichtig ist. Wenn eine sechsköpfige Familie ohne fossile Energien leben kann, dann kann es jeder“, sagt Renee Kenny.
Bosch liefert für das Musterhaus in der ostkanadischen Provinz New Brunswick direkt am St. Lorenz-Golf die Gebäudetechnik, bestehend aus Elektro-Wärmepumpe, Solarthermiesystem und Photovoltaikanlage. Die Solarthermieanlage erzeugt Wärme und Warmwasser aus kostenloser Sonnenstrahlung, die Wärmepumpe nutzt Energie aus dem Erdreich. Für den Betrieb der Wärmepumpe ist zwar Strom erforderlich, allerdings erzeugt die Photovoltaikanlage über das Jahr gerechnet deutlich mehr CO2-freien Strom als die Wärmepumpe verbraucht. Zusätzlich ist sogar der Betrieb eines Elektroautos geplant. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und bei Bedarf wieder daraus bezogen. Auf diese Weise kann man auch im strengen kanadischen Winter mit bis zu minus 35 Grad Celsius komfortabel im Haus wohnen, und dennoch bleibt die Energiebilanz im Jahresverlauf positiv. Der CO2-Ausstoß des Eco Plus Home liegt nahezu bei null; ein herkömmliches Wohnhaus verursacht im Schnitt hingegen rund acht Tonnen CO2 pro Jahr.
„Das Haus ist die konsequente Fortsetzung des Solar Decathlon- Projekts aus dem Jahr 2007. Hatte das damals von uns geförderte Siegerhaus der TU Darmstadt noch Modellcharakter, ist das Eco Plus Home nun komplett mit Bosch-Technik aus unserem aktuellen Produktangebot ausgestattet. Es zeigt, dass eine Energieversorgung allein aus erneuerbaren Energien ohne Einschränkung des Lebensstils gelingen kann und auch finanzierbar ist. Auf diese Weise macht man sich unabhängig von fossilen Energieträgern und immer weiter steigenden Energiepreisen“, so Mario Gross, Projektleiter bei Bosch Thermotechnik.
Initiator des Projekts ist die kanadische Tight Line Productions, weitere Projektpartner sind der kanadische Fertighaushersteller Maple Leaf Homes und der Immobilienentwickler Kenny Group (keine Beziehung zu der Familie Kenny, die das Haus bewohnt). Bei der Planung des Musterhauses lag einerseits ein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit ohne Komfortverlust, andererseits aber auch auf dem Preis-Leistungsverhältnis. Ziel ist es, das Gebäude nach Abschluss des Experiments in den USA und Kanada zum Preis eines üblichen Wohnhauses anzubieten.