In einem aktuellen Test über Riester-Renten hat das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST jetzt festgestellt, dass bei den Riester-Renten immer mehr Versicherer das Anlagenrisiko auf die Kunden verlagern. Das Magazin hat insgesamt 43 Versicherer unter die Lupe genommen.
Allein auf die gesetzliche Rente sollte sich niemand mehr verlassen. Doch bei der privaten Vorsorge hält bei weitem nicht jeder Vertrag was er verspricht.
"Wir haben festgestellt, dass die Riester-Renten ein ziemlicher Reinfall sind. Als Verbrauchermagazin sehen wir uns in der Verantwortung, dies zu kommunizieren. Schließlich zwacken sich die Menschen ihr hart erspartes Geld ab, damit sie in der Rente ausreichend versorgt sind. Da sollten sie vor bösen Überraschungen geschützt sein", sagt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des ÖKO-TEST-Magazins.
Riester-Renten werfen so karge garantierte Renditen ab, dass sie für den Anleger oftmals sogar ein Verlustgeschäft sind. Wer "nur" 80 Jahre alt wird, hat bei einigen Angeboten noch nicht einmal herausbekommen, was er eingezahlt hat. Grund: Der Großteil der versprochenen Verzinsung von mindestens 2,25 Prozent wird durch die Vertragskosten aufgezehrt.
Die tatsächliche garantierte Rentenrendite bei der klassischen Riesterrente liegt gerade mal bei durchschnittlich 0,04 bis 1,24 Prozent pro Jahr. Mit dieser Miniverzinsung müssen sich Riester-Sparer begnügen, falls die Anbieter später wirklich nur die garantierte Rente zahlen können – was etwa wegen magerer Kapitalmarkterträge durchaus der Fall sein kann.
Bei den fondgebundenen Verträgen ist die garantierte Rente noch lausiger: Im besten Fall sind gerade mal 0,02 bis 0,18 Prozent Rendite sicher. Schlimmstenfalls drohen sogar Verluste durch eine Minusrendite von 0,39 bis minus 0,69 Prozent. Eine Ursache dafür ist, dass immer mehr Anbieter dabei sind, ihre Vertragsbedingungen zu verschlechtern – und das Anlagerisiko still und heimlich auf ihre Kunden abzuwälzen.
Bei einem getesteten Versicherer erhält der Anleger beispielsweise eine zu null Prozent verzinste Garantierente. Ebenso frech ist ein anderes Angebot: Der Versicherer rechnet dem Kunden eine sichere Monatsrente von 161 Euro vor. Erst im Versicherungsschein erfährt dieser, dass nur 70 Prozent dieser Leistung garantiert sind.
Selbst Verbraucher, die die Vertragsunterlagen etwas genauer durchlesen, haben Schwierigkeiten, Stolpersteine zu erkennen. Bei fondsgebundenen Riester-Renten weisen die Anbieter meist gar keine garantierte Rente in Euro aus. Stattdessen geben sie nur den Faktor an, mit dem das Kapital später verrentet wird. So können Laien jedoch kaum prüfen, welche Monatsrente ihnen bei schlechter Börsenentwicklung wirklich sicher ist.