Die Verringerung des Primärenergiebedarfs ist die wesentliche Voraussetzung, um die energiepolitischen Ziele Klimaschutz und langfristige Versorgungssicherheit zu erreichen. Die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich spielt dabei eine zentrale Rolle. Auf die Wärmeversorgung von Gebäuden entfallen in Deutschland rund 34 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs.
Von links: Dr. Detlev Gerling, Leiter Entwicklung bodenstehende Heizgeräte, Bosch Thermotechnik GmbH; Franz Josef Schulte, Geschäftsführer OTAG Vertriebs GmbH & Co. KG; Dr. Bernd Richter, Geschäftsführer aws Wärme Service GmbH; Jan Engel, Marketing-Manager Shell Deutschland Oil GmbH; Klaus Hermes, Direktor Geschäftsbereich Handels- und Verbrauchergeschäft, TOTAL Deutschland GmbH; Prof. Christian Küchen, Geschäftsführer Institut für wirtschaftliche Oelheizung e.V. IWO. Foto: IWO
In welchem Umfang der Energiebedarf sinken wird, hängt auch von der Entwicklung neuer effizienter Technologien für die Wärmeversorgung ab. Eine mit Heizöl betriebene Wärmepumpe und eine Strom erzeugende Heizung auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung sind aus Sicht der Mineralölwirtschaft solche Zukunftstechnologien. Erste Prototypen werden jetzt in Forschungsprojekten gemeinsam mit Heizgeräteherstellern realisiert. Dazu haben sich die Mineralölunternehmen aws Wärme Service, Shell und Total mit den Geräteherstellern Bosch Thermotechnik und Otag in der Technologie-Initiative der Mineralölwirtschaft zusammengefunden und konkrete Projektpartnerschaften vereinbart.
„Ich bin überzeugt, dass flüssige Brennstoffe aufgrund ihrer hohen Energiedichte und einfachen Speicherung langfristig unverzichtbar für die Erreichung der energiepolitischen Ziele sind. Die einfache und kostengünstige Speicherbarkeit von Energie wird im Hinblick auf den tendenziell sinkenden Energiebedarf und die im Jahresverlauf schwankende Heizenergienachfrage immer wichtiger für die Wärmeversorgung von Gebäuden werden“, sagt Prof. Christian Küchen, Geschäftsführer des Instituts für wirtschaftliche Oelheizung e.V. (IWO). Das Institut hat die Technologie-Initiative im Auftrag der Mineralölwirtschaft ins Leben gerufen und koordiniert die Forschungs- und Entwicklungsprojekte.
Mit der effizienten Öl-Brennwerttechnik, häufig sinnvoll ergänzt mit solarthermischen Anlagen, steht bereits ein System zur Verfügung, das erhebliche Energieeinsparungen im Gebäudebereich ermöglicht. Dennoch sehen die Partner der Technologie-Initiative Potenzial für eine weitere Steigerung der Energieeffizienz. „Mit den heute vorgestellten Projekten für eine ölbetriebene Wärmepumpe und Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung (Mikro-KWK) werden wir den Weg für eine noch effizientere Energienutzung und damit für mehr Primärenergieeinsparung ebnen. Dazu müssen die Technologien zur Wärmeerzeugung mit Heizöl weiter entwickelt und dem sich verändernden Wärmebedarf von Gebäuden angepasst werden“, betont der IWO-Geschäftsführer.
Nutzung von Umweltwärme und effizientere Stromerzeugung
Die für die energetische Bewertung von Gebäuden entscheidende Größe ist der Primärenergiebedarf. Er berücksichtigt neben dem Energiebedarf zur Wärmeversorgung des Gebäudes vor Ort auch den Energieaufwand für Förderung, Produktion und Transport der eingesetzten Energieträger.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Primärenergiebedarf im Gebäudebereich zu senken. Eine ist der Einsatz effizienter Heizungstechnik, die mit der Öl-Brennwerttechnik bereits zur Verfügung steht. Eine weitere Verbesserung ist durch die Nutzung von Umweltwärme möglich, beispielsweise durch die Einbindung von Solarthermie – wie heute bereits üblich – oder durch den Einsatz einer ölbetriebenen Wärmepumpe. Diese Zukunftstechnologie für flüssige Brennstoffe ermöglicht einen primärenergetischen Nutzungsgrad von 120 bis 130 Prozent.
Ein anderer Weg, den Primärenergieverbrauch zu reduzieren, ist die Steigerung der primärenergetischen Effizienz bei der Stromerzeugung. Dies ist durch den Einsatz einer ölbetriebenen Mikro-KWK-Anlage möglich. Wird eine solche Strom erzeugende Heizung mit Heizöl betrieben, können 1,5 Kilowattstunden (kWh) Primärenergie pro selbst erzeugter Kilowattstunde Strom gegenüber der konventionellen Stromerzeugung eingespart werden.
Energiespeicherung wird wichtiger
Neben den primärenergetischen Vorteilen von heizölbetriebenen Wärmepumpen und Mikro-KWK-Anlagen spricht eine weitere wesentliche Eigenschaft flüssiger Brennstoffe für diese Zukunftstechnologien: „Flüssige Brennstoffe wie Heizöl lassen sich einfach und vergleichsweise sehr günstig auch für längere Zeiträume speichern – der eigene Öltank wird zum verlustfreien Langzeit-Energiespeicher“, betont Christian Küchen
Der Vorteil eines dezentral beim Kunden gelagerten Energievorrats wird angesichts der künftigen Entwicklung im Wärmemarkt an Bedeutung gewinnen. Denn der Energiebedarf sinkt insgesamt aufgrund energetisch verbesserter Heiztechnik und Gebäudedämmung. Realistischerweise wird aber auch zukünftig zusätzlich Energie in wenigen kalten Wintermonaten benötigt, das heißt, es ergeben sich typische Spitzenlastprofile über vergleichsweise kurze Zeiträume. Diese werden üblicherweise am besten mit einem dezentral gespeicherten Vorrat abgedeckt. So kann Versorgungssicherheit wirtschaftlich sichergestellt werden.
Sowohl die Ölbetriebene Wärmepumpe als auch die Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung mit Heizöl EL werden in Kürze hier im HaustechnikDialog vorgestellt.