Die größte und umfangreichste Ausstellung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde, ist zurzeit in Berlin zu sehen. „Modell Bauhaus“, die Jubiläumsschau anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses, gibt auch Einblick in die Zusammenarbeit von Bauhaus und Junkers in den 1920er Jahren. Denn Junkers und Bauhaus – das war die Verbindung einer Schule für Architektur, Design, bildende und darstellende Kunst und eines äußerst innovativen Unternehmens, das beispielsweise 1896 in Dessau den ersten wandhängenden Gasbadeofen der Welt herausbrachte.
Hugo Junkers Foto: Junkers
Junkers-Werbeplakat für Heißwasser-Stromautomaten Foto: Junkers
Junkers-Stand Bild Foto: Junkers
Die Ausstellungsmacher im Berliner Martin-Gropius-Bau erinnern mit
zwei Bildern und dem Junkers-Katalog zur Ausstellung „Gas und
Wasser“ Berlin 1929 an die eindrucksvollste Arbeit der Bauhaus-
Werkstätten für Junkers, die bereits von den seinerzeit Beteiligten
als „epochal“ angesehen wurde.
Darüber hinaus ist Junkers in der Ausstellung vom 22. Juli bis 4.
Oktober 2009 mit einem Modell der F 13, dem ersten
Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, mehrfacher Erwähnung
auf dem Zeitstrahl im Umgang des Martin-Gropius-Baus sowie auf
einer Texttafel unter der Überschrift „Die neue Orientierung“
vertreten. Hier heißt es: „Einflussreiche Kreise aus Politik und
Wirtschaft förderten das Bauhaus. Zu Unternehmern und Forschern
wie Hugo Junkers, dessen Flugzeuge unweit des ab 1925
entstehenden Bauhauses starteten und landeten, entwickelten sich
vielfältige und fruchtbare Kontakte.“
Dessau als Zentrum des Fortschritts
Als das Bauhaus, gegründet von Walter Gropius 1919 in Weimar,
1925 aus politischen Gründen Weimar verlassen musste und sich
für eine Übersiedlung nach Dessau entschied, wurde dies von Hugo
Junkers und seinen Mitarbeitern freudig begrüßt. So schreibt Hans
M. Bongers in seiner Autobiographie „Es lag in der Luft.
Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten Luftverkehr“: „Wir Junkersleute
engagierten uns natürlich sofort. Das Bauhaus war Fortschritt, es
brachte neue Ideen. Das war auch unser Element. Vielleicht war für
die Wahl Dessaus nicht ganz ohne Einfluss, dass hier Professor
Junkers wirkte und ein fortschrittliches und großzügiges Klima
herrschte. Dessau wurde nun erst recht für viele zum Mekka.“
In Dessau waren die Aktivitäten der Bauhaus-Werkstätten von
Beginn an stärker auf die Zusammenarbeit mit der Industrie
ausgerichtet. Vor Ort kamen für eine engere Kooperation in erster
Linie die Junkers-Werke in Betracht, die sowohl im Flugzeugbau
als auch in der Gasgerätetechnik zu den national und international
führenden Unternehmen gehörten. Die Zusammenarbeit begann
vielversprechend: Marcel Breuers Stahlrohrsessel, der allgemein als
Klassiker der Moderne gilt, wurde von ihm am Bauhaus entwickelt
und in Kooperation mit den Junkers-Werken realisiert – später
wurde der 1926 der Öffentlichkeit vorgestellte Stahlrohrsessel von
der Breuer Standard-Möbel AG in Berlin gefertigt.
Die Verbindung zwischen dem Bauhaus und Junkers reicht bis in
das Jahr 1923. Zu dieser Zeit wurden Küche und Bad des
Musterhauses „Am Horn“ in Weimar mit Warmwassergeräten von
Junkers & Co. ausgestattet.
Auch bei dem Wohnungs- und Metallhausbau gab es
Berührungspunkte, ohne allerdings größere gemeinsame Projekte
zu realisieren. Junkers stattete das neue Bauhausgebäude in Dessau
und die Meisterhäuser mit Warmwasserapparaten und Heizkörpern
aus. Und Künstler wie Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger
besuchten die Junkers-Werke, um sich von dem innovativen Geist
der Konstruktionen inspirieren zu lassen. Umgekehrt nahmen auch
Junkers und seine Mitarbeiter an Veranstaltungen des Bauhauses
teil.
Bauhaus inspiriert Junkers-Werbung
Einen nachhaltigen Einfluss übte das Bauhaus auf die Gestaltung
der Werbung bei Junkers aus, die sich von der neuartigen
Typografie, der Formenabstraktion und der die Fotografie
einbeziehenden Gestaltung von Druck und Schriften stark
inspirieren ließ. Eindeutig hatte Junkers durch die Nähe zum
Bauhaus das modernste Werbekonzept der damaligen Zeit.
Zu der Realisierung eines großen gemeinsamen Projektes von
Junkers und dem Bauhaus kam es im Frühjahr 1929. Die Reklame-Abteilung des Bauhauses unter Joost Schmidt hatte 1928 von
Junkers & Co. den Auftrag erhalten, den Stand des Unternehmens
auf der Ausstellung „Gas und Wasser“ (19. April bis 21. Juli 1929)
in Berlin zu entwerfen und zu bauen.
Vorrangiges Ziel der 200 Quadratmeter großen Präsentation war,
„das nicht fachmännische Publikum zu gewinnen“. Deshalb wurden
die Produkte in ihrem Wechselspiel zum täglichen Leben gezeigt,
also weniger in ihrer technischen Funktion, sondern als
unentbehrliche Gebrauchsgegenstände für Gewerbe, Haushalt und
Hygiene.
In der Weltwirtschaftskrise konnte diese Form der Zusammenarbeit
zwischen Junkers und dem Bauhaus nicht fortgesetzt werden. 1932
mußte Junkers Insolvenz anmelden und konnte nur durch den
Verkauf seines Gasgerätewerkes an Bosch Anfang November 1932
seine übrigen Unternehmen (zunächst) retten.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das
Bauhaus geschlossen. Junkers musste die Mehrheit an seinem
Flugzeug- und Motorenbau an den Staat abgeben und durfte Dessau
nicht mehr betreten; er starb am 3. Februar 1935 in Gauting bei
München. Heute ist das Bauhaus weltbekannt und Junkers eine
internationale Marke der Bosch Thermotechnik GmbH.