DBU fördert Schulsanierung mit 386.000 Euro – Vorhaben übertragbar auf Vielzahl an Gebäuden. Heizen, Beleuchten, Lüften – damit die knapp 900 Schüler des Gymnasiums Sonthofen mit frischem Wind und kühlem Kopf Vokabeln und Formeln pauken können, sind große Mengen an Energie nötig. Denn bei der Konstruktion des in den 70er Jahren errichteten Gebäudes wurde auf eine Wärmedämmung noch kein Wert gelegt. Hohe Heizkosten und ein enormer Sanierungsbedarf sind heute die Folgen.
Typische Bauweise der 60er und 70er Jahre: Nutzung von Fertigteilen aus Stahlbeton. Nach der Grundsanierung umgibt das Gebäude eine hoch Wärme dämmende Holzfassade. Foto: DBU
Südansicht: Nach Abschluss der Umbauarbeiten hat das Gebäude des Gymnaisums Sonthofen Passivhausstandard. Foto: DBU
„Aus ökonomischen und ökologischen Gründen bot es sich an, den Passivhausstandard
des Gebäudes anzustreben“, erklärt der Bürgermeister der Stadt
Sonthofen, Hubert Buhl. So könnten jährlich rund 80 Prozent Energie eingespart
werden und der Kohlendioxid-Ausstoß ließe sich ebenfalls um 80 Prozent mindern.
Für Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU), ein „wegweisendes Vorhaben“ für künftige Sanierungsprojekte öffentlicher
Gebäude. Er übergab heute das Bewilligungsschreiben über die DBU-Förderung in
Höhe von 386.000 Euro.
Das Gymnasium Sonthofen entspricht von seiner Architektur dem so genanten „Kasseler
Modell“ – eine typische Bauweise der 60er und 70er Jahre, bei der Fertigteile aus Stahlbeton
ein schnelles Errichten von Gebäuden ermöglichten. Vor allem die äußeren Betonbrüstungen
und -stützen sind heute, rund 40 Jahre später, stark sanierungsbedürftig:
„Nicht nur der finanzielle Aufwand für Heizen und Stromverbrauch ist beträchtlich. Auch
die Reparatur- und Instandsetzungskosten belasten den Haushalt der Kommune mit
durchschnittlich 200.000 Euro im Jahr enorm“, so Buhl. Eine Generalsanierung schien
unumgänglich. Mit Fördermitteln der DBU hat die Stadt Sonthofen in Zusammenarbeit mit
dem Architekturbüro Haase (Karlstadt) ein Konzept für den Umbau der Schule nach Passivhausstandard
entwickelt. Moderne Heizungs- und Lüftungstechnik in Kombination mit
der Nutzung erneuerbarer Energien soll künftig das Schulbild des Gymnasiums Sonthofen
prägen. „Die Planungsphase ist erfolgreich abgeschlossen. Den ersten Arbeiten steht
nichts mehr im Wege“, freut sich Buhl.
Dort, wo momentan noch massive Stahlbetonauf- und anbauten die Außenmauern dominieren,
soll demnach bald eine neue Holzleichtbaufassade das Gebäude umgeben. Die
Fertigteile – wie beispielsweise vorgehängte Balkone – werden dabei abgetragen und
stattdessen eine hoch Wärme dämmende Holzverkleidung angebracht. „Hierbei wird auf
nachwachsende Rohstoffe mit hoher Bauqualität gesetzt“, betont Buhl. Eine optimierte
Fensterfront sorge für bessere Lichtverhältnisse und minimiere den Energieaufwand für
die künstliche Beleuchtung. Eine kontrollierte Lüftungsanlage soll zudem sicherstellen,
dass durch Heizung und Menschen erzeugte Wärme mit der verbrauchten Luft nicht nach
draußen transportiert, sondern den Räumen wieder zugeführt wird. Der Einsatz erneuerbarer
Energien, wie zum Beispiel einer Wärmepumpe, ergänzt das Konzept.
„Die gesamte Liegenschaft wird nach dem Leitbild der Kohlendioxid-neutralen Gebäudesanierung
modernisiert“, erläutert Brickwedde. Damit verringere sich nicht nur der Jahresprimärenergiebedarf
um rund 80 Prozent, auch der Ausstoß von Kohlendioxid (CO
2)
könne um 80 Prozent gemindert werden. „Damit geht nicht nur eine Gemeinde mit der klimafreundlichen
Instandsetzung eines öffentlichen Gebäudes als gutes Vorbild voran“, so
Brickwedde, „sondern es werden auch Lehrer und Schüler für erneuerbare Energien sensibilisiert“.
Da der Konstruktionstyp „Kasseler Modell“ in ähnlicher Bauweise an rund 150
weiteren Standorten zu finden sei, könnten die Ergebnisse bundesweit auf eine Vielzahl
ähnlicher Schul- und Verwaltungsbauten übertragen werden. Brickwedde: „Damit ist das
Vorhaben wegweisend für künftige Sanierungsprojekte.“ Die Ergebnisse sollen nach Abschluss
des Projekts im Internet und in einer Broschüre umfassend dokumentiert werden.