Das Geberit Planerforum „Sicher dabei“ widmete sich 2010 dem derzeit in der SHK-Branche und Planerkreisen heiß diskutierten Thema der Zeta-Werte. Der große Zulauf zu den neun Veranstaltungen in allen Teilen Deutschlands unterstreicht die Brisanz des Themas. Bereits drei Wochen vor dem Start der Veranstaltungsreihe, waren alle Termine restlos ausgebucht. Mehr als 2.000 Planer haben sich über das Thema informiert und mit den renommierten Fachreferenten ausgetauscht.
Der Zetawert ist mit einem Anteil von ca. 10% nur einer von vielen Faktoren, die
einen Druckverlust in einer Trinkwasserinstallation verursachen.
Das beeindruckende Exponat simuliert den Einfluss des Zetawertes auf den
Druckverlust in einer Trinkwasserinstallation. Bilder: Geberit
Die Beiträge der referierenden Professoren der Fachhochschule Münster, Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt erwiesen sich als Hauptmagnet der Veranstaltungsreihe. Sie trugen die zentralen Inhalte des sanitärtechnischen Symposiums der Fachhochschule Münster („Steinfurter Symposium“) in die Breite und machten sie Planern und Fachleuten in ganz Deutschland zugänglich. Im Zentrum der Beiträge stand die Diskussion um die Neufassung der DIN 1833-300, die unter den Planern und Praktikern in der Sanitärtechnik in vollem Gange ist. Insbesondere die Bedeutung der Zeta-Werte zur Berechnung von Druckverlusten in Rohrleitungskomponenten hat zu Verunsicherungen geführt. Die Beiträge und die anschließenden Diskussionen konnten zeigen, dass diese Werte keinen signifikanten Einfluss auf die Druckverluste und auf die Hygiene von Trinkwasserinstallationen haben.
Statische Zeta-Werte in der Praxis kaum brauchbar
Prof. Dr.-Ing. Bernhard Mundus, Lehrgebiet Energietechnik, legte den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die Planung und Berechnung von Einzelwiderständen im Trinkwassersystem. Er zeigte auf, dass sich mit den derzeit publizierten Werten nach der Methode des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) die Realität nicht abbilden lässt. Nach seinen Erkenntnissen kommt man mit dynamischen Zeta-Werten als Funktion der Volumenstromaufteilung der Realität näher. Statische Zeta-Werte hingegen sind laut Prof. Mundus unbrauchbar bei Formteilen, die Volumenströme aufteilen oder vereinigen.
Zeta-Wert nur eine von vielen Einflussgrößen
Prof. Dipl.-Ing Bernd Rickmann, Lehrgebiet computergestützte Planung, beschäftigte sich mit Möglichkeiten neuer Verteilungskonzepte für die Trinkwasserinstallation. Auch in den Ausführungen von Prof. Rickmann spielten die Zeta-Werte nur eine untergeordnete Rolle. Er hält die derzeitige Diskussion um ihre Bedeutung schlicht für unsinnig. Denn der Druckverlust durch Einzelwiderstände betrage in Relation zu anderen Einflussgrößen wie Wasserzähler, Absperrarmaturen, Apparate, Rohrreibung, Mindestfließdruck von Armaturen und geodätischer Höhe gerade mal rund 10 Prozent, so Prof. Rickmann. Letztlich gehe es darum, Druckverluste intelligent in einer Trinkwasserinstallation zu verteilen statt eine Einflussgröße überzubewerten.
Berechnete und gemessene Werte klaffen eklatant auseinander
Anhand eines realistischen Mess-Aufbaus zeigte Jürgen Dewald, Vertriebsleiter Technik der Firma Geberit, wie stark Druckverlustberechnungen mit theoretischen Zeta-Werten von real gemessenen Werten abweichen können. Die Unterschiede zwischen berechneter und tatsächlich gemessener Druckabweichung betrugen in Probemessungen am Exponat deutlich über 40 Prozent. Dewalds Schlussfolgerung: die derzeit publizierten Zeta-Werte sind messtechnisch nicht nachvollziehbar.
Aktuelle Planungspraxis bietet ausreichende Sicherheit
Die Referenten waren sich einig, dass der SVGW vorschnell ein Prüf- und Messverfahren entwickelt hat, das Unzulänglichkeiten aufweist. Ein neues Prüfund Messverfahren in Deutschland steckt noch in der Entwicklung, so dass es bisher keine normativ verabschiedete Grundlage zum Umgang mit dem Thema der Einzelwiderstände gibt. In diesem Zusammenhang gingen die Baurechts- Fachanwälte Thomas Herrig und Dr. Rainer Koch auf das Spannungsfeld von Forderung nach einer herstellerneutralen Ausschreibung nach VOB/A und Planung und Ausschreibung mit herstellerspezifischen Daten ein. Sie wiesen darauf hin, dass die viel zitierte DIN 1988-300 noch nicht den Status einer allgemein anerkannten Regel der Technik und damit wenig Verbindlichkeit für die Planungspraxis hat.
Die Industrie bietet heute geeignete Produkte, die bei gesicherter Planung, fachgerechter Ausführung und bestimmungsgemäßem Betrieb die hydraulischen und hygienischen Anforderungen erfüllen können. Eine Notwendigkeit für grundlegende Veränderungen in der Planungspraxis von Trinkwasseranlagen sah keiner der Referenten. Die Vorträge der Referenten stehen ab sofort unter
www.geberit.de/sicherdabei2010 zum Download zur Verfügung.