Nicht nur das EXPO-Gelände, auch die Umgebung setzt Maßstäbe: Die in unmittelbarer Nähe des EXPO-Geländes entstandene Kronsberg-Siedlung ist dafür ein Beispiel. Hier sind bisher insgesamt 2.700 Wohnungen sowie zahlreiche Reihenhäuser entstanden, die unter dem EXPO-Motto „Mensch – Natur – Technik“ zukunftsweisende Entwicklungen im Bauen und Wohnen demonstrieren sollen. Die gesamte Siedlung erfüllt den Niedrigenergiehausstandard, darüber hinaus werden in verschiedenen Gebäuden alle Tasten des Energiesparklaviers gespielt: Warmwasseranschlüsse für Haushaltsgeräte, Energiesparlampen, Regenwassernutzung, Nahwärmenetz, Blockheizkraftwerk und kontrollierte Wohnungslüftung.
Die Versorgung aller Häuser und Wohnungen mit Wärme erfolgt durch ein Nahwärmenetz der Stadtwerke Hannover. Dazu wurde eine Energiezentrale errichtet und mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk ausgestattet, das mit einer thermischen Leistung von etwa 1,6 MW auf etwa 8.000 Betriebsstunden im Jahr kommen soll. Die restliche Wärme wird durch zwei gasbetriebene Turbomat-RN mit je 4,7 MW Leistung bereitgestellt. Nach der Planungsphase, die bereits 1995 begann und von vielen Änderungen geprägt war, konnte erst spät mit dem Bau begonnen werden. Holger Haushalter, Projektleiter der Stadtwerke Hannover, stellt fest: „Innerhalb von nur 24 Monaten wurden hier 13 Kilometer Rohr „verbuddelt“ und mehr als 80 Übergabestationen installiert.“ Die Investitionen für die Energiezentrale betrugen etwa 5 Millionen Mark, die gleiche Summe war für das Nahwärmenetz aufzubringen. Inzwischen ist Alltag eingekehrt, die Anlage läuft ohne Personal und wird über den zentralen Leitstand der Stadtwerke überwacht.
Auf dem Gelände ist eine Vielzahl von Bauträgern aktiv. Als besonderes Highlight gelten die Agenda 21-Häuser, die durch die DGHKeG (Deutsche Gesellschaft für Handwerk und Kooperation) erstellt werden. Sie verfolgen zwei Ziele: Zum einen sollen neue Ansätze des Bauens demonstriert werden, zum anderen soll die Leistungsfähigkeit einer Handwerkskooperation bewiesen werden. Eine filigrane Stahlstruktur gibt den Häusern Stabilität, Holz als nachwachsender Rohstoff ist ökologisch besonders verträglich. Die Häuser übertreffen die Anforderungen des Niedrigenergiehausstandards bei weitem. Drei Musterhäuser zeigen barrierefreies und ökologisches Wohnen, weitere drei Häuser sind als Gästehäuser konzipiert.
Aufgrund der Dichtheit der Gebäude ist es allein aus hygienischen Gründen wichtig, eine kontrollierte Wohnungslüftung einzusetzen. Nur so kann der Luftwechsel im Haus, der für das Wohlbefinden der Bewohner notwendig ist, auch bei geschlossenen Fenstern sichergestellt werden. Die Wahl fiel auf das Viessmann Vitovent 300-System, das mit einem Wärmetauscher arbeitet, um die Wärme der Abluft auf die zugeführte Außenluft zu übertragen. So kann zusätzlich Heizenergie eingespart werden. Der fehlende Heizwärmebedarf sowie die Wärmeenergie zur Trinkwassererwärmung werden über die oben beschriebene Energiezentrale geliefert. Die Lüftungsanlagen wurden platzsparend oberhalb des Badezimmers im Dachboden installiert. Das neue Viessmann Fastflex-Flachkanalsystem ermöglichte eine Verlegung der Lüftungskanäle auch in dünnen Zwischenwänden. Die Ein- und Auslassöffnungen der Lüftungskanäle wurden optisch in die Innenarchitektur integriert.
Die Kronsberg-Siedlung demonstriert mit den unterschiedlichen Wohngebäuden einen technisch und architektonisch sehr interessanten und zukunftsweisenden Querschnitt durch den Wohnungsbau. Es lohnt sich, auch außerhalb des EXPO-Geländes die Augen offen zu halten.