Intelligentes Wassermanagement im Schlossbad Niederrhein sorgt für einwandfreie Wasserqualität durch den Einsatz von elektronischen Sanitärarmaturen.
Das Schlossbad Niederrhein in Mönchengladbach ist ein stark frequentiertes Familienbad mit ganzjährigem Schwimmbetrieb. Es besteht aus einem Freibad und einem Hallenbad mit einem Durchschwimmkanal direkt ins Außenbecken. Die Eröffnung nach dem Umbau des bestehenden Schwimmbades fand am 01. Februar 2008 statt. Die Umgestaltung war für die Betreibergesellschaft die Chance, mit einem elektronisch gesteuerten Wassermanagement die gesetzlichen Anforderungen und Vorschriften zu gewährleisten, gleichzeitig Ressourcen zu schonen und die Betriebskosten zu senken. Hygiene, Wirtschaftlichkeit und Komfort sind die Parameter für die Anforderungen an Sanitäranlagen im institutionellen Bereich. In den ersten 2,5 Jahren wurden seit der Eröffnung über 500.000 Badegäste in dem modernen Kombibad gezählt.
Das Schlossbad war in der Vergangenheit bereits ein Kombibad mit einem großen, nur saisonal genutzten Freibad (Anteil 80% der Fläche) und einem kleinen Hallenbad. Ziele der Umgestaltung waren die Vergrößerung der Wasserflächen des Hallenbades für eine bessere ganzjährige Nutzung, Erweiterung des Spiel- und Spaßangebot und die Erhaltung des beliebten Freibades. Heute ist das Verhältnis der Wasserflächen mit jeweils 600 qm in beiden Bereichen nahezu identisch. Außerhalb der Freibadsaison können die Badegäste des Hallenbades ein beheiztes Außenbecken mit Durchschwimmkanal aus dem Innenbereich und eine Rutsche durch den Außenbereich bei jedem Wetter nutzen. Angebote wie ein Strömungskanal, Wasserpilze, Nacken-/Schwallduschen und Sprudelliegen runden das neue Angebot für die Badegäste ab.
Planung und Umsetzung für ungetrübten Badespass
Für den Umbau des Schwimmbades hat die Niederrheinische Versorgungs- und Verkehr AG (NVV AG) einen Generalplaner aus der Region Mönchengladbach gesucht. Den Zuschlag für den Umbau erhielten die Architekten und Generalplaner BringsArchitekten. Als Subplaner für den Bereich Haustechnik (ohne Badewasser) wurde das ortsansässige Ingenieurbüro Rolf Besten von den Architekten beauftragt. Durch die Erweiterung rechnen die NVV mit einer deutlichen Erhöhung der Besucherzahlen. Die zu erwartende zyklische Nutzung des Schwimmbades führt auch zu größeren hygienischen Anforderungen gerade im Bereich der Sanitäreinheiten und beim Trinkwasser.
Eintritt verboten für Keime und Bakterien
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) schreibt vor, dass Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch jederzeit „frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein“ sein muss. Entscheidend ist auch die richtige Dimensionierung der Rohrleitungsnetze, da die „bedarfsgerechte Auslegung“ zu großzügig geplanter Netze zu einer Stagnation des Wasserdurchfluss führen kann. Krankheitserregende Bakterien wie Legionellen oder Pseudomonaden vermehren sich bevorzugt in diesem stagnierenden Wasser. Besonderes betroffen sind vorrangig die Warmwassersysteme, da die in Kolonien auftretenden Legionellen bereits ab 30 Grad beste Wachstumsbedingungen haben. Gerade vor dem Hintergrund möglicher Infektionserkrankungen durch Trinkwasser, steht der Duschbereich zunehmend im Mittelpunkt der Betrachtung. Beim Duschen ist das Risiko einer Infektion besonders hoch. Krankheitserreger wie Legionellen gelangen mit dem feinen Sprühnebel des Duschwassers über die Atemwege in die Lunge. Für den Schutz und die Gesundheit der Badegäste ist immer der Betreiber von öffentlichen Einrichtungen verantwortlich.
Hygiene und Wassermanagement
Für den Neubau des Schlossbades Niederrhein wurden im Innenbereich 2 Sammelduschen (Männer / Frauen) mit je 8 Duschplätzen, 1 behindertengerechte Einzeldusche sowie 2 Personalduschen vorgesehen. Für die Besucher des Freibades stehen weiterhin 2 Sammelduschen mit je 10 Duschen und 4 Außenduschen zur Verfügung. Bei der Auswahl der Duschköpfe und Armaturen entschied sich die NVV AG für den Einsatz des innovativen Wassermanagementsystems AQUA 3000 open der Franke Aquarotter AG. Eingebaut wurden in den Sanitärräumen 39 AQUATIMER-Duscharmaturen mit Thermostat, 43 AQUAJET Comfort Duschköpfe und PROTRONIC Urinalspüler. Das System AQUA 3000 open basiert auf zwei Ebenen - einer Armaturen- und einer Netzwerkebene - die über eine standardisierte Datentechnologie miteinander kommunizieren. Auf der Armaturenebene werden die grundlegenden Wasserlabgabefunktionen gesteuert. Die Netzwerkebene bietet über PC und die passende AQUA 3000 open-Software zusätzliche Funktionalitäten und Systemerweiterungen.
Ein starkes Team AQUA 3000 open
Ein intelligentes Elektronikmodul ist das Herzstück der Neuentwicklung. Es vereint bereits auf der Armaturenebene Wasserabgabe- und Steuerfunktion unabhängig von übergeordneten Steuereinheiten oder einer Netzwerksteuerung. Das werkseitig programmierte Elektronikmodul in der Armatur ist vor Ort nach dem Einbau direkt betriebsbereit (plug and play). Jede Armatur hat in dem integrierten Modul eine Identifikationsnummer, über die eine Erkennung, Zugriff und Zuordnung im Netz möglich ist. Auf der Armaturenebene ermöglicht das Elektronikmodul bereits an der Wasserentnahmestelle neben der eigentlichen Armaturenfunktion (Waschen, Duschen, Spülen) vielfältige Steuerungsfunktionen. Hierzu gehören unterschiedliche Arten von zeitgesteuerten Hygienespülungen, temperatur- oder zeitgesteuerte thermische Desinfektionsfunktionen, Spitzenlastoptimierung und ein Protokollspeicher.
Die Armaturen werden über eine Systemdatenleitung mit dem neu entwickelten ECC-Funktionscontroller (ECC=Ethernet-Can-Coppler) verbunden. Er übernimmt die Spannungsversorgung und die Datenkommunikation im gesamten Netzwerk. Als übergeordnetes Tool können über den ECC-Controller weitere Zusatzfunktionen wie die automatische Thermische Desinfektion von Armaturgruppen, Reinigungs-abschaltungen, Tag/Nacht/Ferienprogramme, bezahlte/unbezahlte Wasserabgabe und die Datenspeicherung über ein optionales SD-Kartenmodul erfolgen. Der ECC-Funktionscontroller verfügt über einen Ethernet-Kommunikationsanschluss für PC oder Gebäudenetzwerke (GLT). Es können 2 Systemleitungen zur Stromversorgung und zur Datenkommunikation mit einer Gesamtlänge von 200 Metern und bis zu 32 Armaturen angeschlossen und gesteuert werden. Mit Hilfe der AQUA 3000 open-Software hat sich die Bedienung des Systems wesentlich vereinfacht. Über einen PC lassen sich auf der optional aufschaltbaren Netzwerkebene beliebig viele elektronische Armaturen zentral steuern und verwalten. Es ist das erste Sanitärarmaturensystem, das über einen Standard-Ethernet-Anschluss (10/100Mbit) eine weltweit offene Kommunikation ermöglicht.
Zufriedene Gesichter auch nach über 500.000 Besuchern
Im Schlossbad Niederrhein erfolgt die Steuerung und Überwachung der elektronischen AQUATIMER-Duscharmaturen mit Thermostat vom Büro aus. „Direkt von meinem Schreibtisch habe ich einen Überblick und Zugriff auf alle Armaturen. Ich kann individuelle Einstellungen vornehmen, Durchflussmengen oder Temperatureinstellungen verändern und erhalte von allen Aktivitäten eine komplette Dokumentation“, berichtet Dietmar Schmitz, Leiter des Schlossbades, über seine Erfahrung mit den elektronischen Armaturen und der Steuereinheit. „ Alle Anforderungen der Arbeitsblätter W 551 und 553 der DVGW Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfach e.V. werden mit dem Wassermanagementsystem AQUA 3000 open gesteuert, überwacht und dokumentiert“, sagt Schmitz weiter. Alle 72 Stunden wird automatisch eine Hygienespülung zur Vermeidung von stagnierendem Wasser und zur Vorbeugung gegen Verkeimung über den ECC-Controller veranlasst. Regelmäßig werden Wasserproben von unabhängigen Instituten für mikrobiologische Untersuchungen entnommen. Einmal jährlich, wenn das gesamte Wasser aller Becken zur Grundreinigung abgelassen wird, erfolgt auch eine Inspektion der elektronischen Armaturen und der Duschköpfe.
„Die elektronischen Armaturen und die Netzwerksteuerung haben sich gut bewährt. Bei unserem letzten Schwimmbadumbau - dem Vitusbad in Mönchengladbach-Rheydt - haben wir noch die Vorgänger-Version der Franke Aquarotter Armaturen eingebaut. Bei weiteren Umbauten unserer Bäder planen wir das System AQUA 3000 open als einheitlichen Standard beim Wassermanagement einzusetzen“, erläutert Dipl.-Ing. Architekt Udo Carmanns, Abteilungsleiter Hochbauprojekte der NVV AG, die Zukunftsaussichten.