Dr. Ulrich Stiebel begrüsste die mehr als 100 Architekten, TGA-Fachplaner und entsprechende Experten von Gemeinden oder Institutionen zum Symposium „Bauen2.0 – Interaktivität im Planungsprozess“ in Hannover.
Dipl.-Ing. Bernd Blaufelder, Geschäftsführer des Bund Deutscher Architekten, führte als Moderator durch den Tag.
Prof.-Dr.-Ing. Gerhard Hausladen von der TU München.
Prof.-Dr.-Ing. Norbert Fisch von der TU Braunschweig.
Dipl.-Ing.(FH)Frank Röder, Leiter der Planungsabteilung bei Stiebel Eltron.
Prof. Dipl.-Ing. M. Sc. Econ. Manfred Hegger von der TU Darmstadt.
Die Referenten bei der Podiumsdiskussion (von links): Gerhard Hausladen, Bernd Blaufelder, Frank Röder sowie Manfred Hegger.
Deutschland hat sich sehr ehrgeizige energiepolitische Ziele gesetzt, von denen man im Gebäudebereich jedoch noch weit entfernt ist. So stehen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz beim Bauen und Renovieren im Fokus, doch viele Potentiale bleiben hier noch ungenutzt. "energy-design" ist das aktuelle Schlagwort, welches beim nachhaltigen Bauen und Planen eine entscheidende Rolle spielt. Der Energiekonsument soll dabei zum Energieproduzent gemacht werden und dazu muss das Grundkonzept des Gebäudes stimmen. Maßgeblich mitentscheidend für den Erfolg dieser Vision von Gebäuden und Städten ist dabei die Gestaltung eines interaktiven Planungsprozesses, denn die jeweiligen Einzelbereiche stoßen an ihre Grenzen, wenn es um wirklich nachhaltiges Bauen geht. Architekten, Planer und Ingenieure stehen daher vor großen Herausforderungen - aber auch vor großen Chancen, diesen Prozess gemeinsam zu gehen.
Zusammen mit dem Bund Deutscher Architekten BDA hatte Stiebel Eltron erneut ein hochwertiges Architektensymposium in der Reihe der „Stiebel Eltron-Dialoge zur Evolution der Architektur“ auf die Beine gestellt. Es war der vierte Dialog in dieser Reihe. Begonnen hat die Reihe mit „klima_stadt_haus, Strategien für eine neue Architektur“. Es folgten „Bauen in Zeiten des Energiewandels“ und „ Energiesparender Objektbau“. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung in Hannover lautete: „Bauen 2.0 – Interaktivität im Planungsprozess“.
Nach der Begrüßung der über 100 interessierten Architekten, Planer, Ingenieure und Experten aus Städten und Gemeinden durch
Dr. Ulrich Stiebel, Mitinhaber von Stiebel Eltron, brachte
Dipl.-Ing. Bernd Blaufelder, Bundesgeschäftsführer des Bund Deutscher Architekten BDA, mit seiner Einführung „Chancen und Potenziale des energetischen Bauens - ein Statement zur Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Architekt und Planern“ die zukünftigen Herausforderungen und Chancen auf den Punkt: Zukunftsfähige Architektur beruhe auf einer Gesamtkonstruktion – zu deren Gelingen alle Disziplinen beitragen müssen.
Laut Blaufelder bedarf es einer konzeptionellen Herangehensweise an die Planungsaufgabe. So sollten bspw. die Standortfrage, Materialauswahl, Technikeinsatz, Mobilitätsaspekte, Kreislaufanforderungen und der Energieeinsatz gleichermaßen betrachtet werden. Architekten, Ingenieure, Fachplaner, Innenarchitekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten seien gefordert, gemeinsam zur ökologischen Wende beizutragen. Ein ganzheitliches Planungsverständnis erfordere eine äußerst frühe Einbeziehung aller Disziplinen in den Planungsprozess. Das jedoch bedürfe bei allen Beteiligten ein aktives Umdenken, um einen intensiven kollegialen Dialog der Fachdisziplinen zu ermöglichen.
Als ersten Referenten begrüßte Blaufelder
Prof. Dr.-Ing. Gerd Hausladen, der ursprünglich aus der Flugzeugtechnik kommt. Hausladen ist seit 2001 Univ.-Prof. für Bauklimatik und Haustechnik an der Technischen Universität München. Zuvor war er Professor für Technische Gebäudeausrüstung an der Universität Kassel und seit 2007 ist er im Vorstand im ClimaDesign e.V.. Hausladen, der jüngst an einem Zukunftsdialog in Peking teilgenommen hatte, war es ein Anliegen aufzuzeigen, dass man sich in umwälzenden Zeiten befände. Besonderes Kennzeichen dieser Zeit aber wäre, dass eigentlich keiner so genau wüßte, was geschehe und wohin es führen würde. Keiner könne derzeit sagen, wo man sich in zwanzig oder dreißig Jahren befände. Sicher wäre aber, dass bspw. der fossile Energieverbrauch zurückgehen werde, da es einfach irgendwann keine fossilen Energien mehr geben würde. Für Hausladen war es daher wichtig, zu hinterfragen, was solche Tatsachen für den Baubereich, der ja maßgeblich am Energieverbrauch beteiligt sei, grundsätzlich bedeuten würden. Dazu machte Hausladen deutlich: „Um überhaupt eine Chance zu haben, von fossilen Energien auf regenerative Energien umzustellen, müssen wir unseren Verbrauch um zwei Drittel zu reduzieren, und dann haben wir die Chance, dass wir dieses restliche Drittel regenerativ erzeugen können, zumindest in einer Zwischenphase.“ Dabei ist Hausladen aber wichtig, diese Einsparung ohne Komfortverzicht hinzubekommen, denn alles andere hält er für nicht umsetzbar. Aber mit einem Blick vom Bestand in Richtung heutige Passivhäuser, Null-Energie- und Plus-Energie-Häuser sei die Baubranche bereits auf dem richtigen Weg. Auch bei dem notwenigen Zusammenarbeiten im Planungsprozess sei man schon auf dem richtigen Weg. Beim Zusammenwirken von Technik und Gebäude gäbe es allerdings noch großen Bedarf robuster zu bauen, um die Anfälligkeit hier zu verringern. Ausgehend von einer steigenden Anzahl an Steuer-, Mess- und Regelgeräten müsse auf jeden Fall deren Fehleranfälligkeit sinken.
Als nächster Referent folgte
Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch. Fisch ist seit 1996 Leiter des Instituts für Gebäude und Solartechnik der TU Braunschweig. Neben seinem Institut leitet er ein weltweit tätiges Ingenieurbüro. Aus den Bereichen Maschinenbau und Energietechnik kommend, bot Fisch mit seinem Vortrag über das ganzheitliche Energiedesign einen interessanten Blick auf die Architektur. Fisch stellte innovative Gebäudekonzepte anhand von ihm gebauter Projekte vor. Besonders interessant war in seinem Vortrag, als ein weiteres praktisches Beispiel, das für die eigene Familie jüngst fertig gestellte Haus mit integrierter Elektromobilität.
Als weiteres Best-Practice-Beispiel stellte einem weiteren Vortrag
Dipl.-Ing. (FH) Frank Röder aus dem Hause Stiebel Eltron das Wohnungsbauprojekt „Quartis les Halles“ in Düsseldorf vor. Röder, leitet seit 2007 die Planungsabteilung bei Stiebel Eltron, die Abteilung des Unternehmens, die Architekten, Planer, Ingenieure und Handwerker mit planungstechnischen Leistungen unterstützt. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Derendorf entstand mit „Quartis les Halles“ ein neues Stadtviertel, welches nicht nur architektonisch, sondern eben auch energetisch den höchsten Standard dokumentiert. Anhand der dort genutzten Wärmepumpen-Kaskade informierte Röder über die Möglichkeiten moderner Großwärmepumpen. Röder machte mit seinem Beitrag deutlich, dass es für das Gelingen des komplexen Prozesses nachhaltigen Bauens sinnvoll ist, auch die Industrie mit einzubeziehen.
Nachfolgend stellte
Prof. Dipl.-Ing. M. Sc. Econ. Manfred Hegger, Verfasser zahlreicher Publikationen und seit 2001 Professor an der TU Darmstadt, Fachbereich Architektur, Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen stellte auf dem Symposium die Plus-Energie-Architektur vor. Hegger, auch Präsidiumsmitglied der Dt. Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, ist neben der Lehre als Mitbegründer der HHS Planer + Architekten AG in Kassel auch praktisch tätig. Unter seiner Leitung entstanden Bauten für den Solar-Decathlon-Wettbewerb des US-Energieministeriums, bei denen seine Hochschulteams 2007 und 2009 gewonnen hatten. Auch Hegger stellte in seinen Ausführungen klar, dass ohne eine vernünftige Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren sinnvolles Bauen nicht möglich sei.
In der abschließenden Podiumsdiskussion, die man streng genommen so gar nicht bezeichnen konnte, weil zwischen den auf dem Podium sitzenden Referenten über die zukünftigen Herausforderungen nachhaltigen Bauens Einigkeit bestand, ging es folglich eher um das Erreichen sichtbarer und notwendiger Schritte in möglichst kurzer Zeit. Da es sich bei den vorgestellten Bauprojekten überwiegend um Leuchtturmprojekte handelt, stellte sich also eher die Frage wie man erreichen könne, dass nachhaltiges Bauen zum Standard wird. Intensiv angesetzt werden sollte dabei laut Hausladen natürlich in Forschung und Lehre in den Hochschulen. Die intensive Vermittlung und Weitergabe des praktischen Know-Hows sowie eine noch bessere Aufarbeitung der Forschungsergebnisse, um die praktisch Tätigen noch sinnvoller unterstützen zu können, seien hier wichtige Ansätze.
Für Hegger war es ganz entscheidend, dass das Konzept am Anfang richtig gemacht würde. Für ihn sei es unabdingbar, dass die Architekten mehr Kompetenz bekämen, da sie das Geschäft steuerten und wenn sie folglich also einen falschen Ansatz hätten, ließe sich das nicht wieder ausbügeln.
Wichtig bei allem jedoch - und da auch herrschte auch Einigkeit, sei deutlich zu machen, dass dies alles nicht mit Komfortverzicht einherginge. Es dürfe nicht vermittelt werden, dass Energieeinsparung gleichzusetzen sei mit Einschränkung.
Die Aufgabe der Industrie in diesem Prozess sah Röder neben der Herstellung und Weiterentwicklung guter und sicherer Systeme und Produkte, in einer umfangreicheren Kommunikation der Unternehmen in den Markt.
Der Beitrag Stiebel Eltrons mit dieser Veranstaltungsreihe trägt auf jeden Fall zweifelsohne dazu bei, dieses wichtige und leider von der Politik noch zu wenig forcierte Thema, innerhalb der Gesellschaft voran zu bringen. Die Zeit zur Umsetzung energiepolitischer Ziele rennt davon.
Eine abschließende Exkursion führte zum jüngst in Hannover präsentierten Plus-Energie-Haus des Bundesbauministeriums – eine Weiterentwicklung des Solar-Decathlon-Hauses, mit dem Prof. Manfred Hegger und eine Gruppe seiner Studenten den Solar-Decathlon-Wettbewerb 2007 in den USA gewannen. Hegger selbst führte durch das Haus und erläuterte ausführlich das dahinter stehende Konzept, in dem ein Lüftungs-Integralgerät mit Wärmepumpe von Stiebel Eltron die Be- und Entlüftung, die Beheizung und Kühlung des Gebäudes sowie die Warmwasserbereitung übernimmt.