Mainz hat einen Masterplan. Bis 2020 planen die Rheinlandpfälzer die Verfünffachung der Gewinnung sauberen Stroms aus der Windkraft. Optimisten gehen selbst so weit, dass bis zum Jahr 2030 neunmal so viel Elektroenergie durch die immer größer werdenden Propeller erzeugt werden kann und soll.
Die Windenergie ist die wichtigste Säule für die Energiewende in Rheinland-Pfalz und Deutschland. Ende Juni 2011 waren in Rheinland-Pfalz 1.125 Anlagen mit einer installierten Leistung von über 1.500 Megawatt (MW) in Betrieb. Bei dem Zubau von neuen Windkraftanlagen belegte Rheinland-Pfalz im ersten Halbjahr 2011 deutschlandweit Platz 3.
Unter Einbeziehung der parallel dazu steigenden Ausbeute mit Unterstützung der Fotovoltaik-Systeme stellte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Daniel Kübler die Möglichkeit dar, dass bis 2030 ausschließlich regenerativer Strom in Rheinland Pfalz produziert wird. Inwieweit diese Ziele realisierbar sind, hängt nicht zuletzt davon ab, wo die Anlagen platziert werden. Aber ebenso die Zustimmung bei den gewerblichen und privaten Stromabnehmern ist bedeutsam.
Verbraucher stellen immer öfter den
Vergleich von Strompreisen im Internet an und suchen gezielt nach Anbietern von sauberem Strom. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist die Errichtung zusätzlicher Windkraftanlagen zwingend notwendig.
Was ist der beste Platz für einen neuen Windpark?
Bis heute galt die Auffassung, dass eine möglichst freie Fläche zur Ausbeutung der Windenergie am günstigsten ist. Auch die Baukosten sowie die Wartung und Instandsetzung der Turbinen erschienen vorteilhafter, wenn ein Windrad offen und frei zugänglich ist. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz plant bis zum Jahr 2020 die Erträge aus der Windenergie faktisch zu verfünffachen. Die Realisierung dieses hochgesteckten Zieles würde jedoch bedeuten, noch mehr freie Flächen mit Windenergieanlagen zu bebauen. Die derzeitige Umweltministerin Ulrike Höfken und ihre Kollegin aus dem Wirtschaftsressort Eveline Lembke haben indessen ganz andere Vorstellungen zur Verwirklichung des Plans.
Windräder im Wald - macht so etwas überhaupt Sinn?
Nach eingehenden Prüfungen kam man in
Rheinland-Pfalz zu der Erkenntnis, das Windräder im Wald durchaus effizient arbeiten können und Ihren Pendants auf den freien Flächen in der Ausbeute in nichts nachstehen. Der Vorteil der Wälder des Landes Rheinland-Pfalz kann allerdings nicht auf alle Gebiete Deutschlands übertragen werden. In den Höhenlagen des Hunsrücks sind die Voraussetzungen hervorragend. Die Wälder liegen weitab von größeren Ansiedlungen und auch die Windverhältnisse lassen das Beste hoffen. Kurzerhand entschloss man sich, eine Drei-Megawatt-Anlage in diesem Waldgebiet zu errichten. Dies ist die erste Windkraftanlage Deutschlands, die in einem Gebiet mit einem relativ dichten Baumbestand errichtet wird.
Beide Ministerinnen sehen vor, in einer direkten Zusammenarbeit die Voraussetzungen und vor allem die rechtlichen Grundbedingungen zu schaffen, um den Bau weiterer gleich gearteter Anlagen zu ermöglichen. Die Hauptverantwortung für Projekte dieser Art liegt jedoch nach Aussagen der Ministerinnen in der Zuständigkeit der Kommunen. Die Landesregierung ist dessen ungeachtet gefordert, den Weg zu ebnen und ebenfalls den Waldbesitzern Gehör zu schenken.
Auch zu diesem Thema gibt es kritische Stimmen
Selbstverständlich sind auch Projekte dieser Art nicht von jedermann gern gesehen. Obwohl die Umweltministerin deutlich zu verstehen gibt, dass die heutigen Windräder mit Höhen von bis 180 Metern weit über die Wipfel der Bäume hinausragen, gibt es auch Kritiker. Ohne die Pläne konkret zu tadeln, warnen einige Verantwortliche vor einem unüberlegten Vorgehen. Diese Idee könne sich schädlich auf den Wald auswirken. Denn der Bau von Windenergieanlagen erfordert eine Anzahl logistischer Vorarbeiten. Das Thema Raubbau wird schon in einem Atemzug mit dem Begriff Erholungsraum Wald verwendet.
Einige besonders schützenswerte Flächen, wie der Naturpark Soonwald sollen von Baumaßnahmen verschont bleiben. Diese Zusage gaben beide Ministerinnen anlässlich eines Ortstermins. Ein zusätzlicher Themenschwerpunkt, der noch nicht abschließend behandelt wurde, ist der Verbleib und die Verwendung der Pachterträge. Die Regierung in Mainz beabsichtigt die Zuständigkeiten der Kommunen und Kreise zu respektieren und möchte allein für den Rahmen zur Realisierung sorgen. Alles Weitere liegt im Verantwortungsbereich der lokalen Verwaltung.