Die Ingenieure in Kenia haben in den letzten 2 Jahren einiges dazugelernt, wenn es darum geht, die Tiefengeothermie zu nutzen. Die Ankündigung aus dem Jahr 2010 ab sofort nicht mehr ausschließlich auf europäisches und chinesisches Wissen zurückzugreifen, sondern mit lokalen Technikern Probebohrungen durchzuführen, hat sich in die Tat umgesetzt. De facto besitzt Ostafrika beste Rahmenbedingungen zur Nutzung dieser Energiequelle.
Zwei Arbeiter an einer Erdwärmepumpe in Olkaria, Kenia. Bild: flickr.com/lydur
Der
Gaspreis, im Vergleich zu Deutschland, spielt in Kenia eine unterordnete Rolle. Im Gegensatz zu Deutschland setzt Kenia für den Betrieb von industriellen und privaten Heizungsanlagen sowie zur Haushalts- und Gewerbestromgewinnung seit langer Zeit auf eine andere Energiequelle.
Bis dato baute man in Ostafrika zu einem hohen Anteil auf die Wasserkraft. Aus der Bundesrepublik kommen jedoch neue Fördermittel, um Kraftwerke, die mit sauberer Erdwärme betreiben werden, zu sanieren und zu errichten. Olkaria I bedarf einer dringenden Erweiterung und der Neubau des Geothermiekraftwerkes Olkaria IV verschlingt ebenso immense Summen, die den Afrikanern aktuell schlicht nicht zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich bei diesen Anlagen, um die größten Systeme dieser Art, die bislang in Afrika errichtet wurde. KenGen, der regionale Stromversorger aus Kenia bekommt vom BMZ (Ministerium des Bundes für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ein 60 Millionen Euro Darlehen. Die Abwicklung dieses Transfers läuft, wie in solchen Fällen üblich, über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Natürlich kommt man für den Umbau und den Bau nicht mit 60.000.000 Euro aus. Insgesamt wird 1 Milliarde Euro benötigt, um die Finanzierung in Gänze sicherzustellen. Der Anteil der Deutschen liegt primär im Bau der Rohrleitungen für den Wasserdampf vom Bohrloch zur Turbine. An dem Projekt beteiligen sich außerdem Frankreich und Japan. Kenia selbst übernimmt einen Investitionsaufwand von 360 Millionen Euro.
Die Eckdaten der beiden Anlagen können sich allerdings sehen lassen. Mit einer Kapazität von 140 Megawatt pro Werk ist Olkaria I und Olkaria IV die Pole Position auf dem afrikanischen Kontinent in Sachen Größe auf lange Zeit sicher.
Das Umdenken von der Wasserkraft auf Geothermie hat konkrete Ursachen. Kenia ist leider oftmals von Wasserarmut aufgrund von Dürreperioden bedroht. Schon in den vergangenen Jahren musste man im ostafrikanischen Land vermehrt Stromausfälle aus Wassermangel in Kauf nehmen. Die Kompensation dieser Defizite konnte ausschließlich durch Diesekraftwerke vorgenommen werden. Bekanntlich schädigt die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Stromgewinnung die Umwelt in besonderem Maße. Der Schritt in Richtung Geothermie, scheint eine hervorragende Lösung dieses Problems zu sein.