
"Heizöl und Erdgas sind unter Umweltaspekten gleichwertig." Zu diesem Ergebnis kommt das renommierte Forschungsinstitut Fichtner in seiner kürzlich veröffentlichten Studie "Ganzheitliche Energie- und Emissionsbilanzierung von Heizsystemen". Damit hat das Stuttgarter Forschungsinstitut nach Bewertung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) die "Legende vom klimaschonenden Gas" beendet.
In der Untersuchung haben die Fichtner-Forscher den gesamten Aufwand für die Energiebereitstellung sowie die Gesamtemissionen verschiedener Heizsysteme betrachtet, also nicht nur die am Ort der Nutzung entstehenden, sondern auch die der so genannten Vorketten. Diese beinhalten zusätzlich die bei der Förderung, beim Transport und bei der Aufbereitung entstehenden Emissionen. Dabei wurden sämtliche anfallenden klimarelevanten Gase, also nicht nur Kohlendioxid (CO2), sondern auch Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O) erfaßt. Außerdem wurden die Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxid (NO2) in die Untersuchung einbezogen.
Auf Basis dieser Gesamtbilanz kommen die Fichtner-Forscher zu dem Resultat: Es gibt sowohl beim gesamten Energieaufwand für die Prozessvorstufen Gewinnung, Transport, Verarbeitung und Verteilung als auch bei den Gesamtemissionen von Treibhausgasen in dieser Kette zwischen Erdgas und leichtem Heizöl keine großen Unterschiede. Und weiter schlussfolgern die Stuttgarter Forscher: Heizen mit Erdgas ist nicht Klima schonender als Heizen mit leichten Heizöl.
Der Energie Informationsdienst (EID) kommentierte die Fichtner-Studie so: "Diese Betrachtungsweise (...) sollte den nationalen Regierungen und lokalen Verwaltungen zu denken geben, die bisher Erdgas wegen seiner angeblich alleinigen Umweltfreundlichkeit unter den fossilen Energieträgern mit steuerlichen Erleichterungen und Anschlusszwängen bevorzugt haben. Der Klimaschutz ist eine weltweite Aufgabe, also muss man bei den einzelnen Energieträgern auch ihre weltweiten Emissionen berücksichtigen, denn es macht wenig Sinn, an einer Stelle klimarelevante Emissionen zu senken und sie an anderer Stelle zu erhöhen. Und man darf nicht übersehen, dass nicht allein CO2 zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt. Das tut Methan in viel stärkerer Weise."