Energieanalyse aus dem Verbrauch kann die energetische Gebäudesanierung fördern
Dass sich Eigentümer mit energetischen Sanierungen schwer tun, hat auch etwas mit Schwellenängsten zu tun: „Wenn ich jemanden zur Beratung bestelle, erwartet er auch einen Auftrag.“ Und etwas mit Misstrauen: „Wenn hinter dem Berater eine Kesselfirma steht, will er mir eine Heizung verkaufen, wenn ein Fassadenunternehmen dahinter steht, soll ich dämmen.“ Ein neues Verfahren der Hochschulen Magdeburg und Wolfenbüttel, die Energieanalyse aus dem Verbrauch, nimmt diese Sorgen.
Die Energieanalyse aus dem Verbrauch rastert den energetischen Zustand von Gebäuden nicht grob in gut, mittel und schlecht ein; vielmehr ist sie mit Mathematik, Physik und Statistik in der Lage, aus einer Verbrauchsreihe, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen muss, konkrete Aussagen beispielsweise zum Lüftungsverhalten, zu den Transmissionswärmeverlusten, zur Heizung, zum Verbraucherverhalten zu machen. (Bild: Senercon / Kati Jagnow)
Vertreter oder Berater? Sensible Kunden spüren sofort die Absicht vieler Gespräche, nämlich dass mehr der schnelle Verkauf des Produkts im Vordergrund steht, weniger die Effizienz der Maßnahme. Solche Empfinden lösen natürlich nicht den Sanierungsstau. Die Empfehlung des Planers oder Heizungsbauers, der Erneuerung eine interaktive Selbstdiagnose vorzuschalten, ist dagegen ein Indikator für Seriosität und Kompetenz – und damit auch der erfolgreiche Ansatz für eine Auftragserteilung. Die Langzeit-Diagnose – ideal über eine Heizperiode gestreckt, es geht aber wohl auch kürzer – dürfte in der Regel in eine Therapie einmünden.
Ein intelligentes Werkzeug für solch eine Analyse entwickelten jetzt branchenkundige Hochschulmitarbeiter. Ihre Methode zieht aus erfassten Energieverbräuchen beziehungsweise im Turnus erfassten Zählerständen wissenschaftlich untermauerte Schlüsse. Das Verfahren ist nach seiner Konzeption benannt: EAV – Energieanalyse aus dem Verbrauch. Ergebnis: Am Ende einer mehrmonatigen Messperiode gibt es dem potenziellen Kunden tendenziell Aufschluss darüber, welche bauphysikalischen beziehungsweise haustechnischen Leckagen an der hohen Gas- oder Ölrechnung Schuld tragen – wenn es denn so ist.
Zuarbeit durch „Optimus"
Beim flüchtigen Lesen oder Zuhören stellt sich die Frage, was daran neu ist. Der Verbrauchsausweis nach EnEV spricht doch schon immer seine Modernisierungsempfehlungen nach den letztjährigen individuellen Brennstoffkosten aus. Das ist richtig, die Verordnung schaut sich den objektspezifischen Endenergieverbrauch an. Nur belässt sie erstens die Bewertung des Verbrauchs der Qualität und der Zielsetzung des Auswerters und zweitens begnügt sie sich mit einer einzigen, über zwölf Monate gemittelten Angabe zu den Kilowattstunden je Quadratmeter Gebäudenutzfläche und Jahr. In beiden Punkten steckt ein hohes Potenzial an Möglichkeiten der Fehlinterpretation. Schaut man sich die tatsächlichen Einspareffekte vorher / nachher an, decken die sich in vielen Fällen nicht mit den Versprechungen von 20, 30 oder noch mehr Prozent.
Auf der anderen Seite hat schon vor einigen Jahren die „Optimus“-Studie in einem größeren Feldversuch mit mehreren Wohneinheiten nachgewiesen, dass mit geringinvestiven Mitteln, zum Beispiel mit einer besseren Abstimmung der Einzelkomponenten, erhebliche Energieeinsparungen möglich sind. Die
Hochschule Ostfalia (Braunschweig / Wolfenbüttel) beziehungsweise das dortige Team um Prof. Dr.-Ing. Dieter
Wolff hat dazu umfangreiche Informationen gesammelt und diese Erfassung fortgesetzt. Die addierten sich bis heute zu einigen hundert Häusern mit Angaben zu Anzahl der Bewohner, Ausstattung, Brennstoff, zentrale oder dezentrale Warmwasserbereitung, Verbrauch vorher / nachher usw. auf. Diesen Datenpool haben sich die Experten jetzt erneut vorgenommen.
Mehr dazu lesen Sie im neuen HeizungsJournal (Heft 7-8, Juli/August 2012).
Weitere Beiträge im neuen Heft: - Wärmepumpen im Fokus – Qualität bei Produkten,Planung und Installation ist entscheidend für Markterfolg
- Monitoring als Basis für reduzierten Energieverbrauch – Automatische Wasser- und Wärmemengenerfassung sorgt für geändertes Verbraucherverhalten
- Dr. Friedrich-Karl Läge: „Auf ganzer Fläche fortschrittlicher heizen und kühlen – Beispielhaft Neues von den Frühjahrsmessen 2012“, Teil 2
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