Energetische Modernisierung im Westfälischen Schulmuseum - Dezentrales Pumpensystem überzeugt mit automatischer bedarfsgerechter Regelung, wirtschaftliche Alternative zur Gebäudedämmung und Heizenergieeinsparung bringt deutliche Kostenentlastung für städtischen Haushalt.
Insgesamt 65 „Geniax“-Pumpen sorgen für die bedarfsgerechte Wärmeverteilung im Museum. Da eine Außendämmung des denkmalgeschützten Gebäude nicht in Frage kam, bot die Umstellung der Wärmeverteilung auf das Dezentrale Pumpensystem beste Chancen für eine wirtschaftliche und energiesparende Modernisierung. Bild: WILO
Die seit Jahren steigenden Energiepreise machen auch und gerade im kommunalen Immobilienbestand hohen Sanierungsbedarf deutlich. Viele Gebäude sind energietechnisch nicht auf dem neuesten Stand, hohe Betriebskosten belasten die öffentlichen Kassen. Dadurch fehlen dann wiederum die Gelder für gezielte Investitionen in die Energieeffizienz. Oft genug bleiben dem örtlichen Handwerk damit lukrative Aufträge verwehrt.
Die Mittel des 2009 gestarteten Konjunkturpakets II der Bundesregierung erlaubten jedoch zahlreichen Kommunen, einige besonders dringende Sanierungsprojekte anzuschieben. So beschloss das städtische Immobilienmanagement der Stadt Dortmund die energetische Sanierung des Westfälischen Schulmuseums. Das denkmalgeschützte Gebäude in schwerer Bauart entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Energieeffizienz. Aufgrund des Denkmalschutzes kam eine Außendämmung der Fassade jedoch nicht in Frage.
Daher wurde unter anderem die Heizungsanlage auf den neuesten Stand gebracht. Dank der Teilfinanzierung aus dem Konjunkturpaket konnten die Modernisierungsarbeiten am Schulmuseum schnell begonnen werden. Bei der Ausführung kam mit der Alfred Pieper GmbH aus Hamm – ganz im Sinne des Konjunkturpakets II – ein regionaler Fachhandwerksbetrieb zum Zuge.
Energiesparende Bedarfsheizung
Die Wärmeversorgung im Schulmuseum rüstete man auf das Dezentrale Pumpensystem „Wilo-Geniax“ des Dortmunder Pumpenspezialisten WILO SE um. Es passt die Wärmeverteilung genau an den Bedarf der Raumnutzer an. Dabei versorgen jeweils Miniaturpumpen jede Heizfläche bzw. jeden Heizkreis separat mit Heizwasser. Thermostatventile, wie sie in konventionellen Heizsystemen zur Regelung des Massenstroms verwendet werden, sind überflüssig. Die „Geniax“-Pumpen fördern genau soviel Wärme, wie man im Raum benötigt, um eingestellte Solltemperaturen zu erreichen. Durch seine bedarfsgerechte Regelung spart das System viel Heizenergie und Kosten ein und entlastet so die öffentliche Kasse langfristig.
Im Zuge der Modernisierung wurde der alte Wärmeerzeuger ausgemustert und durch einen effizienten Gasbrennwertkessel ersetzt. Das alte Rohrnetz blieb bestehen, doch ersetzte man die alten Heizkörper durch zeitgemäße Modelle. Auf 33 Räume des vierstöckigen Gebäudes verteilen sich die insgesamt 65 Heizkörper, an denen jeweils eine „Geniax“-Pumpe arbeitet.
Unter Kosten-Nutzen-Blickwinkel erwies sich daher neben der Erneuerung des Wärmeerzeugers auch die Umstellung der Wärmeverteilung auf das Dezentrale Pumpensystem als besonders geeignete Maßnahme der energetischen Optimierung. Nach einer von der Stadt Dortmund durchgeführten Wirtschaftlichkeitsberechnung können rund 29 % der für das Schulmuseum erforderlichen Heizenergie eingespart werden. Dies entspricht einer Heizkostenentlastung von über 5.500 Euro pro Jahr.
„Wir haben bewusst ein dezentrales Pumpensystem für das Westfälische Schulmuseum gewählt. Denn die zeitlich begrenzte tägliche Nutzung der Immobilie spricht für eine solche Bedarfsheizung“, erläutert Reiner Limberg, Betriebsleiter der Städtischen Immobilienwirtschaft der Stadt Dortmund. Gleichzeitig sollen die Erfahrungen mit diesem neuen System genutzt werden, um einen Einsatz in weiteren städtischen Immobilien vorzubereiten. „Darüber hinaus verdeutlichen wir mit der Installation des Dezentralen Pumpensystems aber auch die Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts Dortmund“, betont der Leiter der Städtischen Immobilienwirtschaft.
Intelligentes System
Die intelligente Regelung des Dezentralen Pumpensystems erweist sich als optimale Lösung für die Wärmeverteilung im Schulmuseum. Durch die Verbindung des „Geniax“-Servers mit dem neuen Wärmeerzeuger über eine 0-10 V-Schnittstelle ist eine bedarfsgeführte Regelung der Vorlauftemperatur möglich. Das reduziert auch Wärmeverluste in Wärmeerzeuger und Rohrnetz. Gerade dieser Aspekt spielte bei der Modernisierung des Schulmuseums eine ausschlaggebende Rolle. Denn ohne effiziente Dämmung der Gebäudehülle fallen Wärmeverluste in den Rohrleitungen entsprechend höher aus.
Zur Temperaturerfassung der einzelnen Räume kommen im Schulmuseum Dortmund Raumtemperatursensoren zum Einsatz. Die „Ambient Sensors“ übermitteln die Ist-Raumtemperatur im jeweiligen Raum an den „Geniax“-Server. Dieser gleicht die Ist-Temperatur mit der für den jeweiligen Raum eingestellten Soll-Temperatur ab und regelt dementsprechend die „Geniax“-Pumpen. Die Raumtemperatursensoren ohne Bedienfunktion stellen bei den Investitionskosten eine besonders wirtschaftliche Alternative zu Raumbediengeräten dar. Zudem verhindern sie nicht gewünschte Eingriffe der Besucher und Mitarbeiter in das System.
Die Anpassungen von Temperatur- und Zeitprofilen für einzelne Räume sowie das ganze Gebäude nimmt der Hausmeister schnell und bequem über eine zentrale Bedienoberfläche in der Heizzentrale vor. Das System ist zudem an die Gebäudeleittechnik der Stadt Dortmund angebunden, die so das Objekt auch per Fernzugriff steuern kann. Dabei ist „Wilo-Geniax“ über ein systemeigenes BACnet-Modul auf die Leittechnik aufgeschaltet.
Beachtliche Resultate
Die aus den Sanierungen resultierenden Effekte nutzen sowohl dem Klima als auch dem städtischen Haushalt und der Wirtschaft: Der Einsatz von „Wilo-Geniax“ reduziert den jährlichen CO2-Ausstoß um rund zehn Tonnen bzw. 29 %. Die errechnete Heizenergieeinsparung von ebenfalls 29 % erspart der Stadt Dortmund Betriebskosten von circa 5.500 Euro pro Jahr. Damit wird sich das System in weniger als sieben Jahren amortisiert haben und anschließend eine deutliche Entlastung des städtischen Haushalts bringen. Dadurch werden mittelfristig wieder Gelder für weitere Sanierungsprojekte frei, von denen das lokale Fachhandwerk profitiert.