Bei dem folgenden Fachartikel handelt es sich um einen Beitrag, der im Rahmen des 34. Internationalen Uponor Kongresses vorgestellt wurde. Die Veranstaltung vom 18. bis 23. März 2012 stand unter dem Motto „Energetische Sanierung 3.0“. Rund 200 Teilnehmer aus Ingenieur- und Architekturbüros, Anlagenbaubetrieben sowie Vertretern der Wohnungswirtschaft diskutierten im österreichischen St. Christoph am Arlberg die Zukunft der energetischen Gebäudesanierung im Spannungsfeld zwischen politischen und ökologischen Rahmenbedingungen sowie wirtschaftlichen Aspekten.
Informationen, Interviews, Berichte und Fachbeiträge rund um die Wärmeerzeugung und -verteilung. Heizen mit konventionellen und alternativen Energieträgern. Über all diese Themen informiert das neue HeizungsJournal.
Die Planung anspruchsvoller Sanierungskonzepte
steht im Spannungsfeld politischer
Rahmenbedingungen, steigender Energiekosten
und der Verknappung der Primärenergieträger
sowie der Forderung nach
einem hohen Nutzungskomfort. Gleichzeitig
soll das Sanierungsprojekt auch wirtschaftlich
nachhaltig sein. Die Informationsflut,
eine breite Auswahl an Sanierungskonzepten
und verfügbaren gebäudetechnischen
Lösungen sowie persönliche Präferenzen der Projektbeteiligten und vielfältige Erwartungen an das spezielle Projekt
machen es zudem schwierig, eine Entscheidung
für eine optimale Kombination
zu finden.
Dieser Artikel stellt in diesem komplexen
Kontext zunächst einige möglichst objektive
Eckdaten zusammen und versucht
darauf basierend, Grundsätze zur Auswahl
von Sanierungsvarianten zu entwickeln.
Die Auswahl soll dabei einerseits den
energiewirtschaftlichen Grundforderungen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit
und Umweltverträglichkeit folgen. Andererseits
sind im Kontext nachhaltigen Bauens
in diesem Zusammenhang auch die
Aspekte Behaglichkeit und Ressourcenschonung
zu berücksichtigen [DGNB 2012].
Eine gemeinsame Bewertung von Gebäude
beziehungsweise Bauphysik und Anlagentechnik
gelingt mit einer gemeinsamen
Darstellung von Komfort (Nutzer), Nutzenergiebedarf (Gebäudestandard) und Primärenergiebedarf
(Anlageneffizienz) getrennt
für den Heiz- und Kühlfall [Kalz 2010].
Motivation: EnEV 2009
Die Europäische Gemeinschaft fordert in
der Richtlinie 2010 / 31 / EU vom 19. Mai
2010 über die Gesamtenergieeffizienz von
Gebäuden EPBD 2010, „den Energieverbrauch
in der Union bis 2020 um 20 Prozent
zu senken“ und fordert in Artikel 9 konkret,
dass „die Mitgliedstaaten gewährleisten,
dass bis 31. Dezember 2020 alle neuen
Gebäude Niedrigstenergiegebäude sind.“
Als nationale Umsetzung der EPBD fordert
das Energieeinsparungsgesetz (aktuelle
Fassung: EnEG 2009) einen energiesparenden
Wärmeschutz bei zu errichtenden Gebäuden,
eine energiesparende Anlagentechnik
bei Gebäuden und einen energiesparenden Betrieb von Anlagen, definiert
Anforderungen an bestehende Gebäude
und führt den Energieausweis ein. Die
Energieeinsparverordnung EnEV regelt die
praktische Umsetzung dieser politischen
Forderung.
Die EnEV löste mit Inkrafttreten
die Wärmeschutzverordnung (WSchV) und die Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV)
ab und fasste sie zusammen. In den beiden
Fassungen EnEV 2002 und EnEV 2004
wurde zunächst nur der Primärenergiebedarf
für die Heizung begrenzt. Mit Inkrafttreten
der EnEV 2007 wurde die primärenergetische Gesamtbilanzierung für Heizung,
Kühlung, Lüftung und Beleuchtung
eingeführt. Gleichzeitig wurde das so genannte
Referenzgebäudeverfahren eingeführt,
um die komplexen Anforderungen
aus der Gesamtbilanzierung bewerten zu
können. Als Rechenverfahren ist seitdem
die DIN V 18599 (aktuelle Fassung vom Dezember
2011) für Wohn- und Nichtwohngebäude
und als alter natives Rechenverfahren
für Wohngebäude auch die DIN V
4108-6 in Verbindung mit der DIN V 4701-
10 in der Fassung vom Juni bzw. August
2003 vereinbart. Die EnEV 2009 hat die
Anforderungen an Gebäude und Anlagentechnik
verschärft. Die nächste Fassung
EnEV 2012 ist bereits angekündigt und wird
der Forderung nach einer weiteren Reduzierung des Energiebedarfs für den Gebäudebetrieb entsprechen.
Mehr dazu lesen Sie im neuen HeizungsJournal (Heft 11, November 2012).
Weitere Beiträge im neuen Heft:
- Heizöl setzt auf Innovationen – Potenziale bei Brennwerttechnik, Wärmepumpen und Kraft-Wärme-Kopplung
- Lüftung stärker in Neubau und Sanierung integrieren – 4. Forum Wohnungslüftung fordert Regelung in EnEV 2013
- Dipl.-Ing. Joachim Plate: „Wissen rund um die Flächentemperierung – Flächenheizung und Flächenkühlung in der Sanierung“
- TRF 2012 – Übersichtlich handhabbares Regelwerk für Flüssiggasanlagen
- Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Andreas Schneider: „Frequently Asked Questions – Fragen und Antworten zur kontrollierten Wohnraumlüftung“
- Dünnschichtige Warmwasser-Fußbodenheizungen für die Altbausanierung
- Smarte Prozesse im Handwerk – Kaufmännisch-organisatorische Software für SHK-Fachbetriebe
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