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News vom 14.12.2012

„Der Wärmemarkt ist politisch unterrepräsentiert“
Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Stephan Eisenbeiß, Eisenbeiß Solar AG

„ … Die Energiewende managen“, unter diesem Motto stand die 13. Energiefachmesse Renexpo in Augsburg. Ende September 2012 haben hier etwa 300 Unternehmen über Mittel und Wege zu einer regenerativen Energieversorgung informiert. Denn jeden Einzelnen stellt die Umgestaltung der Energieversorgung vor besondere Herausforderungen.

Stephan Eisenbeiß (re) im Gespräch mit Heizungsjournal-Redakteur Jörg Gamperling auf der Renexpo 2012 in Augsburg.
Stephan Eisenbeiß (re) im Gespräch mit Heizungsjournal-Redakteur Jörg Gamperling auf der Renexpo 2012 in Augsburg.
Da gilt es zum einen, Energie zu sparen, richtig und effizient zu wirtschaften sowie zum anderen die heimische Energieversorgung mittelfristig auf Erneuerbare Energien umzustellen. Jeder kann hier nach dem Prinzip „Global denken, lokal handeln“ mitwirken. Problem: Die genannten und allgemein anerkannten Strategien werden derzeit häufig nur im Zusammenhang mit dem Strombereich diskutiert. Oft werden die enormen Potentiale einer nachhaltigen, regenerativen Erzeugung von Wärme für Heizung und Brauchwarmwasser sowie der energetischen Sanierung von Altbauten (bewusst) ausgeblendet.

In einem Messe-Gespräch hat Stephan Eisenbeiß, Gründer der Eisenbeiß Solar AG, der sich seit fast zwei Jahrzehnten aktiv mit dem Thema einer nachhaltigen und ökologischen Wärmeversorgung beschäftigt und identifiziert, dem HeizungsJournal erläutert, was er in der SHK-Branche vermisst und was sich dringend ändern muss.

  • Herr Eisenbeiß, was hat Sie dazu bewogen, sich den Themen regenerative Wärmeerzeugung sowie optimierte Wärmenutzung zu verschreiben? Welches Schlüsselerlebnis gab hierfür den entscheidenden Impuls?

Ein wichtiger Beweggrund für meine heutige Tätigkeit war vor allem der praktische Erfahrungsschatz, den ich mir während meiner Gutachtertätigkeit angeeignet habe. Denn als Gutachter habe ich nur schlechte Anlagen gesehen und erkannt, wie es dauerhaft nicht funktionieren kann. Daran wollen wir gemeinsam etwas ändern, das ist die Haupttriebfeder unserer Tätigkeiten im Unternehmen.

  • Die gemeinnützige co2online GmbH veröffentlicht quartalsweise ein „Klima- Barometer“. Ergebnis des aktuellen„Klima-Barometers“ mit 1.200 teil nehmenden Verbrauchern: „Bei fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten läuft die eigene Heizung nicht einwandfrei und effizient.“ Auch wenn die Feststellungen der Verbraucher subjektiv geprägt sein mögen, so entspringen diese doch einem Gefühl der thermischen Unbehaglichkeit und einer Unzufriedenheit mit der installierten Anlagentechnik. Was muss getan werden, um das Symptom des unzufriedenen Kunden in der SHK-Branche dauerhaft in den Griff zu bekommen?

Jeder in unserer Branche kennt dieses Problem. Jeder weiß, dass die Wärmebranche ein schlechtes Image bei den Verbrauchern hat. Aber bewegen tut sich hier gar nichts. Denn das Problem zu erkennen, heißt noch lange nicht, dass man es auch langfristig und zur Zufriedenheit aller Beteiligter beziehungsweise des Verbrauchers, des Gebäudenutzers löst. Die Frage lautet also vielmehr: Warum tun wir uns in der Branche so schwer, etwas zu bewegen? Der Punkt ist: Es geht nur miteinander. Das müssen Architekten, Planer und Handwerker endlich verstehen. Will man erfolgreich und effizient arbeitende gebäudetechnische Systeme bauen, so muss man in der Praxis danach handeln. Um das Dauerthema der unzufriedenen Kunden in den Griff zu bekommen, muss sich also zunächst in den Köpfen der Projektpartner etwas ändern: Ein funktionierendes System, und damit einen zufriedenen Kunden gibt es dann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und den langfristigen Erfolg des Projektes in den Vordergrund stellt – nicht die eigenen, kurzfristig monetären Interessen.

  • Existieren Möglichkeiten, um das beschriebene Umdenken zu beschleunigen? Wie bekommt man Planer, Architekten und SHK-Handwerker dazu, nicht gegeneinander, sondern endlich miteinander zu arbeiten?

Dieses Unterfangen ist äußerst schwierig, denn man hat hier mit sehr unterschiedlichen Individuen zu tun. So, wie Gebäude sehr unterschiedlich sind und man beispielsweise bei energetischen Sanierungen individuelle Lösungen suchen muss, so muss man auch sehr individuell auf sein Gegen - über, den jeweiligen Menschen eingehen.

Jeder Planer, jeder Architekt und jeder Handwerker hat seine ganz eigenen Methoden und auch eigene Vorstellungen darüber, wie ein Bauvorhaben abgewickelt werden soll, denn jeder hat seine Rechte und Pflichten. Gemeinsam schulden sie dem Eigentümer, Bauherrn oder Investor jedoch eines, nämlich die einwandfreie Funktion des Gebäudes, und damit auch der Versorgungstechnik.

Es gilt also in der Praxis, aufeinander zuzugehen, zu kommunizieren, Probleme in der Planung / Ausführung offen anzusprechen und vor allem gemeinsam konstruktive Lösungen zu entwickeln.

  • Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projekte und zufriedene Kunden sind also auch in der Heizungs-, Lüftungs-,Klima- und Sanitärtechnikbranche die so genannten „soft skills“ –die soziale Kompetenz?

Absolut. Vernetztes und fächer- beziehungsweise gewerkeübergreifendes Denken ist die tragende Säule erfolgreicher Projekte. Der integrale Planungsansatz in der Gebäudetechnik, mit dem Gebäudenutzer im Zentrum, greift diese Überlegung mit auf. Hier geht es vor allem auch darum, den zeitlichen Ablauf und die gemeinsamen Abstimmungen zwischen den Beteiligten optimal zu koordinieren. Vernetzt und integriert denken, das heißt, gemeinsam planen und handeln: Durch eine solche Arbeitsweise können langfristig Kosten gespart werden. Denn es werden neben technischen und ökologischen auch ökonomische Inhalte geklärt.

  • Bleibt der Handwerker, das ausführende Unternehmen bei diesem Ansatz nicht irgendwo auf der Strecke? Schließlich handelt es sich ja um einen Planungsansatz.

Ganz im Gegenteil. Wie gesagt, es kann nur ein Miteinander sein, das zu einer Verbesserung der heutigen Situation führt. Da gehört der Handwerker dazu – mit dem Blick für die Praxis, die praktische Umsetzbarkeit. Ein anderes Problem ist aber die Tat sache, dass beispielsweise der Heizungsbauer beziehungsweise das Gewerk Heizungsbau heute nichts mehr kosten darf. Oder anders formuliert: Die Heizungsan lage muss günstig und schnell installiert sein. Es handelt sich hierbei um eine gefährliche Preiskampfspirale abwärts. Dass das unfair und mit dem genannten integralen Ansatz im Grunde nicht zu vereinbaren ist, versteht sich eigentlich von selbst. Diesen Trend gilt es, zu durchbrechen. Vernünftige Heizungsbauer dürfen bei diesem Spiel nicht weiter mitmachen, sondern, endlich ihre Schlüssel - position erkennen. Ganz einfach nach dem Motto: Ohne Heizung kein Gebäude. Der Handwerker muss aktiv werden und zukunftsweisende Lösungen für die Wärmeversorgung anbieten, beraten, kompetent sein.

  • Das hört sich vernünftig an, aber sind Heizungsbauer derzeit angesichts der Masse an Systemen und Möglichkeiten hier nicht permanent überlastet?

In der Tat stehen die Handwerker massiv unter Druck. Das hängt damit zusammen, dass das Wärmethema komplex ist. Viel komplexer als beispielsweise die PV-Technik, diese ist vergleichsweise einfach gestrickt. Und so kommt es zu dem Umstand, dass eine Technik wie die Photovoltaik, welche nur einen schlechten Wirkungsgrad aufweist, der Solarthermie auf dem Dach vorgezogen wird. Hier wird außerdem Eines deutlich: Der Wärmemarkt ist politisch unterrepräsentiert. Die vergleichsweise junge PV-Branche ist viel besser aufgestellt, verschafft sich eindrucksvoller Gehör. Was die Wärmebranche braucht, ist ein Konzept. Ein Konzept, das letztendlich auch dem Handwerker dabei hilft, der permanenten Überlastung zu entgehen. Eine solche Entlastung führt dann dazu, dass sich der Handwerker aktiv in die Konzeption und Planung einschalten kann. Ergebnis: Mehr Zeit für den Kunden, verbessertes Image.

  • Das heißt: Lernen von der Photovoltaik und Systeme anbieten, welche nach dem Schema „plug and play“ arbeiten?

Nein, wir wollen Systeme anbieten, die nach dem Prinzip des „plug and heat“ funktionieren. Klar ist uns dabei aber auch Eines: Jedes Gebäude ist individuell. Eine Heizlösung, die in allen Gebäuden erfolgreich angewandt werden kann, gibt es somit nicht. Soll Wärme in Gebäuden, Häusern und Wohnungen auch zukünftig vernünftig erzeugt und genutzt werden, so muss ein ausgewogener Energiemix vorgesehen werden. Wirtschaftlich nutzbar wird dieser Energiemix aber nur durch ein offenes Hybridsystem als verbindende Komponente. Mit unseren Systemen wollen wir zwischen den einzelnen Wärmelieferanten Brücken schlagen und den Verbrauchern somit verlässliche Antworten auf ihre Fragen zu einer langfristig sicheren, verantwortbaren und bezahlbaren Wärmeversorgung geben.

  • Das Lösungskonzept für eine zukunftssichere Wärmeversorgung lautet also Systemoffenheit?

Die Lösung besteht darin, unterschiedliche Systeme richtig zu verknüpfen, zu kombinieren und zu integrieren, damit sie ihr volles Potential ausschöpfen können. Denn ein moderner Solarthermiekollektor kann zum Beispiel viel mehr, als nur Brauchwarmwasser zu erzeugen. Wir können so sehr wohl zeigen, dass sich ökologische Investitionen mit einem wirtschaftlichen Nutzen vereinbaren lassen. Um jedoch eine erfolgreiche Integration verschiedener Energiequellen gewährleisten zu können, bedarf es natürlich eines hochkomplexen Systems, einer leistungsfähigen Verknüpfung ausgereifter Hard- und Softwarekomponenten. Ein System, das die erzeugte Wärme nicht nur speichert, sondern echt verwaltet und auch effizient einem Verbrauch zuführen kann.

[Das Gespräch führte Jörg Gamperling]

Weitere Informationen finden Sie unter www.eisenbeiss-solar.com

 

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