„ … Die Energiewende managen“, unter diesem Motto stand die 13. Energiefachmesse Renexpo in Augsburg. Ende September 2012 haben hier etwa 300 Unternehmen über Mittel und Wege zu einer regenerativen Energieversorgung informiert. Denn jeden Einzelnen stellt die Umgestaltung der Energieversorgung vor besondere Herausforderungen.
Stephan Eisenbeiß (re) im Gespräch mit Heizungsjournal-Redakteur Jörg Gamperling auf der Renexpo 2012 in Augsburg.
Da gilt es zum einen,
Energie zu sparen, richtig und effizient
zu wirtschaften sowie zum anderen
die heimische Energieversorgung mittelfristig
auf Erneuerbare Energien
umzustellen. Jeder kann hier nach dem
Prinzip „Global denken, lokal handeln“
mitwirken. Problem: Die genannten
und allgemein anerkannten Strategien
werden derzeit häufig nur im Zusammenhang
mit dem Strombereich
diskutiert. Oft werden die enormen
Potentiale einer nachhaltigen, regenerativen Erzeugung von Wärme für Heizung
und Brauchwarmwasser sowie
der energetischen Sanierung von Altbauten
(bewusst) ausgeblendet.
In einem Messe-Gespräch hat
Stephan
Eisenbeiß, Gründer der Eisenbeiß Solar
AG, der sich seit fast zwei Jahrzehnten
aktiv mit dem Thema einer nachhaltigen und ökologischen Wärmeversorgung
beschäftigt und identifiziert,
dem HeizungsJournal erläutert, was
er in der SHK-Branche vermisst und
was sich dringend ändern muss.
- Herr Eisenbeiß, was hat Sie dazu bewogen, sich den Themen regenerative Wärmeerzeugung sowie optimierte Wärmenutzung zu verschreiben? Welches Schlüsselerlebnis gab hierfür den entscheidenden Impuls?
Ein wichtiger Beweggrund für meine heutige
Tätigkeit war vor allem der praktische
Erfahrungsschatz, den ich mir während
meiner Gutachtertätigkeit angeeignet habe.
Denn als Gutachter habe ich nur schlechte
Anlagen gesehen und erkannt, wie es dauerhaft
nicht funktionieren kann. Daran
wollen wir gemeinsam etwas ändern, das
ist die Haupttriebfeder unserer Tätigkeiten
im Unternehmen.
- Die gemeinnützige co2online GmbH veröffentlicht quartalsweise ein „Klima- Barometer“. Ergebnis des aktuellen„Klima-Barometers“ mit 1.200 teil nehmenden Verbrauchern: „Bei fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten läuft die eigene Heizung nicht einwandfrei und effizient.“ Auch wenn die Feststellungen der Verbraucher subjektiv geprägt sein mögen, so entspringen diese doch einem Gefühl der thermischen Unbehaglichkeit und einer Unzufriedenheit mit der installierten Anlagentechnik. Was muss getan werden, um das Symptom des unzufriedenen Kunden in der SHK-Branche dauerhaft in den Griff zu bekommen?
Jeder in unserer Branche kennt dieses Problem.
Jeder weiß, dass die Wärmebranche
ein schlechtes Image bei den Verbrauchern
hat. Aber bewegen tut sich hier gar nichts.
Denn das Problem zu erkennen, heißt
noch lange nicht, dass man es auch langfristig
und zur Zufriedenheit aller Beteiligter
beziehungsweise des Verbrauchers,
des Gebäudenutzers löst. Die Frage lautet
also vielmehr: Warum tun wir uns in der
Branche so schwer, etwas zu bewegen?
Der Punkt ist: Es geht nur miteinander. Das
müssen Architekten, Planer und Handwerker endlich verstehen. Will man erfolgreich
und effizient arbeitende gebäudetechnische
Systeme bauen, so muss man
in der Praxis danach handeln. Um das Dauerthema
der unzufriedenen Kunden in
den Griff zu bekommen, muss sich also
zunächst in den Köpfen der Projektpartner
etwas ändern: Ein funktionierendes
System, und damit einen zufriedenen Kunden
gibt es dann, wenn man gemeinsam
an einem Strang zieht und den langfristigen
Erfolg des Projektes in den Vordergrund
stellt – nicht die eigenen, kurzfristig
monetären Interessen.
- Existieren Möglichkeiten, um das beschriebene Umdenken zu beschleunigen? Wie bekommt man Planer, Architekten und SHK-Handwerker dazu, nicht gegeneinander, sondern endlich miteinander zu arbeiten?
Dieses Unterfangen ist äußerst schwierig,
denn man hat hier mit sehr unterschiedlichen
Individuen zu tun. So, wie Gebäude
sehr unterschiedlich sind und man beispielsweise
bei energetischen Sanierungen individuelle
Lösungen suchen muss, so muss
man auch sehr individuell auf sein Gegen -
über, den jeweiligen Menschen eingehen.
Jeder Planer, jeder Architekt und jeder
Handwerker hat seine ganz eigenen Methoden
und auch eigene Vorstellungen darüber,
wie ein Bauvorhaben abgewickelt
werden soll, denn jeder hat seine Rechte
und Pflichten. Gemeinsam schulden sie dem
Eigentümer, Bauherrn oder Investor jedoch
eines, nämlich die einwandfreie Funktion
des Gebäudes, und damit auch der Versorgungstechnik.
Es gilt also in der Praxis, aufeinander
zuzugehen, zu kommunizieren,
Probleme in der Planung / Ausführung offen
anzusprechen und vor allem gemeinsam
konstruktive Lösungen zu entwickeln.
- Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projekte und zufriedene Kunden sind also auch in der Heizungs-, Lüftungs-,Klima- und Sanitärtechnikbranche die so genannten „soft skills“ –die soziale Kompetenz?
Absolut. Vernetztes und fächer- beziehungsweise
gewerkeübergreifendes Denken ist die
tragende Säule erfolgreicher Projekte. Der integrale
Planungsansatz in der Gebäudetechnik,
mit dem Gebäudenutzer im Zentrum,
greift diese Überlegung mit auf. Hier geht es
vor allem auch darum, den zeitlichen Ablauf
und die gemeinsamen Abstimmungen zwischen
den Beteiligten optimal zu koordinieren.
Vernetzt und integriert denken, das
heißt, gemeinsam planen und handeln:
Durch eine solche Arbeitsweise können
langfristig Kosten gespart werden. Denn es
werden neben technischen und ökologischen
auch ökonomische Inhalte geklärt.
- Bleibt der Handwerker, das ausführende Unternehmen bei diesem Ansatz nicht irgendwo auf der Strecke? Schließlich handelt es sich ja um einen Planungsansatz.
Ganz im Gegenteil. Wie gesagt, es kann nur
ein Miteinander sein, das zu einer Verbesserung
der heutigen Situation führt. Da gehört
der Handwerker dazu – mit dem Blick
für die Praxis, die praktische Umsetzbarkeit.
Ein anderes Problem ist aber die Tat sache,
dass beispielsweise der Heizungsbauer beziehungsweise
das Gewerk Heizungsbau
heute nichts mehr kosten darf. Oder anders
formuliert: Die Heizungsan lage muss
günstig und schnell installiert sein. Es
handelt sich hierbei um eine gefährliche
Preiskampfspirale abwärts. Dass das unfair
und mit dem genannten integralen Ansatz
im Grunde nicht zu vereinbaren ist, versteht
sich eigentlich von selbst. Diesen Trend gilt
es, zu durchbrechen. Vernünftige Heizungsbauer
dürfen bei diesem Spiel nicht weiter
mitmachen, sondern, endlich ihre Schlüssel -
position erkennen. Ganz einfach nach dem
Motto: Ohne Heizung kein Gebäude. Der
Handwerker muss aktiv werden und zukunftsweisende
Lösungen für die Wärmeversorgung
anbieten, beraten, kompetent sein.
- Das hört sich vernünftig an, aber sind Heizungsbauer derzeit angesichts der Masse an Systemen und Möglichkeiten hier nicht permanent überlastet?
In der Tat stehen die Handwerker massiv
unter Druck. Das hängt damit zusammen,
dass das Wärmethema komplex ist. Viel komplexer
als beispielsweise die PV-Technik,
diese ist vergleichsweise einfach gestrickt.
Und so kommt es zu dem Umstand, dass
eine Technik wie die Photovoltaik, welche
nur einen schlechten Wirkungsgrad aufweist,
der Solarthermie auf dem Dach vorgezogen
wird. Hier wird außerdem Eines
deutlich: Der Wärmemarkt ist politisch unterrepräsentiert.
Die vergleichsweise junge
PV-Branche ist viel besser aufgestellt, verschafft
sich eindrucksvoller Gehör.
Was die Wärmebranche braucht, ist ein
Konzept. Ein Konzept, das letztendlich
auch dem Handwerker dabei hilft, der permanenten
Überlastung zu entgehen. Eine
solche Entlastung führt dann dazu, dass
sich der Handwerker aktiv in die Konzeption und Planung einschalten kann. Ergebnis:
Mehr Zeit für den Kunden, verbessertes
Image.
- Das heißt: Lernen von der Photovoltaik und Systeme anbieten, welche nach dem Schema „plug and play“ arbeiten?
Nein, wir wollen Systeme anbieten, die nach
dem Prinzip des „plug and heat“ funktionieren.
Klar ist uns dabei aber auch Eines:
Jedes Gebäude ist individuell. Eine Heizlösung,
die in allen Gebäuden erfolgreich angewandt
werden kann, gibt es somit nicht.
Soll Wärme in Gebäuden, Häusern und
Wohnungen auch zukünftig vernünftig erzeugt
und genutzt werden, so muss ein
ausgewogener Energiemix vorgesehen werden.
Wirtschaftlich nutzbar wird dieser
Energiemix aber nur durch ein offenes Hybridsystem
als verbindende Komponente.
Mit unseren Systemen wollen wir zwischen
den einzelnen Wärmelieferanten Brücken
schlagen und den Verbrauchern somit verlässliche
Antworten auf ihre Fragen zu einer
langfristig sicheren, verantwortbaren und
bezahlbaren Wärmeversorgung geben.
- Das Lösungskonzept für eine zukunftssichere Wärmeversorgung lautet also Systemoffenheit?
Die Lösung besteht darin, unterschiedliche
Systeme richtig zu verknüpfen, zu kombinieren
und zu integrieren, damit sie ihr volles
Potential ausschöpfen können. Denn
ein moderner Solarthermiekollektor kann
zum Beispiel viel mehr, als nur Brauchwarmwasser
zu erzeugen. Wir können so
sehr wohl zeigen, dass sich ökologische
Investitionen mit einem wirtschaftlichen
Nutzen vereinbaren lassen.
Um jedoch eine erfolgreiche Integration
verschiedener Energiequellen gewährleisten
zu können, bedarf es natürlich eines hochkomplexen
Systems, einer leistungsfähigen
Verknüpfung ausgereifter Hard- und Softwarekomponenten.
Ein System, das die erzeugte
Wärme nicht nur speichert, sondern
echt verwaltet und auch effizient einem
Verbrauch zuführen kann.
[Das Gespräch führte Jörg Gamperling]
Weitere Informationen finden Sie unter
www.eisenbeiss-solar.com